- Die von der Nasdaq vorgeschlagenen neuen Änderungen der Indexregeln werden kritisiert, weil sie großen IPO-Unternehmen, insbesondere als Begünstigungsstruktur für ein SpaceX-Börsenlisting, Vorteile verschaffen würden
- Der Vorschlag enthält eine „Fast Entry“-Ausnahmeklausel, mit der neu börsennotierte Unternehmen bereits nach 15 Handelstagen in den Nasdaq-100-Index aufgenommen werden könnten
- Zudem wird eine „5x-Regel für niedrig streubesitzgewichtete Aktien“ vorgeschlagen, nach der Unternehmen mit einem Streubesitzanteil von unter 20 % mit dem Fünffachen gewichtet würden, sodass ein überhöhter Anteil gegenüber den tatsächlich handelbaren Aktien abgebildet wird
- Diese Struktur könnte passive Fonds zu erzwungenen Käufen bei begrenzter Liquidität veranlassen und dadurch künstliche Kurssprünge sowie Liquiditätsverzerrungen auslösen
- Der Beitrag warnt, dass solche Regeln die Glaubwürdigkeit des Index und die Marktstruktur beschädigen und dazu führen könnten, dass Geld von Kleinanlegern an Insider übertragen wird
Indexinvestments und der Wandel der Marktstruktur
- Früher waren Indexinvestments eine effiziente Methode, mit niedrigen Kosten dem Gesamtmarkt zu folgen
- Unter Nutzung der Preisfindungsfunktion des Marktes hielten Indexfonds einfach die Titel, die den Markt repräsentierten
- Heute dominieren passive Gelder die Marktstruktur, und die Aufnahme in einen Index beeinflusst die Preisbildung am Markt direkt
- Der Beitrag beschreibt das als eine Situation, in der „der Schwanz mit dem Hund wedelt“, und weist darauf hin, dass sich blind Billionen von Dollar bewegen
Nasdaqs „Fast Entry“-Vorschlag
- Die Nasdaq hat kürzlich einen Vorschlag zur Überarbeitung der Nasdaq-100-Indexregeln veröffentlicht und sammelt dazu Anlegermeinungen
- Der Entwurf enthält eine „Fast Entry“-Regel, die es erlaubt, neu gelistete Großunternehmen bereits nach 15 Handelstagen in den Index aufzunehmen
- Bisher mussten dafür bestimmte Anforderungen an Listing-Dauer (Seasoning) und Liquidität erfüllt werden
- Diese Änderung wird als maßgeschneiderte Klausel für den SpaceX-IPO interpretiert und würde eine sofortige Indexaufnahme direkt nach dem Börsengang ermöglichen
Auswirkungen der „5x-Regel für niedrig streubesitzgewichtete Aktien“
- Die Nasdaq schlägt vor, bei Unternehmen mit einem Streubesitzanteil von unter 20 % das Fünffache des Streubesitzanteils als Gewichtung anzusetzen
- Beispiel: Liegt der Streubesitz bei 5 %, würde das Gewicht im Index mit 25 % berechnet
- Wenn SpaceX beispielsweise mit 1,75 Billionen Dollar Bewertung an die Börse ginge und nur 5 % öffentlich verkauft würden, entspräche das einem im Index abgebildeten Gewicht von 438 Milliarden Dollar
- Dadurch müssten passive Fonds (wie QQQ) in weit größerem Umfang kaufen als tatsächlich handelbare Aktien vorhanden sind, was Kurssprünge und Liquiditätsdruck auslösen würde
- Der Beitrag vergleicht das mit einer Struktur, bei der riesige Kapitalmengen durch einen Gartenschlauch gepresst werden
Lock-up-Struktur und zusätzliche Verzerrungen
- Nach einem IPO sind Insider-Aktien während der Lock-up-Periode (180 Tage) nicht handelbar, die Indexaufnahme erfolgt jedoch schon nach 15 Tagen
- Dadurch würden passive Fonds zu künstlich hohen Preisen kaufen, was den marktüblichen Referenzpreis verzerrt
- Falls das Ende der Lock-up-Frist unmittelbar vor dem vierteljährlichen Rebalancing liegt, könnte sich das Indexgewicht auf 100 % ausweiten, was zusätzliche erzwungene Käufe auslöst
- Der Beitrag argumentiert, dass diese Struktur so angelegt sei, dass Insider-Verkäufe und erzwungene Käufe passiver Gelder zeitlich zusammenfallen
Zeitplan des SpaceX-IPO und Marktreaktionen
- SpaceX peilt einen IPO Mitte Juni 2026 an, was mit dem quartalsweisen Nasdaq-Rebalancing am 18. Dezember zusammenfällt
- In einigen Berichten wurde der IPO-Zeitpunkt sogar mit einer „Ausrichtung von Jupiter und Venus“ in Verbindung gebracht, was zusätzliche Verwirrung am Markt stifte
- Der Beitrag legt nahe, dass dieser Zeitplan eine strategische Entscheidung sein könnte, die zugleich auf Lock-up-Ende und Index-Rebalancing abzielt
Fazit und Warnung
- Nasdaqs Vorschlag birgt das Risiko, die Fairness des Index und das Vertrauen in den Markt zu beschädigen
- Gelder passiver Anleger könnten in Insidergewinne umgeleitet werden und in strukturelle Marktmanipulation münden
- Der Beitrag erwähnt eine mögliche Intervention der SEC und betont die Notwendigkeit von Anlegerschutz und der Wahrung der Integrität des Index
- Abschließend wird mit dem Zitat „Wenn du am Tisch nicht weißt, wer der Trottel ist, dann bist du es selbst“ zur Wachsamkeit der Anleger aufgerufen
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Kurz erklärt: Man stelle sich einen Indexfonds mit 100 Unternehmen vor, die jeweils eine Marktkapitalisierung von 1 Milliarde Dollar haben.
Wenn passive Investoren 20 % des Ganzen halten und ein Unternehmen aus dem Index entfernt und ein neues aufgenommen wird, müssen sie vertraglich das alte verkaufen und das neue im Umfang von 20 % kaufen.
Wenn das neue Unternehmen aber nur 5 % seiner Aktien öffentlich ausgegeben hat, müssen die restlichen 15 % von den Gründern gekauft werden. Damit haben die Gründer faktisch Preissetzungsmacht.
Genau so funktioniert der Mechanismus, mit dem Rentengelder ähnlich wie bei einem Short Squeeze unter Druck gesetzt werden.
Mein früherer Beitrag dazu ist hier
Beim IPO werden Underwriter oder die Börse (Nasdaq usw.) wahrscheinlich Optionsverträge einbauen, um auf so eine Situation vorbereitet zu sein.
Kurzfristig kann das nachteilig sein, aber institutionelle Investoren agieren langfristig, also kann man es als riskante, aber kalkulierte Investition sehen.
Dass es an Transparenz fehlt, stimmt, aber spätere Offenlegungs-Updates könnten das ergänzen.
Das Problem ist die 5-fache Gewichtungsstruktur, und das scheint nur für den Nasdaq 100 zu gelten.
Fonds, die andere vernünftige Indizes nachbilden, wären weniger betroffen; letztlich läuft es auf das Risiko passiver Investoren hinaus.
Der Grund ist nicht nur Angebot und Nachfrage, sondern auch die Erzählung vom „unendlichen Potenzial“.
Der OP scheint von diesem Squeeze profitieren zu wollen, und aus Sicht normaler Anleger wäre eine möglichst schnelle Aufnahme vorteilhaft.
Am besten wäre es, gar nicht erst in den Index zu kommen, aber wenn es ohnehin unvermeidlich ist, dann lieber früher als später.
Ich verstehe, dass SpaceX und Nasdaq zusammenarbeiten, um SpaceX in den QQQ-ETF zu packen, gebündelt mit mehreren anderen Aktien.
Aber ich verstehe nicht, warum Privatanleger dieses Paket unbedingt halten müssten. Könnten sie nicht einfach verkaufen und etwas anderes kaufen?
Es gibt überhaupt keine wissenschaftliche Grundlage dafür, dass eine Aktie besser ist, nur weil sie an der NASDAQ notiert ist.
Die Leute sind nur deshalb hineingeströmt, weil die Rendite in den vergangenen 15 Jahren gut war und das Marketing funktioniert hat.
Außerdem gibt es bei dem QQQ-Verwalter sogar eine Klausel, nach der ein bestimmter Anteil der Gebühren für Werbung ausgegeben werden muss.
Die meisten Altersvorsorgegelder wie 401k fließen automatisch in solche Indexfonds, und Wahlmöglichkeiten gibt es kaum.
Nur wenige wählen ihre Titel direkt aus, und bereits sehr viel Geld sitzt in dieser Struktur fest.
Auf der Custom-Indices-Seite von S&P Global sieht es danach aus, dass sogar der Indexname und die Zusammensetzung reguliert sein könnten.
Ich frage mich, ob nur Geld betroffen ist, das nach dem 15. Juni investiert wurde, oder auch bestehende Anlagen.
Ich würde gern wissen, ob man sicher ist, solange man während der Zwischen-Rebalancing-Phase einfach nichts zusätzlich investiert.
Für die Zukunft wäre es aber besser, statt QQQ in einen Fonds zu wechseln, der einen anderen Index nachbildet.
QQQ war von Anfang an kein vernünftiges Anlageinstrument.
Auch bestehende Anleger sind also von Änderungen der Indexzusammensetzung betroffen.
Die Marktkapitalisierung von TSLA liegt bei 1,4 Billionen Dollar, daher könnte der Elon-bezogene Anteil in QQQ bei einer SpaceX-Aufnahme an einem einzigen Tag von 4 % auf 8 % springen.
Wahrscheinlich käme die Aufnahme innerhalb eines Monats nach dem IPO; bei früheren Fällen wie FB oder TSLA war die Anfangsgewichtung klein.
Nimmt man aber das Fondsvolumen von QQQ und VTI zusammen, entstünde eine Kaufnachfrage von rund 56 Milliarden Dollar, sodass Banken diese Menge beim IPO wohl aufnehmen könnten.
Letztlich dürfte die Kaufdynamik vor der Aufnahme dazu führen, dass die Marktkapitalisierung höher ausfällt als erwartet.
Ich frage mich, warum Indexfonds die Verzerrungen des Nasdaq nicht ignorieren und ihren eigenen Index bauen.
Der Reiz von Indexfonds liegt in der Einfachheit, den „gesamten Markt“ nachzubilden, aber inzwischen ist dieser Markt so groß geworden, dass „der Schwanz mit dem Hund wedelt“.
Wenn man etwas anderes nachbildet, ist es nicht mehr QQQ.
Ein zynischer Einzeiler: „Es ist ein Club für wenige, und du gehörst nicht dazu.“
Das im Beitrag enthaltene KI-Bild ergibt überhaupt keinen Sinn.
Ich verstehe, dass man für Blogs KI-Bilder nutzt, aber zumindest sollte man sie prüfen.
Als Kanadier erinnert man sich vielleicht an den Fall Nortel Networks.
Fonds, die den TSE-Index nachbildeten, kauften Nortel immer weiter, wodurch der Kurs explodierte und der Markt am Ende übermäßig von einer einzigen Aktie abhängig wurde.
Als Nortel zusammenbrach, erlitten kanadische Anleger große Verluste.
Das Video von Bobbybroccoli erklärt das gut.
Die aktuelle Konzentration auf die „7 großen Tech-Konzerne“ am US-Markt wirkt wie eine Wiederholung davon.
Ich frage mich, ob Vanguard VTI gegen solche Manipulationen immun ist.
Laut der offiziellen Vanguard-Seite und dem
CRSP-Erklärungsdokument werden neue Titel innerhalb von 5 Tagen nach dem IPO aufgenommen.
Daher könnte SpaceX noch früher in VTI enthalten sein als im Nasdaq 100.
Wenn Elon den Kurs aber hochzieht, kauft VTI entsprechend mehr nach.
Genau das ist das Wesen von marktkapitalisierungsgewichteten passiven Anlagen.
Wer den Einfluss eines bestimmten CEO verringern will, muss zu aktivem oder Faktor-Investing wechseln.
Wenn eine einzelne Aktie fällt, wandert das Geld allerdings in andere Titel, daher ist es insgesamt kein großes Problem.
Das ähnelt im Grunde dem Mechanismus des Kryptomarkts.
Jemand erstellt 1 Million Token, kauft einen davon für 500 Dollar und ruft dann: „Marktkapitalisierung 500 Millionen Dollar!“
Technisch stimmt das, ist aber ein extremes Beispiel für die Greater-Fool-Theorie.