1 Punkte von GN⁺ 2026-03-06 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Analysiert wird, wie der Ausdruck „It turns out“ im Schreiben funktioniert und welchen bequemen rhetorischen Effekt er Autorinnen und Autoren verschafft
  • In Alltagssprache oder beim Erzählen von Filmhandlungen wird er natürlich verwendet, um einen Ton von Überraschung oder Entdeckung zu vermitteln; in Argumentationen lässt er jedoch unbelegte Behauptungen plausibel erscheinen
  • Am Beispiel von Texten von Paul Graham wird erläutert, dass der Ausdruck als Mittel eingesetzt wird, um etwas wie eine sachliche und objektive Entdeckung wirken zu lassen
  • Leserinnen und Leser begegnen diesem Ausdruck immer wieder und entwickeln dadurch Vertrauen in den Autor, sodass sie auch logische Sprünge leichter akzeptieren
  • Der Text weist darauf hin, dass „it turns out“ eine Abkürzung für faule Autoren und zugleich ein sprachlicher Hack zur Entwaffnung der Leser ist

Ursprung und Verwendungskontext von „It turns out“

  • Der Autor begann etwa 2006, den Ausdruck „it turns out“ gern zu verwenden; das fällt zeitlich mit dem Beginn seiner Lektüre von Essays von Paul Graham zusammen
  • Zwar benutze Graham den Ausdruck nicht besonders häufig, doch ihm wird zugeschrieben, seine Verwendung gut zu verstehen und wirkungsvoll einzusetzen
  • Allerdings übernehme der Ausdruck die logische Verknüpfungsarbeit, die der Autor eigentlich selbst leisten müsste; gut damit schreiben zu können bedeute daher, die Kunst der Faulheit gut zu beherrschen

Bedeutung anhand alltäglicher Beispiele

  • In Situationen wie der Feststellung, dass es im Deli kein Roastbeef gibt, oder beim Erklären einer Wendung in einem Film wird „it turns out“ als natürlicher umgangssprachlicher Ausdruck für Überraschung und Entdeckung verwendet
  • In argumentativen Texten hat der Ausdruck jedoch den Effekt, selbst unbelegte Behauptungen wie experimentelle Erkenntnisse erscheinen zu lassen
    • Als Beispiel wird zur Stützung der Behauptung, Cambridge sei die intellektuelle Hauptstadt der Welt, der Satz „It turned out it was way, way uptown“ zitiert
    • Das ist keine eigentliche Argumentation, sondern eine Art, persönliche Erfahrung als objektive Tatsache zu verpacken

Wirkung auf die Leserpsychologie

  • „it turns out“ ähnelt dem Tonfall, den Wissenschaftler oder Forschende verwenden, wenn sie unerwartete Ergebnisse entdecken
    • Beispiel: „E. coli war völlig resistent“ oder „alle Experten hatten 10.000 Stunden geübt“
  • Durch diese wiederholte Exposition nehmen Leserinnen und Leser den Ausdruck als faktenbasierte, neutrale Beobachtung wahr und vertrauen auf die Überraschung und Objektivität des Autors
  • Dadurch kann ein Autor bewirken, dass Leser auch ohne logische Begründung einen abrupten Übergang des Glaubens von X zu Y akzeptieren

Funktion als schriftstellerisches Werkzeug

  • „it turns out“ funktioniert als rhetorische Abkürzung, wenn man ohne logischen Pfad zu einer Schlussfolgerung springen will
  • Der Ausdruck lässt es so erscheinen, als habe sich eine Tatsache ganz natürlich offenbart, und vermittelt damit den Eindruck, der Autor greife nicht in die Behauptung ein
  • Der Autor bezeichnet dies als „writerly hack“ und urteilt, dass Paul Graham dies wirkungsvoll einsetzt

Diskussion aus mathematischer und kritischer Perspektive (Kommentarzusammenfassung)

  • Der Mathematiker Jason Eisner erklärt, dass „it turns out“ in der Mathematik verwendet werde, um ein Ergebnis mitzuteilen, ohne den detaillierten Beweis auszuführen
    • Das sei keine Faulheit, sondern eine Verknappung zugunsten des Verständnisses der Leser
  • Somers entgegnet darauf, dass dies im mathematischen Kontext legitim sei, in allgemeiner Prosa jedoch unehrliche Autoren das von ehrlichen Nutzern aufgebaute Vertrauen ausnutzen können
    • Leser zeigen dann also eine erlernte Vertrauensreaktion nach dem Muster: „Wenn dieser Ausdruck verwendet wird, wird es wohl stimmen“
  • Andere Leser ergänzen, dass der Ausdruck dazu dienen könne, logische Übergänge zu verwischen oder unbegründete Behauptungen autoritativ erscheinen zu lassen

Fazit

  • „it turns out“ ist nicht bloß eine einfache Überleitung, sondern ein sprachliches Mittel, das künstlich die Nuancen von Entdeckung, Objektivität und Zwangsläufigkeit verleiht
  • Durch wiederholte Verwendung erkennen Leserinnen und Leser darin ein Signal für faktische Aussagen, und Autoren können dies nutzen, um die logische Überzeugungskraft zu verstärken
  • Daher kann der Ausdruck sowohl ein Werkzeug ehrlicher Zusammenfassung als auch ein Mittel zur Verschleierung fauler Argumentation sein

1 Kommentare

 
GN⁺ 2026-03-06
Hacker-News-Kommentare
  • Wie Douglas Adams humorvoll anmerkte, ist der Ausdruck „it turns out“ eine fast magische Formulierung, die Autorität verleihen kann, als hätte man ein neues Forschungsergebnis selbst entdeckt, ohne eine Quelle nennen zu müssen

    • Ich sagte zu Freunden gern „So... it’s come to this...“ und verwandelte damit ein gewöhnliches Gespräch in die feierliche Ankündigung eines Duells. Wenn Fremde das hörten, war es noch lustiger, weil sie nicht verstanden, warum es so ernst klang
    • Mit „Turns out I was onto something“ drückt man scherzhaft Selbstsicherheit aus
    • Beim Titel dachte ich zuerst, es gehe um Douglas Adams’ The Salmon of Doubt
    • Mit dem Satz „It turns out, assesses the epistemic landscape, and turns back in.“ wird die philosophische Nuance des Ausdrucks satirisch überzeichnet
  • Eine weitere Stärke von „It turns out“ ist, dass man damit jemanden korrigieren kann, ohne ihn bloßzustellen, weil es andeutet, dass eine Tatsache nicht offensichtlich ist
    Beispiel: „Die Sonne ist gelb.“ „Das könnte man denken. Aber außerhalb der Atmosphäre ist sie tatsächlich eher weiß mit einem leichten Blaustich.“

    • In diesem Ausdruck stecken drei Unterkontexte: (1) Das Thema ist komplex, man kann sich irren, (2) wir stehen auf derselben Seite, (3) es enthält ein Moment der Überraschung und ist deshalb interessant
    • Ich benutze den Ausdruck selbst oft; er war nützlich, um Dinge wie die frühere ‚Alpha-/Beta-Wolf-Theorie‘ richtigzustellen, die ich einmal falsch verstanden hatte. Gestern habe ich beim Nachschlagen, warum Venen blau wirken, nebenbei gelernt, dass die Sonne in Wirklichkeit weiß ist
    • Ich mag Ben Goldacres Buch I Think You'll Find It's A Bit More Complicated Than That. Ich würde den Satz am liebsten auf ein T-Shirt oder als Teams-Hintergrundbild drucken
    • Manche meinen auch, dass sich die Bedeutung nicht ändert, wenn man „It turns out that“ einfach weglässt
  • Interessant ist auch ein Gegenartikel, den ein Leser schrieb, als das Thema 2010 auf HN auftauchte — „As It Turns Out Is Quite Innocuous“ (2010)

    • Der Kern dieses Texts liegt weniger in der Kritik an Paul Graham als in einer Einsicht über das Schreiben selbst. Der Ausdruck „It turns out“ kommt einem oft in den Sinn, aber tatsächlich nicht wegen Graham
    • Der Gegenartikel listet reale Verwendungsbeispiele auf und zeigt, dass nur das Cambridge-Beispiel die Behauptung des Originaltexts stützt
  • „It turns out“ ist auch nützlich, wenn man über negative Ergebnisse berichtet
    Beispiel: „Man kann einen Mac mini mit flüssigem Stickstoff auf 8 GHz übertakten. Es stellt sich allerdings heraus, dass das nicht stabil ist (mit Foto eines brennenden Mac mini).“

  • Es gibt einen HN-Thread mit dem Originaltext von 2010 und Paul Grahams Antwort

  • Adam Curtis verwendet diesen Ausdruck ebenfalls gern und ist dafür bekannt, Sätze mit Konjunktionen zu beginnen — „But this was a fantasy.“
    Passendes Video

  • Ich bin ein Fan von Rich Hickey, und seine häufige Variante lautet „it ends up“. Im Archiv mit Vortragsmitschnitten kommt das 144-mal vor
    Das scheint eine Art rhetorisches Mittel zu sein: Man kann in begrenzter Zeit nicht jede Behauptung vollständig beweisen und fasst deshalb Erfahrung in dieser Form zusammen

    • Zum Vergleich: „it turns out“ wurde von anderen Vortragenden 17-mal verwendet
  • Auch hbomberguy behandelt in seinem Video „Plagiarism and You(Tube)” diese Fixierung auf den Ausdruck
    Er sagt, gutes Rezensieren sei schwierig, und gesteht, dass auch er unbewusst ständig ‚it turns out‘ wiederholt. Interessant ist dabei der Prozess, in dem ihm klar wird, dass kreative Fähigkeit tatsächlich eine wertvolle Fertigkeit ist

  • Obwohl der Essay 15 Jahre alt ist, gibt es noch eine Formulierung, die weiterhin stört — „Let me explain what I mean.“
    In Texten oder Videos muss man nicht extra ankündigen, dass man nun etwas erklären wird. Das wirkt eher als Mittel, das den Fluss unterbricht

    • Manche sehen darin allerdings ein Wegweiser-Schild für den Leser. Nach einem unerwarteten Satz kann es helfen zu signalisieren, warum das nun doch nicht so seltsam ist
    • Ausdrücke wie „to be honest...“ haben ein ähnliches Problem. In gesprochener Sprache wirken sie natürlich, aber im Schreiben können sie unnötiger Ballast sein. Interessant ist auch, wie solche Umgangsformen mit dem Medienwandel ins Schreiben eingesickert sind
    • Das erinnert an Mark Twains Rat — ein humorvolles Rezept für sprachliche Zurückhaltung nach dem Motto, man solle statt „very“ lieber „damn“ schreiben, damit der Lektor es streicht
    • Es gab auch einen Kommentar, der meta anmerkte: „Du hast gerade selbst gesagt, dass du es erklären wirst“
    • Jemand anderes konterte scherzhaft: „Wenn man einen Essay verlängern will, braucht man so etwas eben“
  • Die typische Struktur solcher Debatten lässt sich so zusammenfassen:
    Behauptung: „It turns out it’s X!“
    Gegenrede: „Actually, it turns out it isn’t X!“
    Danach kehrt wieder Frieden in die Welt ein.
    Die satirische Schlussfolgerung lautet, dass solche memehaften Widerlegungen heute zum wirksamsten Mittel der Überzeugung geworden sind — und dass man sich dagegen nur noch mit eigenen Memes wehren kann.