8 Punkte von GN⁺ 2026-01-29 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Die geheime Formel von WD-40 wird so verwaltet, dass nur eine extrem kleine Zahl von Führungskräften Zugriff hat; selbst der CEO durfte sie erst nach mehr als 30 Jahren im Unternehmen einsehen
  • Die Formel wird handschriftlich in einem Bankschließfach in San Diego aufbewahrt und hat dieses in den vergangenen 30 Jahren nur dreimal verlassen
  • Selbst der Leiter der Forschung und Entwicklung hat nie die vollständige Formel gesehen; intern erfolgen Produktentwicklung und Anwendungen nur mit einer codierten Version
  • Von außen wird weiter über die Inhaltsstoffe spekuliert und analysiert, doch das Unternehmen veröffentlicht nur allgemeine Informationen und bestreitet die Reproduzierbarkeit
  • Die extreme Geheimhaltung selbst fungiert innerhalb der Organisation als Ausdruck von Stolz und Identität und bleibt ein Symbol der Marke WD-40

Extrem eingeschränkter Zugang zur WD-40-Formel

  • Die geheime Formel von WD-40 wird in Form eines handschriftlichen Notizbuchs in einem Bankschließfach in San Diego aufbewahrt
  • Für den Zugang sind ein besonderer Schlüssel, mehrere Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) und der Status als ranghöchste Führungskraft erforderlich
    • Selbst die Personen mit Zugriff durchlaufen im Unternehmen strenge Identitätsprüfungen
  • CEO Steve Brass erhielt erst mehr als 30 Jahre nach seinem Eintritt ins Unternehmen die Gelegenheit, die Formel einzusehen
  • In den vergangenen 30 Jahren verließ die Formel nur dreimal den Tresor, jeweils zu symbolischen Anlässen oder für einen Sicherheitsumzug

Eine Formel, die selbst der CEO nicht versteht

  • Im Notizbuch zur Formel sind auch der 40. Versuch von WD-40 und die Aufzeichnungen zu 39 Fehlschlägen festgehalten
  • WD steht für water displacement; der Ursprung lag also darin, Wasser zu verdrängen
  • Sowohl CEO als auch CFO gaben an, mangels naturwissenschaftlichem Hintergrund die tatsächliche chemische Bedeutung nicht zu verstehen
  • Die einprägsamste Formulierung im Notizbuch sei lediglich der Sicherheitshinweis „Do not smoke“ gewesen

Ein Geheimnis, von dem selbst die F&E-Organisation ausgeschlossen ist

  • Der Leiter der Forschung und Entwicklung hat trotz 20 Jahren im Unternehmen nie die vollständige Formel gesehen
  • Interne Forschung und Produkterweiterungen sind so konzipiert, dass sie auch ohne direkte Kenntnis der Formel möglich sind
  • Die meisten Mitarbeitenden im Unternehmen wissen, dass sie vermutlich ihr ganzes Berufsleben lang nie die vollständigen Inhaltsstoffe erfahren werden
  • Ob jemand Zugang zur Formel hat, wird intern als eine Art symbolischer Status wahrgenommen

Eine Struktur, die von einem einzigen Notizbuch abhängt

  • Das Formel-Notizbuch ist das einzige vollständige Original und die Grundlage eines Produkts, das rund 80 % des Unternehmensumsatzes ausmacht
  • Interne Fachleute erhalten nur verschlüsselte Bezeichnungen, damit sie die Inhaltsstoffe nicht direkt erkennen können
  • Nur eine äußerst begrenzte Zahl externer Personen, etwa regulatorische Berater, kann ausnahmsweise Zugriff erhalten

Endlose Spekulationen von außen und die Reaktion des Unternehmens

  • In Verbraucher-Communitys kursieren zahlreiche Vermutungen, etwa über Fischöl, Fruchtschalen oder Ölmischungen
  • Das Unternehmen weist die meisten dieser Spekulationen offiziell zurück
  • Wired traf in früheren experimentellen Analysen einige Inhaltsstoffe, doch das Unternehmen bewertet dies nur als Beschreibung auf allgemeinem Niveau
  • Anhand des Beispiels Coca-Cola erklärt das Unternehmen, dass selbst die Kenntnis der Zutaten nicht bedeutet, dass sich ein identisches Produkt herstellen lässt

Anwendungen sind öffentlich, die Formel bleibt geheim

Geheimhaltung als Markenwert an sich

  • Der CEO deutete an, dass bei Erreichen von 1 Milliarde US-Dollar Umsatz mehr Personen Zugang zur Formel erhalten könnten
  • Zugleich machte er klar, dass sie selbst dem Vorstand nicht offengelegt werde
  • Die Kultur der Geheimhaltung wirkt über bloße Neugier hinaus als Quelle von Stolz und Zusammenhalt in der Organisation

Industrielle Bedeutung

  • Der Fall WD-40 gilt als Modell für die Verbindung von Schutz technischer Geheimnisse und Markenstrategie
    • Die Geheimhaltung stärkt das mythische Image des Produkts
  • Auch andere Unternehmen nutzen das Sicherheitsmanagement von WD-40 als Referenzfall

1 Kommentare

 
GN⁺ 2026-01-29
Hacker-News-Kommentare
  • Der Großteil dieses Marketings mit „geheimer Formel“ ist in Wirklichkeit ziemlich viel heiße Luft
    Die tatsächlichen Inhaltsstoffe stehen alle im Sicherheitsdatenblatt (SDS)
    Nach heutigen Maßstäben ist die Leistung von WD-40 eher durchschnittlich und selbst unter Kriechölen eher im unteren Bereich
    Auch in diesem YouTube-Testvideo schneidet es schlechter ab als andere Produkte
    Wegen seiner Flüchtigkeit ist es als Langzeitschmiermittel schlecht geeignet und neigt eher dazu, Staub und Schmutz anzuziehen
    Deshalb hat WD-40 am Ende mit der „Specialist“-Serie ebenfalls verbesserte Varianten herausgebracht, die andere Markenprodukte nachahmen

    • Ein SDS verrät nicht alles
      Genaue Mischungsverhältnisse oder Prozessinformationen können als Geschäftsgeheimnis zurückgehalten werden
      Manche Bestandteile werden auch nur vage als „in sicherheitsrelevant ausreichendem Umfang“ angegeben
      Trotzdem liegen die Stärken von WD-40 weiterhin bei Marketing und Verfügbarkeit
    • Der Vorteil von WD-40 ist, dass es billig ist und im Freien auch bei Hautkontakt normalerweise kein großes Problem darstellt
      Bei der Arbeit auf dem Bauernhof ist es dafür vor Ort genau richtig. Die teuren Schmiermittel verwendet man in der Werkstatt, draußen löst man mit WD-40 akute Probleme
    • Im Testvideo war WD-40 etwas besser als Kroil oder PB Blaster, und die Kombination aus Acetone+ATF war noch besser
      Letztlich ist aber Hitze (heat) am wirksamsten
    • Im SDS steht ausdrücklich: „Die genaue chemische Zusammensetzung und die Verhältnisse sind Geschäftsgeheimnisse“
      Allein bei erdölbasierten Grundölen gibt es Tausende Kandidaten, daher ist die genaue Kombination schwer zu erkennen
    • Von den im SDS aufgeführten CAS-Nummern ist nur Kohlendioxid als Molekül klar bestimmt, die übrigen 98 % werden nur vage als „Petroleumdestillate“ bezeichnet
  • WD-40 ist für seinen eigentlichen Zweck durchaus ein passendes Produkt
    Das Problem ist, dass es übertrieben als Universalschmiermittel vermarktet wurde
    In Wirklichkeit ist es zum Entfernen von Feuchtigkeit und Rost auf Metalloberflächen brauchbar, für Langzeitschmierung aber ungeeignet
    Ich lege vom Regen nass gewordene Werkzeuge in WD-40 ein, wische den Rost ab und trockne sie anschließend mit einem trockenen Handtuch
    Wenn Schmierung nötig ist, halte ich Spezialprodukte wie Silikonöl, Lithiumfett oder Graphit für die bessere Wahl
    Persönlich benutze ich gern „Super Lube“ auf PTFE-Basis

    • Es ist ein bisschen wie Python: universell einsetzbar. Nicht das Beste, aber fast überall brauchbar
    • Ich erinnere mich daran, dass Freunde aus der Kirche als Kinder WD-40 auf Arthritis gesprüht haben
      Wenn man heute nach „WD-40 arthritis“ sucht, findet man immer noch solche Fälle
    • Ich benutze WD-40 ausschließlich als Schmiermittel, wenn ich Gummireifen auf Felgen aufziehe
      Es ist deutlich besser als wachsartige Reifenmontage-Schmiermittel und auch praktisch, um Rückstände zu entfernen
    • Auch als Ersatz für Schneidöl beim Bearbeiten von Aluminium ist es brauchbar
      Wenn keine spezielle Kühlung vorhanden ist, reicht es völlig, es mit einer Sprühflasche aufzutragen
    • In Kombination mit Wärme eignet es sich auch gut für Bluing-Arbeiten an Waffen, und der Geruch ist ebenfalls angenehm
  • Wenn die Formel so geheim ist, frage ich mich, wie die eigentliche Produktion abläuft
    Irgendjemand muss beim Einkauf und Mischen der Zutaten doch Bescheid wissen, oder?

    • Wie bei den Mönchen, die den Chartreuse-Likör herstellen, kann man Geheimnisse aufteilen
      Laut Wikipedia-Eintrag kennen nur drei Mönche das vollständige Rezept, während die übrigen nur Teilprozesse übernehmen
      WD-40 ließe sich in einer ähnlichen Struktur produzieren
    • Wie bei Secret Sharing in der Kryptografie kann jeder nur einen Teil wissen, ohne das Ganze zu kennen
      In der Fabrik kann das so laufen, dass man einfach Anweisungen wie „gib von Bestandteil A so und so viel hinzu“ befolgt
    • Bei Massenproduktion braucht man Maschinenprogrammierung, daher würde so etwas vermutlich über ein nach Gruppen getrenntes Wissenssystem organisiert
    • Im Video von LabCoatz zur Rekonstruktion des Coca-Cola-Rezepts heißt es auch,
      dass Zutaten aus verschiedenen Fabriken ohne Etikettierung geliefert werden. Letztlich lässt sich so etwas aber wissenschaftlich rückentwickeln
    • Wenn man eine verteilte Produktionsweise nutzt, bei der Bestandteile in mehreren Werken getrennt eingekauft und gemischt werden, lässt sich Geheimhaltung aufrechterhalten
  • Lässt sich die WD-40-Formel nicht mit analytisch-chemischen Methoden rückentwickeln?

    • Auf YouTube gibt es von LabCoatz ein Video, in dem Coca-Cola mit HPLC und Ähnlichem perfekt nachgebaut wird
      Perfectly Replicating Coca Cola
    • WD-40 ist eine Kombination mehrerer Gemische, daher ist eine vollständige Analyse schwierig
      Aber ein Ersatzprodukt mit ähnlichen physikalischen Eigenschaften zu entwickeln, ist durchaus möglich
      So wie man Benzin nicht per HPLC analysiert, gilt: Wenn die Spezifikation passt, reicht das aus
    • Auch mit GC-MS oder NMR lässt sich einiges analysieren, aber Konzentrationen oder Spurenbestandteile sind schwer zu bestimmen
      Im Wired-Artikel werden ebenfalls Analyseergebnisse zu den Inhaltsstoffen von WD-40 behandelt
    • Wenn die Motivation da ist, halte ich Reverse Engineering mit analytischer Chemie für absolut machbar
    • Im MSDS stehen nur die CAS-Codes der Bestandteile, die Verhältnisse bleiben geheim
      Im Grunde ist es eine Kombination aus leichtem Trägeröl + kerosinartigem Lösungsmittel
      Die Geheimhaltung selbst wirkt eher wie eine Marketingstrategie
  • Meine Mutter arbeitete in meiner Kindheit in der Chemieabteilung von Coca-Cola und zusammen mit Forschern, die die geheime Sirupformel („7x“) behandelten
    Damals gab es noch keine Kopierer, deshalb mussten Kohlepapiere verbrannt und entsorgt werden, und sie konnte organische Strukturformeln perfekt auf einer normalen Schreibmaschine tippen
    Eine großartige Fähigkeit, die heute verschwunden ist

  • Für Schmierung bei Metallreibung nutze ich Tri-Flow
    Das enthaltene PTFE bleibt zurück und hält lange, für verrostete Schrauben nehme ich PB Blaster, für Aufkleberreste GooGone

    • PTFE gehört letztlich zur PFAS-Familie und bleibt in der Umwelt bestehen. Ironischerweise also eine „Ewigkeitschemikalie“
  • WD-40 verkauft sich in Wahrheit vor allem über Markenstärke
    Selbst wenn die Formel veröffentlicht würde, hätte das wahrscheinlich kaum Auswirkungen auf den Markt

    • Ich benutze es nur als Schmiermittel bei der Aluminiumbearbeitung oder um altes Fett zu entfernen
      Trotzdem würde ich dafür kein Geld ausgeben
    • WD-40 könnte PFAS enthalten, und das Einatmen beim Sprühen kann gesundheitsschädlich sein
      Für einfache Arbeiten kann auch Rapsöl oft ausreichen, muss dann aber häufiger neu aufgetragen werden
  • Die meisten Menschen lernen etwas über Schmierung durch Erfahrung, Tradition und Marketing
    Tatsächlich macht es in den meisten Situationen kaum einen großen Unterschied, welches Öl man nimmt
    WD-40 ist einfach das Produkt, das man benutzt, weil es ohnehin im Haus steht
    Im Kern ist es eine Mischung aus Mineral Spirits + Öl, wobei nach dem Verdunsten der Lösemittel nur das Öl zurückbleibt
    Letztlich ist es seinem Namen nach eben ein Water Displacer (Wasserverdränger)
    Als Spray ist es gut zugänglich, aber in der Fahrrad-Community gibt es darüber viele Diskussionen

  • Viele Leute scheinen nicht zu wissen, dass „WD“ für Water Displacement steht
    Ich verwende es nicht zum Schmieren, sondern zum Verdrängen von Feuchtigkeit und zum Reinigen
    Zum Beispiel nehme ich bei einem Auto für den Zündverteiler WD-40 statt Öl

    • Heutige Autos haben meist Coil-on-Plug und keinen Zündverteiler mehr
    • WD-40 hat auch eine eigene Trocken-Schmiermittel-Produktlinie. Die funktioniert ziemlich gut
  • Ich frage mich, ob der Artikel auch darauf eingeht, wie der Herstellungsprozess von WD-40 geheim gehalten wird
    Irgendein Fertigungsingenieur muss es doch wissen, oder?
    Oder wird der Raffinationsprozess selbst nur in Form eines Temperatur-/Druck-Rezepts verwaltet?