- Ein Experiment, bei dem ein IBM PC statt mit einem gewöhnlichen Boot-Medium über einen Plattenspieler gebootet wird
- Ein 64 KB großes RAM-Disk-Image auf FreeDOS-Basis wurde in ein analoges Audiosignal umgewandelt und auf eine 10-Zoll-Vinylplatte geschnitten
- Über die Kassettenschnittstelle des PCs wird das Audiosignal wieder in digitale Daten zurückgewandelt, in den Speicher geladen und anschließend gebootet
- Um Signalverzerrungen zu minimieren, waren eine RIAA-Entzerrungskorrektur und Anpassungen an den Verstärker-Einstellungen nötig
- Ein ungewöhnliches Boot-Experiment, das die kreative Nutzung von Legacy-Systemen trotz Hardware-Beschränkungen zeigt
Projektüberblick
- Das Experiment ist so aufgebaut, dass ein IBM PC direkt mit einem Plattenspieler verbunden gebootet wird
- Wenn das BIOS des PCs bei anderen Boot-Optionen (Diskette, Festplatte usw.) scheitert, ruft der ROM-Bootloader die Kassettenschnittstelle auf
- Über diese Schnittstelle liest er das vom Plattenspieler abgespielte Audiosignal und führt den Boot-Vorgang aus
- Verwendet wurde ein 64 KB großes RAM-Disk-Image auf Basis des FreeDOS-Kernels
- Enthält eine verkleinerte Version von COMMAND.COM und eine angepasste Version von INTERLNK für die Dateiübertragung über ein Druckerkabel
- Der ROM-Bootloader dekodiert das Audiosignal, lädt es in den Speicher und startet dann das System
Technischer Aufbau
- Der Bootloader ist eine Kombination aus den Projekten BootLPT/86 und 5150CAXX, jedoch ohne Unterstützung für den Druckerport
- Er wird im ROM des BIOS-Erweiterungssockels untergebracht; eine Installation auf Festplatte oder Diskette wäre ebenfalls möglich, für das Experiment wurde jedoch ROM verwendet
- Die Verbindung zwischen PC und Verstärker nutzt dieselbe Kabelstruktur wie bei 5150CAXX, allerdings ohne Line-In-Anschluss
- Die Kassettenschnittstelle besteht aus PC-Speaker-Timer-Kanal 2 (Ausgang) und 8255A-5 PPI Port C Kanal 4 (Eingang)
- Für Software-Modulation und -Demodulation wird die INT-15h-Routine des BIOS verwendet
Audiosignal und Herstellung der Vinylplatte
- Das Boot-Image wurde passend zum Protokoll „IBM cassette tape“ umgewandelt und an ein Plattenschneidegerät gesendet
- Die Vinylplatte wird mit einer RIAA-Entzerrungskurve geschnitten, daher ist bei der Wiedergabe eine zusätzliche Korrektur am Verstärker nötig
- Höhen -10 dB bei 10 kHz, Tiefen +6 dB bei 50 Hz, Ausgangsspannung etwa 0,7 V
- Phasen- und Loudness-Korrektur sind vollständig deaktiviert
- Die Signalqualität ist äußerst wichtig; Knackser oder Knistern können den Datenstrom unterbrechen
- Geschwindigkeitsabweichungen von ±2–3 % sowie leichtes Wow (Drehzahlschwankung) sind jedoch tolerierbar
Verteilung von Bootloader und Image
- Das Bootloader-Binärfile wurde für den 2364-Chip entworfen und kann per Adapter auch mit einem 2764-Chip verwendet werden
- Es läuft auf einem IBM 5150 mit mindestens 512 KB RAM und monochromem Bildschirm
- Das Boot-Disk-Image ist am Ende der BootLPT/86-Dokumentation verfügbar; eine analoge FLAC-Version wird über einen separaten Link bereitgestellt
Reaktionen der Community
- In den Kommentaren gab es viele positive Reaktionen wie „Wiederbelebung von Retro-Technik“ oder „ein ähnliches Konzept wie Kassetten-Booting“
- Einige Nutzer fragten nach der Nutzbarkeit eines Sound-Blaster-Eingangs und der Kompatibilität mit Open-Source-BIOS wie GlaBIOS
- Der Entwickler stellte klar, dass die Umsetzung allein über ein Erweiterungs-ROM und ohne BIOS-Modifikationen erfolgt
- Mehrere Leser hinterließen humorvolle Kommentare wie „Wenn man sie rückwärts abspielt, bootet Linux“
Bedeutung
- Das Experiment ist ein Beispiel dafür, ein analoges Audiomedium in ein digitales Boot-Medium zu verwandeln
- Es ist ein technischer Versuch, die Kassettenschnittstelle des IBM PC und die BIOS-Erweiterungsstruktur kreativ wiederzuverwenden
- Für moderne Systeme ist es unnötig, aber ein spannendes Projekt zur Erforschung von Legacy-Hardware-Verständnis und Signalverarbeitungstechniken
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