4 Punkte von GN⁺ 2026-01-25 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Ein Experiment, bei dem ein IBM PC statt mit einem gewöhnlichen Boot-Medium über einen Plattenspieler gebootet wird
  • Ein 64 KB großes RAM-Disk-Image auf FreeDOS-Basis wurde in ein analoges Audiosignal umgewandelt und auf eine 10-Zoll-Vinylplatte geschnitten
  • Über die Kassettenschnittstelle des PCs wird das Audiosignal wieder in digitale Daten zurückgewandelt, in den Speicher geladen und anschließend gebootet
  • Um Signalverzerrungen zu minimieren, waren eine RIAA-Entzerrungskorrektur und Anpassungen an den Verstärker-Einstellungen nötig
  • Ein ungewöhnliches Boot-Experiment, das die kreative Nutzung von Legacy-Systemen trotz Hardware-Beschränkungen zeigt

Projektüberblick

  • Das Experiment ist so aufgebaut, dass ein IBM PC direkt mit einem Plattenspieler verbunden gebootet wird
    • Wenn das BIOS des PCs bei anderen Boot-Optionen (Diskette, Festplatte usw.) scheitert, ruft der ROM-Bootloader die Kassettenschnittstelle auf
    • Über diese Schnittstelle liest er das vom Plattenspieler abgespielte Audiosignal und führt den Boot-Vorgang aus
  • Verwendet wurde ein 64 KB großes RAM-Disk-Image auf Basis des FreeDOS-Kernels
    • Enthält eine verkleinerte Version von COMMAND.COM und eine angepasste Version von INTERLNK für die Dateiübertragung über ein Druckerkabel
    • Der ROM-Bootloader dekodiert das Audiosignal, lädt es in den Speicher und startet dann das System

Technischer Aufbau

  • Der Bootloader ist eine Kombination aus den Projekten BootLPT/86 und 5150CAXX, jedoch ohne Unterstützung für den Druckerport
    • Er wird im ROM des BIOS-Erweiterungssockels untergebracht; eine Installation auf Festplatte oder Diskette wäre ebenfalls möglich, für das Experiment wurde jedoch ROM verwendet
  • Die Verbindung zwischen PC und Verstärker nutzt dieselbe Kabelstruktur wie bei 5150CAXX, allerdings ohne Line-In-Anschluss
  • Die Kassettenschnittstelle besteht aus PC-Speaker-Timer-Kanal 2 (Ausgang) und 8255A-5 PPI Port C Kanal 4 (Eingang)
    • Für Software-Modulation und -Demodulation wird die INT-15h-Routine des BIOS verwendet

Audiosignal und Herstellung der Vinylplatte

  • Das Boot-Image wurde passend zum Protokoll „IBM cassette tape“ umgewandelt und an ein Plattenschneidegerät gesendet
  • Die Vinylplatte wird mit einer RIAA-Entzerrungskurve geschnitten, daher ist bei der Wiedergabe eine zusätzliche Korrektur am Verstärker nötig
    • Höhen -10 dB bei 10 kHz, Tiefen +6 dB bei 50 Hz, Ausgangsspannung etwa 0,7 V
    • Phasen- und Loudness-Korrektur sind vollständig deaktiviert
  • Die Signalqualität ist äußerst wichtig; Knackser oder Knistern können den Datenstrom unterbrechen
    • Geschwindigkeitsabweichungen von ±2–3 % sowie leichtes Wow (Drehzahlschwankung) sind jedoch tolerierbar

Verteilung von Bootloader und Image

  • Das Bootloader-Binärfile wurde für den 2364-Chip entworfen und kann per Adapter auch mit einem 2764-Chip verwendet werden
    • Es läuft auf einem IBM 5150 mit mindestens 512 KB RAM und monochromem Bildschirm
  • Das Boot-Disk-Image ist am Ende der BootLPT/86-Dokumentation verfügbar; eine analoge FLAC-Version wird über einen separaten Link bereitgestellt

Reaktionen der Community

  • In den Kommentaren gab es viele positive Reaktionen wie „Wiederbelebung von Retro-Technik“ oder „ein ähnliches Konzept wie Kassetten-Booting“
  • Einige Nutzer fragten nach der Nutzbarkeit eines Sound-Blaster-Eingangs und der Kompatibilität mit Open-Source-BIOS wie GlaBIOS
  • Der Entwickler stellte klar, dass die Umsetzung allein über ein Erweiterungs-ROM und ohne BIOS-Modifikationen erfolgt
  • Mehrere Leser hinterließen humorvolle Kommentare wie „Wenn man sie rückwärts abspielt, bootet Linux“

Bedeutung

  • Das Experiment ist ein Beispiel dafür, ein analoges Audiomedium in ein digitales Boot-Medium zu verwandeln
  • Es ist ein technischer Versuch, die Kassettenschnittstelle des IBM PC und die BIOS-Erweiterungsstruktur kreativ wiederzuverwenden
  • Für moderne Systeme ist es unnötig, aber ein spannendes Projekt zur Erforschung von Legacy-Hardware-Verständnis und Signalverarbeitungstechniken

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