Pflichtlektüre zu Design Thinking (2024)
(designorate.com)- Eine Übersicht mit wichtigen Büchern und Aufsätzen zum Verständnis der zentralen Prinzipien von Design Thinking
- Der Fokus liegt nicht auf einem simplen 5‑Stufen-Verfahren, sondern auf dem Lernen des wesentlichen Werts von Design und seiner Denkstruktur
- Jedes Buch untersucht unterschiedliche Aspekte des Design Thinking, darunter Problemdefinition, Frame-Wechsel, Human-Centered Design und kreative Denkprozesse
- Vorgestellt als zentrale Referenz für die Stärkung kreativer Fähigkeiten in Organisationen und die Verbesserung von Ansätzen zur Problemlösung
Das Wesen von Design Thinking und verbreitete Missverständnisse
- Design Thinking ist kein bloßes schrittweises Verfahren; man muss vielmehr die Kernwerte und Denkweise des Designs verstehen
- Unternehmen und Vortragende haben es mit kommerzieller Sprache übermäßig beworben, wodurch sich Missverständnisse verbreitet haben
- Es gibt keine „Geheimformel“, die jemanden in einen kreativen Designer verwandelt; wichtig ist, die jeweils eigene Design-Expertise zu nutzen
- Die wirksame Anwendung von Design Thinking liegt in der Stärkung kreativer Praxis und einer Kultur der Zusammenarbeit innerhalb von Organisationen
- In diesem Update wurden zwei Bücher und ein Aufsatz neu ergänzt: The Science of Artificial, Wicked Problems in Design Thinking, How Designers Think
Design Expertise (Lawson & Dorst)
- Untersucht Designpraxis in der Kreativwirtschaft aus der Perspektive von Designpraktikern
- Anhand von Arbeitsbeispielen verschiedener Designer werden Definition und Grenzen von Design erläutert
- Vermittelt ein Verständnis der zentralen Eigenschaften und Werte von Design, das die Grundlage für die Anwendung von Design Thinking bildet
Frame Innovation (Kees Dorst)
- Behandelt den Wechsel von Problem- und Lösungs-Frames und stellt eine Denkstruktur zur Lösung komplexer Probleme („wicked problems“) vor
- Es wird erklärt, wie Designer sich vom Problem-Frame zum Lösungs-Frame bewegen
- Stellt Prinzipien der Frame-Innovation und einen praktischen Handlungsplan für die Entwicklung kreativer Ideen vor
Design Thinking: Understanding How Designers Think and Work (Nigel Cross)
- Analysiert durch Beobachtungen und Interviews, wie Designer denken und Ideen formen
- Untersucht, wie sich die individuelle Designfähigkeit in der Phase der Ideenbildung entfaltet
- Erläutert anhand kreativer Designerbeispiele die Rolle der Inspirationsphase und des Brainstormings
Change by Design (Tim Brown, IDEO)
- Behandelt die Anwendung von Design Thinking aus Organisationsperspektive und betont die Bedeutung von Human-Centered Design, Prototyping und Storytelling
- Zeigt den Prozess, Design Thinking von der Theorie in die Praxis zu überführen
- Zielt auf Business-Innovation und die Förderung von Innovation in Organisationen durch kreative Zusammenarbeit
- Der Field Guide von IDEO wird als praktische Ergänzung zu diesem Buch vorgestellt
The Design of Everyday Things (Don Norman)
- Untersucht die psychologischen Grundlagen von Human-Centered Design und User Experience (UX)
- Analysiert aus verhaltenspsychologischer Sicht, warum Menschen Produkte lieben oder ablehnen
- Behandelt kognitive Grenzen, menschliche Fehler und Prinzipien des Interaktionsdesigns und erklärt deren Rolle als Problemlösungswerkzeug im Design Thinking
- Wird nicht nur UX-Designern, sondern allen Designpraktikern als nützliches Grundlagenwerk empfohlen
How Designers Think (Bryan Lawson)
- Untersucht die Beziehung zwischen Problem und Lösung sowie den Prozess des Design-Denkens aus philosophischer Perspektive
- Statt eine bestimmte Methodik vorzugeben, ist das Werk so aufgebaut, dass Leser über einen fallbasierten Denkfluss selbst zu Schlussfolgerungen gelangen
- Eignet sich für Einsteiger ins Design Thinking; anschließend wird die weitere Lektüre von „The Science of Artificial“ empfohlen
The Science of Artificial (Herbert Simon)
- Ein Klassiker über menschliches Denken und das Wesen von „Artefakten“
- Stellt drei Prämissen vor: kognitive Grenzen des Menschen, Zeit für Entscheidungen und Problemkomplexität
- Erklärt das Konzept einer „satisficing“-Lösung statt einer optimalen Lösung und betont die Bedeutung heuristischer Suche und Ressourcenallokation
- Für diese Theorie erhielt Simon den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften
Wicked Problems in Design Thinking (Richard Buchanan)
- Verbindet das Wesen von Designproblemen mit der Philosophie der Analyse und stellt die Konzepte „category“ und „placement“ vor
- „Placement“ wird als nicht festgelegte Grenze beschrieben, als Quelle neuer Ideen und Möglichkeiten
- Dieses Konzept bildet die Grundlage von Kees Dorsts Theorie zu Problem-/Lösungs-Frames
- Buchanan beschreibt Design Thinking als nichtlinearen Interaktionsprozess und betont, dass sich Problemgrenzen je nach Situation verändern
The Dilemmas in a General Theory of Planning (Rittel & Webber)
- Ein klassischer Aufsatz von 1969, der zwischen „tame“ problems und „wicked“ problems unterscheidet
- „Tame“ problems sind klar definiert, während sich bei „wicked“ problems Definition und Lösung gleichzeitig weiterentwickeln
- Es wird dargelegt, dass eine vollständige Problemformulierung unmöglich ist und Problemverständnis und Lösung voneinander abhängen
- Bot später eine zentrale theoretische Grundlage für die Arbeiten von Buchanan und Dorst
The New Process, New Vocabulary: Axiofact = A_tefact + Memoranda (Gilbert Cockton)
- Dekonstruiert das lineare Modell des bisherigen Design Thinking und schlägt ein neues Begriffssystem vor
- Unterscheidet zwischen „artefact“ (Ergebnis) und „memoranda“ (Dinge, die erinnert werden müssen) und ersetzt damit den Problem-/Lösungsraum
- Statt Phasen werden „episodes“ verwendet, statt eines Zentrums „multiple foci“
- „Iteration“ wird durch ein „ausbalanciertes simultanes Drama“, „validation“ durch „axiofact“ (Wertschöpfung) ersetzt
- Dieses neue Vokabular wird als Werkzeug vorgestellt, um komplexe Probleme („wicked problems“) außerhalb bestehender Denkmuster zu behandeln
Fazit
- Die oben genannten Bücher und Aufsätze bieten unterschiedliche Perspektiven und praktische Einsichten zum Design-Denken
- Es geht nicht um einen simplen prozeduralen Ansatz, sondern darum, die wesentlichen Eigenschaften von Design und seine Denkstruktur zu verinnerlichen
- Mit diesem Verständnis können Organisationen kreative Problemlösung und eine Kultur innovativen Denkens stärken
1 Kommentare
Hacker-News-Meinungen
Design Thinking wirkt wie Data Science für UX
also wie der Versuch, in einem Bereich ohne echte Fachkompetenz Einfluss zu gewinnen
Gut geeignet, um Consulting zu verkaufen, aber in der Praxis wenig hilfreich
Aus Entwicklersicht fühlt es sich wie noch ein weiterer Agile™-Prozess an, also wie der Versuch, Entwickler zu Fabrikarbeitern zu machen
Ich war einmal in einem Workshop dazu, aber alle erklärten es nur mit Fachbegriffen und Metaphern, sodass ich am Ende immer noch nicht wirklich verstand, was es eigentlich ist
Ist damit vielleicht gemeint, dass Data Science ein Versuch ist, die Herkunft der Daten zu ignorieren?
Man versteht eine Domäne „von innen heraus“ durch Feldforschung und Interviews und entwirft darauf aufbauend die User Experience
Es geht nicht nur um Brainstorming, sondern setzt gründliche Recherche und Beobachtung voraus
Das Problem ist, dass vielen Praktikern die sozialwissenschaftliche oder ethnografische Ausbildung fehlt und sie deshalb oft nur oberflächliche Wiederaufbereitungen bestehender Theorien liefern
eine von CPAs zusammengestellte Sammlung von Sicherheitsregeln, die wie ein Versuch wirkt, sich in Software Engineering einzumischen
Als Entwickler habe ich vor Kurzem angefangen, 『The Design of Everyday Things』 zu lesen
Ich wollte mein Designverständnis verbessern, war aber überrascht, wie akademisch und unpraktisch das Buch ist
Zum Beispiel wirkte die Schlussfolgerung, dass starke Passwörter bedeutungslos seien, sehr realitätsfern
Trotzdem enthält es interessante Einsichten, also will ich es zu Ende lesen
Es ist weniger ein Praxisbuch als eines, das Denkrahmen und Begriffe vermittelt
Konzepte wie „Affordance“, „Mental Model“ und „Gulf of Execution/Evaluation“ sind zentral
Solche Frameworks lassen sich auf alle Interfaces anwenden, von CLI bis AR/VR
Das Konzept der „Norman Door“ ist mir besonders im Gedächtnis geblieben — nicht der Nutzer ist das Problem, sondern das Design
Die übertriebenen Animationen und das horizontale Scrollen auf heutigen Websites wirken wie Beispiele, die diese Prinzipien komplett ignorieren
Wenn es eine flache Oberfläche gibt, legen Menschen Dinge darauf ab
Und wenn Nutzer einen Fehler machen, ist das ein Versagen des Designs
Seitdem fallen mir Designfehler in Gegenständen um mich herum ständig auf
Es ist ein gutes Einführungsbuch, aber die Erklärung von „Affordance“ ist etwas holprig
Wer etwas Tiefergehendes sucht, dem empfehle ich Christopher Alexanders 『Notes on the Synthesis of Form』
Es zeigt klar, dass nicht der Nutzer, sondern die Gestaltung des Türgriffs das Problem ist
Als PM mit 20 Jahren Erfahrung möchte ich drei Designbücher empfehlen
1️⃣ 『Don’t Make Me Think』 — ein Klassiker des Online-Service-Designs
2️⃣ 『Positioning』 — die strategische Positionierung eines Produkts beeinflusst das gesamte Design
3️⃣ 『Ogilvy on Advertising』 — danach sieht man Werbung mit völlig anderen Augen
Es hilft, Prozessdesign und Effizienz besser zu verstehen
Design Thinking ist ein menschenzentrierter, iterativer Ansatz zur Problemlösung mit den Schritten Empathize → Define → Ideate → Prototype → Test
Aber es ist nicht wirklich klar, worin genau der Unterschied zum bisherigen „Designprozess“ besteht
Die meisten Kunden kommen bereits mit einer festgelegten „Lösung“ und beauftragen dann Design, aber Design Thinking untersucht die eigentliche Ursache des Problems
In der Praxis ignorieren allerdings viele Designer dieses Prinzip
Im Grunde ist es nur ein schicker Name für einen bestehenden Designprozess
Der Vorteil ist aber, dass Kunden und Stakeholder in den Gestaltungsprozess einbezogen werden und die Gespräche dadurch problemorientiert werden
Eine gute Erklärung dazu gibt es im Guide von Designorate
Es erstellt kein Logo, aber auch ein Logo-Designer kann diese Denkweise anwenden
Es legt lediglich mehr Fokus auf „Design“ selbst
『Don’t Make Me Think』 ist ein Buch, das man gut neben 『The Design of Everyday Things』 lesen kann
Besonders aus Sicht von Web und Online-UX ist es sehr nützlich
Wikipedia-Link
Ich sammle Designbücher in einer digitalen Bibliothek
Wenn der Schwerpunkt auf „Minimalismus“ liegt, wäre es besser, direkt Fallstudien zu Apple zu analysieren
Ein Buch, das in jedes Regal passt
『Creative Confidence』 von Tom Kelley und David Kelley, den Gründern von IDEO und der Stanford d.school, ist ebenfalls ein hervorragendes Buch
Auf der offiziellen Website gibt es auch Tools und Videomaterial
Ich bin zwar kein Game Designer, aber Jesse Schells 『The Art of Game Design: A Book of Lenses』 ist auch nach 15 Jahren noch sehr nützlich
Mit dem Konzept der „Linsen“ lassen sich subjektive Diskussionspunkte objektivieren
Auch das Lens Card Deck ist einen Blick wert
Design Thinking ist eine Teilmenge von Systems Thinking
Tatsächlich schafft es erneut genau die Art von Kategorisierung, die Systems Thinking eigentlich vermeiden wollte
Stattdessen sollte man lieber Cybernetics, Systems Theory und System Dynamics studieren
Empfehlenswert ist Russell Ackoffs Vortrag von 1991 — als würde er den Inhalt von Dutzenden Büchern in einer Stunde komprimieren
Design Thinking dagegen ist einfach und leicht anzuwenden
Ich würde gern Empfehlungen für allgemeine und eher philosophische Bücher dazu bekommen
Systems Thinking ist ein viel allgemeinerer Oberbegriff und muss in realen Projekten zwangsläufig in etwas wie DT/HCD konkretisiert werden
Ich fand es interessant, dass auf dem Cover von 『The Sciences of the Artificial』 korrekt der Plural „Sciences“ verwendet wurde
Dass der eigentliche Text das dann ignoriert, deutet eher darauf hin, dass dieser Beitrag nicht von einer KI geschrieben wurde