- Eine Übersicht mit wichtigen Büchern und Aufsätzen zum Verständnis der zentralen Prinzipien von Design Thinking
- Der Fokus liegt nicht auf einem simplen 5‑Stufen-Verfahren, sondern auf dem Lernen des wesentlichen Werts von Design und seiner Denkstruktur
- Jedes Buch untersucht unterschiedliche Aspekte des Design Thinking, darunter Problemdefinition, Frame-Wechsel, Human-Centered Design und kreative Denkprozesse
- Vorgestellt als zentrale Referenz für die Stärkung kreativer Fähigkeiten in Organisationen und die Verbesserung von Ansätzen zur Problemlösung
Das Wesen von Design Thinking und verbreitete Missverständnisse
- Design Thinking ist kein bloßes schrittweises Verfahren; man muss vielmehr die Kernwerte und Denkweise des Designs verstehen
- Unternehmen und Vortragende haben es mit kommerzieller Sprache übermäßig beworben, wodurch sich Missverständnisse verbreitet haben
- Es gibt keine „Geheimformel“, die jemanden in einen kreativen Designer verwandelt; wichtig ist, die jeweils eigene Design-Expertise zu nutzen
- Die wirksame Anwendung von Design Thinking liegt in der Stärkung kreativer Praxis und einer Kultur der Zusammenarbeit innerhalb von Organisationen
- In diesem Update wurden zwei Bücher und ein Aufsatz neu ergänzt: The Science of Artificial, Wicked Problems in Design Thinking, How Designers Think
Design Expertise (Lawson & Dorst)
- Untersucht Designpraxis in der Kreativwirtschaft aus der Perspektive von Designpraktikern
- Anhand von Arbeitsbeispielen verschiedener Designer werden Definition und Grenzen von Design erläutert
- Vermittelt ein Verständnis der zentralen Eigenschaften und Werte von Design, das die Grundlage für die Anwendung von Design Thinking bildet
Frame Innovation (Kees Dorst)
- Behandelt den Wechsel von Problem- und Lösungs-Frames und stellt eine Denkstruktur zur Lösung komplexer Probleme („wicked problems“) vor
- Es wird erklärt, wie Designer sich vom Problem-Frame zum Lösungs-Frame bewegen
- Stellt Prinzipien der Frame-Innovation und einen praktischen Handlungsplan für die Entwicklung kreativer Ideen vor
Design Thinking: Understanding How Designers Think and Work (Nigel Cross)
- Analysiert durch Beobachtungen und Interviews, wie Designer denken und Ideen formen
- Untersucht, wie sich die individuelle Designfähigkeit in der Phase der Ideenbildung entfaltet
- Erläutert anhand kreativer Designerbeispiele die Rolle der Inspirationsphase und des Brainstormings
Change by Design (Tim Brown, IDEO)
- Behandelt die Anwendung von Design Thinking aus Organisationsperspektive und betont die Bedeutung von Human-Centered Design, Prototyping und Storytelling
- Zeigt den Prozess, Design Thinking von der Theorie in die Praxis zu überführen
- Zielt auf Business-Innovation und die Förderung von Innovation in Organisationen durch kreative Zusammenarbeit
- Der Field Guide von IDEO wird als praktische Ergänzung zu diesem Buch vorgestellt
The Design of Everyday Things (Don Norman)
- Untersucht die psychologischen Grundlagen von Human-Centered Design und User Experience (UX)
- Analysiert aus verhaltenspsychologischer Sicht, warum Menschen Produkte lieben oder ablehnen
- Behandelt kognitive Grenzen, menschliche Fehler und Prinzipien des Interaktionsdesigns und erklärt deren Rolle als Problemlösungswerkzeug im Design Thinking
- Wird nicht nur UX-Designern, sondern allen Designpraktikern als nützliches Grundlagenwerk empfohlen
How Designers Think (Bryan Lawson)
- Untersucht die Beziehung zwischen Problem und Lösung sowie den Prozess des Design-Denkens aus philosophischer Perspektive
- Statt eine bestimmte Methodik vorzugeben, ist das Werk so aufgebaut, dass Leser über einen fallbasierten Denkfluss selbst zu Schlussfolgerungen gelangen
- Eignet sich für Einsteiger ins Design Thinking; anschließend wird die weitere Lektüre von „The Science of Artificial“ empfohlen
The Science of Artificial (Herbert Simon)
- Ein Klassiker über menschliches Denken und das Wesen von „Artefakten“
- Stellt drei Prämissen vor: kognitive Grenzen des Menschen, Zeit für Entscheidungen und Problemkomplexität
- Erklärt das Konzept einer „satisficing“-Lösung statt einer optimalen Lösung und betont die Bedeutung heuristischer Suche und Ressourcenallokation
- Für diese Theorie erhielt Simon den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften
Wicked Problems in Design Thinking (Richard Buchanan)
- Verbindet das Wesen von Designproblemen mit der Philosophie der Analyse und stellt die Konzepte „category“ und „placement“ vor
- „Placement“ wird als nicht festgelegte Grenze beschrieben, als Quelle neuer Ideen und Möglichkeiten
- Dieses Konzept bildet die Grundlage von Kees Dorsts Theorie zu Problem-/Lösungs-Frames
- Buchanan beschreibt Design Thinking als nichtlinearen Interaktionsprozess und betont, dass sich Problemgrenzen je nach Situation verändern
The Dilemmas in a General Theory of Planning (Rittel & Webber)
- Ein klassischer Aufsatz von 1969, der zwischen „tame“ problems und „wicked“ problems unterscheidet
- „Tame“ problems sind klar definiert, während sich bei „wicked“ problems Definition und Lösung gleichzeitig weiterentwickeln
- Es wird dargelegt, dass eine vollständige Problemformulierung unmöglich ist und Problemverständnis und Lösung voneinander abhängen
- Bot später eine zentrale theoretische Grundlage für die Arbeiten von Buchanan und Dorst
The New Process, New Vocabulary: Axiofact = A_tefact + Memoranda (Gilbert Cockton)
- Dekonstruiert das lineare Modell des bisherigen Design Thinking und schlägt ein neues Begriffssystem vor
- Unterscheidet zwischen „artefact“ (Ergebnis) und „memoranda“ (Dinge, die erinnert werden müssen) und ersetzt damit den Problem-/Lösungsraum
- Statt Phasen werden „episodes“ verwendet, statt eines Zentrums „multiple foci“
- „Iteration“ wird durch ein „ausbalanciertes simultanes Drama“, „validation“ durch „axiofact“ (Wertschöpfung) ersetzt
- Dieses neue Vokabular wird als Werkzeug vorgestellt, um komplexe Probleme („wicked problems“) außerhalb bestehender Denkmuster zu behandeln
Fazit
- Die oben genannten Bücher und Aufsätze bieten unterschiedliche Perspektiven und praktische Einsichten zum Design-Denken
- Es geht nicht um einen simplen prozeduralen Ansatz, sondern darum, die wesentlichen Eigenschaften von Design und seine Denkstruktur zu verinnerlichen
- Mit diesem Verständnis können Organisationen kreative Problemlösung und eine Kultur innovativen Denkens stärken
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