In Erwartung der Morgendämmerung der Suche: Suchindexe, das Google-Urteil und die Auswirkungen auf Kagi
(blog.kagi.com)- Google hält mehr als 90 % des weltweiten Suchmarkts, was zu einer Struktur führt, in der ein einzelnes Unternehmen die zentrale Infrastruktur für die Entwicklung von KI und den Zugang zu Informationen kontrolliert
- Ein US-Gericht entschied im August 2024, dass Google seine monopolistische Stellung bei allgemeinen Suchdiensten missbraucht hat; anschließend veröffentlichte das DOJ (US-Justizministerium) Abhilfemaßnahmen, darunter die Öffnung von Indexen und die gemeinsame Nutzung von Daten
- Kagi ist ein werbefreier, kostenpflichtiger Suchdienst, scheiterte bei direkten Lizenzverhandlungen mit Google und Bing und nutzt derzeit einen vorläufigen Zugangsweg über Drittanbieter-APIs
- Wenn die Abhilfemaßnahmen des DOJ umgesetzt werden, muss Google Suchindexe und abfragebasierte Ergebnisse Wettbewerbern zu fairen Bedingungen bereitstellen, was die Innovationschancen für unabhängige Suchunternehmen wie Kagi erweitert
- Kagi strebt ein vielschichtiges Ökosystem an, in dem öffentliche, werbefinanzierte und kostenpflichtige Suche koexistieren, und orientiert sich an der Wiederherstellung des Informationszugangs als öffentliches Gut
Die Realität des Suchmonopols
- Laut StatCounter-Daten lag Googles weltweiter Suchmarktanteil im Oktober 2025 bei 90,06 %, in den USA bei 85 %
- Bing 4,31 %, Yandex 1,84 %, Yahoo 1,45 %, DuckDuckGo 0,89 %, Baidu 0,73 %
- Das ist kein Wettbewerbsmarkt, sondern faktisch eine Monopolstruktur, in der Suchindexe als unersetzliche Kerninfrastruktur fungieren
- Obwohl Microsoft über 20 Jahre rund 100 Milliarden US-Dollar in Bing investiert hat, bleibt der Marktanteil im einstelligen Bereich
- Der Sherman Act wird als Gesetz genannt, das solche Monopole über kritische Infrastruktur regulieren soll und eine Grundlage für die Durchsetzung fairen Zugangs bieten kann
- Es wird davor gewarnt, dass ein einzelner werbebasierter Gatekeeper, der den Informationszugang kontrolliert, demokratische Entscheidungsfindung und die gesellschaftliche Lernfähigkeit beschädigen kann
Kagi: Ansatz und Grenzen
- Kagi ist ein werbefreier Suchdienst im Abonnement, der verschiedene Datenquellen integriert, um hochwertige Ergebnisse bereitzustellen
- Zu FRAND-Bedingungen (fair, angemessen und nichtdiskriminierend) verhandelte Kagi mit wichtigen Indexanbietern und schloss direkte Lizenzen mit Mojeek, Brave, Yandex, Wikipedia, TripAdvisor, Yelp, Apple und Wolfram Alpha
- Mit Google und Bing scheiterten die Verhandlungen jedoch
- Bing verbot die Neuordnung und Zusammenführung von Ergebnissen und stellte im August 2025 die Bing Search API ein
- Google bietet keine öffentliche Search API an und erlaubt nur Partnerschaften in Form gebündelter Werbung
- Daher beschafft sich Kagi Ergebnisse über Drittanbieter von SERP-APIs, doch das ist nur eine Übergangslösung
Das Google-Kartellverfahren und die Abhilfemaßnahmen des DOJ
- Im Verfahren des US-Justizministeriums (DoJ) gegen Google, das 2020 begann, entschied das Gericht im August 2024, dass Google durch Maßnahmen zur Aufrechterhaltung seines Monopols gegen Section 2 des Sherman Act verstoßen hat
- Im September 2025 veröffentlichte das DOJ die folgenden Abhilfemaßnahmen
- Beschränkung exklusiver Verträge: Verbot exklusiver Verträge im Zusammenhang mit Search, Chrome, Assistant und Gemini
- Datenteilung: Bereitstellung von Suchindexen und Interaktionsdaten für Wettbewerber
- Verbot der Kopplung an Werbung: Der Zugang zu Suchergebnissen darf nicht an die Nutzung von Google Ads gebunden werden
- Zugang zu Indexdaten: URLs, Crawling-Metadaten, Spam-Scores usw. müssen nahe den Grenzkosten bereitgestellt werden
- Geltungsdauer: Wirksam für 6 Jahre, mit garantierter Lizenzlaufzeit von 5 Jahren
- Kagi erwartet, dass diese Maßnahmen bei Umsetzung fairen Zugang zu Indexen ermöglichen werden
Die Bedeutung von Umsetzung und Durchsetzung
- Im Dezember 2025 reichte Google eine Klage wegen umfangreichen Scrapings gegen SerpApi ein
- Kagi bezeichnet dies als „strukturelles Problem, das entsteht, weil Google keinen rechtmäßigen Zugang zu seinem Index bietet“
- Google baute seinen Index in der Vergangenheit auf, indem es das Web frei crawlen konnte, noch vor der Etablierung der robots.txt-Normen; heute beschränkt es den Zugang Dritter unter Ausnutzung seiner Monopolstellung
- Kagi hält an der Position fest: „Wir wollen direkte Lizenzen und rechtmäßigen Zugang“ und betont, dass die Abhilfemaßnahmen des DOJ zu tatsächlich garantiertem Zugangsrecht führen müssen
Die Vision eines vielschichtigen Suchökosystems
- Das DOJ-Urteil schafft nicht sofort einen gesunden Markt, legt aber die Grundlage für fairen Wettbewerb
- Kagi skizziert eine dreistufige Suchstruktur
- Stufe 1: Ein staatlich betriebener öffentlicher Suchdienst (search.org) — gemeinnütziger Informationszugang ohne Werbung oder Vermittler
- Stufe 2: Kostenlose werbefinanzierte Suche — mit Fokus auf kommerzielle Funktionen
- Stufe 3: Kostenpflichtige Suche im Abonnement — mit Fokus auf Qualität, Privatsphäre und erweiterte Funktionen (Kagis Bereich)
- Dieses Modell beschreibt eine Struktur, in der öffentlicher Informationszugang, kommerzielle Bequemlichkeit und Wettbewerb um Premium-Qualität koexistieren, und entspricht dem Geist des Sherman Act
Fazit
- Die Maßnahmen des DOJ sind der erste Schritt, um eine geschlossene monopolistische Infrastruktur in eine offene öffentliche Infrastruktur zu überführen
- Wenn Google den Zugang zu seinem Index zu fairen Bedingungen bereitstellt, wird Innovationswettbewerb im Such- und KI-Ökosystem möglich
- Kagi baut seine auf mehreren Quellen basierende Suche und den eigenen Small Web Index weiter aus und bereitet ein rechtmäßiges, transparentes Zugangssystem vor
- Ziel ist der Aufbau „eines Suchökosystems, das den Zugang zu Informationen als öffentliches Gut wiederherstellt“, was in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich zu einer Wiederbelebung der Vielfalt in KI und Suche führen wird
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Einen neuen Suchindex aufzubauen ist eine gewaltige Aufgabe, wie der Neubau eines landesweiten Eisenbahnnetzes
Ich frage mich dabei zwei Dinge. Erstens: Warum bauen andere Big-Tech-Unternehmen keinen eigenen Index, um Googles Monopol zu brechen? Wenn man ihn wie einen öffentlichen Datensatz für das LLM-Training als Gemeingut bereitstellen würde, könnte das der gesamten UX frischen Wind geben. Zweitens: Das Justizministerium hat zwar Richtlinien zu Monopolen vorgelegt, aber warum können die Bundesstaaten diese nicht durchsetzen?
robots.txtverbreitet war. Heute nutzt es seinen 90%-Marktanteil, um andere Crawler einzuschränken. Mit anderen Worten: Die Regeln, die Google heute anwendet, sind Regeln, die es in seiner Wachstumsphase selbst nicht befolgt hatIch unterstütze Kagi. Ich verstehe die Technik, kannte aber die internen Strukturen der Suchbranche kaum, und ihre Transparenz hat mich beeindruckt. Ob Google den Auflagen tatsächlich folgen wird, bleibt jedoch offen. Trotzdem gibt es ein wenig Hoffnung
Den Statistiken im Artikel ist schwer zu trauen. In Regionen, in denen 20% der Weltbevölkerung leben, ist Google blockiert; daher ist die Aussage „90% der Welt nutzen Google“ übertrieben. Tatsächlich wirkt das eher wie eine US-zentrierte Statistik
Interessant war die Aussage, dass Kagi Googles API nicht direkt nutzen kann und deshalb Drittanbieter-APIs wie SerpAPI verwendet. Ironisch ist, dass auch Google-Tochterfirmen wie DeepMind auf der Kundenliste stehen. Letztlich können Kagi-Anfragen damit aber doch an Google weitergeleitet werden, wodurch Grenzen der Datenschutzrichtlinie bestehen
In Europa laufen Projekte wie die Open Web Search Initiative und Open Web Index. 14 Forschungseinrichtungen arbeiten dort am Aufbau einer offenen Webindex-Infrastruktur, die strukturierte Daten für Suchmaschinen und LLMs bereitstellen soll
Bei der Beschreibung von Kagis Preismodell als „kostenpflichtige, abonnementbasierte Suche“ wurde kritisiert, dass der Hinweis „werbefrei (ad-free)“ fehle
Google hat gegen die Auflagen aus diesem Urteil Berufung eingelegt und zugleich eine Aussetzung des Vollzugs beantragt. Die entsprechenden Dokumente sind bei CourtListener veröffentlicht. Ich frage mich, ob Kagi zur Unterstützung der Klägerseite einen amicus brief einreichen wird. Google könnte – wie schon bei der früheren Epic-Berufung – auch diesmal wohlgesonnene Organisationen finanziell unterstützen (zugehöriger Artikel)
Ich sage oft „googeln“, verwende tatsächlich aber Kagi oder DDG
Kagis KI-Assistent liefert quellenorientierte Zusammenfassungen, was ich sehr überzeugend finde. Anders als Claude oder ChatGPT imitiert er keine Persönlichkeit, wodurch er sich gut für Recherchezwecke eignet. Quellenbasierte Antworten sind seine größte Stärke