Briar hält im Iran die Verbindung über Bluetooth und Wi‑Fi aufrecht, auch wenn das Internet ausfällt
(briarproject.org)- Der Briar-Messenger ist eine sicherheitsorientierte Offline-Messaging-App, die die Kommunikation auch dann aufrechterhalten kann, wenn das Internet blockiert ist – über direkte Verbindungen per Bluetooth und Wi‑Fi
- Er arbeitet ohne zentralen Server in einer direkten Geräte-zu-Geräte-Struktur (P2P); bei bestehender Internetverbindung nutzt er das Tor-Netzwerk, um Anonymität und Sicherheit zu stärken
- Alle Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, sodass Dritte den Inhalt nicht lesen können; Nutzerdaten werden nicht in der Cloud, sondern nur lokal auf dem Gerät gespeichert
- Die App kann über Google Play, F-Droid oder per direktem APK-Download installiert werden; da es keine Kontowiederherstellung gibt, ist gutes Passwortmanagement wichtig
- Auch bei Internetzensur oder Sperren ist sie ein wichtiges autonomes Netzwerkwerkzeug, mit dem Aktivisten, Journalisten und normale Nutzer sicher kommunizieren können
Überblick über Briar
- Briar ist eine Open-Source-Messaging-App, die von Aktivisten, Journalisten und normalen Nutzern für sichere und zensurresistente Kommunikation verwendet wird
- Sie ist nicht auf zentrale Server angewiesen, sondern ermöglicht den direkten Nachrichtenaustausch zwischen den Geräten der Nutzer
- Auch ohne Internet können Nachrichten per Bluetooth- oder Wi‑Fi-Synchronisierung übertragen werden
- Bei bestehender Internetverbindung erfolgt verschlüsselte Kommunikation über das Tor-Netzwerk
Installation
- Die App für Android-Geräte kann über Google Play heruntergeladen werden
- Wer Google Play nicht verwendet, kann sie über F-Droid oder die APK-Datei auf der offiziellen Briar-Website installieren
- Ob es sich um ein Android-Gerät handelt, lässt sich über das Vorhandensein der Play-Store-App prüfen
Konto erstellen
- Beim ersten Start müssen Benutzername (Pseudonym) und Passwort (mindestens 8 Zeichen) festgelegt werden
- Die Kontoinformationen werden nur auf dem Gerät selbst gespeichert; bei Deinstallation der App oder Verlust des Passworts ist keine Wiederherstellung möglich
- Nach dem Erstellen des Kontos gelangt man zur Kontaktlistenansicht
Kontakte hinzufügen
- Für das Hinzufügen von Kontakten werden zwei Methoden unterstützt: Teilen eines Remote-Links oder Scannen eines QR-Codes
- Beim Remote-Hinzufügen wird ein
briar://-Link kopiert und an die andere Person gesendet - Beim Hinzufügen in räumlicher Nähe wird per gegenseitigem Scannen von QR-Codes direkt verbunden
- Beim Remote-Hinzufügen wird ein
- Sobald die Verbindung hergestellt ist, wird der Kontakt automatisch auf beiden Seiten hinzugefügt; scheitert die Verbindung innerhalb von 48 Stunden, wird „Hinzufügen fehlgeschlagen“ angezeigt
Nachrichten senden
- Durch Auswahl des Kontaktnamens können private 1:1-Nachrichten gesendet werden
- Alle Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, sodass Dritte sie nicht einsehen können
- Ist die Gegenstelle offline, werden die Nachrichten automatisch zugestellt, sobald beide Seiten online sind
Kontakte vorstellen
- Nutzer können ihre jeweiligen Kontakte einander gegenüber vorstellen
- Wenn beide Seiten zustimmen, werden sie automatisch in die Listen des jeweils anderen aufgenommen
- So lässt sich ein vertrauensbasiertes Netzwerk auch ohne direktes Treffen erweitern
Private Gruppen
- Gruppenchats mit mehreren Nutzern sind möglich
- Der Ersteller der Gruppe hat das Recht, Einladungen auszusprechen und die Gruppe aufzulösen
- Nachrichten werden in Thread-Form organisiert, damit der Gesprächsfluss erhalten bleibt
- Verlässt der Ersteller die Gruppe, wird die Gruppe automatisch aufgelöst
Öffentliche Foren („Anjoman“)
- Öffentliche Gesprächsräume, an denen jeder teilnehmen kann
- Bestehende Mitglieder können andere Nutzer frei einladen
- Ein Forum bleibt bestehen, bis der letzte Nutzer es verlässt
- Nachrichten sind in einer Thread-Struktur aufgebaut und unterstützen diskussionsartige Gespräche
Blog-Funktion
- Jedes Konto hat einen integrierten persönlichen Blog, der automatisch gegenseitig mit Kontakten geteilt wird
- Neue Beiträge erstellen, rebloggen und kommentieren ist möglich
- Über das Abonnieren von RSS-Feeds können externe Nachrichten- oder Blog-Inhalte gelesen werden
- Auch RSS-Artikel werden über das Tor-Netzwerk heruntergeladen, um die Privatsphäre zu schützen
- Nur rebloggte Beiträge werden mit anderen Nutzern geteilt
Kontakte löschen
- Durch Auswahl des Kontaktnamens und des Menüs „Löschen“ kann ein Kontakt entfernt werden
- Die andere Person erfährt nichts von der Löschung und wird danach als offline angezeigt
Einstellungen
- Design ändern: Auswahl zwischen hellem Modus, dunklem Modus, automatisch und Systemstandard
- Art der Internetverbindung:
- Wahl zwischen automatischer standortbasierter Einstellung, direkter Tor-Verbindung, Nutzung einer Tor-Bridge oder komplettem Offline-Modus
- Steuerung der mobilen Datennutzung: Internetzugriff kann so eingestellt werden, dass er nur bei bestehender Wi‑Fi-Verbindung erfolgt
- Verbindung auf Ladevorgang beschränken: Zur Batterieschonung kann Internetnutzung so eingestellt werden, dass sie nur bei angeschlossener Stromversorgung erfolgt
- Bildschirmsperrfunktion:
- Verwendet dieselbe Sperrmethode wie die Geräte-PIN, das Muster oder das Passwort
- Manuelles Sperren innerhalb der App ist möglich; außerdem kann automatisches Sperren nach einer gewissen Inaktivitätszeit eingestellt werden (außer bei Android 4 und älter)
Wichtigste Zusammenfassung
- Briar ist ein sicherheitsorientierter Open-Source-Messenger, der auch bei blockiertem Internet über Bluetooth- und Wi‑Fi-basierten P2P-Verkehr Nachrichten austauschen kann
- Durch Integration des Tor-Netzwerks, lokale Datenspeicherung und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird ein hohes Maß an Privatsphäre gewährleistet
- Integriert sind verschiedene Kommunikationsfunktionen wie Gruppenchats, Foren, Blogs und RSS-Abonnements
- Durch Unterstützung von Google Play, F-Droid und direkter APK-Installation ist die App gut zugänglich
- Sie kann auch in Umgebungen mit Zensur und Überwachung als sicheres Mittel für den Informationsaustausch genutzt werden
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Das sollte für uns alle eine Lehre sein
Wir sollten uns nicht nur auf kooperierende ISPs und große Infrastrukturen wie Meta, Cloudflare, Google oder AWS verlassen, sondern für den Ernstfall selbst leichte Mesh-Netzwerke aufbauen und pflegen
Auch Amerikaner sollten sich vorbereiten. So eine Lage könnte viel früher eintreten, als Vorhersagemärkte erwarten
Ein auf LoRa basierendes Meshtastic-Netzwerk scheint eine Alternative zu sein, aber es gibt Berichte, dass es bei großen Nutzerzahlen schwächelt.
Wenn Bitchat Meshtastic nutzen könnte, ließe sich mit LoRa-Funkgeräten und Smartphones nicht nur Person-zu-Person-Messaging, sondern auch ein Kommunikationsnetz für lokale Communities aufbauen
Zugehöriger Vorhersagemarkt: US civil war before 2027
Ich musste lachen über den Satz: „Wenn du nicht weißt, ob ein Gerät Android ist, schau nach, ob es eine Play-Store-App hat“
Erinnert sich noch jemand an Yik Yak? Es war nicht anonym, aber gut geeignet, um mit Leuten in der Nähe zu reden.
Ich frage mich, ob Briar Nachrichten über Wi‑Fi und Bluetooth weiterleiten kann. Wenn zum Beispiel eine Person per Wi‑Fi verbunden ist und eine andere per Bluetooth, könnte dann ein Relay-Netzwerk über eine ganze Stadt hinweg entstehen?
Dafür sind Broadcast-Kanäle in Off-Grid-Umgebungen nützlich.
Wenn man Traffic zwischen benachbarten Peers weiterleiten und den Handshake über multicast DNS machen würde, ließen sich viele Probleme lösen.
Ich nutze in einem experimentellen Software-Router Techniken zur Umgehung von Firewall-DPI. In lokalen Tests funktioniert das bisher gut
Die Überschrift des Artikels klingt, als wäre das ein praktisch nutzbares Werkzeug, um staatliche Zensur zu umgehen, tatsächlich ist es aber nur ein Projekt auf Vorschlagsniveau.
Realistisch gesehen fehlt es an Sicherheit und Praxistauglichkeit
Ich habe Briar auch installiert, hatte aber niemanden, der es mit mir benutzt.
Als Notfall-Textwerkzeug ist es okay, aber für Medienübertragung ist die Qualität viel zu schlecht.
Auch die Notiz-Synchronisierung ist langsam, und wenn man ein Forum erstellt, kann man es nicht löschen.
Die Desktop-App reagiert sehr träge. Am Ende taugt es wohl nur für Offline-Textnachrichten
Leider werden anonyme E2E-Messenger wie Briar in der EU und im Vereinigten Königreich wohl bald verboten
Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich stimmt. Gibt es im Iran tatsächlich Menschen, die Briar verwenden?
Ich frage mich, ob sich Secure Scuttlebutt (SSB) in Kombination mit einem Yubikey für einen ähnlichen Zweck nutzen ließe
Verwandter Link: Scuttleverse Newsletter
Vor etwa zwei Jahren habe ich alle P2P-Messenger für Android und iOS getestet, und Briar war der einzige, der auch ohne Router funktionierte.
Schön zu hören, dass Menschen jetzt tatsächlich Hilfe dadurch bekommen