1 Punkte von GN⁺ 2026-01-20 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • bitchat ist eine dezentrale Messaging-App, die über ein Bluetooth-Mesh-Netzwerk ohne Internet oder Server funktioniert
  • Jedes Gerät arbeitet als Client und Server zugleich, entdeckt automatisch Geräte in der Nähe und leitet Nachrichten per Multi-Hop weiter
  • Bietet Zensurresistenz, Überwachungsvermeidung und Unabhängigkeit von Infrastruktur, sodass die Kommunikation auch bei Internetausfällen oder in Katastrophensituationen aufrechterhalten werden kann
  • Es gibt Versionen für iOS/macOS und Android, beide mit vollständiger Protokollkompatibilität
  • Die Software ist als Public Domain veröffentlicht und kann von allen frei genutzt und verändert werden

Überblick über bitchat

  • bitchat ist eine dezentrale Peer-to-Peer-Messaging-Anwendung auf Basis eines Bluetooth-Mesh-Netzwerks
    • Keine Internetverbindung, keine Server und keine Telefonnummer erforderlich
    • Bildet allein mit Geräten in der Nähe ein Ad-hoc-Kommunikationsnetzwerk
  • Jedes Gerät übernimmt gleichzeitig die Rolle von Client und Server
    • Erkennt automatisch benachbarte Peers
    • Erweitert die Netzreichweite durch Multi-Hop-Weiterleitung, bei der Nachrichten über mehrere Geräte übertragen werden

Hauptmerkmale

  • Zensurresistenz: Da es keinen zentralen Server gibt, sind Überwachung oder Sperrung schwierig
  • Überwachungsvermeidung: Die Kommunikation findet ausschließlich innerhalb des lokalen Bluetooth-Netzwerks statt
  • Unabhängigkeit von Infrastruktur: Funktioniert auch bei Internetausfällen, Naturkatastrophen, Protesten oder in Regionen mit eingeschränkter Konnektivität
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Software-Verteilung

  • iOS/macOS-Version
    • App Store: bitchat mesh
    • Quellcode: GitHub - permissionlesstech/bitchat
    • Unterstützt iOS 16.0 oder neuer, macOS 13.0 oder neuer
    • Kann mit Xcode, XcodeGen oder Swift Package Manager gebaut werden
  • Android-Version

Dokumentation und Lizenz

  • Technisches Whitepaper: whitepaper.md
  • Die Software ist als Public Domain veröffentlicht und kann frei verwendet und verändert werden

1 Kommentare

 
GN⁺ 2026-01-20
Hacker-News-Kommentare
  • In Mobiltelefonen steckt bereits jede Menge fortschrittliche Funktechnik, rechtlich ist direkte Kommunikation über mehrere hundert Meter ohne zentral kontrollierte Basisstationen jedoch nicht erlaubt.
    Ein Walkie-Talkie für 10 Dollar kann mit primitiverer Technik dagegen über mehrere Kilometer kommunizieren, aber Datenübertragung sei verboten.
    Das sei keine technische Grenze, sondern das Ergebnis staatlicher Regulierung.

    • Mit kleinen USB-Modulen mit LoRa-Unterstützung und Low-Bitrate-Sprachcodecs wie Codec2 ließe sich diese Lücke wohl schließen.
      Viel praktischer wäre es allerdings, wenn so etwas direkt im Telefon eingebaut wäre. Geräte wie das LilyGo T-Deck Plus/Pro gibt es zwar, aber man muss dann eben ein separates Gerät statt nur des Telefons mit sich herumtragen.
    • Viele WiFi-Chips lassen sich in den Monitor-Modus schalten, um alle Pakete zu empfangen, und können auch direkt senden.
      Die Bandbreite ist gering, aber für Text oder Audio reicht sie aus. Man braucht Root-Rechte und muss ein eigenes Protokoll sowie Fehlerkorrekturcodes implementieren.
    • Schade sei weniger das Gesetz, sondern dass sich LTE Direct nicht kommerziell durchgesetzt hat.
      Diese Technik ermöglichte direkte Kommunikation zwischen Telefonen bis zu 1 km, erforderte aber eine Firmware-Implementierung und wurde deshalb nur auf Behörden-Handys eingesetzt.
      Auch 5G hat Device-to-Device-Funktionen, aber ob sie unterstützt werden, ist unklar.
      Dazu kommen Probleme bei der Frequenzzuteilung, und Handys sind wegen Energie- und Antennenbeschränkungen für Langstreckenkommunikation ungeeignet.
      Walkie-Talkies haben größere Antennen und mehr Leistung, aber die Bandbreite ist schmal, daher ist die Datenrate niedrig.
    • Tatsächlich gibt es kein Gesetz, das Handyhersteller daran hindert, Funk für das 900-MHz-ISM-Band einzubauen.
      Und auch bei Walkie-Talkies ist Datenübertragung legal.
    • Ob die Aussage „Bei Walkie-Talkies ist Datenübertragung illegal“ wirklich stimmt, sei fraglich.
      Früher habe man Gotenna genutzt, und das sei sowohl in den USA als auch in Europa legal gewesen.
      REI verkauft außerdem das Motorola Talkabout T803, das per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden wird und kurze Nachrichten weiterleitet.
  • Es fehlt eine Funktion für verzögerte Weiterleitung (deferred propagation).
    Nachrichten werden zwar bis zum Ablauf des TTL erneut übertragen, aber es gibt keine Funktion, die Nachrichten speichert, wenn der Empfänger offline ist, und sie später zustellt.
    Wenn sich Knoten so konfigurieren ließen, dass sie Nachrichten eine gewisse Zeit cachen, könnten sie auch als Kuriere zwischen getrennten Nutzergruppen fungieren.

    • Ein Blick auf das frühere FidoNet könnte hilfreich sein.
      Dort wurde schon vor 40 Jahren mit Dial-up- und Funkverbindungen eine perfekte Store-and-Forward-Struktur umgesetzt.
      Das war deutlich zuverlässiger als die praktische Reichweite von BT5 von etwa 10 m.
      Bluetooth-Mesh-Netzwerke funktionieren nur unter bestimmten Bedingungen und sind deshalb wenig praxistauglich.
    • Das sei ein wirklich guter Hinweis.
      Solche Themen habe man auf HN schon Hunderte Male gesehen, aber realistische Diskussionen über Store-and-Forward seien selten.
      Aktuelle Fälle wie im Iran zeigten, wie dringend solche Technik gebraucht werde.
      Auch in den USA könnten bei Großveranstaltungen oder Katastrophen Kommunikationsnetze ausfallen, was den Bedarf an dezentralem Messaging deutlich mache.
    • Es brauche nicht nur verzögerte Weiterleitung, sondern auch eine Möglichkeit, Relaisstationen mit hoher Sendeleistung aufzubauen.
      In politisch chaotischen Situationen sei einseitige Informationsverteilung manchmal wichtiger als bidirektionale Kommunikation.
      Ein reiner Empfangsmodus lasse sich schwerer verfolgen und sei nützlich, um Kerninformationen zu verbreiten.
      All diese Probleme ließen sich mit einem Store-and-Forward-Modell lösen.
      Ein LoRa-Dongle sei besser als Bluetooth, könne aber auch riskant in der Nutzung sein.
    • Dieses Konzept heißt schlicht Store and Forward.
    • Ein Problem könnte auch sein, dass mobile Betriebssysteme, besonders iOS, Apps im Hintergrund zwangsweise beenden.
  • Während der Internetabschaltung vor den Wahlen in Uganda erreichte BitChat Platz 1.
    Artikellink
    Auch während eines Hurrikans in Jamaika wurde die App nach dem Zusammenbruch der Kommunikationsnetze zu einer der wichtigsten Anwendungen.

    • Der zweite Artikel wirke stilistisch so gleichförmig, dass er wie von einer KI geschrieben aussehe.
  • So eine Funktion sollte Apple vielleicht ins iPhone einbauen.
    Mit Find My und AirTag war das Unternehmen bereits erfolgreich, und wenn iMessage noch Offline-Bluetooth-Messaging bekäme, wäre es perfekt.
    Man habe sofort ein typisches Apple-Demovideo vor Augen, mit Szenen auf Kreuzfahrtschiffen, in Stadien oder sogar bei Weltraumspaziergängen.

    • Allerdings ist das iPhone außerhalb bestimmter Märkte weniger verbreitet.
      Gerade dort, wo so eine Funktion wirklich gebraucht wird, also in Regionen mit politischer Krise, in denen das Internet abgeschaltet wird, ist Android-Unterstützung unverzichtbar.
    • Privacy-Marketing sei schwierig.
      Am Ende müssten Nutzer Apple vertrauen und statt eines Netzbetreibers unbekannten Personen, die Nachrichten weiterleiten.
      Wenn man bedenkt, dass die Polizei bereits mit gefälschten Basisstationen abhört, ist das Vertrauensproblem groß.
      Trotzdem sei das eine dringend nötige Funktion an Orten, an denen Kommunikation auf kurze Distanz wichtig ist, etwa auf Festivals oder Kreuzfahrten.
    • Es sei gut möglich, dass die US- oder chinesische Regierung Druck auf Apple ausüben würde.
      Wenn Regierungen es nicht zulassen, werde so eine Funktion nicht auf den Markt kommen.
    • Da Apple mit der Apple Watch Ultra schon Nischenfunktionen vorgestellt habe, sei es nicht ausgeschlossen.
    • Aber ein solches System bedrohe das Erlösmodell der Mobilfunkanbieter.
      Wenn ein dezentrales System ohne Infrastruktur funktioniert, stelle sich die Frage, wofür überhaupt noch Gebühren verlangt werden könnten.
  • Wenn sich drahtlose lokale Netzwerke früher verbreitet hätten und IPv6 NAT weniger dominant gemacht hätte,
    wäre die Struktur des heutigen Internets vielleicht völlig anders.
    Und ohne die von VC-Geldern geschaffenen geschlossenen Plattformen wäre es wohl offener geworden.

    • Eigentlich gehe es im Kern um Politik bei der Frequenzzuteilung.
      Schon das kleine lizenzfreie Spektrum bei 2,4 GHz habe erstaunliche Fortschritte ermöglicht,
      und wenn man niedrigere VHF-/UHF-Bänder lizenzfrei freigäbe, würde Innovation explodieren.
    • Trotzdem werde am Ende wohl kabelgebundene Infrastruktur (Glasfaser) gewinnen.
      Für hohe Datenmengen und Stabilität sei sie unverzichtbar, ebenso für den Ausbau von Rechenzentren.
      Es werde zwar mehr P2P-Tools geben, aber die Gesamtstruktur des Internets bliebe wohl ähnlich.
  • Man frage sich, wann man Bluetooth-Messaging-Apps eigentlich nutzen würde.
    Selbst bei BT5 seien 400 m die Grenze, also könne man damit etwa während einer Demo keine Fotos an Journalisten schicken.
    Wenn es nur darum gehe, der Familie eine Nachricht zum Abendessen zu schicken, wirke der Nutzen eher begrenzt.

    • Bluetooth 5 coded PHY könne unter Idealbedingungen bis zu 1 km erreichen.
      Die meisten aktuellen Smartphones würden das ohne Hardwaretausch unterstützen.
      Das Problem sei nicht die Technik, sondern politische Beschränkungen.
      Es wäre im Alltag und in Katastrophensituationen nützlich, aber es gibt überhaupt keine integrierte Lösung.
      Es sei ironisch, dass wir in einer Zeit leben, in der sogar Satellitenkommunikation möglich ist, aber grundlegende P2P-Funktionen fehlen.
    • Ein Entwickler habe während einer Kreuzfahrt mit der Familie selbst eine über Bluetooth kommunizierende App gebaut, weil Satelliteninternet zu teuer war.
      Dass nahe Geräte nicht unnötig über einen Server gehen sollten, sei durchaus sinnvoll.
    • Anfang der 2010er habe man mit der Notiz-App von Sony Ericsson per Bluetooth gechattet.
      In einem Hostel auf dem Land gab es kein Signal, also habe man heimlich mit einer Frau im Nachbarbett gesprochen.
      Das sei eine ziemlich schöne Nacht gewesen.
    • Nützlich sei das in jeder Situation, in der mobiles Internet nicht funktioniert.
      Also nicht nur bei Protesten, sondern auch bei Konzerten, Festivals oder in Bergregionen.
    • Im Iran ist das Internet derzeit abgeschaltet.
      Während das Regime brutal unterdrückt, wird solche Technik dringend gebraucht.
  • Persönlich gefalle einem die Beteiligung von Jack Dorsey nicht.
    Deshalb bevorzuge man Briar.

    • Allerdings gibt es keine App für die Apple-Plattform, was die Nutzbarkeit einschränkt.
    • Welche App es ist, sei letztlich egal, entscheidend sei die wirksamste Implementierung.
      Solche Technik werde jetzt sofort gebraucht.
      Selbst wenn BitChat als Experiment von Dorsey begonnen habe, habe es einen eigenen Wert, sobald es groß wird.
    • Eine weitere Alternative ist Berty.
    • Statt einfach nur zu sagen, dass man es nicht mag, wäre es gut, die Gründe zu nennen.
    • Briar gibt es doch schon, warum also das Rad neu erfinden?
  • Man hoffe, dass die Web Bluetooth API im Browser breiter unterstützt wird.
    Mit einer PWA ließe sich App-Store-Zensur umgehen.

    • Allerdings sind PWAs wegen fehlender Hintergrundausführung und eingeschränkter Bluetooth-Interaktion kaum praxistauglich.
  • Technologien, die Regierung und Vermittler umgehen, werden rechtlich niemals vollständig erlaubt werden.
    Das gelte für Langstreckenfunk, P2P-Kommunikation und dezentrale Zahlungen gleichermaßen.
    Wenn Staaten etwas weder verfolgen noch besteuern können, werde es nicht massentauglich.
    Schon dass Unternehmen digitale Inhalte trotz Kauf löschen können, während Torrents illegal sind, sage viel über die Lage aus.

  • Meshtastic und günstige Kits für 10 bis 35 Dollar seien deutlich besser.
    Mit reinem Bluetooth seien vielleicht 100 m drin, mit Meshtastic dagegen 2 bis 20 km.
    Auch die Community sei aktiv.

    • Meshtastic habe allerdings Zuverlässigkeitsprobleme.
      Selbst in einem Netzwerk mit 60 Stationen sei mehr als ein Hop schwierig.
      Meshcore erreiche dagegen auch bei mehr als fünf Hops fast 100 % Erfolgsquote.
      Früher habe man es wegen Closed Source gemieden, aber inzwischen stabilisiert sich die Open-Source-Flutter-App.