- bitchat ist eine dezentrale Messaging-App, die über ein Bluetooth-Mesh-Netzwerk ohne Internet oder Server funktioniert
- Jedes Gerät arbeitet als Client und Server zugleich, entdeckt automatisch Geräte in der Nähe und leitet Nachrichten per Multi-Hop weiter
- Bietet Zensurresistenz, Überwachungsvermeidung und Unabhängigkeit von Infrastruktur, sodass die Kommunikation auch bei Internetausfällen oder in Katastrophensituationen aufrechterhalten werden kann
- Es gibt Versionen für iOS/macOS und Android, beide mit vollständiger Protokollkompatibilität
- Die Software ist als Public Domain veröffentlicht und kann von allen frei genutzt und verändert werden
Überblick über bitchat
- bitchat ist eine dezentrale Peer-to-Peer-Messaging-Anwendung auf Basis eines Bluetooth-Mesh-Netzwerks
- Keine Internetverbindung, keine Server und keine Telefonnummer erforderlich
- Bildet allein mit Geräten in der Nähe ein Ad-hoc-Kommunikationsnetzwerk
- Jedes Gerät übernimmt gleichzeitig die Rolle von Client und Server
- Erkennt automatisch benachbarte Peers
- Erweitert die Netzreichweite durch Multi-Hop-Weiterleitung, bei der Nachrichten über mehrere Geräte übertragen werden
Hauptmerkmale
- Zensurresistenz: Da es keinen zentralen Server gibt, sind Überwachung oder Sperrung schwierig
- Überwachungsvermeidung: Die Kommunikation findet ausschließlich innerhalb des lokalen Bluetooth-Netzwerks statt
- Unabhängigkeit von Infrastruktur: Funktioniert auch bei Internetausfällen, Naturkatastrophen, Protesten oder in Regionen mit eingeschränkter Konnektivität
Software-Verteilung
- iOS/macOS-Version
- App Store: bitchat mesh
- Quellcode: GitHub - permissionlesstech/bitchat
- Unterstützt iOS 16.0 oder neuer, macOS 13.0 oder neuer
- Kann mit Xcode, XcodeGen oder Swift Package Manager gebaut werden
- Android-Version
- Play Store: bitchat
- Quellcode: GitHub - permissionlesstech/bitchat-android
- APK-Releases verfügbar
- Unterstützt Android 8.0 (API 26) oder neuer
- Bewahrt vollständige Protokollkompatibilität mit der iOS-Version
Dokumentation und Lizenz
- Technisches Whitepaper: whitepaper.md
- Die Software ist als Public Domain veröffentlicht und kann frei verwendet und verändert werden
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
In Mobiltelefonen steckt bereits jede Menge fortschrittliche Funktechnik, rechtlich ist direkte Kommunikation über mehrere hundert Meter ohne zentral kontrollierte Basisstationen jedoch nicht erlaubt.
Ein Walkie-Talkie für 10 Dollar kann mit primitiverer Technik dagegen über mehrere Kilometer kommunizieren, aber Datenübertragung sei verboten.
Das sei keine technische Grenze, sondern das Ergebnis staatlicher Regulierung.
Viel praktischer wäre es allerdings, wenn so etwas direkt im Telefon eingebaut wäre. Geräte wie das LilyGo T-Deck Plus/Pro gibt es zwar, aber man muss dann eben ein separates Gerät statt nur des Telefons mit sich herumtragen.
Die Bandbreite ist gering, aber für Text oder Audio reicht sie aus. Man braucht Root-Rechte und muss ein eigenes Protokoll sowie Fehlerkorrekturcodes implementieren.
Diese Technik ermöglichte direkte Kommunikation zwischen Telefonen bis zu 1 km, erforderte aber eine Firmware-Implementierung und wurde deshalb nur auf Behörden-Handys eingesetzt.
Auch 5G hat Device-to-Device-Funktionen, aber ob sie unterstützt werden, ist unklar.
Dazu kommen Probleme bei der Frequenzzuteilung, und Handys sind wegen Energie- und Antennenbeschränkungen für Langstreckenkommunikation ungeeignet.
Walkie-Talkies haben größere Antennen und mehr Leistung, aber die Bandbreite ist schmal, daher ist die Datenrate niedrig.
Und auch bei Walkie-Talkies ist Datenübertragung legal.
Früher habe man Gotenna genutzt, und das sei sowohl in den USA als auch in Europa legal gewesen.
REI verkauft außerdem das Motorola Talkabout T803, das per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden wird und kurze Nachrichten weiterleitet.
Es fehlt eine Funktion für verzögerte Weiterleitung (deferred propagation).
Nachrichten werden zwar bis zum Ablauf des TTL erneut übertragen, aber es gibt keine Funktion, die Nachrichten speichert, wenn der Empfänger offline ist, und sie später zustellt.
Wenn sich Knoten so konfigurieren ließen, dass sie Nachrichten eine gewisse Zeit cachen, könnten sie auch als Kuriere zwischen getrennten Nutzergruppen fungieren.
Dort wurde schon vor 40 Jahren mit Dial-up- und Funkverbindungen eine perfekte Store-and-Forward-Struktur umgesetzt.
Das war deutlich zuverlässiger als die praktische Reichweite von BT5 von etwa 10 m.
Bluetooth-Mesh-Netzwerke funktionieren nur unter bestimmten Bedingungen und sind deshalb wenig praxistauglich.
Solche Themen habe man auf HN schon Hunderte Male gesehen, aber realistische Diskussionen über Store-and-Forward seien selten.
Aktuelle Fälle wie im Iran zeigten, wie dringend solche Technik gebraucht werde.
Auch in den USA könnten bei Großveranstaltungen oder Katastrophen Kommunikationsnetze ausfallen, was den Bedarf an dezentralem Messaging deutlich mache.
In politisch chaotischen Situationen sei einseitige Informationsverteilung manchmal wichtiger als bidirektionale Kommunikation.
Ein reiner Empfangsmodus lasse sich schwerer verfolgen und sei nützlich, um Kerninformationen zu verbreiten.
All diese Probleme ließen sich mit einem Store-and-Forward-Modell lösen.
Ein LoRa-Dongle sei besser als Bluetooth, könne aber auch riskant in der Nutzung sein.
Während der Internetabschaltung vor den Wahlen in Uganda erreichte BitChat Platz 1.
Artikellink
Auch während eines Hurrikans in Jamaika wurde die App nach dem Zusammenbruch der Kommunikationsnetze zu einer der wichtigsten Anwendungen.
So eine Funktion sollte Apple vielleicht ins iPhone einbauen.
Mit Find My und AirTag war das Unternehmen bereits erfolgreich, und wenn iMessage noch Offline-Bluetooth-Messaging bekäme, wäre es perfekt.
Man habe sofort ein typisches Apple-Demovideo vor Augen, mit Szenen auf Kreuzfahrtschiffen, in Stadien oder sogar bei Weltraumspaziergängen.
Gerade dort, wo so eine Funktion wirklich gebraucht wird, also in Regionen mit politischer Krise, in denen das Internet abgeschaltet wird, ist Android-Unterstützung unverzichtbar.
Am Ende müssten Nutzer Apple vertrauen und statt eines Netzbetreibers unbekannten Personen, die Nachrichten weiterleiten.
Wenn man bedenkt, dass die Polizei bereits mit gefälschten Basisstationen abhört, ist das Vertrauensproblem groß.
Trotzdem sei das eine dringend nötige Funktion an Orten, an denen Kommunikation auf kurze Distanz wichtig ist, etwa auf Festivals oder Kreuzfahrten.
Wenn Regierungen es nicht zulassen, werde so eine Funktion nicht auf den Markt kommen.
Wenn ein dezentrales System ohne Infrastruktur funktioniert, stelle sich die Frage, wofür überhaupt noch Gebühren verlangt werden könnten.
Wenn sich drahtlose lokale Netzwerke früher verbreitet hätten und IPv6 NAT weniger dominant gemacht hätte,
wäre die Struktur des heutigen Internets vielleicht völlig anders.
Und ohne die von VC-Geldern geschaffenen geschlossenen Plattformen wäre es wohl offener geworden.
Schon das kleine lizenzfreie Spektrum bei 2,4 GHz habe erstaunliche Fortschritte ermöglicht,
und wenn man niedrigere VHF-/UHF-Bänder lizenzfrei freigäbe, würde Innovation explodieren.
Für hohe Datenmengen und Stabilität sei sie unverzichtbar, ebenso für den Ausbau von Rechenzentren.
Es werde zwar mehr P2P-Tools geben, aber die Gesamtstruktur des Internets bliebe wohl ähnlich.
Man frage sich, wann man Bluetooth-Messaging-Apps eigentlich nutzen würde.
Selbst bei BT5 seien 400 m die Grenze, also könne man damit etwa während einer Demo keine Fotos an Journalisten schicken.
Wenn es nur darum gehe, der Familie eine Nachricht zum Abendessen zu schicken, wirke der Nutzen eher begrenzt.
Die meisten aktuellen Smartphones würden das ohne Hardwaretausch unterstützen.
Das Problem sei nicht die Technik, sondern politische Beschränkungen.
Es wäre im Alltag und in Katastrophensituationen nützlich, aber es gibt überhaupt keine integrierte Lösung.
Es sei ironisch, dass wir in einer Zeit leben, in der sogar Satellitenkommunikation möglich ist, aber grundlegende P2P-Funktionen fehlen.
Dass nahe Geräte nicht unnötig über einen Server gehen sollten, sei durchaus sinnvoll.
In einem Hostel auf dem Land gab es kein Signal, also habe man heimlich mit einer Frau im Nachbarbett gesprochen.
Das sei eine ziemlich schöne Nacht gewesen.
Also nicht nur bei Protesten, sondern auch bei Konzerten, Festivals oder in Bergregionen.
Während das Regime brutal unterdrückt, wird solche Technik dringend gebraucht.
Persönlich gefalle einem die Beteiligung von Jack Dorsey nicht.
Deshalb bevorzuge man Briar.
Solche Technik werde jetzt sofort gebraucht.
Selbst wenn BitChat als Experiment von Dorsey begonnen habe, habe es einen eigenen Wert, sobald es groß wird.
Man hoffe, dass die Web Bluetooth API im Browser breiter unterstützt wird.
Mit einer PWA ließe sich App-Store-Zensur umgehen.
Technologien, die Regierung und Vermittler umgehen, werden rechtlich niemals vollständig erlaubt werden.
Das gelte für Langstreckenfunk, P2P-Kommunikation und dezentrale Zahlungen gleichermaßen.
Wenn Staaten etwas weder verfolgen noch besteuern können, werde es nicht massentauglich.
Schon dass Unternehmen digitale Inhalte trotz Kauf löschen können, während Torrents illegal sind, sage viel über die Lage aus.
Meshtastic und günstige Kits für 10 bis 35 Dollar seien deutlich besser.
Mit reinem Bluetooth seien vielleicht 100 m drin, mit Meshtastic dagegen 2 bis 20 km.
Auch die Community sei aktiv.
Selbst in einem Netzwerk mit 60 Stationen sei mehr als ein Hop schwierig.
Meshcore erreiche dagegen auch bei mehr als fünf Hops fast 100 % Erfolgsquote.
Früher habe man es wegen Closed Source gemieden, aber inzwischen stabilisiert sich die Open-Source-Flutter-App.