- Faserstruktur und chemische Bindungen bestimmen, ob Kleidung einläuft; Wärme, Feuchtigkeit und mechanische Bewegung aktivieren das „Gedächtnis“ der Fasern, sodass sie in ihre ursprünglich gekrümmte Form zurückkehren
- Baumwolle und Leinen bestehen aus Cellulosemolekülen, sind daher empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Wärme, und beim Waschen werden Wasserstoffbrückenbindungen geschwächt, wodurch die Fasern schrumpfen
- Wollfasern verhaken sich durch ihre feine schuppenartige Oberflächenstruktur beim Waschen ineinander, was zum Filzen führt und das Kleidungsstück kleiner macht
- Synthetische Fasern wie Polyester und Nylon besitzen eine hohe Kristallinität und eine stabile innere Struktur, weshalb sie wenig einlaufen; einige verfügen dank Shape-Memory-Polymer-Technologie über eine Formrückstellung
- Eingelaufene Kleidung kann teilweise wieder an Größe gewinnen, wenn man die Fasern mit lauwarmem Wasser und Haarspülung geschmeidig macht, sie anschließend vorsichtig in Form zieht und trocknen lässt
Struktur der Fasern und Prinzip des Einlaufens
- Pflanzliche Fasern wie Baumwolle und Leinen bestehen aus Cellulosemolekülen mit unregelmäßiger, gekrümmter Form
- Im Herstellungsprozess werden die Fasern mechanisch gedehnt und verdreht, wodurch sich die Molekülketten ausrichten
- Die dabei entstehenden Wasserstoffbrückenbindungen erhalten Festigkeit und Form der Fasern
- Beim Waschen schwächen Wärme, Feuchtigkeit und mechanische Vibration diese Bindungen, sodass die Fasern in ihren ursprünglich gekrümmten Zustand zurückkehren
- Dieses Phänomen ist die Ursache für Falten und Einlaufen
Mechanismus des Einlaufens beim Waschen
- Heißes Wasser erhöht die Energie der Fasern, verstärkt die Molekülschwingungen und löst Wasserstoffbrückenbindungen, wodurch die Faseranordnung gestört wird
- Stoffe mit lockerer Strickstruktur haben mehr Zwischenräume und laufen daher leichter ein
- Dagegen sind bei dicht gewebten Stoffen die Garne fest fixiert, was den Widerstand gegen Einlaufen erhöht
- Cellulosefasern sind hydrophil und nehmen Wasser auf, wodurch sie aufquellen und flexibler werden
- Durch Rotation und Verwindung in der Waschmaschine entspannen sich die Fasern zusätzlich, was zum Einlaufen führt
Einfluss von Temperatur und Waschbedingungen
- Auch bei der Wäsche mit kaltem Wasser kann es durch das Eindringen von Feuchtigkeit und mechanische Bewegung zum Einlaufen kommen
- Allerdings in geringerem Maße als bei heißem Wasser
- Um Einlaufen zu reduzieren, sind kaltes Wasser, niedrige Schleuderdrehzahl und ein Schonwaschgang wirksam
- Auf Waschmaschinenhinweisen wird der Einfluss von Drehzahl oder Vibration oft nicht klar erklärt
Unterschiede zwischen Wolle und synthetischen Fasern
- Wolle ist eine proteinbasierte Keratinfaser; die Cuticula-Zellen (Schuppen) auf der Oberfläche öffnen sich beim Waschen und verhaken sich miteinander, wodurch Filzen (felting) entsteht
- Dadurch wird das Kleidungsstück dichter und kleiner
- Synthetische Fasern (Polyester, Nylon usw.) bestehen aus erdölbasierten Polymeren, haben eine hohe Kristallinität und eine stabile innere Struktur
- Diese kristallinen Bereiche stützen die Form der Fasern und verhindern so das Einlaufen
- In aktuellen Forschungen werden einlaufsichere Materialien auf Basis von Mischgarnen aus Natur- und Synthetikfasern sowie Shape-Memory-Polymeren entwickelt
So lässt sich eingelaufene Kleidung wiederherstellen
- Wenn Kleidung eingelaufen ist, kann man sie in einer Mischung aus 1 Esslöffel Haarspülung oder Babyshampoo pro 1 Liter lauwarmem Wasser einweichen und anschließend langsam wieder in ihre ursprüngliche Form ziehen
- Danach flach liegend trocknen oder mit leichter Spannung auf einem Wäscheständer fixieren
- Kationische Tenside schmieren die Fasern vorübergehend und machen sie dadurch geschmeidiger
- Eine vollständige Wiederherstellung ist schwierig, aber eine teilweise Größenrückgewinnung ist möglich
- Diese Methode hat bei starkem Einlaufen Grenzen, kann das Kleidungsstück aber wieder in einen tragbaren Zustand bringen
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