- Mitte der 1960er Jahre wurde bekannt, dass die Zuckerindustrie mit Ernährungswissenschaftlern zusammenarbeitete, um die Ursachen von Herzkrankheiten auf Fett und Cholesterin zu fokussieren und die Risiken von Saccharose (sucrose) herunterzuspielen
- Veröffentlichte interne Industriedokumente zeigen, dass die Zuckerbranche seit 1954 wusste, dass sich bei einer stärkeren Verbreitung fettarmer Ernährung der Pro-Kopf-Zuckerkonsum um mehr als ein Drittel erhöhen würde
- Die 1967 von Forschenden der Harvard School of Public Health verfasste Literaturübersicht (Project 226) wurde von der Zuckerindustrie finanziert, doch dieser Umstand wurde im NEJM-Artikel nicht offengelegt
- Diese Übersicht kritisierte Studien zum Zusammenhang zwischen Zucker und Herzkrankheiten und schwächte durch die Betonung des Blutcholesterins als einzigem zentralen Risikofaktor die Wahrnehmung der Risiken des Zuckerkonsums ab
- Die Forschenden betonen, dass diese Analyse die Notwendigkeit wissenschaftlicher Reviews ohne Interessenkonflikte und mit finanzieller Transparenz aufzeigt
Zusammenarbeit zwischen Zuckerindustrie und Ernährungswissenschaft
- Mitte der 1960er Jahre arbeitete die Zuckerindustrie mit Ernährungswissenschaftlern zusammen, um die Ursachen von Herzkrankheiten auf Fett und Cholesterin zu begrenzen und die Risiken des Saccharosekonsums herunterzuspielen
- Laut einer Analyse von Forschenden der UC San Francisco wurde dies 2016 in JAMA Internal Medicine veröffentlicht
- Die Dokumente stammen aus internen Industrieunterlagen, die in öffentlichen Archiven gefunden wurden, und zeigen strategische Eingriffe der Branche
- 1954 sagte ein Branchenverband der Zuckerindustrie voraus, dass sich bei einer stärkeren Verbreitung fettarmer Ernährung der Saccharosekonsum um mehr als ein Drittel erhöhen würde
- Der Verband bestand aus 30 internationalen Mitgliedsunternehmen
- In der wissenschaftlichen Literatur und in den Medien tauchten damals erste Hinweise darauf auf, dass Zuckerkonsum mit erhöhten Blutwerten von Cholesterin und Triglyceriden zusammenhängt
Literaturübersicht (Project 226) und Meinungsbildung
- Nach zunehmender Medienberichterstattung im Jahr 1965 über das Herzkrankheitsrisiko von Saccharose beauftragte die Zuckerindustrie Forschende der Ernährungsabteilung der Harvard School of Public Health mit einer Literaturübersicht
- Diese Übersicht wurde 1967 im New England Journal of Medicine veröffentlicht
- Das Fazit lautete, die einzige notwendige Ernährungsmaßnahme zur Vorbeugung von Herzkrankheiten sei die Reduktion von Nahrungscholesterin und der Ersatz gesättigter Fette durch ungesättigte Fette
- Diese Literaturübersicht hatte großen Einfluss auf die Wahrnehmung in Öffentlichkeit und Wissenschaft
- Forschende der UC San Francisco analysierten insgesamt 340 Dokumente mit 1.582 Seiten
- Die Dokumente enthalten Austausch zwischen der Zuckerindustrie, dem Organischen Chemiker Roger Adams und dem Harvard-Forscher D. Mark Hegsted
- Die Zuckerindustrie zahlte den Harvard-Forschenden umgerechnet rund 50.000 US-Dollar nach Wert von 2016 und war an Zielsetzung, Materialbereitstellung und Durchsicht von Entwürfen beteiligt
- Dennoch wurden die Finanzierung und die Einflussnahme der Branche im NEJM-Artikel nicht offengelegt
- Der Review-Artikel kritisierte Studien, die auf einen Zusammenhang zwischen Saccharose und Herzkrankheiten hinwiesen, und ignorierte die Grenzen der Fettforschung
- Indem Blutcholesterin als einziger zentraler Risikofaktor definiert wurde, erschienen die Risiken des Zuckerkonsums geringer
Notwendigkeit transparenter wissenschaftlicher Reviews
- Die Forschenden betonen, dass dieser Fall die Bedeutung wissenschaftlicher Reviews ohne Interessenkonflikte und die Notwendigkeit finanzieller Offenlegung zeigt
- Professor Stanton A. Glantz sagte: „Die Geldgeber können die Ergebnisse steuern“, und verwies auf die Möglichkeit subtiler Manipulation wissenschaftlicher Forschung durch die Branche
- Mitautorin Laura Schmidt erklärte, dass sich die auf gesättigte Fette zentrierte Erklärung für Herzkrankheiten jahrzehntelang gehalten habe, während sich in jüngerer Zeit wissenschaftliche Belege für die Rolle von Zucker angesammelt hätten
- In gesundheitspolitischen Dokumenten spiegelt sich der Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Herzkrankheitsrisiko jedoch weiterhin nicht konsistent wider
- Die Studie wurde unterstützt vom UCSF Philip R. Lee Institute for Health Policy Studies, dem Hellmann Family Fund, der UCSF School of Dentistry, dem US National Institute of Dental and Craniofacial Research sowie dem National Cancer Institute
Noch keine Kommentare.