Alle KI-Videos sind schädlich (2025)
(idiallo.com)- Technologien zur KI-Videogenerierung sollten eigentlich die Hürden für kreatives Schaffen senken, doch in der Praxis erzeugen sie nur oberflächliche und klischeehafte Szenen
- Verschiedene Modelle wie Sora, Runway ML und Veo erzeugen zwar technisch ausgereifte Videos, doch es ist schwer, Werke mit Absicht und Erzählung zu schaffen
- Diese Videos besitzen eine unnatürliche Ästhetik, die typisch für ‚KI-Videos‘ ist, und lösen beim Publikum Unbehagen und Misstrauen aus
- Besonders unter älteren Menschen verbreiten sich Videos mit Desinformation und Fake News rasant, wodurch die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmt
- Letztlich verursachen KI-Videos sowohl direkte als auch indirekte Schäden und beschleunigen den Vertrauensverlust in visuelle Medien insgesamt
Erwartungen und Realität als Kreativwerkzeug
- Bei der Einführung von OpenAIs Sora erwarteten Nutzer, mit eigenen Skizzen und Drehbüchern Kurzfilme erstellen zu können
- In der Praxis lieferten die erzeugten Videos jedoch anders als in den Demos wiederholt Ergebnisse, die nicht zu den gewünschten Szenen passten
- Auch andere Modelle wie Runway ML und Veo wurden getestet, erzeugten aber allesamt oberflächlich überzeugende Videos ohne erzählerische Kohärenz
- Diese Resultate sind nicht nur Ausdruck technischer Grenzen, sondern weisen Merkmale auf, die sie als eigenständige ästhetische Kategorie namens ‚KI-Video‘ erkennbar machen
Ein neues Uncanny Valley
- KI-Videos haben eine unverwechselbare visuelle Textur, die sofort erkennbar ist, und vermitteln ein subtil „falsches“ Gefühl
- Auch wenn Zuschauer es nicht klar erklären können, spüren sie instinktiv die Unnatürlichkeit
- Der Autor empfindet gegenüber solchen Videos starke Abneigung, und Menschen im Umfeld reagieren ähnlich
- Laut einem Bericht der BBC verändert YouTube Videos per KI ohne Zustimmung der Urheber, sodass sogar echte Aufnahmen künstlich wirken
- Gesichter erscheinen dabei übermäßig geglättet oder geschärft
- Dadurch verwischt die Grenze zwischen echten Videos und KI-Videos
Missbrauch und Ausweitung der Schäden
- Die wichtigsten Nutzer von KI-Videos sind Anwender mit Spam-, Betrugs- oder Propagandaabsichten
- Sie nutzen KI-Tools, um Desinformation und manipulierte Inhalte in großem Umfang zu produzieren
- Besonders ältere Menschen sind die Hauptbetroffenen: In Gruppen-Chats mit Familie und Bekannten verbreiten sich gefälschte Videos mit Aussagen prominenter Personen oder Gesundheitsdesinformation schnell
- Beispiele: ein Ratgebervideo von Denzel Washington, religiöse Aussagen von Obama oder ein Meinungswechsel von Trump
- Der Autor weist wiederholt auf Anzeichen für KI-Videos (z. B. Sora-Wasserzeichen) und Methoden zum Faktencheck hin, kann aber mit der Geschwindigkeit der Verbreitung nicht Schritt halten
- Auch in YouTube-Kommentaren gibt es zahlreiche echte Nutzer, die ernsthaft mit gefälschten Personen interagieren
Der Zusammenbruch des Vertrauens
- KI-Videotechnologie wird wirksamer für Manipulation und Ausbeutung als zur Unterstützung von Kreativen eingesetzt
- Positive Einsatzmöglichkeiten in Bildung, Barrierefreiheit und Kunst wurden zwar erwogen, doch in der Praxis führen alle KI-Videos zu schädlichen Folgen
- Direkte Schäden: Desinformation, Identitätsvortäuschung, Manipulation vulnerabler Gruppen
- Indirekte Schäden: Verlust des Vertrauens in visuelle Medien insgesamt
- Der Autor kommt zu dem Schluss: „Selbst harmlose KI-Videos beschleunigen den Vertrauenszerfall.“
Fazit: Von der Hürde des kreativen Schaffens zur Hürde des Vertrauens
- KI-Videos haben sich als Technologie etabliert, die sich hervorragend für böswillige Zwecke eignet
- Die von Kreativen erwartete Überwindung technischer Hürden bleibt weiterhin aus,
und stattdessen ist nun das größere Problem einer „Hürde des Vertrauens“ entstanden - Dieser Vertrauensverlust bleibt ein deutlich schwerer zu behebendes Problem
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
99 % von allem auf der Welt sind eher mittelmäßig, und AI-Videos sind da keine Ausnahme.
Trotzdem waren Videos von YouTube-Kanälen wie NeuralViz ziemlich beeindruckend. Zum Beispiel passte Igorrrs ADHD-Musikvideo perfekt zur Musik.
Was diese „guten“ AI-Videos gemeinsam haben, ist, dass die AI nicht 99 % der Arbeit übernimmt. Es gibt immer noch menschliche Eingriffe wie Schnitt, Schauspiel und Drehbuch, und die „Seltsamkeit“ der AI wird nicht versteckt, sondern bewusst genutzt.
Zum Beispiel wurden mit einem AI-Audio-Generator Sample-Sounds erstellt, oder ein Icon-Set eigens entworfen und auf GitHub veröffentlicht, um die Nutzung von AI kenntlich zu machen. Trotzdem gab es allein wegen der Erwähnung von AI so viele bösartige Kommentare, dass die Videos am Ende entfernt wurden.
Sora fühlt sich an, als würde es Schwieriges einfach und Einfaches schwierig machen. Ich glaube nicht, dass man sich lange an solche Creator erinnern wird.
Trotzdem wünschte ich, solche Videos wären teurer in der Produktion. Es wirkt jedenfalls nicht wie etwas, das mit ein paar simplen Prompts erledigt ist.
In Werbung sieht man derzeit immer mehr AI-generierte Videos. Vermutlich aus Kostengründen, aber dadurch sind Werbespots, die früher nur nervig waren, jetzt unangenehm und befremdlich geworden.
Wenn über AI-Risiken gesprochen wird, geht es immer nur um Superintelligenz, aber das eigentliche Problem ist die beschleunigte Konkurrenz durch minderwertige Inhalte.
Auch Projekte wie The Codex Book wirken auf mich nicht vertrauenswürdig, weil sie AI-Bilder verkaufen, als wären sie handgemacht.
Viele behaupten, AI-Videos gäben „kreative Freiheit“, aber in Wirklichkeit werden die meisten kreativen Entscheidungen von der AI getroffen.
Tonalität, Schnitte, Farbgebung eines Videos sind letztlich Ergebnisse des Trainings auf den Werken anderer. Mit anderen Worten: AI-Videos sind ein Prozess der Entfernung von Kreativität.
Früher wurde Sampling-Musik kritisiert, heute werden Künstler wie Fatboy Slim anerkannt; Technologie ist letztlich nur ein neues Ausdrucksmittel.
Ich habe eine Filmidee, und dank AI kann ich die Bilder in meinem Kopf jetzt direkt visualisieren.
Die Behauptung „AI-Videos sind schädlich“ wird am Ende genauso rückständig wirken wie früher „alle Videos sind schädlich“.
Ich teile die Sorge des Autors, dass „AI-Videos Menschen dazu bringen, zu manipulieren, zu täuschen und auszubeuten“, aber eine binäre Behauptung wie „alle AI-Videos sind schädlich“ schwächt die Botschaft.
Natürlich gibt es viele schädliche Videos, aber gleichzeitig auch bewegende Kunst.
Kanäle wie kellyeld2323 und alffx123 sind Beispiele dafür.
Schon vor AI bestand der Großteil der Internetvideos aus Propaganda, Wutverstärkung und Konsumsteuerung. Mit demselben Maßstab waren auch herkömmliche Videos bereits schädlich genug.
Der Autor hat das Problem richtig benannt, aber die technische Grundursache ist die mangelnde Steuerbarkeit.
Modelle wie Sora, Veo und Runway sind derzeit probabilistische Generatoren und können daher nicht die konkrete Szene erzeugen, die ein Regisseur will.
Für Spammer reicht einfach ein „sprechendes Gesicht“ oder eine „brennende Stadt“, aber Künstler brauchen exakte Winkel, Lichtsetzung und konsistente Figuren.
Solange sich solche Techniken zur Steuerung des latenten Raums (z. B. eine Video-Version von ControlNet) nicht weiterentwickeln, bleiben AI-Videos eher digitale Rauschgeneratoren als Kunst.
Ich stimme zu, dass „AI macht dich nicht zum Filmregisseur“ stimmt, aber das eigentliche Problem ist strukturell: Selbst talentierte Menschen bekommen oft keine Chance.
Unzählige Kreative können ihre Werke wegen Finanzierung, Netzwerken und Branchenstrukturen nicht veröffentlichen. AI könnte für solche Menschen eine neue Chance auf Ausdruck sein.