- Der Fall, in dem ein unbekannter Erwachsener über ein Gabb-Gerät für Kinder mit dem 12-jährigen Sohn Kontakt aufnahm, zeigt die begrenzte Wirksamkeit von Kindersicherungen
- In Gabbs Liste genehmigter Apps war die riskante App GroupMe enthalten, und in der Praxis waren dort Gespräche mit Fremden möglich
- Auch beim Einrichten der Nintendo Switch und von Microsoft Family Safety folgten komplexe Abläufe und doppelte Kontrollmöglichkeiten aufeinander
- Für Online-Gaming waren zusätzliche Konten und ein kostenpflichtiges Abonnement nötig, während es für Eltern schwierig blieb, eine vollständige Sperre einzurichten
- Es wird darauf hingewiesen, dass Kindersicherungssysteme weniger Sicherheit garantieren als vielmehr Komplexität schaffen und Verantwortung auf Eltern abwälzen
Schwachstellen des Gabb-„kindersicheren“ Telefons
- Auf dem Gabb-„kid-safe“-Telefon seines 12-jährigen Sohnes wurde entdeckt, dass ein unbekannter Erwachsener Textnachrichten geschickt hatte
- Die Person hatte die Nummer des Sohnes über einen Kinder-Lesechat in der App GroupMe erhalten
- Am Weihnachtsmorgen, während die Familie Geschenke auspackte, kam die Nachricht: „Was hast du bekommen? Schick ein Foto“
- Obwohl GroupMe in Gabbs „Liste genehmigter Apps“ enthalten war, stufte der Gabb-Blog dieselbe App als „App mit gefährlichen Chat-Funktionen“ ein
- Im Blog wird erklärt, GroupMe öffne „die Tür zu potenziellen Gefahren“
- Der Gabb-Blog umfasst 572 Beiträge, sodass Eltern diese Warnung kaum selbst finden können
- Beim Eintrag zu GroupMe war ein Tooltip mit dem Hinweis „Kontakt mit Fremden möglich“ versteckt
- Die Liste der genehmigten Apps umfasste 586 bestehende Apps, 60 nicht genehmigte Apps, 170 Apps unterhalb der Kriterien und 22 Musik-Apps
- Die komplizierte UI-Struktur war so gestaltet, dass Eltern nur per Mouseover erkennen konnten, ob ein Risiko bestand
- Durch diese Struktur haben Eltern das Gefühl, die tatsächliche Kontrolle zu verlieren
Komplizierter Einrichtungsprozess der Nintendo Switch
- Um die Nintendo Switch des Sohnes einzurichten, war ein mehrstufiger Prozess nötig
- Internetverbindung, Installation der App Nintendo Switch Parental Controls, Anlegen eines Nintendo-Kontos für die Eltern, Kreditkartenverifizierung (0,50 US-Dollar), Festlegen einer PIN, Erstellen und Verknüpfen eines Kinderkontos usw.
- Einige Kontrollfunktionen liegen in der mobilen App, andere auf der Nintendo-Website
- Selbst nach Abschluss der Einrichtung lassen sich Internetzugang oder eShop-Zugriff nicht eindeutig konfigurieren
- Kostenlose Downloads im eShop lassen sich nicht blockieren
- Es ist nicht möglich, die Nutzung einfach auf Spielmodule zu beschränken
Überlappende Kontrollen bei Minecraft und Microsoft Family Safety
- Damit der Sohn mit Freunden Minecraft spielen konnte, mussten zusätzliche Konten erstellt werden
- Microsoft-Konto für die Eltern, E-Mail-Adresse für das Kind, Microsoft-Konto für das Kind, Xbox-Gamertag, Family-Safety-Einstellungen und zusätzliche Kontrollen auf xbox.com
- Auf xbox.com gibt es 29 Einstellungen zu Chat, Freunden und Kommunikation
- Beim Versuch, online zu spielen, meldete Minecraft, man müsse „die Kindersicherung lockern“, nannte aber nicht, welche Einstellung gemeint war
- Für Online-Spiele ist ein Nintendo Switch Online-Abonnement erforderlich, also ein kostenpflichtiges Abo
- Das Abonnement erlaubt automatisch den Zugriff auf den eShop, und Eltern können den Download kostenloser Inhalte nicht blockieren
Frustration der Eltern und strukturelle Probleme des Systems
- Durch komplexe Abläufe und doppelte Kontrollen entsteht eine Situation, in der Eltern zu technischen Expert:innen werden müssen
- Das Customer-Journey-Design von Nintendo wird so beschrieben, dass es Eltern zermürbt und sie letztlich dazu bringt, Beschränkungen zu lockern und kostenpflichtige Dienste zu abonnieren
- Trotz Wut und Erschöpfung zerstört der Autor das Gerät nicht und erklärt stattdessen, dass Fragen zu Minecraft tabu sind
- Stattdessen soll das eher offline-orientierte Zelda: Breath of the Wild gespielt werden
Grundlegende Grenzen von Kindersicherungssystemen
- Was Eltern wollen, ist ein einfacher „Ausschalter“, also eine einzige Einstellung: „Dieses Kind darf nicht online gehen, nicht mit Fremden sprechen, nichts kaufen und nichts herunterladen“
- Die realen Systeme bestehen jedoch aus einer komplexen Struktur, verteilt über Tooltips, Blogs und Untermenüs, sodass Probleme am Ende bei den Eltern landen
- Sichtbar wird die Diskrepanz zwischen dem „Sicherheitsmarketing“ großer Unternehmen wie Gabb, Nintendo, Microsoft und Xbox und der tatsächlichen Komplexität
- Letztlich funktionieren Kindersicherungen nicht für Eltern, sondern als Mechanismus zur Aufrechterhaltung struktureller Komplexität im Interesse der Unternehmen
Noch keine Kommentare.