- Der E-Mail-Client Thunderbird 145 integriert das Protokoll Microsoft Exchange Web Services (EWS) nativ, sodass Exchange-E-Mail ohne zusätzliche Erweiterungen genutzt werden kann
- Bisher war man auf IMAP/POP oder Drittanbieter-Erweiterungen angewiesen, jetzt wird jedoch eine vollständige Integration mit Exchange-Umgebungen unterstützt, darunter Ordnersynchronisierung, Anhangsverarbeitung und Verwaltung von Serverordnern
- Microsoft-365- und Office-365-Konten werden per OAuth2-Authentifizierung automatisch eingerichtet; beim Anlegen eines neuen Kontos genügt es, die Exchange-Option auszuwählen, um die Verbindung einfach herzustellen
- Aktuell wird nur die E-Mail-Funktion unterstützt; Kalender-, Adressbuch- und Microsoft-Graph-Integration sollen in künftigen Versionen ergänzt werden
- Thunderbird erhöht damit seine Reife als Outlook-Alternative und bietet Unternehmensnutzern von Exchange eine flexiblere Wahl
Wichtige Änderungen in Thunderbird 145
- Thunderbird unterstützt mit dem Exchange Web Services (EWS)-Protokoll Microsoft-Exchange-basierte E-Mail jetzt direkt ab Werk
- Zuvor mussten IMAP/POP oder externe Erweiterungen verwendet werden
- Jetzt gehören E-Mail-Empfang und -Versand, das Abrufen von Ordnerlisten, die Verwaltung von Server- und lokalen Ordnern sowie die Verarbeitung von Anhängen zum Funktionsumfang
- Kalender und Adressbuch werden noch nicht unterstützt, stehen aber auf der Roadmap
Veränderungen für die Nutzererfahrung
- In Exchange-Umgebungen können Thunderbird-Nutzer jetzt vollständige Ordnersynchronisierung und Nachrichtenverwaltung verwenden
- Unterstützt werden zentrale E-Mail-Aktionen wie Nachrichten anzeigen, senden, beantworten, weiterleiten, verschieben, kopieren und löschen
- Enthalten sind auch Funktionen zum Speichern, Anzeigen und Löschen von Anhängen
- Die Funktionen für Suche und Filterung unterstützen die Suche in Betreff und Inhalt sowie schnelles Filtern, aber filterbasierte Verarbeitung auf Basis des vollständigen Nachrichtentexts wird noch nicht unterstützt
Einrichtung und erste Schritte
- Wenn ein Microsoft-365- oder Office-365-Konto verwendet wird, richtet Thunderbird es über den standardmäßigen Microsoft-Login (OAuth2) automatisch ein
- Beim Erstellen eines neuen Kontos „Exchange“ oder „Exchange Web Services“ auswählen
- Thunderbird erkennt die Servereinstellungen automatisch und konfiguriert die Verbindung
- Einige Authentifizierungskonfigurationen werden noch nicht unterstützt; die Kompatibilität soll in künftigen Updates erweitert werden
- Beispiele: NTLM-Authentifizierung, OAuth2 für On-Premises-Server stehen auf der Roadmap
Aktuell unterstützte Funktionen und weitere Pläne
- Derzeit unterstützt
- Erstellen von E-Mail-Konten und Zugriff auf Ordner
- Senden, Empfangen, Verschieben und Löschen von Nachrichten
- Speichern und Anzeigen von Anhängen
- Standard-OAuth2-Domänen von Microsoft 365
- Einfache Passwortauthentifizierung für On-Premises-Server
- Nicht unterstützt (geplant für spätere Ergänzung)
- Synchronisierung von Kalender und Adressbuch
- Integration von Microsoft Graph
- NTLM-Authentifizierung und benutzerdefinierte OAuth2-Tenants
Exchange Web Services und Microsoft Graph
- Microsoft stellt EWS schrittweise ein und wechselt zu Microsoft Graph
- EWS wird vorerst weiter unterstützt, langfristig soll Graph jedoch die Standardschnittstelle für Microsoft-365-Dienste werden
- Thunderbird hat sich zunächst auf EWS-Kompatibilität konzentriert und entwickelt parallel auch Unterstützung für Microsoft Graph
Ausblick
- Die E-Mail-Funktion ist bereits weitgehend fertig; sobald Kalender- und Adressbuch-Integration hinzukommen, könnte Thunderbird für Exchange-Nutzer eine vollständige Alternative bieten
- Thunderbird entwickelt sich zu einem Open-Source-E-Mail-Client als Ersatz für Outlook
- Zusätzliche Unterstützung und Integrationsfunktionen sollen in kommenden Releases schrittweise bereitgestellt werden
- Weitere Informationen finden sich auf der Mozilla-Support-Seite, im Thunderbird-Wiki und auf der Meta-Bug-Seite von Bugzilla
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Früher hatte Microsoft mit Outlook praktisch ein Monopol, die UX wurde immer schlechter und es war nur für Windows verfügbar.
Thunderbird, das damals aufkam, war als Open-Source-Mail-Client Outlook bei Funktionen, Spam-Filterung und IMAP-Unterstützung deutlich überlegen, außerdem kostenlos und auf jedem OS nutzbar.
Mozilla und Thunderbird sorgten für einen großen Wendepunkt, weil sie uns aus einem geschlossenen Ökosystem gerettet haben.
An der Universität, an der ich arbeitete, nutzten die meisten Mitarbeitenden Eudora, und ich fand es wirklich schade, als Qualcomm den Dienst einstellte.
Webmail ist im Vergleich zu Desktop-Clients gar kein Vergleich und deutlich umständlicher, und sich nur auf die Gmail-Oberfläche zu versteifen, ist viel zu einschränkend.
Noch heute gibt es in Thunderbird Ordner, die 1996 bei Netscape erstellt wurden.
Besonders die Funktion, E-Mails mit beliebigen Adressen innerhalb einer Domain zu senden, ist unverzichtbar.
Funktionen wie Maildir-Unterstützung sind zwar noch nicht fertig, aber ich werde es trotzdem weiter nutzen.
Für On-Premises-Exchange bleibt es jedoch weiter unterstützt.
Die aktuelle Version unterstützt allerdings keine benutzerdefinierte Office365-Tenant-ID, daher funktioniert sie nur für outlook.com-Nutzer.
Unsere Organisation hat SMTP und IMAP noch nicht deaktiviert, aber sie sind sehr langsam.
MAPI wird wohl so schnell nicht verschwinden.
Unser Unternehmen ist von GroupWise zu Exchange und dann wieder in die Cloud migriert.
Heute verwalten wir MX mit Exim + rspamd und leiten bei Bedarf an MS365 weiter.
Wenn die Lizenzkosten steigen, wollen wir zu etwas anderem wechseln.
Privat nutze ich Evolution für M365-Mail.
Soweit ich gehört habe, verlangt Microsoft das bei der Exchange-Implementierung.
Laut Microsoft-Dokumentation sind damit Remote-Wipe, Passwortvorgaben und Gerätezugriffskontrolle möglich.
Wie Mozilla das umgesetzt hat, müsste man noch prüfen.
Die Outlook-Funktion zum Zurückrufen von E-Mails funktioniert nur innerhalb derselben Organisation.
Nach außen wird nur eine Benachrichtigungs-E-Mail verschickt.
Trotzdem hoffe ich, dass Desktop- und Mobile-Clients irgendwann einen Umgehungsweg anbieten.
Wenn man versucht, das zu umgehen, landet man wegen Verstoßes gegen Richtlinien bei einem Gespräch mit HR.
Wenn Sicherheits- und Risikobewertung sauber gemacht werden, ist das absolut möglich.
Man kann sie auf einem USB-Stick installieren, sein Postfach mit sich herumtragen und auf jedem PC Mails prüfen, ohne das Dateisystem des Hosts anzufassen.
Ich habe auch eine verschlüsselte Partition und ein Entschlüsselungstool mit auf dem USB-Stick.
Da wäre E-Mail auf dem Handy vielleicht doch besser.
Selbst bei Cloud-Ausfällen ist das kein Problem, und genau darin liegt die Stärke von lokalen Clients wie Thunderbird.
Owl for Exchange Link
Ich bin sehr zufrieden, weil ich so auch unter Linux mit Thunderbird meine Arbeitsmails nutzen kann.
Auch JMAP-Unterstützung gibt es noch nicht.
Die Entwicklung läuft noch, und man hofft derzeit auf eine Veröffentlichung im nächsten Jahr.
Noch immer gibt es keine Kalenderintegration, was im Unternehmensumfeld unpraktisch ist.
Wenn E-Mail und Terminverwaltung getrennt sind, leidet die Arbeitseffizienz.
Da ich nur Webmail nutze, gibt es weniger unnötigen Benachrichtigungslärm.
Evolution hat mich in EWS-Umgebungen lange über Wasser gehalten.