- Die neue von dem US-Patentamt (USPTO) vorgeschlagene Regelung läuft faktisch darauf hinaus, der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu nehmen, innerhalb des Patentamts gegen zu Unrecht erteilte Patente Einspruch einzulegen
- Wenn diese Regelung in Kraft tritt, würde sich eine Struktur verfestigen, in der Patenttrolle mangelhafte Patente aufrechterhalten und massenhaft Klagen anstrengen können
- Das zentrale Instrument IPR (Inter Partes Review) ist für kleine und mittlere Unternehmen sowie Entwickler die einzige Möglichkeit, Patente ohne teure Gerichtsverfahren anzufechten, doch die neue Regelung beschränkt dies aus verfahrensrechtlichen Gründen
- Die vorgeschlagene Regel enthält Bestimmungen, nach denen ein Patent bereits nach einem einzigen Prozessergebnis „nicht erneut anfechtbar“ werden kann oder IPR vollständig ausgeschlossen wird, wenn ein Gerichtsverfahren voraussichtlich schneller ist
- Die EFF warnt, dass dieser Schritt der Öffentlichkeit das Recht auf Patentprüfung entzieht und Innovation bremst, und ruft dazu auf, bis zum 2. Dezember öffentliche Stellungnahmen einzureichen
Überblick über den neuen Regelungsvorschlag des USPTO
- Das US-Patentamt will mit einer neuen Regelung das Verfahren faktisch beenden, mit dem die Öffentlichkeit mangelhafte Patente direkt innerhalb des Patentamts anfechten kann
- Wenn die Regelung in Kraft tritt, könnten Patenttrolle wie gewünscht Verfahren zur Nichtigerklärung von Patenten blockieren
- Einzelpersonen oder Unternehmen, die verklagt werden, verlieren damit ein realistisches und wirtschaftlich tragbares Verteidigungsmittel
- Die EFF bittet Unterstützer darum, öffentliche Stellungnahmen einzureichen; als Frist wird der 2. Dezember 2025 genannt
Rolle und Bedeutung von IPR (Inter Partes Review)
- IPR ist für gewöhnliche Entwickler, KMU und Non-Profit-Organisationen ein praktisches Mittel, um mangelhafte Patente anzufechten, ohne Prozesskosten in Millionenhöhe tragen zu müssen
- Es ist schneller und stärker technikorientiert als Verfahren vor Bundesgerichten, und das Patent Trial and Appeal Board (PTAB) führt die Prüfung durch
- Das Verfahren wurde als fachliche Überprüfung konzipiert, um fehlerhafte Patenterteilungen des Patentamts zu korrigieren
- Beispiele für die tatsächliche Wirkung von IPR
- „Podcasting-Patent“ (Personal Audio): von der EFF per IPR für nichtig erklärt, wodurch die weltweite Podcast-Industrie geschützt wurde
- SportBrain-Patent: In Klagen gegen mehr als 80 Unternehmen strich das PTAB sämtliche Ansprüche
- Shipping & Transit: Reichte Hunderte Klagen ein, brach jedoch nach wiederholten Niederlagen vor dem PTAB zusammen
- Wenn die neue Regelung in Kraft tritt, könnten solche gemeinwohlorientierten Anfechtungen aus verfahrensrechtlichen Gründen blockiert werden
Drei zentrale Änderungen, die das USPTO vorantreibt
- Erstens müssen Beklagte, die IPR beantragen wollen, zusagen, die Gültigkeit des Patents vor Gericht nicht anzufechten
- Das zwingt Beklagte in laufenden Verfahren zu einer realitätsfernen Wahl
- Zweitens kann ein Patent, zu dem einmal eine Gültigkeitsentscheidung ergangen ist, von niemand anderem mehr per IPR erneut angefochten werden
- Selbst wenn neuer Stand der Technik entdeckt wird, wird der Öffentlichkeit die Chance auf erneute Prüfung genommen
- Drittens wird IPR vollständig untersagt, wenn erwartet wird, dass ein Verfahren vor einem Bezirksgericht schneller voranschreitet als vor dem PTAB
- In der Folge können sich Beklagte nur verteidigen, wenn sie Prozesskosten in Millionenhöhe in Kauf nehmen
Rechtliche Grundlage und institutionelle Probleme
- IPR ist ein 2013 vom Kongress geschaffenes Verfahren, das Fehler des Patentamts schnell und kostengünstig korrigieren soll
- Daher hat nur der Kongress die Befugnis, dieses Verfahren zu ändern
- Die neue Regelung droht, durch einen Verwaltungsakt den ursprünglichen Zweck von IPR zu verzerren und verfahrensrechtliche Fallstricke zu schaffen, die legitime Anfechtungen verhindern
- Das Patentamt behauptet, Beklagte würden IPR missbrauchen, tatsächlich haben jedoch Patenttrolle Hunderte von Klagen in Serie angestrengt
Öffentliche Beteiligung und Aufruf zum Handeln
- Die EFF betont den Grundsatz: „Die Öffentlichkeit hat das Recht, mangelhafte Patente anzufechten“
- Bereits 2023 wurde ein ähnlicher Regelungsvorschlag eingebracht, aber nach Stellungnahmen von mehr als 1.000 Personen wieder zurückgezogen
- Auch diesmal wird die Öffentlichkeit und werden Nutzer von Technologien dazu aufgerufen, unter ihrem echten Namen Stellungnahmen einzureichen, um eine Verschlechterung des Systems zu verhindern
- Der vorgeschlagene Beispieltext für Stellungnahmen betont die Notwendigkeit, Fairness und Offenheit von IPR zu bewahren und Innovation zu schützen
Relevanter Kontext
- Die EFF hat sich auch in der Vergangenheit gegen Patenttrolle-freundliche Gesetzesvorhaben wie PERA und den PREVAIL Act gestellt
- Die jetzige Regelung steht in der Verlängerung dieser Entwicklung und könnte die Grundlagen des Systems zur Patentprüfung schwächen
- Der gesamte Artikel unterstreicht erneut die Bedeutung von Transparenz im Patentsystem und öffentlicher Beteiligung
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