- In Online-Communities wurde berichtet, Spezifikationen und Benchmarks zum Ryzen 7 9700X3D seien geleakt worden; tatsächlich stellte sich jedoch heraus, dass es sich um von Nutzern als Scherz erstellte Falschinformationen handelte
- Freunde erstellten fiktive Spezifikationen und Screenshots und teilten diese; ein nicht existierender Benchmark wurde daraufhin tatsächlich in die Passmark-Datenbank aufgenommen
- Passmark übernahm den CPU-Namen aus
/proc/cpuinfo ungeprüft, woraufhin führende Medien wie TechPowerUp, Tom’s Hardware und Notebookcheck dies zitierten und darüber berichteten
- Der Fall zeigt, wie sich faktisch schon ein einziges nicht verifiziertes Benchmark-Ergebnis weltweit in den Nachrichten verbreiten kann; einige Medien korrigierten oder löschten ihre Artikel später
/proc/cpuinfo ist lediglich eine Textdatei und lässt sich mit dem sed-Befehl und mount --bind leicht manipulieren; auch über CPUID- oder MSR-Bearbeitung können Hardware-Informationen gefälscht werden
- Der Vorfall verdeutlicht mangelnde Vertrauenswürdigkeit und unzureichende Verifizierungsprozesse bei Online-Benchmark-Daten; der Verfasser betont: „Jeder Benchmark kann gefälscht werden“
Überblick über den Reddit-Beitrag
- In einem Beitrag im Reddit-Forum r/pcmasterrace erklärt der Verfasser, dass er und seine Freunde Leak-Informationen zum AMD Ryzen 7 9700X3D versehentlich manipuliert hätten
- Aus Spaß erstellten sie gefälschte Spezifikationen und Benchmark-Bilder und teilten diese; anschließend übernahmen mehrere Tech-Medien dies als echten Leak
- Der Verfasser merkt an: „Es war nicht beabsichtigt, aber am Ende haben wir den Leak manipuliert.“
Wie die Benchmark-Daten gefälscht wurden
- Unter Linux ist
/proc/cpuinfo eine virtuelle Datei mit CPU-Namen und -Informationen, die der Kernel in Echtzeit erzeugt
- Mit einem einfachen
sed-Befehl wurde der CPU-Name zu "Ryzen 7 9700X3D" geändert und anschließend Passmark ausgeführt
- Das Ergebnis wurde an den echten Server übermittelt und in die offizielle DB übernommen
- Beispiel für den verwendeten Befehl:
sed -E 's/^(model name[[:space:]]*:[[:space:]]*).*/\1desired shenanigans/' /proc/cpuinfo | sudo tee /root/fakecpuinfo >/dev/null && sudo mount --bind /root/fakecpuinfo /proc/cpuinfo
- Es stellte sich heraus, dass das Benchmark-Programm ohne CPUID-Prüfung lediglich der Zeichenkette aus
/proc/cpuinfo vertraute
Wie sich die Berichterstattung verbreitete
- Das bei Passmark eingetragene Ergebnis wurde automatisch erfasst, woraufhin große Medien wie TechPowerUp, VideoCardz, Tom’s Hardware, NotebookCheck und KitGuru Artikel dazu veröffentlichten
- Einige fügten sogar unbelegte Details wie TDP 120W und 5,8-GHz-Takt hinzu
- Nach Veröffentlichung des Reddit-Beitrags korrigierten oder löschten einige Medien ihre Falschmeldungen
- Der Verfasser kritisiert: „Schreibt keine Artikel auf Basis nur eines einzigen Benchmarks“ und „Zitate ohne Faktenprüfung untergraben die technische Glaubwürdigkeit“
Technische Implikationen
- Neben
/proc/cpuinfo lassen sich Hardware-Informationen auch in VM-Umgebungen oder durch MSR-Modifikation bzw. Manipulation des CPUID-Befehls auf Systemebene fälschen
- Passmark erklärte anschließend offiziell, man könne nicht alle Ergebnisse manuell verifizieren, und das Erkennen von Datenfälschung sei praktisch unmöglich
- Das automatische Crawlen von Benchmarks und die Struktur der Gerüchteverbreitung zeigen eine Verifizierungslücke im Ökosystem der Tech-News
Fazit
- Der Vorfall ist ein prägnantes Beispiel dafür, wie schnell fehlende Verifikation eines einzelnen Datenpunkts zu Falschmeldungen führen kann
- Benchmarks lassen sich leicht manipulieren, und eine Prüfung der Vertrauenswürdigkeit von Datenquellen ist unverzichtbar
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Vor einer Woche habe ich mit Freunden über die interne Struktur von Zen 5 gesprochen
Wir haben darüber diskutiert, wie der CPUID-Befehl funktioniert und dass sich AMD-MSRs ändern lassen, wenn man den Prozessor höflich darum „bittet“
Als Test hat einer meiner Freunde bei einem 9700X mit starkem PBO in
/proc/cpuinfodie Bezeichnung auf „9700X3D“ geändert und dann Passmark laufen lassenEinige Medien haben dieses Ergebnis einfach geglaubt und darüber berichtet, dabei war die Takt-Diskrepanz in Wirklichkeit eindeutig. Vertrauenswürdige Medien haben das gut herausgearbeitet
Ein Intel-Ingenieur schrieb in den Kommentaren: „Wenn ein Benchmark das Labor verlässt, verlässt es auch ein Mitarbeiter.“ Solche Tests würden normalerweise nur mit Golden-Bin-Chips durchgeführt
In letzter Zeit gibt es viel zu oft Nachrichten nach dem Muster „Neue CPU in Passmark aufgetaucht“, daher halte ich das inzwischen für beabsichtigtes Marketing
Wie EXIF-Metadaten lassen sich auch solche Informationen leicht manipulieren
Unter den „Tech-Journalisten“ gibt es kaum jemanden mit echter journalistischer Ausbildung
Leute, die den Kauf eines 9800X3D aufgeschoben hatten, dürften durch diese Passmark-Meldung verwirrt worden sein
Ich denke auch über einen neuen PC nach, aber die explodierenden RAM-Preise sind das Problem. Ich muss wohl noch eine Weile mit meinem Ryzen 1800X durchhalten
Ich würde gern selbst 3D-Druck-Hardware auf Nano-Skala bauen
Die Lehre aus der Sache ist, wie leicht die Presse Falschmeldungen veröffentlichen kann
Für Experten ist der Fehler offensichtlich, aber bei Artikeln aus anderen Fachgebieten glaubt man so etwas oft einfach
Ich hatte auf einen etwas günstigeren X3D-Chip gehofft, habe am Ende aber den 9700 gekauft.
Mit der 65-W-Effizienz bin ich zufrieden, aber eine Nachfrage nach dem 9700X3D gibt es eindeutig
Die Antwort auf die Frage „Warum vertrauen Menschen den Nachrichten nicht?“ sind genau solche Fälle
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