1 Punkte von GN⁺ 2025-11-07 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Archive.today ist ins Visier einer Ermittlung des US-amerikanischen FBI geraten, und auf gerichtliche Anordnung muss der Domain-Anbieter Tucows Nutzerdaten herausgeben
  • Die Anordnung verlangt die umfassende Herausgabe von Daten wie Adressen, Verbindungsinformationen und Zahlungsdaten; bei Nichtbefolgung sind Sanktionsmaßnahmen vorgesehen
  • Archive.today ist ein Dienst, der seit mehr als 10 Jahren Snapshots von Webseiten speichert; wegen Regulierungsumgehung und Anonymität wurde er auch zum Umgehen von Bezahlangeboten genutzt
  • Warum das FBI Interesse hat, wurde nicht klar offengelegt; mögliche Untersuchungsfelder sind jedoch Urheberrechtsfragen, die Herkunft der Betreiber und die Herkunft der Gelder
  • Der Fall gilt als Beispiel für den Konflikt zwischen anonymen Web-Archivdiensten und Strafverfolgungsbehörden

Überblick über Archive.today und die FBI-Ermittlungen

  • Archive.today ist ein seit mehr als 10 Jahren betriebener Dienst zum Speichern von Webseiten-Snapshots, ähnlich der Wayback Machine des Internet Archive, jedoch mit kaum regulatorischen oder rechtlichen Beschränkungen
    • Nutzer können frühere Versionen von Webseiten aufrufen; der Dienst wird häufig genutzt, um kostenpflichtige Artikel oder Paywalls zu umgehen
    • Der Dienst soll durch Spenden und Eigenmittel finanziert werden; die Identität des Betreibers ist nicht öffentlich bekannt
  • Das FBI hat kürzlich per Gerichtsanordnung von Tucows die Herausgabe von Daten verlangt
    • Die Anordnung umfasst Kundendaten von Archive.today, Adressen, Zugriffsprotokolle und Zahlungsinformationen
    • Tucows drohen Sanktionen, falls das Unternehmen der Anordnung nicht nachkommt
    • Die Echtheit der Anordnung ist bislang nicht bestätigt

Jüngste Aktivitäten von Archive.today und der „Canary“-Post

  • Der offizielle X-Account (früher Twitter) von Archive.today war über ein Jahr lang inaktiv und veröffentlichte Ende Oktober einen Post mit dem Wort „Canary“ und einer URL
    • Ein „Canary“ ist ein Vogel, der früher im Bergbau als Warnsignal für giftige Gase eingesetzt wurde, und wird hier als Metapher für ein Gefahrensignal verstanden
  • Dem Post war ein PDF-Dokument beigefügt, das die gerichtliche Anordnung des FBI enthält
    • Wie das Dokument beschafft wurde, ist nicht bekannt

Hintergrund des FBI-Interesses und mögliche Ermittlungsansätze

  • Warum das FBI sich für Archive.today interessiert, wird in der gerichtlichen Anordnung nicht genannt
    • Im Artikel werden Urheberrechtsverletzungen, intransparente Finanzierung, die Herkunft des Betreibers und die technische Betriebsweise als mögliche Gründe genannt
  • Archive.today ist über mehrere Domains erreichbar, darunter archive.is und archive.ph

Widersprüchliche Untersuchungsergebnisse zur Betreiberidentität

  • 2023 behauptete der finnische Blogger Janni Patokallio, Archive.today nutze ein Botnet mit wechselnden IP-Adressen, um Anti-Scraping-Systeme zu umgehen
    • Er hielt es für möglich, dass der Betreiber in Russland ansässig ist
  • Eine andere private Untersuchung aus dem Jahr 2024 identifizierte dagegen einen Softwareentwickler aus New York als Betreiber
    • Diese Untersuchung kam zu dem Schluss, dass die These eines osteuropäischen Hintergrunds auf falschen Hinweisen beruhte

Bedeutung des Falls

  • Die gerichtliche Anordnung des FBI zeigt den Druck internationaler Strafverfolgung auf Web-Archivdienste, die sich in einer Grauzone zwischen Anonymität und Recht bewegen
  • Im Fokus stehen nun die Frage, ob Archive.today den Betrieb fortsetzen kann, und Fragen des Datenschutzes
  • Der Originalartikel wurde aus der deutschen Ausgabe übersetzt und in der englischen Ausgabe von heise online veröffentlicht

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