- Archive.today ist ins Visier einer Ermittlung des US-amerikanischen FBI geraten, und auf gerichtliche Anordnung muss der Domain-Anbieter Tucows Nutzerdaten herausgeben
- Die Anordnung verlangt die umfassende Herausgabe von Daten wie Adressen, Verbindungsinformationen und Zahlungsdaten; bei Nichtbefolgung sind Sanktionsmaßnahmen vorgesehen
- Archive.today ist ein Dienst, der seit mehr als 10 Jahren Snapshots von Webseiten speichert; wegen Regulierungsumgehung und Anonymität wurde er auch zum Umgehen von Bezahlangeboten genutzt
- Warum das FBI Interesse hat, wurde nicht klar offengelegt; mögliche Untersuchungsfelder sind jedoch Urheberrechtsfragen, die Herkunft der Betreiber und die Herkunft der Gelder
- Der Fall gilt als Beispiel für den Konflikt zwischen anonymen Web-Archivdiensten und Strafverfolgungsbehörden
Überblick über Archive.today und die FBI-Ermittlungen
- Archive.today ist ein seit mehr als 10 Jahren betriebener Dienst zum Speichern von Webseiten-Snapshots, ähnlich der Wayback Machine des Internet Archive, jedoch mit kaum regulatorischen oder rechtlichen Beschränkungen
- Nutzer können frühere Versionen von Webseiten aufrufen; der Dienst wird häufig genutzt, um kostenpflichtige Artikel oder Paywalls zu umgehen
- Der Dienst soll durch Spenden und Eigenmittel finanziert werden; die Identität des Betreibers ist nicht öffentlich bekannt
- Das FBI hat kürzlich per Gerichtsanordnung von Tucows die Herausgabe von Daten verlangt
- Die Anordnung umfasst Kundendaten von Archive.today, Adressen, Zugriffsprotokolle und Zahlungsinformationen
- Tucows drohen Sanktionen, falls das Unternehmen der Anordnung nicht nachkommt
- Die Echtheit der Anordnung ist bislang nicht bestätigt
Jüngste Aktivitäten von Archive.today und der „Canary“-Post
- Der offizielle X-Account (früher Twitter) von Archive.today war über ein Jahr lang inaktiv und veröffentlichte Ende Oktober einen Post mit dem Wort „Canary“ und einer URL
- Ein „Canary“ ist ein Vogel, der früher im Bergbau als Warnsignal für giftige Gase eingesetzt wurde, und wird hier als Metapher für ein Gefahrensignal verstanden
- Dem Post war ein PDF-Dokument beigefügt, das die gerichtliche Anordnung des FBI enthält
- Wie das Dokument beschafft wurde, ist nicht bekannt
Hintergrund des FBI-Interesses und mögliche Ermittlungsansätze
- Warum das FBI sich für Archive.today interessiert, wird in der gerichtlichen Anordnung nicht genannt
- Im Artikel werden Urheberrechtsverletzungen, intransparente Finanzierung, die Herkunft des Betreibers und die technische Betriebsweise als mögliche Gründe genannt
- Archive.today ist über mehrere Domains erreichbar, darunter archive.is und archive.ph
Widersprüchliche Untersuchungsergebnisse zur Betreiberidentität
- 2023 behauptete der finnische Blogger Janni Patokallio, Archive.today nutze ein Botnet mit wechselnden IP-Adressen, um Anti-Scraping-Systeme zu umgehen
- Er hielt es für möglich, dass der Betreiber in Russland ansässig ist
- Eine andere private Untersuchung aus dem Jahr 2024 identifizierte dagegen einen Softwareentwickler aus New York als Betreiber
- Diese Untersuchung kam zu dem Schluss, dass die These eines osteuropäischen Hintergrunds auf falschen Hinweisen beruhte
Bedeutung des Falls
- Die gerichtliche Anordnung des FBI zeigt den Druck internationaler Strafverfolgung auf Web-Archivdienste, die sich in einer Grauzone zwischen Anonymität und Recht bewegen
- Im Fokus stehen nun die Frage, ob Archive.today den Betrieb fortsetzen kann, und Fragen des Datenschutzes
- Der Originalartikel wurde aus der deutschen Ausgabe übersetzt und in der englischen Ausgabe von heise online veröffentlicht
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