- In Ghana entwickelten sich in den 1980er und 90er Jahren handgemalte Filmplakate zu einer eigenständigen Kunstform und wurden zusammen mit der VHS-Kultur populär
- Diese Plakate zeigten überzeichnete und bizarre Bilder auf Mehlsäcken und enthielten lokale Interpretationen von Hollywood-Filmen
- Im Mittelpunkt standen weniger Genauigkeit als vielmehr Fantasie und visuelle Schockwirkung; unabhängig vom Genre tauchten Explosionen, Blut und Monster auf
- Später wurden sie in der internationalen Kunstwelt als „Cult Art“ neu bewertet und in Galerien in New York, London, Berlin und anderen Städten ausgestellt und gehandelt
- Das Phänomen gilt als Symbol für Kreativität unter begrenzten Ressourcen und kulturelle Vermischung und inspiriert bis heute Designer und Sammler
Die Entstehung einer bizarren Kunstform
- Ghana befand sich in den 1980er Jahren in einer Phase der Ausbreitung der Video-Vorführkultur, in der anstelle westlicher Videotheken mobile Kinos aufkamen
- Vorführer brachten Fernseher, Generator und VCR mit und zeigten Filme auf Märkten oder Dorfplätzen
- Für die meisten importierten Filme gab es keine offiziellen Plakate oder Werbematerialien, daher fertigten lokale Maler die Plakate selbst an
- Die Maler ließen ihrer Fantasie freien Lauf und stützten sich dabei nur auf mündlich überlieferte Handlungen oder Cover von Raubkopie-Videos
- Das Ergebnis war eine originelle Form der Malerei voller unrealistischer, übersteigerter Körperproportionen und gewalttätiger Bilder
- Diese Plakate galten nicht nur als Werbemittel, sondern als Verbindung aus spontaner Schöpfung und populärer Kunst
Fantasie auf Mehlsäcken
- Die Plakate wurden meist aus gebrauchten Mehlsäcken zusammengesetzt
- Sie waren robust und leicht zu transportieren und damit ideal für mobile Vorführungen
- Durch eine Grundierung ließ sich die Oberfläche für ausdrucksstarke Farben vorbereiten
- Das Design strebte unabhängig von Realismus nach extremer Überzeichnung und Symbolik
- Sylvester Stallone wurde mit doppelt so vielen Muskeln gemalt, Freddy Krueger erschien zusammen mit Schlangen
- Der Terminator hatte leuchtende Augen und mehrere Arme, während im Hintergrund immer wieder Explosionen und brennende Hubschrauber auftauchten
- Unabhängig vom Genre waren Blut, Explosionen und Monster unverzichtbare Elemente
- Selbst Liebesfilme wurden in einer Ästhetik visueller Übersteigerung wie Actionplakate dargestellt
Eine Ästhetik des „so schlecht, dass es schon wieder gut ist“
- Zunächst wirken die Bilder grob, doch ihre raue und freie Energie entfaltet einen starken Reiz
- Wichtiger als realistische Proportionen oder Genauigkeit waren visuelle Schockwirkung und Aufmerksamkeit
- Sie wurden als Outsider Art bewertet, in der sich Popkultur und volkstümliche Fantasie verbanden
- Viele Maler schufen ihre Werke, ohne den eigentlichen Film gesehen zu haben
- Auf Basis unscharfer Videocover oder mündlicher Beschreibungen fügten sie kreative Interpretationen hinzu
- Das Ziel war nur eines: den Blick des Publikums zu fesseln und es zur Vorführung zu locken
- Der Sammler Ernie Wolfe erklärte: „Diese Plakate waren Teil einer Marketingstrategie und mussten verrückter aussehen als der Film selbst.“
Kultstatus und weltweite Anerkennung
- Was als praktisches Werbemittel begann, wurde mit der Zeit als Kunstwerk neu bewertet
- Anfang der 2000er wurden internationale Sammler darauf aufmerksam; Ausstellungen fanden in New York, London, Berlin, Tokio und anderen Städten statt
- Plakate, die einst an Marktwänden hingen, verwandelten sich in Kunstwerke, die für Tausende Dollar gehandelt werden
- Der Sammler Wolfgang Held bezeichnete sie als „afrikanische Underground-Comic-Art“
- Bekannte Maler wie Joe Mensah, Heavy J und Stoger erlangten Kultstatus
- Ihre Werke gelten als Symbol für Kreativität, Anpassungsfähigkeit und visuelles Storytelling
Beispiele repräsentativer Werke
- „Terminator 2“ – Arnolds Gesicht schmilzt und er wird auf einem Jetski dargestellt
- „Evil Dead“ – Der Protagonist Ash präsentiert ein riesiges Maschinengewehr und Waschbrettbauch, während Dämonen aus seiner Brust hervorbrechen
- „Rocky IV“ – Stallone mit Boxhandschuhen feuert mit einer Uzi-Maschinenpistole auf einen brennenden Gegner
- „Predator“ – Das außerirdische Monster speit mit fünf Köpfen Feuer
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Ich bin Ghanaer, und solche Kunst gibt es wirklich in großer Zahl. Früher war sie auch an den Wänden alter Kinos zu sehen, und vieles davon war eher realistisch und bei Sammlern beliebt. Aber der schrille Stil fällt mehr auf und lässt sich wohl leichter zu einer Geschichte machen.
Als Kind habe ich einmal gesehen, wie ein Maler innerhalb weniger Stunden ein Plakat direkt auf eine Wand malte, und das war wirklich großartig.
Wenn man diesen Link ansieht, ist das wirklich ein Klassiker.
Aber auf einem kleinen Fernsehbildschirm würden sie wohl nicht so gut wirken. Wer keine Kinoerfahrung hat, merkt den Unterschied vielleicht nicht.
Dazu gehören etwa Henri Rousseau, Niko Pirosmani und Edward Hicks.
Beispielbilder
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Solche Beschwerden über UI-Details werden laut den Hacker-News-Richtlinien eher als kleinliche Klagen betrachtet und nicht besonders geschätzt.
Referenzbild
Link zum Künstler
Außerdem fehlen die erwähnten „repräsentativen Werke des Genres“ völlig. Insgesamt hat der Text einen deutlichen LLM-Geruch.
Deshalb sind die Bilder interessant, aber der Text wirkt wenig vertrauenswürdig.
Dazu ein BBC-Artikel