Wie schlecht kann ein 2,97-$-ADC sein?
(excamera.substack.com)- Das günstige ADS1115-ADC-Modul bietet Funktionen, die nahezu den offiziellen Spezifikationen entsprechen
- Mit der Funktion des programmierbaren Gain-Verstärkers lässt sich auch in sehr kleinen Spannungsbereichen eine hohe Messgenauigkeit erreichen
- Bei einigen günstigen Boards wurden Abweichungen bei Messgeschwindigkeit und Genauigkeit festgestellt
- Mit einem einfachen Kalibrierungsalgorithmus lassen sich recht präzise Ergebnisse erzielen
- Günstige Bauteile könnten Produktionsfehler oder Kopien sein, für den grundlegenden Einsatz sind sie jedoch weitgehend unproblematisch
Praxistest der tatsächlichen Leistung eines günstigen ADS1115-ADC
Überblick
- Bei Embedded-Arbeiten wird üblicherweise der in den Mikrocontroller integrierte ADC (Analog-Digital-Wandler) verwendet
- Integrierte ADCs sind günstig und schnell, erreichen bei der effektiven Bitzahl (ENOB) jedoch in der Praxis nur etwa 8 bis 9 Bit
- Kürzlich wurde ein Test mit dem ADS1115-Modul von Texas Instruments(TI) durchgeführt
- Der ADS1115 ist ein externer ADC, der eine Genauigkeit von bis zu 16 Bit bietet
Wichtige Merkmale des ADS1115
- Dank der erweiterten dynamischen Reichweite lassen sich kleine Spannungen mit bis zu 20-fach höherer Feinheit messen
- Über den programmierbaren Gain-Verstärker (PGA) kann der gesamte Messbereich von ±6.144 V bis ±0.256 V eingestellt werden
- Das kleinste LSB beträgt etwa 7.8 μV (0.256 V ÷ 32768), wodurch selbst sehr kleine Änderungen erkannt werden können
- Im Vergleich dazu entspricht eine Stufe eines herkömmlichen im Mikrocontroller integrierten ADC (bei 3,3 V, 9 ENOB) etwa 6 mV, was eine deutlich geringere Auflösung bedeutet
- Die Nutzung einer internen Spannungsreferenz ist ein Vorteil gegenüber MCUs wie dem RP2040, die eine externe analoge Referenz benötigen
Preisfrage und Testumgebung
- Beim ADS1115 gibt es große Preisunterschiede: Bei Digikey kostet er bei einer Stückzahl von 1.000 etwa 4 $, bei LCSC etwa 0,60 $
- Es wurde ein ADS1115-Breakout-Board für 2,97 $ pro Stück bei Amazon gekauft (vermutlich mit dem 0,60-$-Bauteil)
- Zusätzlich wurde ein teureres (Original-)Board von Adafruit gekauft, das später für Vergleichstests genutzt werden soll
Ablauf des Praxistests
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Das günstige Board wurde mit I²CMini und einer präzisen DC-Spannungsquelle getestet
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Wichtige Prüfpunkte:
- Ob es gemäß Spezifikation arbeitet
- Oder ob ein anderes, noch günstigeres Bauteil fälschlich als ADS1115 verkauft wird
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Testergebnisse
- Grundlegende Funktion, 16-Bit-Ausgabe, programmierbarer Gain-Verstärker und verschiedene Abtastraten entsprachen weitgehend dem TI-Datenblatt
- Im Differential Mode wurde bei verbundenem Eingang stets 0 gemessen, bei 2,5-V-Eingang korrekt gemessen und bei umgekehrter Polarität der Gegenwert ausgegeben; es traten also keine Probleme im Grundverhalten auf
Messgenauigkeit und Abweichungen
- Data Rate (Abtastrate): Laut TI-Spezifikation ist eine Abweichung von bis zu ±10 % zulässig
- Im 8-SPS-Modus arbeiteten drei Boards mit 6,5 bis 7 SPS etwas langsamer
- Ein Board lief mit 300 SPS und damit mit völlig falschem Timing; es wurde anschließend von weiteren Tests ausgeschlossen
- Bei der Messung einer präzisen Spannung (2.50067 V) wurde 2.4883 V ausgegeben; das entspricht einer Abweichung von etwa 12 mV bzw. 0,5 % und liegt über der offiziellen TI-Spezifikation
- Durch Anwendung eines einfachen linearen Kalibrierungsalgorithmus im Mikrocontroller konnte der Fehler auf unter 10 μV reduziert werden
Fazit
- Vermutlich sind fehlerhafte Bauteile oder Komponenten mit geringerer Spezifikation als das Original in günstige Hobby-Vertriebskanäle gelangt
- Grundsätzlich sind recht präzise Messungen möglich, und mit softwareseitiger Kalibrierung gibt es in der praktischen Nutzung keine größeren Probleme
- Das teurere Original-Board soll nach Eintreffen unter denselben Bedingungen erneut getestet werden
Abschluss
- Der günstige ADS1115 bietet ein auffällig gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Wenn auf Hardware-/Firmware-Ebene nur eine einfache Kalibrierung ergänzt wird, lässt sich praktisch brauchbare Genauigkeit erreichen
- Um Probleme wie fehlerhafte Ware zu vermeiden, sollte auf Bezugsquelle und Qualitätskontrolle geachtet werden
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