RAM zu Hause herstellen [Video]
(youtube.com)- DRAM-Zellen wurden mit Heimgeräten und einem direkt aufgebauten Prozess gefertigt, um die Funktion der grundlegenden RAM-Struktur aus Transistor und Kondensator zu bestätigen
- Halbleiterprozesse wurden Schritt für Schritt durchgeführt: Schneiden des Siliziumwafers, Bildung der Oxidschicht, Photolithografie, Trockenätzen, Phosphor-Dotierung, Wachstum des Gate-Oxids, Contact Cuts bis hin zur Aluminium-Abscheidung
- Bei Messungen am fertigen Bauteil wurden Schalteigenschaften bestätigt, bei denen sich der Strom je nach Gate-Spannung verändert, sowie eine maximale Kapazität von 12,3 pF
- Beim Betrieb einzelner DRAM-Zellen wurde der Speicherkondensator innerhalb von wenigen hundert Nanosekunden auf 3 V geladen; die Ladung blieb etwas mehr als 2 ms erhalten und musste dann erneut aufgefrischt werden
- Die Haltezeit erreicht zwar nicht die über 64 ms kommerzieller DRAMs und zeigt Miniaturisierungsgrenzen wie Punch-Through, doch wurde ein Ausgangspunkt für die Erweiterung zu einem kleinen RAM-Array aus Eigenbau geschaffen
DRAM-Struktur und Fertigungsziel
- Eine DRAM-Zelle ist so aufgebaut, dass an jedem Kreuzungspunkt eines aus Zeilen und Spalten bestehenden Arrays ein Transistor und ein ladungsspeichernder Kondensator angeordnet sind
- Der Transistor fungiert als Schalter
- Der Kondensator speichert wie eine Batterie elektrische Ladung und hält damit 1 Bit Information
- Wird der Transistor eingeschaltet, lädt sich der Kondensator auf; beim späteren Auslesen kann die Ladung durch erneutes Einschalten in Gegenrichtung fließen und detektiert werden
- Da beim Lesen die Ladung des Kondensators verloren geht, ist ein periodisches Refresh erforderlich
- Gefertigt wurde eine kleine Struktur auf Basis eines 5x4-Array-Layouts, das später erweitert und aneinandergesetzt werden kann
- An jedem Kreuzungspunkt befinden sich Transistor und Kondensator
- Die endgültige Gate-Länge des Transistors sollte etwas unter 1 Mikrometer liegen
- In der Zeichnung steht jede Farbe für eine andere Schicht; das Bauteil wird durch einen sandwichartigen Schichtaufbau gebildet, bei dem die Ebenen nacheinander aufgebracht werden
Frühe Prozessschritte: Siliziumvorbereitung und Dotierung
- Als Ausgangsmaterial wurde ein Siliziumwafer verwendet und mit einem Diamantschreiber in kleine Chips geschnitten
- Dabei wurde die Eigenschaft ausgenutzt, dass Silizium entlang bestimmter Kristallebenen gut bricht
- Nach dem Schneiden erfolgte eine Reinigung mit Aceton und Isopropanol, um Verunreinigungen von der Oberfläche zu entfernen
- Ziel war das Entfernen von Partikeln und das Lösen organischer Rückstände
- Da die Oberfläche anschließend ohnehin von Silizium zu Glas umgewandelt wird, war keine perfekte Endreinigung erforderlich
- Die Chips wurden in einen Ofen gelegt und bei 1.100 °C erhitzt, wodurch eine 3.300 Å dicke Oxidschicht auf der Oberfläche entstand
- Dabei wird das Silizium oxidiert, um eine Glasschicht wachsen zu lassen
- Diese Oxidschicht dient später als Maske und Schutzschicht
- Auf die Oberfläche mit der Glasschicht wurde zunächst Lift-off-Resist als Haftschicht aufgetragen
- Das Material ist eigentlich für Metal-Lift-off gedacht, funktioniert aber auch gut als Haftschicht
- Anschließend wurde es 5 Minuten bei 170 °C gebacken
- Darauf wurde Fotolack per Spin-Coating aufgebracht und 2 Minuten bei 100 °C gebacken
- So entstand ein gleichmäßiger dünner Film, etwas dicker als 1 Mikrometer
- Mit UV-Licht und einer Maske wurde die erste Pattern-Ebene erzeugt
- Licht, das durch die Öffnungen der Maske fällt, belichtet den Fotolack
- Im Entwickler werden die belichteten Bereiche entfernt und das Muster entsteht
- Ein mikroskopisches Stepper-System projiziert das Muster verkleinert, während benutzerdefinierte Software Fokus und Belichtung steuert
- Für gleichmäßigere Entwicklung wurde eine Roboteranlage verwendet
- Mit dem strukturierten Fotolack als Maske wurde anschließend trocken geätzt
- Dabei wurde die Glasschicht selektiv entfernt, um die Siliziumoberfläche freizulegen
- Nach dem Ätzen wurde der Fotolack mit erhitztem DMSO entfernt
- Das Ergebnis war eine 3.300 Å starke Oxidschicht mit geöffneten Fenstern
- Über diese Oxidfenster wurden Source und Drain des Transistors gebildet
- Source und Drain dienen als Ein- und Ausgangsanschlüsse des Schalters
- Das Gate wird später im mittleren Bereich gebildet
- Durch Einbringen von Phosphor in das Silizium wurde die Leitfähigkeit dieser Bereiche erhöht
- In der Industrie wird dafür auch Ionenimplantation verwendet, hier wurde sie aus Kosten- und Größengründen jedoch nicht eingesetzt
- Statt eines kommerziellen Produkts wurde selbst hergestelltes phosphorus doped spin-on glass verwendet
- Bei Testproben war vor der Behandlung mit einem Multimeter kaum Durchgang feststellbar
- Nach der Behandlung zeigte sich eine sehr hohe Leitfähigkeit
- Das Ergebnis lag nahe an einer sehr starken Dotierung
- Dieselbe Lösung wurde auch auf den eigentlichen Chip aufgetragen und mit langsam ansteigender Temperatur gebacken
- Dies diente dem Entfernen des Lösungsmittels sowie der Vermeidung von Rissen und Spannungen
- Beim Syntheseprozess entstanden einige wenige Glasablagerungen
- Sie wurden als überwiegend optisches Phänomen ohne großen Einfluss beschrieben
- Für den nächsten Versuch wurde Filtration als bessere Lösung genannt
- Zur Vorhersage der Dotierungstiefe wurde ein Rechner erstellt, um das Dotierungsprofil zu modellieren
- Ziel war ein flacheres Profil
- Dafür folgte ein Annealing bei 1.100 °C für 5 Minuten; danach wurde das Spin-on-Glass mit HF entfernt
- Anschließend wurde ein Drive-in-Annealing bei 1.000 °C für 10 Minuten durchgeführt
Mittlere Prozessschritte: Gate-Oxid und Kontakte
- Nach der Bildung von Source und Drain wurden der Gate-Bereich des Transistors und der Kondensatorbereich bearbeitet
- Da die Glasschicht noch vorhanden war, wurden erneut Lift-off-Resist und Fotolack nacheinander aufgetragen
- Der Kanalbereich wurde zwischen den bestehenden Source- und Drain-Regionen ausgerichtet
- Gleichzeitig wurde auch der Bereich des ladungsspeichernden Kondensators oberhalb des Transistors mit ausgerichtet und belichtet
- Nach der Entwicklung wurde mit HF das mittlere Oxid zwischen Source und Drain sowie das angrenzende Oxid des Kondensators entfernt
- Dort war das Oxid zu dick, daher wurden ein Gate-Oxid und ein Kondensatoroxid mit passender Dicke benötigt
- Für die besonders wichtige Reinigung des Kanalbereichs wurde ein Piranha Clean durchgeführt
- Diese Reinigung entfernt organische Stoffe und den Großteil metallischer Verunreinigungen sehr aggressiv
- Danach kamen die Chips wieder in den Ofen, um Gate- und Kondensatoroxid wachsen zu lassen
- Ziel war ein dünnes Oxid für höhere Kapazität und bessere Gate-Kontrolle
- Bei 950 °C wurde in 38 Minuten ein 200 Å beziehungsweise 20 nm dickes Oxid erzeugt
- Außerhalb der Bauteilbereiche blieb das Oxid dicker
- Danach folgte ein Contact-Cut-Prozess, bei dem das Oxid selektiv geöffnet wurde, um elektrische Verbindungen herzustellen
- LOR und Fotolack wurden aufgetragen und gebacken
- Nach Ausrichtung und Belichtung der Contact-Cut-Maske entstanden kleine Öffnungen
- Durch diese Öffnungen entfernte HF die Glasschicht auf der Siliziumoberfläche und schuf so elektrische Kontaktpfade
Abschließende Prozessschritte: Metallabscheidung und Fertigstellung des Bauteils
- In der letzten Ebene wurde Metall abgeschieden, um das Gate des Transistors, elektrische Kontakte und die Kondensatorelektrode zu erzeugen
- Erneut wurden LOR und Fotolack aufgetragen und gebacken, danach die finale Maske ausgerichtet und belichtet
- Während die früheren Schritte vor allem auf Materialabtrag beruhten, wird in dieser Phase die Öffnung im Fotolack wie eine Schablone verwendet
- Das Prinzip ist vergleichbar mit einer Farbschablone, bei der Material nur an den gewünschten Stellen gebildet wird
- Als Metall wurde Aluminium verwendet
- In einem Sputter-System schlägt Argon auf das Metalltarget und lagert Metallatome auf der Probenoberfläche ab
- Mit Ausnahme einiger Bereiche am Rand, an denen Klebeband angebracht war, entstand eine gleichmäßige Beschichtung
- Anschließend wurde der Fotolack mit erhitztem DMSO entfernt und so der Lift-off durchgeführt
- Dabei löste sich das Metall mit ab, sodass nur das gewünschte Muster übrig blieb
- Unter dem Mikroskop wurde die vollständige DRAM-Array-Struktur mit Transistor, Kondensator und Verbindungen bestätigt
- Auch die Querschnittsstruktur entsprach dem ursprünglichen Konzeptbild
- Der Transistor steuert den Stromfluss und lädt den Speicherkondensator, sodass ein Datenbit gespeichert werden kann
Messergebnisse und Grenzen
- Die elektrischen Eigenschaften wurden mit Laborgeräten und einem Halbleiter-Parameteranalysator untersucht
- Da es sich um nanoskalige Bauteile handelt, wurden statt normaler Leitungen Mikromanipulatoren mit feinen Sondenspitzen verwendet
- Bei der Transistormessung zeigten sich unterschiedliche Stromkurven in Abhängigkeit von der Gate-Spannung
- Damit wurde ein Schaltverhalten bestätigt, bei dem je nach Gate-Spannung nahezu kein Strom oder ein größerer Strom fließt
- Für den Einsatz als RAM reicht ein grundlegendes Ein-Aus-Verhalten aus
- Allerdings trat keine Stromsättigung wie bei gewöhnlichen Transistoren auf; bei hohen Spannungen stieg der Strom weiter an
- Es trat Punch-Through als Form des Short-Channel-Effekts auf
- Da der Abstand zwischen Source und Drain unter 1 Mikrometer liegt, sind beide Bereiche bei steigender Spannung praktisch verbunden
- Das führt zu höherem Strom und schwächerer Gate-Kontrolle
- Bei niedrigen Spannungen ist der Betrieb möglich, zugleich zeigt sich aber auch die Schwierigkeit der Miniaturisierung
- Der Kondensator wurde mit einem CV plotter vermessen
- Dabei wurde die Kapazität bei variierender Spannung gemessen
- Die maximale Kapazität betrug 12,3 pF
- Damit lag sie nahe am theoretisch entworfenen Idealwert von etwas über 10 pF
- Beim gemeinsamen Betrieb als einzelne DRAM-Zelle lud der Transistor den Speicherkondensator innerhalb weniger hundert Nanosekunden auf 3 V auf
- Danach sank die Spannung mit der Zeit allmählich ab
- Die Ladung blieb nur etwas mehr als 2 ms erhalten
- Danach war erneutes Aufladen erforderlich
- Kommerzielle DRAMs halten die Ladung länger als 64 ms
- Dieses Design benötigt daher häufigeres Refresh
- Es wird angegeben, dass dies die erste RAM-Fertigung zu Hause sei
- Derzeit ist erst die Funktionsfähigkeit einiger weniger Zellen nachgewiesen
- Von einem Niveau, auf dem sich darauf Doom auf einem PC ausführen ließe, ist man noch weit entfernt
- Der nächste Schritt ist, die Zellen zu verbinden und zu einem größeren Array zu erweitern
- Danach ist eine Anbindung an einen PC geplant
4 Kommentare
Die RAM-Preise sind so stark gestiegen, dass man sie wohl zu Hause selbst herstellen und benutzen muss ^^
Die Kommentare sind wohl voller Wortspiele mit
lamb. Freilaufendes D-RAM, Schafweide, grasgefüttert, Frischfleisch und so weiter....Hahaha, das sind echt lustige Leute.
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