5 Punkte von GN⁺ 2025-10-13 | 5 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Open-Source-Software ist zwar weit verbreitet, doch das Ideal vollständig freier Software wurde weiterhin nicht erreicht
  • In Bereichen wie Firmware, Hardware und wichtigen Verbrauchergeräten dominieren weiterhin geschlossene Software und proprietäre Strukturen
  • Ein durchschnittlicher Laptop enthält 10–15 unabhängige Prozessoren und Firmware-Komponenten, und zentrale Pfade wie Speichergeräte, Eingabegeräte, GPU und ME/SECURE BOOT sind von unfreier Software abhängig
  • Das heißt: Normale Nutzer haben aufgrund von Beschränkungen in Software und Hardware keine tatsächliche Kontrolle
  • Dadurch werden ausbleibende Updates, eingestellte Dienste und Hardware-Sperren sowie Rug Pulls und Einschränkungen des Rechts auf Reparatur zur Realität, und selbst in Hochrisikobereichen wie öffentlicher Sicherheit und Medizintechnik ist die Freiheit zur Prüfung und Verbesserung eingeschränkt
  • Als Lösung müssen eine Copyleft-Wahl mit Fokus auf die GPL, die Offenlegung von Hardware-Dokumentation und die Pflicht zu offener Firmware sowie bessere Politik, Regulierung und Verbraucherentscheidungen kombiniert werden, um die Kontrolle der Nutzer wiederherzustellen

Die Illusion, dass Open Source gewonnen habe

  • Seit 2008 berichteten Medien wie ZDNET, Linux Journal und Wired immer wieder über die Aussage „Open Source has won“
  • Als Belege wurden Erfolgsgeschichten wie Linux, Ruby und Red Hat genannt, doch es gibt auch Fälle wie GitHub oder Microsoft, die in Wirklichkeit nicht frei sind
    • Das Kriterium für den „Sieg“ beschränkt sich nur auf Nutzung und Verbreitung, während Freiheit (Kontrolle) aus der Bewertung herausfällt
    • Hinzu kommt eine Beobachtungsverzerrung, bei der nur einzelne Ebenen wie Browser, Programmiersprachen oder Kreativ-Tools betrachtet und daraus Verallgemeinerungen über das Ganze abgeleitet werden
  • Im Alltag stecken Fernseher, kabellose Kopfhörer, Smartphones und Drucker faktisch in geschlossenen Ökosystemen fest
    • Alternative Netzwerke wie Mastodon und PeerTube haben wegen fehlender Interoperabilität mit geschlossenen Plattformen Reichweitenbeschränkungen
    • Selbst dort, wo es freie Alternativen gibt, bleiben sie oft auf Nischen- oder Hobby-Niveau beschränkt
  • In der Kultur kostengünstiger Lean Startups haben sich Open-Source-Tools als legale und mainstreamtaugliche Option etabliert
  • Im Bereich der Softwareentwicklung leben wir inzwischen in einer Zeit, in der der Einsatz freier Software kein Hindernis mehr ist

Eine Zeit, in der Software die Welt durchdringt

  • Marc Andreessens Konzept „software is eating the world“: Software dringt immer weiter in Bereiche ein, in denen es früher keine Software gab
  • Sobald Software Lebensbereiche steuert, verlagert sich die Kontrolle über diese Bereiche auf die Hersteller der Software
  • Bei Betriebssystemen (Fedora, Linux), Programmiersprachen (Python, Rust, LLVM usw.), Spielen (Zero-K), Grafik (Krita) und Audio (Ardour) gibt es freie Software-Alternativen
  • Auch bei 3D-Druckern (Prusa), mobilen Computern (Librem 5) und Smartwatches (InfiniTime) gibt es Open-Hardware-Optionen
  • Einige Grafikkarten (Nvidia-Kepler-Modelle von 2012) können mit vollständig freier Firmware betrieben werden

Unfreie Alltagsgeräte

  • Nur Geräte ohne Elektronik wie Fahrräder, Nähmaschinen (mechanisch), Gegensprechanlagen und ältere Autos (VW Beetle, Lada) besitzen echte Offenheit
  • Für Festplatten, kabellose Kopfhörer, Fernseher und moderne Telefone gibt es keine offenen Alternativen
  • Nur analoge Telefone (Aster-72) sind eine offene Telefon-Option
    • Bei der Entwicklung des Librem 5 gab es Probleme bei der Beschaffung des Modems: Ein Unternehmen kontrollierte essenzielle Patente für Mobilfunknetze
    • Wiederverkäufer verweigerten den Verkauf aus Sorge vor Verstößen gegen Vertriebsregeln
  • Das Druckerproblem, das Richard Stallman 1983 zum Start des GNU-Projekts bewegte, ist auch nach 40 Jahren ungelöst
    • Der Spott lautet, Buntstifte seien das einzige „offene“ Druckmittel

Offenheit nach Software-Schichten

  • Anwendungen: Blender, Firefox und KiCAD sind offen, Twitter und YouTube dagegen geschlossen
  • Betriebssysteme: GCC, Apache und OpenSSL sind offen
  • Kernel: Linux, Zephyr und FreeRTOS sind offen
  • Firmware: Coreboot ist offen, aber Modems und GPUs sind geschlossen
  • Haushaltsgeräte: Prusa 3D und Airgradient sind offen, aber Waschmaschinen und Fernseher sind geschlossen
  • Die von Programmierern direkt genutzten Ebenen wie OS und Kernel sind gut geöffnet, doch bei den hardware-nahen unteren Schichten und bei Consumer-Elektronik fehlt es an Wahlmöglichkeiten

Die Firmware-Lage in einem gewöhnlichen Laptop

  • Ein normaler Laptop enthält 10–15 unabhängige Prozessoren, die jeweils eigene Software benötigen
    • Kamera, Touchscreen, Touchpad, Embedded Controller, SSD, Akku, HDD, RAM, WiFi+Bluetooth-Karte, Soundkarte, BIOS, Intel ME
    • Allein eine Grafikkarte kann 5 Prozessoren enthalten
  • Offene Software wie Linux, Treiber und Anwendungen ist auf die Haupt-CPU beschränkt
  • Eingabegeräte wie Tastatur oder Touchscreen führen geschlossene Software aus: Schon die Dateneingabe selbst ist damit nicht frei kontrollierbar
  • Grafikkarte, Netzwerkkarte und Speichergeräte sind sämtlich von geschlossener Firmware abhängig
    • Auf SSDs oder HDDs gab es noch keinen Fall, in dem offene Software lief
  • Secure Boot: Ein Prozessor im Prozessor wird vor dem Haupt-OS geladen, sodass der Hersteller kontrolliert, welche Software der Nutzer ausführen kann
    • Auf Android-Geräten sperren ähnliche Systeme das Gerät ebenfalls auf bestimmte Systeme fest

Verletzung der Nutzerfreiheit

  • Die vier Freiheiten freier Software (Four Freedoms):
    • Freiheit 0: die Freiheit, ein Programm für jeden Zweck auszuführen
    • Freiheit 1: die Freiheit, das Programm zu untersuchen und zu verändern
    • Freiheit 2: die Freiheit, Kopien weiterzugeben
    • Freiheit 3: die Freiheit, das Programm zu verbessern und Verbesserungen weiterzugeben
  • Die kurzen Support-Zeiträume von Android-Herstellern: meist 4 Jahre, in Ausnahmefällen 8 Jahre, danach enden Sicherheitsupdates
    • Selbst funktionstüchtige Geräte werden dadurch zu Elektroschrott
    • Ein 13 Jahre altes Lenovo-Notebook erhält dank Linux noch immer Sicherheitsupdates
    • Dank fehlender Bootloader-Sperren und offener Treiber kann die Community Custom-ROMs erstellen

Wenn eingestellte Dienste Geräte unbrauchbar machen

  • Bei reinen Cloud-Geräten wird Hardware zum teuren Ziegelstein, wenn ein Unternehmen seinen Online-Dienst abschaltet
    • Ein 800-$-Roboter zur emotionalen Unterstützung stellte nach Dienstende ohne Erstattung den Betrieb ein
    • Bei Nintendo 3DS und Wii U endete 210 Tage nach Abschaltung der Online-Server auch die letzte Verbindung
    • Das 2.300-$-Headset Magic Leap 1 funktioniert ab 2024 nicht mehr
  • Ein Fall aus der Landwirtschaft: Während der Ernte fiel ein Mähdrescher aus; nach dem Einbau eines nicht autorisierten Teils erschien eine Warnung über ein „nicht autorisiertes Teil“, und das Gerät blieb unbenutzbar
    • Bis zur Lösung durch den Kundendienst können 9 Monate vergehen, mit Verlusten von zehntausenden Dollar bis hin zur Insolvenz eines Betriebs

Herzschrittmacher und Lebenssicherheit

  • Herzschrittmacher sind komplexe Geräte, die Patientinnen und Patienten fortlaufend in Echtzeit diagnostizieren und medizinische Eingriffe durchführen
  • Fehldiagnosen können zu unnötigen Stromstößen am Herzen führen
  • Wegen geschlossener Software kann man den Hersteller nur um Korrekturen bitten, aber Fehlverhalten nicht selbst umgehen
  • Der Fall von Karen Sandler zeigt, wie eng freie Software mit diesem Problem verbunden ist
  • Solange es Menschen gibt, die auf geschlossene Software und einen einzigen Hersteller angewiesen sind, kann Open Source nicht als Sieger gelten

Haushaltsgeräte und Copyleft

  • Hersteller von Haushaltsgeräten setzen Open-Source-Software ein: Die MIT-Lizenz verlangt einen Urheberhinweis
  • Auf der curl-Website gibt es eine Galerie von Credit-Screens in verschiedensten Geräten, vom Auto bis zur Küchenmaschine
  • Permissive Lizenzen wie MIT erlauben zwar die vier Freiheiten, erlauben aber auch, modifizierte Versionen wieder zu schließen
    • Hersteller profitieren, während den Nutzern die Freiheit entzogen wird
  • Deshalb braucht es Copyleft-Lizenzen: Sie verhindern, dass einmal veröffentlichter Code wieder geschlossen wird
    • Empfohlen wird die GNU General Public License (GPL)

Kampfzonen jenseits der Lizenz

  • Weitere Bereiche, in denen für freie Software gekämpft werden muss:
    • Patente: technologische Monopole wie beim Mobilfunkmodem
    • Hardware-Sperren: etwa der gesperrte Bootloader bei Android
    • Projektsteuerung: Wer kontrolliert das Projekt?
  • Beispiel Android-Entwicklung bei Google:
    • Zugang zum in Entwicklung befindlichen Quellcode wurde auf bestimmte Hersteller beschränkt
    • Andere Hersteller erhielten Updates nur einmal pro Hauptrelease
    • Der Einfluss beruhte nicht auf Lizenz- oder Technikänderungen, sondern auf Entscheidungen im Projektmanagement
  • Bei von gewinnorientierten Unternehmen kontrollierten Projekten kollidieren die Interessen oft mit denen normaler Nutzer

Debian und Android im Kontrast

  • Debian: stellt die Community an erste Stelle
    • Dieselben Menschen entwickeln und nutzen die Software
    • Die Nutzung wird nicht unnötig erschwert
    • Es wird ein vollständiges Betriebssystem angeboten, sämtlicher Quellcode offengelegt, und alles, was nicht offen genug ist, wird entfernt
  • Android: hat offene Komponenten über lange Zeit durch geschlossene Komponenten ersetzt
    • AOSP, also der offene Teil von Android, ist allein kaum sinnvoll nutzbar

Historischer Hintergrund

  • Computer wurden in der Wissenschaft entwickelt und stets als Allzweckgeräte beworben, bei denen die Wahlfreiheit der Nutzer betont wurde
  • Haushaltsgeräte wurden dagegen immer als Einzweckgeräte hergestellt
    • Mit wachsender Komplexität wurden Computer eingebaut, doch die Herstellungskultur änderte sich nicht
    • Es blieb eine Struktur bestehen, in der erwartet wird, dass nur wenige Kontrolle ausüben
  • Apple war immer ein Computerhersteller, baut Computer heute aber wie Haushaltsgeräte

Was wir tun müssen

  • Bei der Herstellung von Hardware: Offenlegung des Firmware-Quellcodes als Pflicht
    • Auch technische Dokumentation muss veröffentlicht werden (Beispiel Kamerasensor des Librem 5: fehlende Unterlagen verhinderten die Entwicklung offener Firmware)
  • Als Nutzer oder institutionelle Kunden: von Herstellern die Bereitstellung offenen Firmware-Quellcodes verlangen
  • Politischer Druck ist wirksamer als individuelles Handeln
    • Die EU hat Handyhersteller zur Standardisierung auf USB-C gezwungen
    • Längere Garantiezeiten können vorgeschrieben werden
    • Denkbar wäre auch ein Verbot gesperrter Bootloader bei Computerherstellern

Europas rechtlicher Widerspruch

  • Die Information Society Directive erklärt das unbefugte Entfernen oder Ändern von Informationen zur Rechteverwaltung für rechtswidrig
    • Der Widerspruch: Bestraft wird nicht die Person, die ein Gerät sperrt, sondern diejenige, die die Sperre am eigenen Gerät entfernt
  • An die Europäische Kommission ergeht die Forderung nach einer kohärenten Politik
  • Verwandte Organisationen:
    • Free Software Foundation Europe: Kampagne Public Money Public Code
    • Right to Repair-Bewegung
    • European Pirate Party

Wege der finanziellen Unterstützung

  • Neben politischem Engagement kann man auch hersteller unterstützen, die freier Software freundlich gegenüberstehen
  • Empfohlene Produkte zum Kauf:
    • Librem 5 von Purism
    • 3D-Drucker von Prusa
    • die auf Espruino basierende Bangle.js2-Smartwatch
  • Hardwareherstellung ist teuer, und der Markt ist bereits mit geschlossenen Produkten gesättigt
    • Selbst wenn offene und hackbare Produkte besser sind, braucht es Zeit, bis die breite Öffentlichkeit das erkennt
  • Freie Software blühte in einer Kultur des Reparierens und Umbauens, doch diese Kultur wird von geschlossenen Wegwerfprodukten erstickt

Die Ausnahme Chromebook

  • Googles Chromebook-Anforderungen: Alle Hersteller müssen ein vollständig offenes BIOS verwenden
    • Auch die Firmware des Embedded Controllers ist offen
    • Alle Chromebooks laufen mit Coreboot
  • Dennoch ist noch etwas geschlossene Software enthalten (Software zum RAM-Start)
  • ARM-basierte Chromebooks können abgesehen von der RAM-Software mit einem vollständig offenen BIOS laufen
  • Ein Projekt von NLNet unterstützt dabei, auf Chromebooks mainline Linux einfach auszuführen

Die Welt ist voller Prozessoren

  • Zählt man die Geräte um sich herum: Fernseher, Kamera, Zahnbürste, Oszilloskop, E-Book-Reader, Radio, Geschirrspüler, Router, Waschmaschine, Staubsauger, Personenwaage
  • Die Waage in der Gemüseabteilung des Supermarkts hat einen Touchscreen und druckt Barcode-Etiketten
    • Auch dort stecken Prozessoren und Firmware drin
  • Tausende Preisschilder im Laden besitzen E-Paper-Displays und brauchen Software für drahtlose Updates
  • Auto-Software erlaubt Fernsteuerung (Beispiel Tesla-Hack)
  • Zug-Software: Das Geofencing-Problem polnischer Züge hätte verhindert werden können, wenn die Bahn Zugang zum Quellcode gehabt hätte
  • Auch im geschäftlichen Umfeld betrifft das etwa Auto-Diagnosegeräte, Medizinprodukte und Buchhaltungssoftware

Vergeudetes Potenzial

  • Theoretisch ließe sich Software auch gegen den Willen der ursprünglichen Autoren öffnen (wie in der Modding-Szene bei Spielen)
    • Es gab sogar einen Fall, in dem auf einer Taschenkamera Tetris lief (gehackte Firmware)
  • Gegen Hersteller anzuhacken ist jedoch vergeudete Arbeit
    • Es gibt einen Unterschied zwischen dem Ändern offizieller Quellen und dem Hacking
    • Das Potenzial wäre viel größer, wenn man keine offene Tür eintreten müsste
  • Beispiel Action-Kamera: Wegen einer 30-Minuten-Regelung stoppte die Aufnahme
    • Jemand mit 20 Jahren Programmiererfahrung hätte das mit dem Quellcode sofort beheben können
  • Beispiel Zeitrafferkamera: Weil eine Zeitrafferfunktion fehlte, musste man jeden Tag um 10 Uhr selbst hingehen und aufnehmen
    • Ohne Quellcode war keine Anpassung möglich

Epilog

  • Werbung für das New Printer Project: Es wird als Open Source bezeichnet
  • Tatsächlich nutzt es jedoch eine Source-available-Lizenz (Creative Commons BY-NC-SA 4.0)
    • Freiheit 0 (Nutzung zu kommerziellen Zwecken) wird nicht gewährt
  • Immerhin besser als gar nichts

5 Kommentare

 
brainer 2025-10-15

Die Eigenschaft von Soft Power einschließlich Software ist, dass sie eher einer Winner-takes-all-Struktur ähnelt.
Ich singe auch, aber ich werde deshalb nicht zu BTS.

Die meisten Menschen wollen, wenn OSS erscheint, per "Klick" etwas Besseres nutzen und es nicht wie Geeks auf ihrem eigenen Server aufsetzen.

 
m00nlygreat 2025-10-14

Wenn Open Source, wie dieser Artikel sagt, in einer Welt gewinnen würde, hätten die heutigen Unternehmen keinen Existenzgrund.

 
GN⁺ 2025-10-13
Hacker-News-Kommentare
  • Ich finde es irritierend, dass in diesem Thread Leute sinngemäß fragen, was man überhaupt als „Sieg“ bezeichnen solle. Das Ziel von Free Software ist sehr klar: Nutzerfreiheit, Freiheit beim Computing, die Freiheit der Software-Nutzer. 2025 lässt sich leicht erkennen, dass man selbst dann weniger Freiheit hat als zu Windows-98-Zeiten, wenn man auf einem ThinkPad eine freie Linux-Distribution betreibt. Das liegt an Entwicklungen außerhalb des PC-Software-Ökosystems, etwa bei Smartphones und SaaS, und selbst innerhalb der PC-Welt ist die Lage nicht eindeutig. Free Software wird zunehmend zurückgedrängt. Auch bei Kubernetes usw. war das Ziel nie, Unternehmen kostenlose Arbeitskraft und Infrastruktur zu liefern.

    • Free Software wird nicht nur verdrängt, sie wird jemandem entrissen, auf eine Hülle reduziert und am Ende ohne die Freiheiten, die sie eigentlich schützen sollte, teuer weiterverkauft.

    • Die meiste Software läuft inzwischen auf persönlichen Geräten, und den meisten Nutzern ist nur wichtig, dass sie auf einen Knopf drücken und es funktioniert, egal wie es innen aussieht. Für FOSS interessieren sich praktisch nur noch Techniker, die bereits in dem Bereich arbeiten.

  • Ich finde, dieser Beitrag betont die „Niederlage“ von Free Software zu stark. Klar, proprietäre Firmware und gesperrte Hardware sind echte große Probleme. Aber das ändert nichts daran, dass Open-Source-Software die gesamte moderne Software-Infrastruktur grundlegend umgeformt hat. Dinge wie Linux, K8s, Postgres und Python bilden die Infrastruktur des Internets. „Gewinnen“ muss nicht heißen, jeden einzelnen Transistor zu besitzen; es kann auch heißen, Standards zu schaffen, die die Menschen als selbstverständlich akzeptieren. Ich sehe oft, dass gerade Menschen, die sehr tief in FOSS involviert sind, eine so absolute und binäre Haltung einnehmen. Vielleicht braucht man so eine Denkweise, um eine Bewegung anzuführen, aber gemessen daran, wie sehr Open Source die Welt bereits verändert hat, wirkt das etwas losgelöst von der Realität.

    • Es hieß zwar, „gewinnen“ bedeute nicht, alle Transistoren zu besitzen, aber genau das wäre in Wahrheit ein echter Sieg. Unternehmen treiben derzeit Remote Attestation voran, sodass erkannt werden kann, ob wir unsere Geräte „manipuliert“ haben. Wenn man selbst entwickelte Open-Source-Software installiert, wird man von allen Diensten ausgesperrt und kann sich am Ende nicht einmal mehr in sein Bankkonto einloggen. Wir werden an den Rand gedrängt. Wenn wir keine freie Software mehr ausführen können, stellt sich die Frage, welchen Sinn das alles noch hat.

    • In den meisten Ländern, die ich kenne, ist Free Software nur eine Möglichkeit, Softwarekosten zu sparen. Unternehmen verstehen „free“ einfach als kostenlos. In den 80er- und 90er-Jahren nutzten sogar öffentliche Einrichtungen raubkopierte Software, heute sind solche Läden durch wirtschaftliche Regulierung verschwunden. Dank Free Software kann man nun legal kostenlos arbeiten, aber bei den Erstellern kommt genauso wenig an wie früher. Deshalb gehen viele FOSS-Projekte am Ende doch in eine kommerzielle Richtung, teils sogar in Modelle wie SaaS, bei denen Piraterie gar nicht mehr möglich ist.

    • Der Haupttext hat einen Punkt gut getroffen: Bei Dingen, um die sich Programmierer direkt kümmern, etwa OS oder Kernel, gibt es gute offene Varianten. Was Entwickler ohne Unternehmenskontrolle eigenständig bauen können, funktioniert gut. Aber fast alles andere — Hardware, nichttechnische Produktivsoftware, Dienste usw. — eben nicht. Deshalb ist die Welt, in der wir leben, immer noch größtenteils geschlossen. Es ist kein Absolutismus, sich zu wünschen, dass Drucker, Kaffeemaschinen, Laptops, Fernseher, Autos und smarte Beleuchtung offener werden.

    • Linux, K8s, Postgres, Python und andere Open-Source-Infrastrukturen bilden zwar das Internet, aber das Problem ist, dass ich die Software auf dem Gerät in meiner Hand nicht selbst kontrollieren kann. Am Ende laden einige wenige Unternehmen die Kosten für die Wartung der Infrastruktur auf die Open-Source-Community ab und nehmen sogar noch den Marketingeffekt mit.

    • Ich bin nicht tief in FOSS involviert, aber ich verstehe diese kompromisslose Haltung immer besser. Ich betreibe Graphene auf meinem Telefon und schlage mich gerade mit Googles neuen Einschränkungen bei Sicherheitsupdates herum.

  • Es wäre schön, wenn es eine ordentliche NURBS-basierte 3D-CAD-Software gäbe. Dann müsste die 3D-Druck-Community für Modelle der realen Welt nicht länger an Polygonen festhalten. Eigentlich ist nur Rhino wirklich brauchbar, und selbst das muss man zu einem halbwegs vernünftigen Preis (über Reseller für etwa ~$700) kaufen und bei Kompatibilitätsproblemen mit neuen Betriebssystemen alle paar Jahre erneut upgraden. Wenn Apple 2027 Rosetta abschafft, kommt diese Ausgabe wieder dazu. Immerhin war es bislang Software, die man „besitzen“ durfte, und alte Versionen kann man weiter in Emulatoren betreiben. Wer alte 3D-Modelle besitzt, dem läuft bei dem Gedanken an cloudbasierte Modellierer ein Schauer über den Rücken. Unter den Open-Source-Optionen ist OpenSCAD im Bereich nicht-polygonbasiertes Modellieren wohl am besten, aber mit einer brauchbaren GUI wäre es deutlich nützlicher.

    • FreeCAD ist seit dem Release von 1.0 ziemlich gut geworden. Es ist wesentlich universeller einsetzbar als OpenSCAD. Außer bei einfachen parametrischen Objekten wie Schrauben oder Kunstobjekten ist FreeCAD deutlich besser.
  • Ich frage mich, was „gewinnen“ überhaupt bedeuten soll. Absolut alle Bereiche vollständig zu beherrschen ist von vornherein keine realistische Definition. Ich habe seit den 90ern immer Open-Source-Software bevorzugt und sie auch dann genutzt, wenn sie weniger ausgereift war als kommerzielle Alternativen. In letzter Zeit sind Blender, postgresql, Firefox und viele Entwicklerwerkzeuge auf der Open-Source-Seite sogar die besten Optionen. Dagegen dominieren bei Betriebssystemen, Unternehmenssoftware usw. weiterhin kommerzielle Lösungen. Aber schon die Tatsache, dass es viele hochwertige Alternativen gibt, ist ein Erfolg der Open-Source-Bewegung. Dass selbst Microsoft einige Produkte Open Source gemacht hat, wäre früher kaum vorstellbar gewesen. Letztlich schadet die Haltung, nur dann von Erfolg zu sprechen, wenn man alles vollständig besetzt, der Open-Source-Arbeit eher. Stattdessen kann man durch funktionierende, gut dokumentierte Open-Source-Software eine loyale Nutzerschaft aufbauen. Erfolg daran zu messen, dass es unbedingt von der Mehrheit genutzt werden muss, ist der direkte Weg in ein dauerhaftes Gefühl der Niederlage.

    • Von einem wirklichen Sieg der Free Software könnte man erst sprechen, wenn sich gesellschaftlich die Haltung durchsetzt, dass Einzelpersonen und Organisationen keine geistigen Eigentumsansprüche auf Software erheben, keinen Code verstecken und Software als Gemeingut anerkennen.

    • Das Ziel der Free-Software-Bewegung ist es, eine Umgebung zu schaffen, in der sämtliche Software in unserer Rechenumgebung frei ist, also aller Code. Wenn man dazu Smartphones, Tablets, Webservices, Firmware und alles außerhalb des OS-Kerns mitzählt, ist dieses Ziel noch sehr weit entfernt.

  • Der Kern des Problems sind die Nutzer. Es gibt mehr als genug brauchbare freie/Open-Source-Software, aber sobald man auch nur ein wenig Komfort aufgeben muss, verlieren Nichtfachleute sofort das Interesse. Angesichts des großen Erfolgs von Google und Microsoft mit vollständig gemanagten Systemen weiß ich nicht, wie man das ändern soll.

    • Es geht nicht nur darum, dass es „ein bisschen unbequemer“ wird. Oft ist die Installation praktisch unmöglich, sofern man kein technisch versierter Nutzer mit IT als Hobby ist. Die Kultur im Open-Software-Lager scheint derzeit oft auf dem Niveau zu sein: „Hauptsache, ich kann es irgendwie installieren.“ Normale Nutzer wollen keine komplizierten Prozesse durchlaufen, keine Shell benutzen, keine Foren durchforsten und keinen Docker starten. Wenn man einen echten Sieg von FOSS will, muss es einfacher, vertrauenswürdiger und intuitiver sein als kommerzielle Alternativen, dazu kleiner, schneller und funktionsreicher.

    • Bildung könnte die Antwort sein, aber in der Realität bewegt sich alles in die entgegengesetzte Richtung.

    • Ich finde nicht, dass Nutzer unfreier Software (ich selbst nutze Apple) deshalb das Problem sind. Jeder sollte die Werkzeuge verwenden, die er möchte.

    • Die Freiheit wurde nicht so sehr geraubt, sondern ist verschwunden, weil die meisten Menschen sich nicht dafür interessiert und sie nicht verteidigt haben.

  • Softwareentwickler müssen bezahlt werden, und Miete, Gesundheitskosten und Lebenshaltung sind nun einmal nicht kostenlos. Das grundlegende Problem ist die Verwechslung von „free as in beer“ und „free as in speech“. Wenn man für Softwarefreiheit und Privatsphäre fordert, immer nur kostenlose Software zu verwenden, ist das aus meiner Sicht zum Scheitern verurteilt. Es braucht Modelle, bei denen Menschen bereitwillig für Software zahlen, die ihre Privatsphäre respektiert. Umso frustrierender ist es, dass ausgerechnet diejenigen, die am lautesten Softwarefreiheit fordern, den Aufbau solcher Geschäftsmodelle oft behindern.

    • Menschen sind bereit, für Software zu zahlen, die ihre Privatsphäre schützt. Aber viele Unternehmen sind in Wahrheit nicht transparent und verspielen so Vertrauen. An dem Versprechen „Privatsphäre“ hängt immer ein Sternchen (*). Viele Firmen werfen ihre Prinzipien für den Profit über Bord. Am Ende müssen auch Softwareentwickler leben, und Nutzer wollen Freiheit. Modelle, die beides zugleich erfüllen, sind fast nur in Ausnahmefällen erfolgreich.

    • In der Praxis herrscht die Wahrnehmung: Open-Source-Entwickler verlangen keine Gegenleistung, also kann man es einfach benutzen und abhaken.

    • Es kann funktionieren, wenn Software als Nebenprodukt von Forschung oder anderer Hauptarbeit entsteht, etwa in der Wissenschaft.

    • Wenn John Deere einen Traktor unbrauchbar macht, weil keine zertifizierten Teile verwendet wurden, dann geht es dabei nicht darum, die wirklich nötigen Entwickler zu bezahlen. Das ist vielmehr ein Missbrauch von Software. Wahrscheinlich waren die Entwickler an solchen Richtlinienentscheidungen nicht einmal direkt beteiligt; die Entscheidung kam von oben.

    • Blender ist tatsächlich ein gutes Beispiel für ein tragfähiges Modell freier Software.

  • Ich denke, schon die Bezeichnung „free software“ ist einer der Gründe, warum sie keine breite Zuneigung und kein Vertrauen gewinnen konnte. Die Öffentlichkeit versteht darunter nur „kostenlose Software“. Niemand fragt nach der eigentlichen Bedeutung von Free Software, man lädt sie einfach herunter. Aktivisten haben letztlich Jahrzehnte damit verbracht, dem Begriff „Free Software“ eine neue Bedeutung geben zu wollen. Die Wahrnehmungshürde besteht am Ende genau darin, dass Free Software bloß als „Gratissoftware“ verstanden wird.

    • Ich mag diesen Kommentar nicht besonders, aber ich muss zugeben, dass er wahr ist.

    • In den letzten Jahren hatte ich bei vielen Themen den Eindruck, dass Aktivisten mit realitätsfernen, radikalen Positionen eher schaden. Normale Menschen sind nicht so. Ich frage mich, wie man das Framing von Free Software ändern könnte; man hat versucht, es in „libre software“ umzubenennen, aber ich finde, auch das bleibt missverständlich.

  • Ich widerspreche der Schlussfolgerung, dass es „für OS und Kernel offene Versionen von allem gibt“. Eher das Gegenteil ist der Fall. In den Bereichen, in denen Geld verdient wird — Anwendungen, Treiber usw. — haben Unternehmen stets die Kontrolle behalten, deshalb gibt es etwa bei Musik und Video weiterhin kommerzielle Monopole. Open Source wird dort nur aus strategischen Gründen eingesetzt, etwa um Entwickler anzuziehen, während Kernanwendungen standardmäßig weiter geschlossen bleiben.

  • Ein erheblicher Teil der Software trägt zwar das Label „Open Source“, aber in der Praxis hält ein einzelnes Unternehmen alle Fäden in der Hand. Selbst wenn einem ein Projekt nicht gefällt oder es sich in eine seltsame Richtung entwickelt, können die meisten es nicht forken. Gerade komplexe Projekte sind schwer zu pflegen. Man sollte zwischen communitygeführten/-kontrollierten Projekten und unternehmensgetriebenem Open Source unterscheiden. Auch der Begriff Open Source selbst wurde dank Big Tech und Tim O'Reilly populär, und es hat sich eine Kultur entwickelt, in der alles, was keine OSI-anerkannte Lizenz verwendet, misstrauisch beäugt wird, selbst wenn die Lizenz in mancher Hinsicht freier ist. So vertraut man in der Praxis eher einem zu 100 % von einem Billionenunternehmen kontrollierten Open-Source-Projekt als einem Community-Projekt, das lediglich eine Klausel enthält, die Wiederverkauf für Großunternehmen mit mehr als 100 Mio. Umsatz verbietet.

  • Auf der Serverseite hat Free Software bereits gewonnen, und auch im Desktop-/Gaming-PC-Markt wächst ihr Einfluss weiter; zuletzt lag sie über 5 % Marktanteil. Wenn der Run weg von Windows 10 anhält, könnten es 10 % werden. Allerdings haben sich die Computing-Trends in Richtung Mobile verschoben, und genau dort ist unsere Freiheit heute am stärksten bedroht. Es ist an der Zeit, Apple und Google hinter sich zu lassen und nur noch Geräte zu verwenden, die von der Community kontrolliert werden können, etwa Linux-Phones oder Geräte, auf denen Lineage oder Graphene laufen.

 
kh0324 2025-10-18

Es wirkt, als würde man eine völlig überzogene Form der Philosophie Freier Software vertreten, während man das Internet entweder über von Unternehmen verlegte Kupferleitungen oder als angebliche Alternative über Satellitenschüsseln nutzt.
Selbst wenn alles, was hier steht, umgesetzt würde, hätte ich das Gefühl, dass man es trotzdem so definieren würde, dass Open Source nicht gewonnen hat.

 
kandk 2026-03-09

Der Verfasser ist wohl jung oder sieht nur das, was er sehen will..
Sogar die als offen angeführten Beispiele stehen alle durch Patente usw. unter Lizenz.
Als Beispiel wird genannt, das Fahrrad sei offen, aber die Verfahren zur Herstellung von Stahl und Reifen sind bereits Firmenvermögen..