3 Punkte von GN⁺ 2025-10-08 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Mit dem rasanten Wachstum der Starlink-Satellitenkonstellation von SpaceX wird inzwischen beobachtet, dass täglich 1–2 Satelliten in die Atmosphäre wiedereintreten und verglühen
  • Die Lebensdauer von Satelliten im niedrigen Erdorbit liegt bei 5–7 Jahren; mit steigender Gesamtzahl aktiver Satelliten werden künftig bis zu 5 Wiedereintritte pro Tag erwartet
  • Bei starker Sonnenaktivität dehnt sich die obere Atmosphäre aus, wodurch der Luftwiderstand zunimmt; dadurch sinken Satelliten auf niedrigere Bahnen und stürzen teils vorzeitig ab
  • Solche Satellitenfragmente hinterlassen Partikel seltener Metalle wie Niob und Hafnium in der Atmosphäre, was möglicherweise die Ozonschicht und das Strahlungsgleichgewicht der Erde beeinflusst
  • Es wird gewarnt, dass bei künftig mehreren Zehntausend betriebenen Satelliten das Risiko des Kessler-Syndroms zunimmt, also einer explosionsartigen Zunahme von Weltraumschrott durch Kettenkollisionen

Zunahme von Wiedereintritten bei Starlink-Satelliten

  • Laut dem Smithsonian-Astrophysiker Jonathan McDowell fallen derzeit 1–2 Starlink-Satelliten pro Tag zur Erde zurück
    • McDowells Jonathan’s Space Report gilt als maßgebliche Referenz für Start- und Wiedereintrittsdaten von Raumflugkörpern
  • Derzeit befinden sich etwa 8.000 Starlink-Satelliten im Orbit über der Erde, und ihre Zahl steigt weiter
    • Satelliten im niedrigen Erdorbit (unter 1.200 Meilen Höhe) haben eine Lebensdauer von etwa 5–7 Jahren und verglühen nach dem Wiedereintritt in die Atmosphäre
  • McDowell prognostiziert, dass künftig insgesamt mehr als 50.000 Satelliten von Starlink, Amazon Kuiper, chinesischen Systemen und anderen im niedrigen Erdorbit verbleiben könnten
    • In diesem Fall seien im Durchschnitt 5 Satelliten-Wiedereintritte pro Tag zu erwarten
    • Falls chinesische Satelliten auf höheren Umlaufbahnen operieren, könnte das Risiko des Kessler-Syndroms weiter steigen
  • Das Kessler-Syndrom beschreibt ein Szenario, in dem die Objektdichte im niedrigen Erdorbit so stark steigt, dass Kollisionen kettenartig auftreten und die entstehenden Trümmer weitere Zusammenstöße auslösen
    • Ein solcher Anstieg von Weltraumschrott schafft das Risiko einer anhaltenden Kettenfragmentierung

Meteore vs. Weltraumschrott unterscheiden

  • Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre kann man brennende Objekte am Himmel leicht mit einem Meteor oder Weltraumschrott verwechseln
  • McDowell erklärt, dass sich der Unterschied leicht an der Geschwindigkeit erkennen lässt
    • Ein Meteor tritt aus einer Sonnenumlaufbahn ein, ist sehr schnell und verschwindet innerhalb weniger Sekunden
    • Weltraumschrott ist langsamer und zieht mehrere Minuten lang über den Himmel

Einfluss der Sonnenaktivität

  • Derzeit befindet sich die Sonne in einer Phase des solar maximum, wodurch die Auswirkungen von Sonnenstürmen zunehmen
  • Wenn Sonnenstürme die obere Atmosphäre der Erde aufheizen und verdichten, müssen Satelliten im niedrigen Erdorbit durch dichtere Luft fliegen; das erhöht Luftwiderstand und Geschwindigkeitsverlust und kann zu einem vorzeitigen Absturz führen
  • Satellitenbetreiber können die Umlaufbahn wieder anheben, doch wenn das nicht möglich ist, kommt es zu einem vorzeitigen Wiedereintritt
  • Anfang 2022 gingen durch einen Sonnensturm 40 Starlink-Satelliten verloren, die kurz nach dem Start vorzeitig wiedereintraten

Wiedereintritt durch Fehlfunktionen

  • Auch Fehlfunktionen von Raketen oder Satelliten können Wiedereintritte verursachen
  • Im Juli 2024 brachte ein Fehler der Falcon 9-Zweitstufe 20 Starlink-Satelliten auf eine falsche Umlaufbahn
  • Die meisten von ihnen traten noch am Starttag in die Atmosphäre ein und verglühten; der letzte folgte acht Tage später

Jüngste Fälle von Wiedereintritt

  • 25. September 2025: Über der Bay Area in Kalifornien wurde beobachtet, wie ein Starlink-Satellit beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühte
  • 22. September 2025: Über Saskatchewan in Kanada kam es zu einem Satelliten-Wiedereintritt
  • 21. September 2025: Über Texas sorgte das Verglühen eines Satelliten für Aufmerksamkeit
  • Da 70 % der Erdoberfläche aus Wasser bestehen, werden wiedereintretende Satelliten in der Praxis nur selten tatsächlich beobachtet

Auswirkungen auf die Atmosphäre

  • Eine wissenschaftliche Untersuchung der NOAA aus dem Jahr 2023 fand in der Atmosphäre, insbesondere in der Stratosphäre (ab 11 km Höhe), mehr verschiedene Partikel seltener Metalle als erwartet
    • Diese stammen vermutlich von Satelliten oder Raketenstufen, die beim Wiedereintritt bei hohen Temperaturen verdampfen
  • Niob, Hafnium, Kupfer, Lithium und Aluminium sowie andere für Hochleistungslegierungen genutzte seltene Metalle wurden in deutlich höheren Konzentrationen als gewöhnlicher Weltraumstaub nachgewiesen
  • Solche feinen Partikel könnten Sonnenstrahlung absorbieren oder reflektieren und zudem als Katalysatoren für ozonabbauende Reaktionen wirken
  • Die gesamten atmosphärischen Auswirkungen sind bislang nicht vollständig geklärt; weitere Forschungen untersuchen mögliche Veränderungen der Erdatmosphäre und Klimaeffekte

Fazit

  • Derzeit fallen täglich 1–2 Starlink-Satelliten in die Erdatmosphäre zurück; künftig könnte die Zahl auf 5 oder mehr pro Tag steigen
  • Die Auswirkungen der von Satellitenfragmenten hinterlassenen metallischen Feinstpartikel auf die Atmosphäre sind noch nicht vollständig geklärt; es braucht fortlaufende Beobachtung und Forschung

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-10-08
Hacker-News-Kommentare
  • Es wird darauf hingewiesen, dass das Ungewöhnliche hier der Niederschlag in der Atmosphäre ist. Beim Wiedereintritt eines Starlink-Satelliten der ersten Generation entstehen etwa 30 kg Aluminiumoxid-Dampf, der laut Hinweis zur Erosion der Ozonschicht beiträgt. Jüngere Forschungsergebnisse zeigten, dass dieses Oxid von 2016 bis 2022 um das Achtfache zugenommen habe, und groß angelegte Wiedereintrittsereignisse diese Verschmutzung weiter verschärften. Starlink habe innerhalb von sechs Monaten Satelliten im Umfang von etwa zehn Jahren entsorgt und dabei rund 15.000 kg Aluminiumoxid in die obere Atmosphäre eingebracht. Als verwandter Artikel wird auf das Archiv von spaceweather.com verwiesen. Außerdem wird NEKAAL für die Beobachtung des Himmels und den Einsatz für die Sicherheit der Erde gedankt
    • Eine Forschungsarbeit (Link zur Studie) zeige, dass die Erde täglich etwa 400–800 kg Aluminiumoxid in Form von Weltraumstaub aufnimmt. Nach diesen Zahlen käme durch Starlink-Satelliten, von denen täglich 1–2 verglühen, grob ein Plus von etwa 10 % hinzu. Wo sich diese beiden Aluminiumquellen in der oberen Atmosphäre genau ansammeln, sei unklar, aber das lasse sich wohl in der genannten Arbeit prüfen. Falls der Effekt real groß sei, könnte das eine bedeutsame Veränderung sein
    • Es wird für bedeutsam gehalten, dass zwar alle Zahlen sehr konkret genannt werden, aber nirgends erwähnt wird, wie viel Ozon tatsächlich zerstört wurde. Das vermittele den Eindruck, dass der reale Schaden wohl gering sei
    • Es wird gefragt, wie viel Ozon durch 15.000 kg Aluminiumoxid-Dampf tatsächlich zerstört wird und ob das praktisch vernachlässigbar ist. Im Maßstab der Erde wirkten 15.000 kg Aluminium nicht besonders groß. Eher seien Emissionen aus Raketenproduktion und -starts vermutlich schädlicher. Sicher sei man sich dabei aber nicht
    • Wenn Schwermetalle und Feinstaub in der Atmosphäre wirklich die eigentliche Sorge seien, dann sollten auch Wettermanipulationsprojekte ernsthaft betrachtet werden, die faktisch kaum reguliert würden. NOAA sammle Berichte zu Wettermodifikationsprojekten in den USA, reguliere sie offiziell aber nicht. Derzeit gebe es 1.113 öffentliche Berichte (Link zu NOAA-Berichten über Wettermodifikationsprojekte)
    • Es wird erinnert, dass es kürzlich wohl ein Whitepaper zu den Umweltauswirkungen der Metallisierung der oberen Atmosphäre durch Satelliten gegeben habe, einschließlich extrem feiner Metallpartikel, die während langer Betriebszeiten freigesetzt werden. Eine Arbeit, wonach in der oberen Atmosphäre gefundene Seltenerdmetalle von Satelliten und Raketenboostern stammen, habe man finden können; Forschung zu den Auswirkungen beziehungsweise Folgen habe man bislang aber noch nicht gesehen
  • Es wird erwähnt, dass bald bis zu fünf Satelliten pro Tag wieder eintreten könnten. Starlinks nächste Generation V3 wiege etwa 2 Tonnen und erfordere Starship für den Start, während aktuelle Modelle bei 260–310 kg lägen. Unter Berufung auf NASA-Zahlen wird gesagt, dass täglich 91 Tonnen Staub und sandkorngroßes Material aus dem All auf die Erde fallen. Der atmosphärische Eintrag künstlicher Satelliten entspreche damit einer Zunahme von 2–10 % gegenüber natürlichem Niederschlag. Dabei werde weder berücksichtigt, ob alles vollständig verglüht, noch welchen Einfluss die Zusammensetzung künstlicher Objekte habe. Aus Sicht der Atmosphärenwirkung scheine das kein großes Problem zu sein, doch langfristig sollte Weltraummüll eher an Land geborgen werden als im Meer zu versenken. Als Referenzen werden dieses PDF, ein Teslarati-Artikel und die NASA-Fakten zu Asteroiden verlinkt
    • Eine globale Zunahme um 10 % wirke keineswegs klein. Wenn das alle paar Jahre erneut um 10 % steige, könnte es klar problematisch werden. Ohne Fachkenntnis wirke selbst ein Plus von 2 % relevant, wenn man bedenke, dass LEO-Satelliten eine sehr junge Technologie seien
    • Es wird aus Laienperspektive gefragt, ob die chemische Zusammensetzung von Satelliten sich von Asteroiden und Weltraumstaub so unterscheide, dass daraus zusätzliche negative Effekte entstehen
    • Es wird darauf hingewiesen, dass v1.5-Satelliten etwa 300 kg wiegen und die Mini-Version v2.0, die in Wirklichkeit nicht besonders klein ist, 800 kg. V3-Satelliten könnten nur mit Starship gestartet werden; mit bisherigen Trägern transportiere man 21 v2 mini oder 60 ältere v1.5. Die v2 mini böten mehr Kapazität pro Kilogramm. Da sich die Technik weiter verbessere, könne SpaceX derzeit auch ohne Starship effizient arbeiten
    • Es wird empfohlen, auf den Kommentar ganz oben in diesem Thread zu Aluminiumoxid und Ozonschicht zu achten. Wichtiger als die Menge des Schadstoffs könne sein, was genau der Schadstoff ist
    • Eine Zunahme von 2–10 % wird als ziemlich groß eingeschätzt. Vom menschengemachten CO2 stamme ebenfalls weniger als 10 % des natürlichen CO2, und trotzdem habe schon dieses zusätzliche bisschen die CO2-Konzentration der Atmosphäre um mehr als 50 % erhöht und schwere Klimaauswirkungen ausgelöst. Zwar sei die Gesamtmenge an atmosphärischem CO2 mit dem Eintrag von Weltraummaterial nicht vergleichbar, daher sei ein einfacher Vergleich schwierig; aber schon die prozentuale Zunahme spreche dafür, dass mehr Forschung nötig sei
  • Der Artikel selbst wirke etwas übertrieben. Aus Starlink-Sicht sei es besser, wenn nicht mehr funktionsfähige Satelliten in der Atmosphäre verglühen, statt unkontrolliert im Orbit herumzutreiben. Es wird betont, dass die meisten Wiedereintritte eine kontrollierte Entsorgung von Weltraumschrott seien
    • Es wird erwähnt, dass viele alte Starlink-Satelliten der ersten Generation mit deutlich geringerer Kapazität in großer Zahl ausgemustert würden und bereits viele als Ersatz aus dem Orbit geholt worden seien. Allein von der ersten Generation habe es wohl etwa 2.000 Stück gegeben. Das Problem sei nicht die Zahl der Satelliten an sich, sondern die verrückte Häufigkeit des Deorbitings. Starlink habe anfangs die Satellitenzahl massiv erhöht, doch ein großer Teil seien Ersatzsatelliten. Die Satelliten würden immer größer und leistungsfähiger. Früher seien 60 v1.5 pro Start geflogen, heute 21 v2.0 mini. Dieses Jahr sei das letzte mit Massenstarts von v1.5; ab jetzt würden nur noch v2 "mini" gestartet, also dreimal weniger Satelliten
    • Es wird gefragt, ob es nicht auch Sorge bereite, dass jeden Tag Dutzende Metall-, Kunststoff- und Keramikklumpen von der Größe eines Kleinwagens in der Atmosphäre verglühen
    • Es wird daran erinnert, dass SpaceX von Anfang an angekündigt habe, alte Satelliten auf diese Weise „aufzuräumen“
    • Es wird betont, dass der Wiedereintritt selbst sehr bewusst herbeigeführt werde. Starlink gelte in letzter Zeit nur noch als Störfaktor für die Astronomie, tatsächlich gebe es wegen des Umfangs und der Frequenz aber praktisch immer „kürzlich gestartete Satelliten“ am Himmel
  • Es wird die Vorstellung geäußert, in einer Welt zu leben, in der das größte Umweltproblem der Menschheit wirklich darin besteht, dass „LEO-Trümmer in der Atmosphäre verbrennen“. Viele seien zwar derzeit von Elon enttäuscht, aber das sei kein Grund, sich ausgerechnet auf dieses Thema zu stürzen
    • Einige Chemikalien könnten das Erdklima tatsächlich massiv beeinträchtigen. Starlink stelle beim Anstieg solcher metallischer Schadstoffe in der Atmosphäre einen abrupten Wendepunkt dar
  • Die Gleichzeitigkeit von „Metallsatelliten fallen aus der Atmosphäre!“ und Werbung nach dem Motto „Kauf eine Gedenkmünze für einen Ausflug bis an die Grenze des Weltraums!“ wird als etwas skurril empfunden
  • Wer sich darüber wirklich Sorgen mache, sollte zuerst feste Raketentreibstoffe verbieten statt Satelliten. Der Hauptverursacher der Ozonzerstörung in der Raumfahrtindustrie seien nicht Satelliten, sondern die Emissionen von Feststoffraketen
  • Die kurze Lebensdauer und der schnelle Wiedereintritt von vLEO-Konstellationen werden als positiver Aspekt gesehen, weil sie langfristigen Weltraumschrott vermeiden. In MEO oder GEO blieben Satelliten dagegen über Hunderte bis Tausende Jahre erhalten. Selbst in höherem LEO bleibe Schrott noch jahrzehntelang bestehen. Daraus wird der Vorteil von vLEO abgeleitet
    • Lieber sollten Satelliten schnell verschwinden, als dass künftige Raumfahrt unmöglich werde
  • Es wird gefragt, ob Satelliten beim Herabfallen auf die Erde heiß genug werden, um Waldbrände auszulösen. Da Satelliten aus LEO beim Wiedereintritt wohl nicht vollständig verdampften, wirke das besorgniserregend
  • Es wird daran erinnert, dass das ständige Verglühen von Satelliten bedeutet, dass fortlaufend neue gestartet werden müssen, um sie zu ersetzen