- Einer aktuellen Studie zufolge stieg die Sterblichkeit von Patientinnen und Patienten in Notaufnahmen von Krankenhäusern, die von Private-Equity-Firmen übernommen wurden, um 13 %
- Nach der Übernahme sank die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Durchschnitt um 11,6 %; auch die Personalausgaben in Notaufnahmen und Intensivstationen gingen jeweils um 18 % bzw. 16 % zurück
- Ein Forschungsteam der Harvard Medical School analysiert, dass diese Personalreduzierungen in stark personalabhängigen Bereichen wie Notaufnahmen und Intensivstationen zu einer Zunahme von Patiententodesfällen geführt haben
- Die Studie wertete Daten zu 1 Million Notaufnahmebesuchen von Medicare-Patienten zwischen 2009 und 2019 aus und verglich sie mit mehr als 6 Millionen Besuchen in 293 nicht übernommenen Krankenhäusern ähnlicher Größe und Lage
- Während die Investitionen von Private Equity in das US-Gesundheitswesen inzwischen mehr als 1 Billion US-Dollar überschritten haben, arbeiten einige Bundesstaaten an neuen Gesetzen, um dies zu regulieren
Überblick über die Studie
- Die in Annals of Internal Medicine veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass die Sterblichkeitsrate von Patientinnen und Patienten in Notaufnahmen von übernommenen Krankenhäusern um 13 % höher lag
- Untersuchungszeitraum: 2009–2019
- Analysiert wurden 1 Million Notaufnahmebesuche von Medicare-Patienten in 49 von Private Equity übernommenen Krankenhäusern
- Verglichen wurde mit mehr als 6 Millionen Notaufnahmebesuchen in 293 nicht übernommenen Krankenhäusern ähnlicher Größe und Lage
- Forschungsteam: Harvard-Professor Zirui Song, José R. Zubizarreta, Sneha Kannan von der University of Pittsburgh, Joseph Dov Bruch von der University of Chicago sowie Jennifer Stevens vom Beth Israel Deaconess Medical Center u. a.
Zentrale Ergebnisse
- Veränderung beim Personalbestand: Nach der Übernahme sank die Zahl der Vollzeitkräfte im Durchschnitt um 11,6 %
- Veränderung bei Personalkosten: Die Lohn- und Gehaltsausgaben in der Notaufnahme sanken um 18 %, auf der Intensivstation um 16 %
- Aussage von Professor Song:
- „Notaufnahmen und Intensivstationen sind direkte, arbeitsintensive Bereiche; wenn Personal fehlt, kann die Patientensicherheit unmittelbar gefährdet sein“
- Aussage von Professor Robert McNamara vom Temple University Hospital:
- „Private Equity steigert zunächst die Rendite und setzt dann auf Kostensenkungen; in diesem Prozess verschlechtern sich die Behandlungsergebnisse der Patientinnen und Patienten“
Verwandte Forschung und Kontext
- Studie aus dem Jahr 2021: In Pflegeheimen im Besitz von Private Equity stieg die Sterblichkeit um 11 %
- Ursachen: Abbau von Pflegepersonal und geringere Einhaltung von Pflegestandards
- Frühere Studien:
- Zunahme von Infektionen und Patient:innenstürzen
- Höhere Kosten und geringere Servicequalität wurden festgestellt
Investitionen von Private Equity in das Gesundheitswesen
- In den vergangenen Jahren wurden mehr als 1 Billion US-Dollar in den Gesundheitssektor investiert
- Das Gesundheitswesen macht 18 % des US-BIP aus und ist damit ein zentrales Ziel für Investoren
- Um die Schuldenlast aus Übernahmen zu bedienen, werden kurzfristige Gewinnstrategien wie Entlassungen, Kostensenkungen und der Verkauf von Grundstücken eingesetzt
Rechtliche und politische Reaktionen
- Oregon: Im Juni 2025 wurde eines der schärfsten US-Gesetze verabschiedet, das die Kontrolle von Gesundheitseinrichtungen durch Konzerne und Private Equity einschränkt
- Indiana: Erweiterung der Ermittlungsbefugnisse des Attorney General bei Gesundheitsdeals und Einführung einer Meldepflicht für Eigentumsverhältnisse
Implikationen
- Personalabbau in Notaufnahmen und Intensivstationen kann zu einer direkten Verschlechterung der Überlebensrate von Patientinnen und Patienten führen
- Die Kostensenkungsstrategien von durch Private Equity übernommenen Krankenhäusern werfen ein öffentliches Problem auf, weil sie Patientensicherheit und Behandlungsqualität beeinträchtigen
- Der Bedarf an rechtlichen und politischen Maßnahmen zur Begrenzung des Einflusses privaten Kapitals auf das Gesundheitssystem insgesamt wächst
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