35 Punkte von GN⁺ 2025-09-18 | 4 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Die besten AI-Funktionen von heute entwickeln sich dahin, Produkte smarter und intuitiver zu machen, ohne ein „mit AI ausgestattet“-Abzeichen vor sich herzutragen
  • Gute unsichtbare Funktionen sollten dazu führen, dass Nutzer AI gar nicht bewusst wahrnehmen, sondern einfach das Gefühl haben: „Es funktioniert einfach gut.“
  • Solche Funktionen zielen darauf ab, den Kontext des Nutzers zu verstehen, Erwartungen vorauszusehen und einzugreifen, ohne den Flow zu stören
  • Selbst wenn sie scheitern, sollten sie elegante Fallbacks bieten, ohne das Vertrauen in das Produkt zu beschädigen; das beste Design entfernt die UI gleich ganz und arbeitet still im Hintergrund
  • Letztlich lässt eine großartige AI-Erfahrung eher eine natürliche, erwartungsgemäß funktionierende und unvermeidlich wirkende Funktion entstehen als etwas Spektakuläres

Nichts ist passiert (Nothing Happened)

  • Gute unsichtbare Funktionen wollen nicht, dass Nutzer denken „Das ist AI“, sondern eher: „Das funktioniert einfach gut.“
  • Der Spamfilter von Gmail weist nicht auf den Einsatz von Deep Learning hin, sondern macht einen Posteingang ohne Spam zum Standardzustand
    • Nutzer nehmen das als Grundzustand des Produkts wahr und sind sich des AI-Eingriffs nicht bewusst
  • Zum Beispiel nutzt die Verkehrsprognose in Maps-Apps Echtzeit- und historische Daten, um schnellere Routen vorzuschlagen
    • Auch ohne einen „AI-Modus“ anzufordern, erhalten Nutzer automatisch die optimale Route

Nahtloser Kontext (Seamless Context)

  • Unsichtbare AI funktioniert, indem sie Kontext erfasst, ohne Nutzer erst nach ihrer Situation, ihren Vorlieben oder ihrem bisherigen Verhalten zu fragen
  • Zu viel Wahrnehmung kann allerdings ein unheimliches Erlebnis erzeugen. Wenn AI zeigt, was sie alles weiß, zerbricht die Illusion von Natürlichkeit
  • Musik-Apps erstellen auf Basis des Hörverhaltens automatisch Playlists und aktualisieren sie täglich, wenn sich der Geschmack verändert

Vorhersage ohne Unterbrechung (Prediction without Interruption)

  • AI greift zum richtigen Zeitpunkt ein, indem sie Erwartungen vorhersieht, ohne den Flow der Nutzer zu unterbrechen
  • Nutzer müssen keine unnötigen Entscheidungen treffen oder repetitive Aufgaben ausführen. Je weniger sie über das Tool nachdenken müssen, desto besser wird die Erfahrung
  • Die Autovervollständigung in Texteditoren liefert während der Eingabe in Echtzeit Korrekturen und Vorschläge
    • Sie unterstützt Nutzer, ohne gesondert um Erlaubnis zu bitten, und erhält den Arbeitsfluss aufrecht

Scheitern, aber elegant (Fail but Gracefully)

  • Unsichtbare Funktionen bleiben unsichtbar, bis sie scheitern – und wenn sie scheitern, muss das elegant geschehen, ohne Vertrauen zu zerstören
  • Im Fehlerfall sollte es statt einer kalten Meldung wie „AI konnte nicht geladen werden“ für einen Moment so wirken, als funktioniere das Produkt weiterhin auch ohne besondere Magie
  • Wenn Face ID auf dem iPhone fehlschlägt, wechselt es nahtlos zum Passcode-Eingabebildschirm und erhält so die Nutzbarkeit
    • Dadurch bleibt die Nutzererfahrung mit minimaler Unterbrechung erhalten

Wo ist die Benutzeroberfläche? (Where is the User Interface)

  • Das beste AI-Design entfernt die UI, sodass Nutzer gar nicht mehr interagieren müssen
  • Besonders bei Hintergrundoptimierungen, die Geschwindigkeit, Effizienz und Personalisierung verbessern
  • Heutige Smartphones optimieren App-Aktivitäten, Ladeverhalten und Hintergrundprozesse ohne Slider oder Toggles

Nur eingreifen, wenn nötig (Nudge when Needed)

  • Unsichtbare AI bleibt nicht völlig stumm, sondern liefert bei Bedarf Erklärungen
  • Designer müssen sorgfältig entscheiden, wann AI unsichtbar bleiben und wann sie sichtbar werden sollte
  • Apps, die in der Tray- oder Menüleiste laufen, schlagen Änderungen vor; wer möchte, kann auf Erklärung anzeigen klicken
  • AI arbeitet im Hintergrund, solange Nutzer sie nicht ausdrücklich aufrufen, und minimiert so Störungen
  • Gutes AI-Design ist wie Bühnenlicht: Wenn es gut funktioniert, fällt es nicht auf – fehlt es, merkt man es sofort
    • Ist AI gut gestaltet, ist sie nicht einfach nur sichtbar, sondern geht im natürlichen Rhythmus des Produkts auf

Fazit

  • Die besten AI-Erfahrungen drängen sich nicht spektakulär in den Vordergrund
  • Entscheidend ist, dass sie sich wie eine natürlich und unvermeidlich funktionierende Funktion anfühlen – genau so, wie Nutzer es erwarten

4 Kommentare

 
openman 2025-09-22

Dem stimme ich sehr zu. Selbst wenn etwas noch so gut gemacht ist, sind Eingriffe störend. Am besten ist es, wenn es wirkt, als wäre es nicht da, und erst dann auftaucht und hilft, wenn man es braucht — entscheidend dürfte dabei sein, wie passend es die jeweilige Situation einschätzt. Auch bei Menschen gibt es solche, die das gut können, und solche, die es nicht können; wenn künstliche Intelligenz das überwinden kann, dürfte das eine Revolution auslösen.

 
architektonike 2025-09-18

Ich wünsche mir nur eines: „Genau richtig und mit Fingerspitzengefühl umgesetzt“!

 
kimjoin2 2025-09-18

Früher wurden bedeutungslose Marketingbegriffe wie „Blockchain“, „Personalisierung“, „web3.0“ usw. wahllos in den Raum geworfen,
und bei AI war das früher mit „Deep Learning“ genauso.
Bis vor Kurzem erschienen ja auch ständig Marketingartikel über Dinge wie den CSAT-Score oder den amerikanischen SAT-Score,
daher kann ich dem sehr zustimmen.
Sobald AI dransteht, wirkt es für mich wie Marketing, ein Appell an Investoren oder eine Rechtfertigung für den Preis.

 
jmonaco 2025-09-18

Dem kann ich wirklich, wirklich, wirklich sehr zustimmen
Langsam empfinden Kunden oder Nutzer bereits eine gewisse Müdigkeit gegenüber dem Wort „AI“