31 Punkte von GN⁺ 2025-09-17 | 7 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Welche Form ist in Benutzeroberflächen (UI) richtig: "your" oder "my"?
  • In vielen Fällen ist es klarer, ganz auf Präfixe zu verzichten und einfach Account, Orders, Cases zu schreiben
  • In Menüs wirkt „My cases“ zwar natürlich, kann aber beim Onboarding, in E-Mails und im Kundensupport zu Verwirrung führen
  • Wenn man zum Nutzer spricht, ist „your“ passender; wenn der Nutzer im System antwortet oder etwas auswählt, wirkt „my“ natürlicher
  • Die Einhaltung grundlegender Schreibprinzipien ist entscheidend für Klarheit in UX und Kommunikation

Die Wahl zwischen "Your" und "My" in der UI

Worauf man achten sollte, wenn es um Dinge im Besitz des Nutzers geht

  • Welche Form ist besser: "My account" oder "Your account", "My orders" oder "Your orders"?
  • In den meisten Fällen reicht es jedoch völlig aus, ohne Präfixe einfach "Account", "Orders" usw. zu schreiben
  • Wie bei Amazon ist für den Nutzer klar, dass es sich um das eigene Konto handelt
  • In einem Case-Management-System, das Informationen zu mehreren Personen enthält, muss man jedoch zwischen "meine Fälle" und "alle Fälle" unterscheiden

Probleme bei der Verwendung von "My"

  • Eine Unterscheidung wie „My cases / All cases“ im Menü kann zunächst sinnvoll wirken
  • In realen Gesprächs- oder Hinweissituationen entstehen jedoch Probleme:
    • Wenn in einer Onboarding-Nachricht „Go to my cases“ steht, kann das so verstanden werden, als seien die Fälle des Sprechers gemeint
    • Wenn der Kundensupport sagt „Go to your cases“, auf dem Bildschirm aber „My cases“ steht, entsteht Inkonsistenz und Verwirrung
  • Untersuchungen haben gezeigt, dass dieses Problem bei der Verwendung von „your“ nicht auftrat

Beispiele für Formulareingaben und Auswahlsituationen

  • Wenn Nutzer etwa bei Radio-Buttons selbst ihren Willen ausdrücken, ist "my" passend
  • Frage: “Do you want to share your profile photo?”
    • Wenn die Option „Yes, share your profile photo“ lautet, klingt es so, als würde das System das Foto einer anderen Person teilen, was unnatürlich wirkt
    • „Yes, share my profile photo“ passt dagegen zum Antwortkontext des Nutzers und wirkt natürlich

Fazit und Empfehlungen

  • Wenn man dem Nutzer etwas mitteilt, sollte man „your“ verwenden → Anweisungen und Hinweise innerhalb der UI
  • Wenn der Nutzer antwortet oder eine eigene Handlung auswählt, sollte man „my“ verwenden → Radio-Buttons, Checkboxen, Formulareingaben
  • Mit diesem Prinzip lässt sich eine klare und missverständnisfreie Benutzeroberfläche gestalten

7 Kommentare

 
ipuris 2025-09-17

Die Meinungen auf Hacker News sind in vielerlei Hinsicht wirklich interessant!

 
sansangear 2025-09-17

Ich frage mich, ob es solche Fälle auch im Koreanischen gibt.
Ich denke, selbst im Englischen gibt es kein Problem, wenn man es im Text als Go to my cases -> Go to "My cases" menu. schreibt.

 
kwj9211 2025-09-17

Wenn man ins Detail geht, gibt es wohl ziemlich viele solcher Fälle.

Ich habe es zwar nicht benutzt, aber wenn es in einer Geschäftsverwaltungs-App wie für Baemin-Inhaber Tabs gibt wie
Bestellungen oder meine Bestellungen oder Kundenbestellungen,
dann kann es, egal was man auswählt,

verwirrend sein, ob „meine“ zeigt, dass ich irgendwo etwas bestellt habe,
oder ob es zeigt, dass die Kunden meines Geschäfts bei mir bestellt haben.

Ich denke, das kann durchaus missverständlich sein, haha

 
svg1773 2025-09-17

Es handelt sich eher um einen umweltbedingten Sonderfall in Korea als um einen sprachlichen im Koreanischen.
Wegen der Existenz von Woori Bank kann man in Dokumenten anderer Banken keine Sätze wie „unsere Bank ist ...“ verwenden und benutzt stattdessen sino-koreanische Ausdrücke wie „diese Bank“ lolol

 
sbd530 2025-09-17

Ich erinnere mich, dass wir sogar in der internen Kommunikation nicht Woori Card sagen konnten und stattdessen Slang wie „Uka“ oder „Worika Card“ benutzt haben.

 
pmc7777 2025-09-17

„Meine Suche“

„Deine Suche“

 
GN⁺ 2025-09-17
Hacker-News-Kommentare
  • Laut den Microsoft Windows User Experience Interaction Guidelines wird empfohlen, bei Anweisungen an den Nutzer in Fehlermeldungen, Hilfetexten und Fensterbeschriftungen die zweite Person (you, your) zu verwenden, bei Buttons, Menüs und Nutzerbefehlen dagegen die erste Person (I, me, my) passender Link

    • Die zweite Antwort wirkt auf mich besser; in den meisten Fällen ist ohnehin klar, wem etwas gehört, daher muss man nicht extra My oder Your schreiben. Wenn man jedoch zwischen den Dokumenten des Nutzers und den Dokumenten aller unterscheiden muss, verwendet man wie im Microsoft-Leitfaden „Your Documents“ und „All Documents“. Das My-Präfix aus Windows XP halte ich für einen der schlimmsten UI-Fehler überhaupt: Wenn ich meine Fotos sehen will, muss ich unter M nach „My Photos“ suchen, als würde man alles unter „The“ einsortieren wie in dem alten Witz mit „The Payroll“.
    • Bei der Benennung von Navigationselementen nutze ich eine Art Heuristik und unterscheide Namen wie „My Favorites“ und „Your Favorites“ danach, ob ich den Inhalt selbst ausgewählt habe oder nicht. Eigentlich reicht aber meist einfach „Favorites“, daher sollte man Possessivpronomen nur verwenden, wenn sie wirklich nötig sind.
    • Schade, dass dabei die dritte Person fehlt; deshalb formuliere ich Prompts für LLMs meist so, dass sie konsequent in der dritten Person sprechen.
  • Ich mag das Wort my im Human-Computer Interaction-Kontext nicht. Für mich sollte eine Maschine als Maschine klar funktionieren und nicht wie ein vermenschlichter Begleiter wirken. Deshalb bevorzuge ich überall Formulierungen mit „your“. Früher wollte ich HCI erforschen, war aber enttäuscht, dass es in diesem Bereich zu wenig Finanzierung gab. HCI-Forschung wirkt auf mich oft zu stark auf Personalisierung fixiert. Ich glaube, Interaktion mit Maschinen sollte vor allem für ältere Menschen objektiv, direkt und freundlich bleiben.

    • Ich möchte ebenfalls, dass LLMs eher maschinenhaft als menschlich reagieren. Ein Chatbot ist nicht mein Freund und kann es auch nicht werden. Er sollte ein Werkzeug bleiben, das präzise und ohne Ballast auf Fragen und Anfragen antwortet. Der Versuch, eine emotionale Bindung aufzubauen, ist unnötig.
    • Als Gegenargument: Wenn ich jemandem meinen echten Schreibtisch im Büro beschreibe, würde ich „my desk“ sagen, und bei Unterlagen in Dateien ebenso „it's in my files“. Wenn man eine Schublade für persönliche Dokumente mit entweder „my documents“ oder „your documents“ beschriften müsste, wäre „my“ intuitiver. Meiner Meinung nach verwischt „your“ oft eher die Grenze zwischen Mensch und Maschine, besonders wenn die Maschine dadurch klingt, als hätte sie ein eigenes „Ich“. Tatsächlich gehöre aber ich dem Computer oder den Dateien nicht, sondern der Computer und die Dateien gehören mir. In Situationen mit externem Austausch passt „your“ allerdings oft besser.
    • Beim im Artikel genannten Beispiel wirkt es problematisch, wenn bei der Frage „Möchten Sie mein Profilbild teilen?“ statt „mein“ ein your stünde, weil es dann so klingen könnte, als teile man das Foto einer anderen Person.
    • Dialogfenster, die wie Pop-up-Angebote zu menschlich formuliert sind, finde ich unangenehm. Statt „Yes, please“ und „No, thank you“ bevorzuge ich klare Befehlsformen wie „Yes“ und „No“. Man gibt einer Maschine Anweisungen und führt kein Gespräch mit einer Person.
    • Früher gab es auf dem Windows-Desktop das Symbol „My Computer“, heute heißt es „This PC“.
  • Bei der Lokalisierung wird diese Verwirrung noch wichtiger. Im Türkischen etwa verwendet die UI eine formelle Anrede, wenn sie zum Nutzer spricht, und eine informellere Form, wenn der Nutzer der UI Befehle gibt. Ein Button mit „Delete Your Files“ bedeutet, dass die Dateien der App gelöscht werden, während ein Dialog mit „Delete My Files“ so wirkt, als bitte die App darum, ihre eigenen Dateien zu löschen. Bei der Übersetzung von Bluesky gab es denselben Effekt. Schon einfache Regeln für UI-Texte können einen enormen Unterschied in der Übersetzungsqualität machen.

    • Als UI-Entwickler war der Unterschied extrem zwischen der Zeit, als ich mit Spezialisten für User Assistance gearbeitet habe, und der Zeit, als UX-Designer die Texte selbst geschrieben haben. Wenn Sprachprofis ausschließlich für die Texte zuständig waren, waren Buttons, Hilfetexte, Release Notes und alle anderen Formulierungen wirklich leicht verständlich und auch leicht zu übersetzen. Ich hielt das für selbstverständlich, aber überraschenderweise ist es oft üblich, dass UX- oder Produktverantwortliche den Text selbst schreiben. Ich vermisse die frühere Kultur, in der man schnell um eine Prüfung selbst eines einzelnen Button-Texts bitten konnte.
    • Wenn Entwickler keine anderen Sprachen außer Englisch beherrschen, ist Übersetzung immer ein Problem. In jedem Projekt muss man dann wieder Dinge wie thingCount == 1 ? 'thing' : 'things' und pgettext erklären.
    • Es ist praktisch unmöglich, Übersetzungsstrings ausreichend Kontext mitzugeben. Damit Übersetzer keine Fehler machen, sind visuelle Materialien wie Mockups oder Design-Links unverzichtbar. Selbst das reicht oft nicht aus, sodass man am Ende denselben Satz je nach Kontext getrennt übersetzen muss. Es ist eine endlose Aufgabe. Türkisch ist schon komplex, aber im Vergleich zu asiatischen und slawischen Sprachen noch relativ einfach, was fast absurd ist. Es gibt etwa Fälle wie „şükela“ bei Ekşi Sözlük, die sich kaum sinnvoll übertragen lassen.
    • Jemand fragt, ob es einfache Regeln gibt, denen man beim Schreiben von UI-Text folgen sollte.
  • Jedes Mal stört es mich, wenn Windows bei der Installation von Updates und einem nötigen Neustart die Meldung „You're 90% there“ zeigt. Der Nutzer wartet ja nur; tatsächlich ist Windows zu 90 % fertig. „We're 90% there“ wäre noch nachvollziehbar. Ich habe Microsoft dazu sogar Feedback geschickt, weiß aber nicht, ob sich je etwas geändert hat.

    • Ich denke, diese Meldung ist einfach UI/UX-Design, das gute Stimmung erzeugen soll. Ich bevorzuge schlichte und klare Meldungen wie „Loading: 90%“.
    • Eigentlich hätte ich lieber gar keine Prozentangaben. Die einzelnen Schritte dauern viel zu unterschiedlich lange, um sinnvoll zu sein, und erzeugen nur falsche Erwartungen. Wären Windows-Updates nicht so schlampig, wäre das weniger schlimm, aber so ist es eben doch ein Problem …
  • In letzter Zeit verwenden Microsoft und andere gern die erste Person Plural, was ich unangenehm finde, etwa in „Let's add your Microsoft account.“, weil es den Nutzer fast bevormundet.

    • Ich habe einmal ein Spiel auf Steam zurückgegeben. Schon der nötige Microsoft-Login war nervig, aber dass der Login-Dialog dann noch „let’s get you signed in.“ sagte, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, und ich habe den Kauf aufgegeben. Wenn eine App so tut, als wäre sie ein enger Freund, macht mich das eher wütend. Besonders Button-Texte wie „Got it!“ mit diesem niedlichen Unterton kann ich überhaupt nicht leiden.
    • Let's bedeutet im Englischen nicht wörtlich immer let us; Sprache sollte nicht nur nach ihrer wörtlichen Bedeutung verstanden werden. Ich finde diese lockere Ausdrucksweise trotzdem unangenehm.
  • Wenn zum Beispiel ein Support-Mitarbeiter sagt „Go to your cases“, kann Verwirrung entstehen, weil in der UI dann „My cases“ steht. Die Simpsons haben genau so etwas einmal parodiert Link

    • Als ich sah, dass der vorläufige Name von Jeremy Corbyns neuer Partei „Your Party“ lautet, merkte ich im Interview, wie extrem verwirrend es wird, wenn beide Seiten ständig „your party“ sagen. In manchen Kontexten funktioniert das, aber manchmal wird es wirklich bizarr.
    • Die Simpsons haben für solche Fälle immer eine passende Referenz. Weil diese Verwirrung tatsächlich entstehen kann, finde ich, dass es unbedingt einen Designer geben sollte, der für Konsistenz verantwortlich ist. Ich selbst schwanke auch oft zwischen erster und zweiter Person.
    • Ehrlich gesagt fände ich selbst eine sprachliche Anleitung wie „Go to My Cases“ nicht unbedingt unnatürlich, wenn es genauso auf dem Bildschirm steht. Wenn es aber zu Missverständnissen kommen könnte, wäre etwas zusätzliche Erklärung eine Möglichkeit.
    • Wenn man es laut vorliest und „my cases“ ruhig oder mit tiefer Stimme spricht, merkt der Nutzer eher, dass es einfach ein Menülabel ist.
  • Aus meiner Sicht sind sowohl my als auch your schwach. Am besten lässt man beides weg, oder wenn unbedingt etwas davorstehen muss, dann eher the. Im Singular also „The Account“, „The Profile Picture“, im Plural einfach Cases, Tasks, Items. Das ist auch einer der Gründe, warum mir „My Documents“ aus der Windows-XP-Zeit nicht gefiel. Es sorgt außerdem nur für Verwirrung in der Sortierung. Wenn im System nicht gleichzeitig my und your existieren können, muss man sie auch nicht unterscheiden.

    • Ich mag „My Documents“ auch deshalb nicht, weil es weniger meine Dokumente sind, sondern eher ein Ordner, in den Apps automatisch Dateien ablegen. In Nextcloud hätte ich lieber einen separaten Ordner für meine eigenen Dokumente und den vom System oder von Apps genutzten Ordner einfach als „System Documents“ bezeichnet.
  • Wenn ein Produktname „My Card“ lautet, wird die Darstellung noch komplizierter. Ist es dann „Your My Card“ oder „My My Card“? Auf französischen Websites hat man oft den Eindruck, es gebe gar keine Regeln mehr, weil Buttons mal im Imperativ, mal im Infinitiv, mal in der ersten Person Präsens formuliert sind.

    • Im Japanischen wird my oft als Lehnwort verwendet, wodurch kuriose Sätze entstehen, etwa in Hinweisen, man solle „my car“ parken.
    • Malaysia hat den zweistelligen Ländercode MY, daher heißt auch der Personalausweis „My Card“.
    • In Québec gibt es etwas Ähnliches: Dort verwendet man on, um Formulierungen im Sinne von „man macht das so“ zu bilden, eine Art sanfte Aufforderung.
    • myspace hatte dieses Problem überhaupt nicht.
    • Auch im Spanischen gibt es Verwirrung: Manche Buttons stehen im Infinitiv, andere im Imperativ der zweiten Person. Ich habe kürzlich sogar in einer App eines großen Unternehmens beides im selben Dialog gesehen, und das war wirklich chaotisch.
  • Teams oder Direktoren/POs, die Possessivpronomen verwenden, wirken auf mich oft unreif oder auf ein sehr enges Zielpublikum ausgerichtet. Es mag niedlich wirken, Nutzer besonders vertraut und menschlich anzusprechen, aber für Internationalisierung taugt das wenig. Man stößt sofort auf feine soziale Normen rund um Pronomen und verschwendet am Ende Zeit und Aufwand für scheinbar kleine Dinge. Der Kern ist: Klarheit ist besser als Natürlichkeit. Sogar Amazon hängt im Englischen einfach kurz „Your Payments“ oder „Your account“ an, aber in anderen Sprachen wirkt das viel unnatürlicher.

    • Als ich früher bei einem ISP/Telko arbeitete, sollte ich in einen Modal Dialog einfach „You sure“ schreiben. Ich änderte es in „Are you sure?“, worauf QA es wieder ablehnte. Als ich den Manager fragte, sagte er nur, ich solle mich an die Spezifikation halten; die Firma wollte mit solcher Sprache besonders jung wirken. Damals kam ich mir altmodisch vor, aber am Ende verschwand das Unternehmen.
  • Manchmal ist der Wortlaut auch einfach komplett falsch. Ein altes Beispiel ist die Meldung „It is now safe to turn off your computer“, obwohl der Computer, den ich ausschalten soll, irgendwo weit entfernt steht und der, den ich tatsächlich ausgeschaltet habe, vielleicht gar nicht mein eigener ist.