- E-Paper-Displays sind wegen ihrer guten Lesbarkeit und ihres niedrigen Stromverbrauchs schon lange beachtet worden, galten wegen ihrer geringen Refresh-Rate jedoch als ungeeignet für allgemeine Computing-Anwendungen
- Das Startup Modos gab bekannt, mit einem Open-Source-Controller auf FPGA-Basis und einem Development Kit die bisherigen Grenzen durchbrochen und Refresh-Raten von bis zu 75 Hz erreicht zu haben
- Dank einer neuen Form der pixelgenauen Steuerung und eines universellen Adapters ist das System mit verschiedenen E-Paper-Panels kompatibel und bietet niedrige Latenz sowie unterschiedliche Darstellungsmodi
- Die Technik erhöht die Reaktionsfähigkeit so weit, dass sogar Scrollen und Videowiedergabe unterstützt werden; Entwickler und Enthusiasten können wiederverwendete Panels oder sie für verschiedene Projekte nutzen
- Obwohl das E-Paper-Laptop-Projekt scheiterte, wird dieses Development Kit als innovativer Fortschritt durch das Open-Source-Ökosystem und Crowdfunding bewertet
75 Hz mit E-Paper erreicht
- Bisherige E-Paper-Displays liegen meist bei unter 10 Hz, manche benötigen für eine vollständige Bildschirmaktualisierung mehr als 1 Sekunde
- Modos erreichte auf 13-Zoll-Panels (1600×1200) und 6-Zoll-Panels (1448×1072) eine Refresh-Rate von 75 Hz
- Die hohe Bildwiederholrate ermöglicht geringere Latenz und flüssigere Abläufe, sodass sich die Technik auch für normale Monitor- und Tablet-Anwendungen eignet
Open-Source-Controller Caster
- Das Herzstück von Modos ist Caster, ein Open-Source-Controller für E-Paper-Displays
- Bisheriger Ansatz: Steuerung des gesamten Panels in einem einzigen Zustand (zwei Zustände: statisch/aktualisierend)
- Caster-Ansatz: pixelgenaue Steuerung, partielle Aktualisierung nur bestimmter Bereiche möglich → bessere Leistung und Reaktionsfähigkeit
- Basistechnologie: AMD Spartan-6 FPGA
- Der mitgelieferte Glider Mega Adapter verfügt über vier Anschlüsse und unterstützt Panels von 4,3 bis 13 Zoll
- Auch alte E-Reader-Panels wie aus dem Kindle können wiederverwendet werden
Software und API
- Modos stellt eine API auf Basis der Programmiersprache C bereit → Darstellungsmodi können dynamisch gewählt werden
- Text: binärer Farbmodus mit niedriger Latenz
- Karten/komplexe Grafiken: reaktionsschnelles Graustufenformat
- Video: Graustufen mit maximaler Qualität
- In Verbindung mit einem Linux-Window-Manager ist eine gemischte Nutzung verschiedener Modi auf demselben Bildschirm möglich
- Code und Schaltpläne sind auf GitHub als Open Source veröffentlicht
Crowdfunding und Entwicklungshintergrund
- Ende der Crowdfunding-Kampagne: 18. September 2025, geplanter Versand: Januar 2026
- Modos verfolgte 2022 das Ziel eines E-Paper-Laptops (Modos Paper Laptop), scheiterte jedoch an
- nicht passenden Seitenverhältnissen der Panels (Laptop: 16:9/16:10 vs. E-Paper: 4:3)
- den hohen Kosten für ein maßgeschneidertes Chassis und die Panel-Fertigung
- Inzwischen sind 13-Zoll-E-Paper-Panels verfügbar und bieten eine realistischere Alternative
Bedeutung
- Vorstellung eines E-Paper-Development-Kits mit Auflösung und Reaktionsfähigkeit auf LCD/OLED-Niveau
- Nachweis, dass E-Paper über einfache E-Reader hinaus auch als Computing-Display mit niedriger Latenz taugt
- Der Open-Source-Hardware-Ansatz bietet Entwicklern und Makern eine neue Plattform für innovative Experimente
4 Kommentare
Oh, das sieht gut aus.
Wow, das sind wirklich sehr vielversprechende Neuigkeiten für jemanden wie mich, der E-Book-Reader oft benutzt.
Ich auch. Ich mag diese ganz eigene Ästhetik sehr.
Hacker-News-Kommentare
EInk-Panels konnten schon immer schnell angesteuert werden.
LCDs sind bei hohen Bildwiederholraten aber deutlich energieeffizienter.
EInk verbraucht mehr Strom, je mehr Tintenpartikel bewegt werden.
Bei 75 Hz bin ich ziemlich sicher, dass LCD viel effizienter ist.
LCD-Pixel (Flüssigkristalle) sind eine Art Kondensator und brauchen nur sehr wenig Strom zum Ein- und Ausschalten.
Schon aus physikalischen Gründen muss LCD schneller sein, während EInk die Besonderheit hat, dass das Bild auch ohne Strom erhalten bleibt.
Das heißt: Zum Bewegen der Tinte wird auf einmal relativ viel Energie benötigt, danach wird aber nahezu kein Strom mehr verbraucht, solange sich der Bildinhalt nicht ändert. Deshalb eignet es sich sehr gut für Anwendungen wie Preisschilder, die nur ein- oder zweimal am Tag aktualisiert werden.
Unser Driver Board verbraucht im Dauerbetrieb etwa 1 bis 1,5 W.
Vor Kurzem haben wir in einem Beitrag unsere Designentscheidungen im Detail erläutert, das ist vielleicht interessant.
Technical Deep Dive: Glider
Ein weiterer Vorteil von E-Ink ist, dass es sich um ein nicht selbstleuchtendes Display handelt.
Transflektive LCDs haben einen niedrigen Kontrast.
Wenn ich mein tatsächlich genutztes e-ink-Tablet mit einem transflektiven Monitor vergleiche, ist der Kontrastunterschied selbst bei denselben Lichtverhältnissen deutlich sichtbar.
Wenn der Preis stimmt, würde ich unbedingt einen 75-Hz-e-ink-Monitor ausprobieren wollen, selbst wenn der Stromverbrauch höher wäre als bei einem normalen LCD.
Neben dem Vorteil, dass bei E-ink das Bild auch ohne Strom stehen bleibt, ist ein großer Pluspunkt, dass es sich wie Papier lesen lässt.
Im Desktop-Umfeld ist mir der Stromverbrauch nicht so wichtig, aber ohne Backlight lange Foren, Chats und Texte wie auf HN lesen zu können, ist für meine Augen ein riesiger Vorteil.
Nach meiner Erfahrung mit einem Kobo-e-ink-Reader — möglicherweise nicht das neueste Modell — wäre es schön, wenn der Bildschirm in kurzen Momenten wie beim Navigieren durch Menüs oder Blättern durch Indizes schnell mehrfach aktualisiert werden könnte.
Danach würde ich den Inhalt gern lange ohne Backlight und mit geringem Stromverbrauch angezeigt lassen.
Wenn man nicht von einer festen Bildwiederholrate ausgeht, sondern von einer je nach Benutzereingabe variablen, dann könnte es doch durchaus sinnvoll sein, EInk kurzfristig schnell anzusteuern.
Dieses Projekt könnte genau die Grundlage für so einen variablen Controller sein.
Für Spiele oder Videos auf E-ink ist das zwar nichts, aber für alltägliches Markieren von Dokumenten, handschriftliche Notizen und weniger Augenbelastung könnte es die Nutzung deutlich angenehmer machen.
Ich frage mich Folgendes.
Wenn man zwar 75 Hz hätte, aber wirklich nur dann aktualisiert, wenn es nötig ist — etwa beim Schreiben in VSCode oder nur beim Scrollen, während die meisten Pixel unverändert bleiben — könnte e-ink dann nicht trotzdem energieeffizient sein?
In Kobo-Dokumenten habe ich einmal gelesen, dass e-ink-Displays insgesamt nur rund 1 Million Refreshes aushalten.
Bei 75 Hz würde das bedeuten, dass das Panel in der Praxis vielleicht nur 4 Stunden durchhält.
Ich habe auch schon von einer Garantie für 10 Millionen Refreshes gehört, aber selbst dann wären das bei normaler Nutzung vielleicht nur etwa eine Woche.
Ich frage mich, ob es dafür irgendeine Lösung gibt.
Es überrascht mich überhaupt nicht, den Namen des Modos-Mitgründers Wenting Zhang zu sehen.
Ich verfolge seit Jahren seinen YouTube-Kanal und seine Open-Source-E-paper-Projekte und war immer sehr beeindruckt.
Großes Lob für seine Arbeit, und ich hoffe, dass es weiterhin gut läuft.
Außerdem habe ich gehört, dass bereits an einer Integration des Wayland Content Type Hint Protocol gearbeitet wird.
Dadurch könnte automatisch der passende Aktualisierungsmodus gewählt werden, selbst wenn mehrere Anwendungen gleichzeitig auf dem Bildschirm geöffnet sind.
Developer Kit API Demo
Ich habe selbst einmal ein e-ink-Newspaper-Board gebaut.
newswall-Projekt
Wenn so ein Produkt erscheint, wäre das wirklich großartig.
Ich mag mein e-ink-Tablet sehr.
Aber bei allen E-Paper-Tablets, egal von welchem Hersteller — remarkable, boox, supernote usw. — ist mir ein ernstes Problem aufgefallen.
Nämlich, dass sie beim schnellen Durchblättern mehrerer Notizseiten extrem langsam sind.
Ich weiß nicht, ob das am Display oder an der CPU liegt, aber auf allen Tablets, die ich benutzt habe, war es dasselbe.
Wenn man wirklich das Gefühl haben will, ein Papiernotizbuch flott durchzublättern, stößt man zwangsläufig an diese Grenze.
Zwei Leute in meinem Umfeld haben deshalb sogar ganz auf solche Tablets verzichtet.
Wenn diese Technologie das lösen könnte, wäre das für mich eine viel wichtigere Entwicklung als ein e-ink-Monitor.
Bei durchsuchbaren Inhalten wie PDFs oder E-Books tritt dieses Problem übrigens nicht auf.
Besonders deutlich wird es dort, wo echte Handschrift wichtig ist.
Ich vermute, es liegt eher an der CPU.
Als ich einen Kobo Elipsa benutzt habe, gab es beim Umblättern von Seiten mit hochauflösenden Bildern oder vielen Vektorgrafiken gelegentlich Hänger.
Im Demo-Video sieht man eindeutig, dass selbst lange Websites sehr schnell gescrollt werden und auch Spiele oder Videos auf e-ink laufen.
Wirklich beeindruckende Technik.
Modos Paper Monitor
Der Artikel ist etwas merkwürdig formuliert.
Das Besondere ist nicht das e-ink-Panel selbst, sondern der eigene Controller, der handelsübliche Standard-e-ink-Panels mit 75 Hz ansteuert.
Pixelgenaue Adressierung als Innovation zu bezeichnen, ist auch eher fragwürdig.
Dass beim Schreiben auf e-ink-Tablets nicht immer der ganze Bildschirm neu aufgebaut wird, liegt ja offensichtlich daran, dass nur auf Pixelebene umgeschaltet wird.
Letztlich ist die eigentliche Besonderheit ein Open-Source-Controller, der mit bestehenden e-ink-Controllern konkurrieren kann — und das ist keineswegs eine kleine Leistung.
Schade, dass der Artikel das nicht ausreichend erklärt.
Diese Offenheit könnte langfristig das gesamte Ökosystem stark wachsen lassen und sehr dabei helfen, dass neue Ideen entstehen und sich verbreiten.
Ich spiele abends manchmal Schach auf einem e-ink-Smartphone.
Es ist wirklich angenehm für die Augen, das gefällt mir sehr.
Ich hoffe, der Tag kommt bald, an dem ich auf einem farbigen e-ink-Desktop-Monitor programmieren kann.
Es gibt von BOOX einen 13-Zoll-Farb-e-ink-Reader namens Tab X C, der auf Android basiert.
Ich habe die nichtfarbige Version und habe sie draußen in der Mittagssonne mit Remote-Zugriff auf meinen Laptop und einer kabellosen Tastatur für vim verwendet.
Perfekt war es nicht, aber durchaus brauchbar.
Mich würde interessieren, welches e-ink-Smartphone du benutzt.
Es gibt bereits mehrere Hersteller von farbigen e-ink-Desktop-Monitoren.
75 Hz haben sie allerdings noch nicht.
Ich schaue vor dem Schlafengehen oft YouTube-Lernvideos und interessiere mich sehr für ein eInk-Tablet, das das Licht nicht direkt in die Augen strahlt.
Farbe brauche ich nicht unbedingt.
Mich würde interessieren, ob es dafür schon ein geeignetes Gerät gibt oder ob man dafür auf dieses Produkt warten müsste.
Ich warte schon lange auf ein gutes e-ink-Telefon und einen Laptop, die sich ein bisschen smarter anfühlen als ein Lightphone.
Ein Laptop oder Gerät, auf dem man an einem Picknicktisch in der Sonne programmieren kann, war immer mein Wunsch.
Ich frage mich, warum alle nur an mobile Geräte denken.
Ich würde so ein Display für meinen Haupt-Desktop-Monitor kaufen wollen.
Das scheint mir die beste Möglichkeit zu sein, vollständig in die Arbeit einzutauchen.
Wenn du nur Schwarzweiß willst, kannst du mit Tools wie f.lux auch alle Monitore in den Graustufenmodus versetzen.
Ich würde ein e-ink-Display im Laptop verwenden und die vorhandenen Farbmonitore einfach anschließen.
In so einer idealen Welt könnte ich mir einen Flagship-Laptop mit aktueller CPU und viel RAM kaufen, weil ich dank eines günstigen 4x3-1600x1200-Monochrom-e-ink-Displays an anderer Stelle Geld sparen würde.
Außerdem würde der Akku viel länger halten, weil der Laptop wie ein e-reader in einen stromsparenden Zustand gehen könnte.
Auch im Zug müsste man sich keine Sorgen um Diebstahl machen, und wenn ich wirklich Farbe brauche, würde ich einfach nur mein Handy hervorholen.
Aber so ein Markt wird sich vermutlich nie öffnen.
Früher sind monochrome LCDs für Desktops und Laptops schon von der Farbnachfrage verdrängt worden, und ich denke, für Leute wie mich gäbe es zwar Bedarf, aber keinen Massenmarkt.
Ich habe f.lux zwar noch nie ausprobiert, aber so ein Display würde ich sofort kaufen.