2 Punkte von GN⁺ 2025-09-01 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Google setzt seine Richtlinie zur Genehmigung von App-Installationen strenger durch
  • Auf Android-Smartphones häufen sich Fälle, in denen beim Sideloading (direkte App-Installation) eine zusätzliche Freigabe verlangt wird
  • Dadurch ergeben sich große Veränderungen bei der Freiheit der Nutzer und bei Vertriebswegen für Apps von Drittanbietern
  • Sowohl Entwickler als auch normale Nutzer äußern Unannehmlichkeiten und Unzufriedenheit
  • Die Debatte über das Wettbewerbsumfeld der Plattformen und technische Freiheitsgrade verschärft sich

Google verschärft seine Richtlinien für Installationsberechtigungen

Google hat zuletzt die Regulierung der Art und Weise, wie Android-Nutzer Apps installieren, weiter verschärft. Selbst bei teuren Smartphones zeichnet sich nun deutlich ein Trend ab, bei dem die Installation neuer Apps nur noch mit Genehmigung von Google möglich wird.

Neue Einschränkungen für Sideloading

Früher konnten Apps über APK-Dateien und andere externe Quellen frei installiert werden. Durch die jüngsten Richtlinienänderungen häufen sich jedoch Fälle, in denen bei der direkten Installation einer App auf Android-Geräten zusätzliche Prüfverfahren oder eine ausdrückliche Genehmigung von Google erforderlich sind.

Reaktionen von Nutzern und Entwicklern

Durch diese Richtlinienänderung werden die grundlegende Freiheit des Geräts und die damit verbundenen Rechte negativ beeinflusst. App-Entwickler und Power-User müssen im Vergleich zu früher mehr umständliche Schritte durchlaufen oder erleben Situationen, in denen die Installation bestimmter Apps selbst eingeschränkt wird.

Spannungsverhältnis zwischen technischer Freiheit und Plattformregulierung

Nutzer äußern die Sorge, dass ihre Kontrolle als Eigentümer des Geräts abnimmt. Dieses Phänomen verschärft die Spannungen innerhalb des Plattform-Ökosystems zwischen technischer Freiheit und der unter dem Vorwand von Sicherheit und Effizienz vorangetriebenen Kontrolle.

Ausblick

Diese Veränderungen dürften sich auf die Struktur des App-Vertriebs, das Entwickler-Ökosystem und die Rechte der Nutzer auswirken. Es ist wahrscheinlich, dass Googles verschärfte Regulierung auch mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit von Plattformen und die Vielfalt des Marktes weiter umstritten bleiben wird.

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-09-01
Hacker-News-Kommentare
  • Wenn Google sogar ReVanced blockiert, würde ich beim Wechsel zum iPhone kaum noch einen Unterschied merken. Bei den meisten hochwertigen Android-Smartphones ist heutzutage nicht einmal mehr das Entsperren des Bootloaders möglich. Umso seltsamer ist diese Fixierung auf das Wort und das Konzept „Sideloading“. Die Installation aus einem Repository gilt als normal, während es plötzlich als unnormal erscheint, unter Windows eine exe- oder msi-Datei herunterzuladen und manuell zu installieren. Die legitime Alternative zu Google Play ist F-Droid. Eine apk herunterzuladen und manuell zu installieren, ist nicht der richtige Weg.

    • Das ist kein Sideloading, sondern einfach nur Installieren und Ausführen. Diese Logik, die im Namen von „zu deinem Besten“ sämtliche Hardware auf das Niveau dummer Terminals reduziert, ist das eigentliche Problem. Schon das Wort „Sideloading“ ist absichtlich so gewählt, dass es klingt, als würde man etwas Illegales tun. So entsteht subtil der Druck, dass es dumm sei, den normalen Weg zu umgehen.

    • Beim Google Pixel ist das Entsperren des Bootloaders sehr einfach, mit Ausnahme der Verizon-Version. Das heißt aber noch lange nicht, dass Pixel-Geräte hochwertig sind. Meiner Erfahrung nach waren sie nicht wirklich besser als ein Telefon, das ich gratis in einem MetroPCS-Laden bekommen habe.

    • Es liegt nicht daran, dass Google Geld fehlt, aber ausgerechnet mit ReVanced die Offenheit von Android zu verteidigen, ist eines der schlechtesten Beispiele. Es gibt tausende legitime Anwendungen, trotzdem mit einem Fall zu argumentieren, bei dem Google-Abos umgangen werden, ist als Beleg für Offenheit schwach.

    • Smartphones sind inzwischen unsere primäre Computing-Plattform, daher frage ich mich, warum man sie anders behandeln sollte als einen Personal Computer. Auf meinem Computer kann ich Apps mit Container-Technologien wie Docker, Flatpak oder Snap isolieren, sie in einer VM, in einem chroot oder durch getrennte Benutzerkonten abschotten – oder es eben lassen. Ich kann Apps aus Paket-Repositories beziehen oder den Quellcode selbst kompilieren. Ich bestimme die Vertrauenswürdigkeit danach, woher etwas kommt, und wähle entsprechend die Isolationsstrategie. Natürlich hat vollständige Kontrolle über das System auch Nachteile, etwa dass man es leicht selbst kaputtmachen kann, aber wenn schon bloß viele Fotos ein Smartphone verlangsamen, ist der Unterschied am Ende gar nicht so groß.

    • Wenn ich höre, dass ReVanced YouTube ohne Werbung bedeutet, bekomme ich direkt Lust, es als Gegenreaktion auf Googles feindseliges Verhalten zu installieren.

  • Ich glaube nicht, dass uns der Staat retten wird. Regierungen mögen so etwas und stecken mit Unternehmen unter einer Decke. Je mehr Kontrolle es gibt, desto mehr profitiert auch der Staat. Geschlossene Computing-Umgebungen, der Zusammenbruch von Anonymität im Netz, Risiken für Konten und Bankensysteme und am Ende vielleicht sogar Verhaftungen, wenn man sich gegen das System stellt. Unsere Lage ist ernst.

    • Politiker sind längst von Unternehmen gekauft. Spätestens seit dem Urteil Citizens United erwarte ich da ohnehin nichts mehr. Wenn der Staat die Bevölkerung wirklich schützen soll, müsste es zuerst eine Struktur geben, in der Politiker die Menschen tatsächlich vertreten.

    • Vor einem Jahr war es mir noch peinlich, alte Telefone und Laptops sinnlos gehortet zu haben. Heute wirken diese alten, einfachen Geräte auf mich wie Goldbarren.

    • Komplett verloren ist noch nicht alles. Man muss nur anerkennen, dass die Corona-Politik oft nur ein Vorwand war und diese Entwicklung stark beschleunigt hat. Das Gerede von links gegen rechts ist bloß Lärm, der vom Kern ablenkt. Wenn alle sich auf das Wesentliche konzentrieren, kann man wirksam Widerstand leisten.

    • Ein Problem ist auch, dass Leute aus der Tech-Community Betrug mit freier Meinungsäußerung verwechselt haben. Debanking, also der Ausschluss von Finanzdienstleistungen, geht in Wahrheit oft eher auf das Konto von Krypto-Betrügern.

  • Vielleicht ist es an der Zeit, dass das Telefon wieder nur noch für Anrufe, SMS, Bezahlung und Hotspot zuständig ist und Speicher sowie Rechenleistung auf separate Geräte wie MP3-Player oder Kameras ausgelagert werden. Das mobile Ökosystem verkauft uns heute im Grunde bloß Spielkonsolen, während wir mobile Unix-Workstations wollen.

    • Ich habe nach einem Dumbphone gesucht, das folgende Bedingungen erfüllt:

      1. mobiler Hotspot
      2. CardDAV-Unterstützung zur Kontaktsynchronisation
      3. Gesprächsaufzeichnung
        Noch vor drei Jahren war so ein Gerät nicht zu finden. Sogar das Anklicken einer Telefonnummer auf einer Webseite oder in einem Dokument, um direkt anzurufen, war schwierig.
    • Wenn man ehrlich ist und das Verhältnis von „Nerds“ zu normalen Verbrauchern betrachtet, ist fraglich, ob Nerds überhaupt wirklich eine mobile Unix-Workstation wollen. Selbst wenn sie eine hätten, fehlt oft die Fähigkeit oder der Bedarf, sie zu nutzen. Dieser Markt ist klein, und es ist schwer, dass darin Nischenanbieter entstehen, ähnlich wie im Tischlerhandwerk.

    • So etwas gibt es: https://www.punkt.ch/en/products/mp02-4g-mobile-phone/

    • Nerds sind eine Minderheit. Wer hackbare Geräte will, muss das mit dem Geldbeutel und politisch deutlich machen.

    • Mit Linux’ Modem Manager bekommt man mit einem USB-Modem bereits ppp und SMS hin, MMS auch, auch wenn der Build von mmsd mühsam ist. Was man wirklich braucht, ist eigentlich nicht das Telefon selbst, sondern diese Konnektivität. Das Telefon-Ökosystem ist inzwischen nur noch ein App-Ökosystem, damit man Unternehmen Daten leiht. Sich dem auszuliefern, ist eher ein Nachteil.

  • Als Gegenmittel zur aktuellen Entwicklung schlage ich Folgendes vor:

    1. Kündigung des WIPO-Urheberrechtsvertrags
    2. Abschaffung des DMCA, insbesondere wegen Section 1201
    3. Gesetze zur Sicherung von Eigentumsrecht und Right to Repair, plus deren Durchsetzung
    4. Durchsetzung des Kartellrechts, also die Zerschlagung von Monopolen
    • Was Punkt 4, also die Durchsetzung des Kartellrechts, betrifft, habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass politisch ernannte Staatsanwälte das wirksam umsetzen. Abgesehen von ein paar Fällen wie AT&T, Standard Oil, Microsoft fast und vielleicht Google ist das meiste halbherzig. Es gibt nur zwei Lösungen:

      1. eine Art RICO-ähnliches privates Klagerecht für den Sherman Act, sodass auch Einzelpersonen oder Non-Profits direkt klagen können und die implizite Begnadigungsmacht staatlicher Ankläger entfällt
      2. eine progressiv gestaffelte Einkommensteuer, die Ineffizienz durch Größe einführt. Um Ausweichmanöver über shell companies zu verhindern, gibt es im Steuerrecht bereits Regeln zu „common control“, was das sehr praktikabel macht
    • Dem stimme ich zu, und leider gibt es keine Möglichkeit, über solche Gesetze oder Maßnahmen direkt abzustimmen. Vermutlich wurde das absichtlich verhindert.

  • Google wird bereits in vielen Ländern, besonders in Europa, wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung verklagt. Gerade deshalb überrascht es, dass das Unternehmen ausgerechnet jetzt so eine Richtung einschlägt.

    • Andererseits könnte die Einhaltung von Vorschriften wie dem Cyber Resilience Act dadurch tatsächlich einfacher werden, wenn das erst einmal eingeführt ist. Sobald der tatsächliche Anwendungsbereich klarer wird, kann das hilfreich sein.

    • Neue EU-Regeln drängen Google in genau diese Richtung.

    • Letztlich ist das eben möglich, weil es ein Unternehmen ist, das von gierigen Milliardären beherrscht wird. Große Konzerne handeln alle egoistisch. Es fühlt sich an wie: „Das ist ein riesiger Club, und du wirst nie hineinkommen.“

  • Wenn die Community solche Probleme indirekt umgehen will, könnte man eine universelle Open-Source-App-Runtime bauen, bei der der Nutzer die Runtime selbst installiert, nachdem sie von einem identitätsgeprüften Entwickler signiert wurde, der zum Beispiel eine staatliche ID bei Google einreichen musste, und in dieser Runtime dann beliebige Apps ausführt. Da apk in apk nicht geht, wäre auch eine auf WASIX oder WebView basierende Runtime eine Idee. Man könnte das „General Computation“ nennen. Google könnte dann mit Entwicklerbanns ein Chicken Game spielen, aber gerade dadurch würde dieser Krieg besonders deutlich und satirisch werden.

    • Eine Struktur, in der Entwickler ihre persönlichen Daten bei Google oder anderen Unternehmen einreichen müssen, ist nicht richtig. Die echte Alternative sind entsperrte Bootloader und freie/Open-Source-Betriebssysteme. Ohne das gibt es kein echtes Eigentum am Smartphone.

    • So eine App würde aus dem App Store entfernt, noch bevor man „Jack Robinson“ sagen kann.

    • Was du beschreibst, unterscheidet sich im Grunde kaum von einer PWA, also einer Progressive Web App, abgesehen vom Signaturverfahren.

  • Ich denke, es ist an der Zeit, gesetzlich vorzuschreiben, dass alle Computing-Geräte oder Mikrochips mit mehr als 1 MIPS sowie Hardware mit beschreibbarem Speicher neu programmierbar sein müssen. Nur so lässt sich digitaler Abfall verhindern.

    • Diese Logik überzeugt nicht. Ausgerechnet das iPhone, die am stärksten abgeschottete Plattform, hat die längste Lebensdauer. iPhones behalten auch auf dem Gebrauchtmarkt länger ihren Wert als Alternativen. Das heißt, Abschottung und E-Waste verhalten sich eher umgekehrt proportional. Wahrscheinlich geht es dir um das Neuprogrammieren alter Telefone, aber das tun in der Praxis nur sehr wenige. Wenn dich die Abschottung stört, dann sollte man das direkt sagen. E-Waste ist dafür ein schwaches Argument.

    • Es sollte auch illegal sein, den Quellcode von Treibern nicht offenzulegen. Ich sehe keinen einzigen vernünftigen Grund, das nicht zu tun.

    • Ich würde gern wissen, ob es überhaupt die Lobbykraft gibt, so ein Gesetz durchzubringen. Auf der Gegenseite stehen Interessen im Wert von Billionen Dollar, daher halte ich die Chancen realistisch gesehen für gering.

    • Wenn das Ziel wirklich „digitale Abfallvermeidung“ ist, wird man kaum Nutzer finden, die ein acht Jahre altes iPhone neu programmieren und noch sinnvoll verwenden würden. Die CPU ist langsam und der Akku verbraucht. Im Sinne von Nutzerfreiheit mag das bedeutsam sein, aber als Argument zur Verringerung von E-Waste ist es kaum belastbar.

    • Um europäische Politiker in Bewegung zu bringen, bräuchte man ein glaubwürdiges Krisenmodell, wonach ohne solche Regulierung eine landesweite Bedrohung entstehen könnte, etwa dass die Familiendaten eines prominenten Politikers geleakt werden und es zu einem Terroranschlag kommt. Solche Bedrohungen werden letztlich anerkannt werden, und je nach menschlicher Entscheidung früher oder später. Andernfalls wirkt das nur wie das Trotzverhalten eines Kindes wegen eines Spielzeugs.

  • Ich frage mich, ob Googles Änderungen auch andere Android-Varianten wie LineageOS oder OxygenOS betreffen. Falls nicht, könnte Googles Machtausübung alternativen Android-Distributionen sogar neues Leben einhauchen. Falls doch, steigt vermutlich die Notwendigkeit, Android zu forken oder dass ein ganz neuer Konkurrent entsteht.

    • Ich glaube nicht, dass die Auswirkungen so weit gehen. Allerdings wird das Installieren von Custom-ROMs tatsächlich immer schwieriger, etwa durch gesperrte Bootloader, und in Europa gibt es sogar gesetzgeberische Vorstöße, so etwas ganz zu verbieten. Praktisch gesehen wird es auch immer mühsamer, essenzielle Apps wie Banking-Apps auf Custom-ROMs zum Laufen zu bringen. Durch Attestation und ähnliche Hürden dürften die Nutzerzahlen weiter sinken.

    • Google verzögert zuletzt bereits die Veröffentlichung des Quellcodes für das Pixel 10 und könnte künftig bei neuen Geräten generell stärker in Richtung gesperrter Bootloader gehen.

  • Eine Zukunft, in der sich digitale Umgebungen aufspalten, ist bereits klar zu erkennen. Vielleicht trägt man bald in einer Tasche ein von Konzernen kontrolliertes Kommunikationsgerät und in der anderen ein Open-Source-SBC, also einen Single-Board-Computer. Ich bin nicht einmal besonders auf Privatsphäre oder Sicherheit fixiert, aber all diese Veränderungen sind zu extrem. Von den Diensten, die Unternehmen uns heute aufzwingen, will ich kaum noch irgendetwas. Früher waren Dinge wie Suchdienste wirklich nützlich, heute ist fast alles kaputt.

  • Smartphones sind keine bloßen Waren, sondern Teil eines Produktionssystems aus Banken, Mobilfunkanbietern, Softwarehäusern und mehr. Eine Alternative muss letztlich von außerhalb dieses Systems kommen. Huaweis HarmonyOS wirkt dafür denkbar, ist aber in den USA verboten. Selbst wenn intern starke Alternativen entstehen, fehlt Custom-ROMs wie bisher die vertikale Organisationskraft, um echten Einfluss zu gewinnen. Am Ende müsste auch so eine Alternative ein großes Gebilde auf Unternehmens- oder Gesellschaftsebene werden.

    • Huawei als echte Alternative? Aber Huawei erlaubt ebenfalls kein Entsperren des Bootloaders mehr. Artikel dazu. Dass große Konzerne weltweit Nutzern die Kontrolle über ihre Telefone entziehen, wird in den Medien kaum thematisiert. Damit wird die eigentliche Idee, Macht zu kontrollieren, ad absurdum geführt.

    • Ich frage mich ohnehin, warum Banken überhaupt nur noch über Apps zugänglich sein sollen.