8 Punkte von xguru 2020-06-11 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Ein Beitrag, der Netflix’ Bemühungen, die Produktionsumgebung für Animationen zu verändern, detailliert beschreibt. Der Inhalt ist wirklich sehr interessant.

  • Damit die Branche diese Technologien verstehen, weiterentwickeln und damit experimentieren kann, wurden die für die Produktion von

4K HDR, Dolby Vision und Atmos verwendeten Rohdaten auf S3 veröffentlicht.

  • Der aktuelle Stand der japanischen Animation
  • Aus geschäftlicher Sicht

→ Durch das Produktionskomitee-Modell ist die Erstellung von Inhalten zwar einfacher geworden, mit der steigenden Zahl von Beteiligten ist sie aber auch komplexer geworden.

→ Durch mehrstufige Unterauftragsvergabe ist es schwierig geworden, sich an technologische Veränderungen anzupassen oder neue kreative Chancen zu nutzen.

→ Da es viele Freelancer gibt, sind ihre Geräte im Vergleich zu Studios oft eingeschränkt.

  • Aus Produktionssicht

→ 3D-CG-Animationen wie Saint Seiya oder Ultraman werden zwar populär, die meisten Titel werden aber weiterhin von Hand gezeichnet.

→ Einige Künstler bevorzugen die Haptik von Papier oder haben weder Zeit noch Budget, um mit dem Umstieg auf Digital zu experimentieren.

→ Tatsächlich sind die Schritte nach dem Zeichnen bereits digital, aber um höhere Auflösungen zu unterstützen, sind Hardware-Upgrades nötig.

→ Außerdem gibt es zu wenige Lehrkräfte mit der Erfahrung oder den Tools, um digitale Animatoren auszubilden.

→ Für TV-Animationen wird in der Regel in 1280x700, also „halbes HD“, produziert; nur einige hochwertige Produktionen entstehen in 1080HD.

→ Für den Umstieg auf 4K ist Digital unverzichtbar, weil beim Finalisieren der Zeichnungen gescannt werden muss.

→ Wenn man handgezeichnete Bilder auf Papier in Standardgröße jedoch mit hoher DPI scannt, werden unnötige Details in den Bleistiftlinien sichtbar; für höhere Auflösung wird daher größeres Papier benötigt.

→ Color Management, das in der Produktion zu konsistenten Farben beiträgt, ist in Animations-Workflows kaum vorhanden.

→ Das meiste wird im sRGB-Farbraum erstellt.

→ Bei Langfilmen wird zunächst in sRGB gearbeitet und dann per 3D LUT (3D Lookup Table) nach P3 konvertiert, wobei sRGB innerhalb des P3-Farbraums erhalten bleibt.

→ Japanische Fernsehsender verwenden eine Farbtemperatur von 9300K, die deutlich blauer ist als der weltweite Standard von 6500K.

→ Auf Netflix veröffentlichte Animationen werden nach D65 BT.1886 konvertiert, damit sie auf allen Streaming-Geräten korrekt dargestellt werden.

→ Die Produktion einer 12-teiligen TV-Serie dauert üblicherweise 1,5 bis 2 Jahre.

  • Sol Levante wurde vollständig digital produziert.

→ iPad + Procreate für Pre-Production und die Zeichenphase

→ ClipStudio für In-Betweening

→ Vue für Hintergründe und einige ausgewählte Elemente

→ Retas Stylos für Farben

→ Photoshop + After Effects

→ Außerdem wurde Toon Boom Harmony getestet, das außerhalb Japans häufig für „Cut-out“-Animation verwendet wird.

→ Die in Animationen übliche „Whiteout“-Technik (eine Storytelling-Technik, bei der auf 100 % Weiß gewechselt wird) war in HDR zu grell, sodass zusätzliche weiße Ebenen überlagert werden mussten.

→ Ein Problem bei 4K waren Rendering-Probleme beim Schwenken, wenn Bilder verarbeitet werden mussten, die größer als 4K sind. Für die 4K-Pipeline wurden daher auch Hardware angepasst und das Softwaredesign geändert.

→ Das Wichtigste, was der Regisseur im gesamten Produktionsprozess gelernt hat, war, dass man tatsächlich auch den Subunternehmern Workflow und Tools bereitstellen muss.

„Wenn große Studios nicht gemeinsam mit Produktionsfirmen den Umstieg auf Digital vorantreiben, kann sich die Situation nicht ändern.“

1 Kommentare

 
xguru 2020-06-11

Ich habe schon einmal einen Artikel darüber gesehen, dass japanische Animationsschaffende die Zusammenarbeit mit Netflix bevorzugen, und dieser Text scheint zu zeigen, warum das so ist.

Der Artikel ist sehr lang, und da er so viele technische Inhalte zu Animation, Video und Sound enthält, habe ich nur die Teile kurz zusammengefasst, die ich besonders interessant fand – schaut euch also bitte auch den Originaltext an.

Für alle, die in der Branche arbeiten, scheint das ein Text zu sein, den man unbedingt einmal gelesen haben sollte.

Sol Levante (4 Minuten) https://www.netflix.com/title/81017017