1 Punkte von GN⁺ 2025-08-09 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Unternehmer, die in Deutschland ein Unternehmen betreiben, können sobald dieses eine gewisse Größe erreicht hat, praktisch kaum noch ausreisen.
  • Die deutsche Exit Tax greift bereits ab einem Unternehmensanteil von mehr als 1 % und wird auf Basis des durchschnittlichen Gewinns der letzten drei Jahre mit hohen Beträgen erhoben.
  • Je nach Größe und Ertrag des Unternehmens können einige Gruppen relativ leicht auswandern, während erfolgreiche Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen vor erheblichen Hürden stehen.
  • Auch Start-ups können bereits ab dem Zeitpunkt der Kapitalaufnahme nach einem hohen Bewertungsmaßstab besteuert werden.
  • Für ein wachstumsfähiges kleines Unternehmen kann es sinnvoll sein, Deutschland frühzeitig zu verlassen.

Was ist die Exit Tax in Deutschland?

  • In Deutschland fällt Exit Tax für eine natürliche Person an, wenn diese mit mindestens 1 % Anteil an einer in- oder ausländischen GmbH den Wegzug ins Ausland plant oder vollzieht.
  • Die Berechnung erfolgt nach Durchschnittsgewinn der letzten 3 Jahre × 13,75 × 0,6 × 0,42; vereinfacht entspricht das einer Besteuerung von rund dem 3,5-fachen Gewinn mit dem Einkommensteuersatz.
  • Diese Regelung hat den Effekt, dass Unternehmer bei bestimmtem Wachstum tatsächlich kaum noch das Land verlassen können.

Vier Gruppen mit Auswanderungshürden

  1. Beschäftigte

    • Normale Angestellte ohne Unternehmensanteil können ohne Exit Tax frei ausreisen.
  2. Inhaber nicht rentabler Unternehmen

    • Bei einem Unternehmen ohne Gewinn ist der Unternehmer zwar steuerlich erfasst, die tatsächliche Steuerlast nähert sich jedoch 0 an.
    • Bei Start-ups kann jedoch der Bewertungsmaßstab aus der Finanzierungsrunde herangezogen werden; hierauf sollte man achten.
  3. Inhaber profitabler Unternehmen

    • Bei ertragreichen Unternehmen entsteht durch die Exit Tax eine erhebliche finanzielle Belastung.

    • Bei Anwendung der offiziellen Bewertung der Finanzverwaltung (13,75-fach) können schnell Beträge im Bereich von Hunderttausenden bis Millionen Euro anfallen.

    • Viele haben nicht die Möglichkeit, teure Steueroptimierungsberatung in Anspruch zu nehmen.

    • Beispiele:

      • 3a) Jährlicher Gewinn 50.000 Euro (CEO-Gehalt nicht ausgezahlt): Niedrige Unternehmensbewertung, Exit Tax 0
      • 3b) Jährlicher Gewinn 200.000 Euro (CEO-Gehalt 120.000 Euro): Bei offizieller Bewertung ca. 700.000 Euro Exit Tax
      • Ein Unternehmer, der vor wenigen Jahren noch ohne Gehalt gearbeitet hat, kann beim Umzug plötzlich auf eine hohe Exit Tax treffen.
  4. Inhaber großer Unternehmen

    • Ab einem Gesamtvermögen von rund 2 Millionen Euro können rechtliche Gegenmaßnahmen wie die Gründung eines Liechtenstein-Treuhandmodells genutzt werden.
    • In diesem Fall sind sie im Gegenteil sogar von der Exit Tax eher befreit.
  • Für Start-up-Gründer kann die Steuerlast deutlich steigen, wenn nach der Finanzierungsrunde ein höherer Bewertungsmaßstab gilt.
  • Die Exit Tax ist nicht nur ein Instrument gegen Steuerhinterziehung, sondern bindet Unternehmer auch, die aus legitimen Gründen im Ausland expandieren wollen.

Praktische Hinweise und Überlegungen

  • Wenn statt der Bewertung der Finanzverwaltung (Faktor 13,75) eine tatsächliche Wertermittlung beauftragt wird, kann die Exit Tax möglicherweise niedriger ausfallen.
  • Wie bei Inhabern großer Unternehmen kann es eine Option sein, erst Vermögenswerte aufzubauen und dann auf Strategien von Steuerspezialisten zurückzugreifen; dennoch bleibt die Belastung bestehen, am Staat „gebunden“ zu sein.
  • Für Start-up-Gründer kann ein Wegzug vor der Finanzierungsrunde die spätere Exit-Tax-Belastung deutlich senken.
  • Durch den Verkauf oder die Liquidation der Firma entfällt das Thema Exit Tax, ist aber für die meisten Unternehmer keine realistische Option.
  • Bei Rückkehr innerhalb von 11 Jahren nach dem Umzug kann es zu einer Befreiung von der Exit Tax kommen; diese Logik verhindert jedoch nicht zwangsläufig die eigentliche Belastung.

Fazit

  • Wenn du ein kleines, wachstumsfähiges, profitables Unternehmen betreibst und auch nur geringe Pläne zur Auswanderung hast, ist ein schneller Auszug aus Deutschland der beste Weg, erhebliche finanzielle Verluste zu vermeiden.
  • Mittelständische Unternehmer oder größere Eigentümer sollten immer berücksichtigen, dass sie plötzlich mit einer hohen Exit-Tax-Zahlungsverpflichtung konfrontiert werden können.
  • Das deutsche Exit-Tax-System wirkt faktisch als eine „unsichtbare Hürde", die die freie Auslandsausweitung und den Wegzug von Unternehmern bremst.

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