- Substack hat kürzlich eine zusätzliche Investition von 100 Millionen US-Dollar erhalten und wird mit 1,1 Milliarden US-Dollar bewertet
- Das Einnahmemodell von Substack ist zwar simpel, hat aber in der Praxis noch keine echte Profitabilität erreicht
- Investoren sehen Potenzial in sozialen Funktionen, Apps und Videos sowie in weiteren neuen Services
- Substack war ursprünglich auf Autoren und Abonnenten ausgerichtet, richtet den Fokus aber inzwischen auf den Wettbewerb mit Plattformen wie YouTube aus
- Als Problem wird ein Modell kritisiert, das auf wiederholte Kapitalrunden statt auf nachweisbarem Gewinn und eigenem Wachstum basiert
Aktuelle 100-Millionen-Finanzierungsrunde von Substack
- Substack hat kürzlich eine neue Investitionsrunde von 100 Millionen US-Dollar abgeschlossen, wodurch die Unternehmensbewertung auf 1,1 Milliarden US-Dollar gestiegen ist
- Diese Nachricht wurde offiziell von der The New York Times gemeldet; die drei Mitgründer von Substack gaben dazu ein kurzes Interview
Geschäftsmodell und Wachstumspotenzial von Substack
- Das Substack-Modell lässt Nutzerinnen und Nutzer Autoren folgen, um Abo-Einnahmen zu erzielen; Substack behält davon eine 10-%-Provision
- Diese Struktur war anfangs erfolgreich als autorenfreundliche Plattform, und viele bekannte Autorinnen, Autoren und Journalistinnen sowie Journalisten stiegen bei Substack ein
- In jüngster Zeit richten Investoren den Blick jedoch auf erweiterte Plattformdienste wie App, Chat, Live-Video und Notes (Social-Feed-Funktion)
Kritik an Rentabilität und Investitionsstrategie
- Wenn das derzeitige Modell von Substack den Erzählungen der Investoren entspräche, müsste es bereits Profitabilität und eigene, interne Wachstumsbasis aufgebaut haben, wird jedoch bezweifelt
- Obwohl es bereits viele zahlende Abonnenten und bekannte Autorinnen und Autoren gibt, wird gefragt, warum zusätzliche Investitionen notwendig waren
- Als Vergleichsmodell wird Twitter (X) genannt, doch es fehlen noch belastbare Hinweise darauf, dass daraus auch eine profitable Zukunft entsteht
Unternehmensbewertung und wirtschaftliche Realität
- Die jüngste Steigerung der Bewertung Substacks um 70 % im Vergleich zu 2021 könnte eher auf Unsicherheit bei der Kapitalrückführung als auf Vertrauen in die Investorenstrategie hindeuten
- Wäre Profitabilität und Wachstum klar erwiesen, müsste organisches internes Wachstum ohne neue Investorenfinanzierung möglich sein
- Der monatliche Umsatz pro Abonnent liegt bei Substack bei nur 50 bis 70 US-Cent, und ein Werbegeschäft ist aktuell nicht vorhanden
Plattformausrichtung und Position im Markt
- Substack stellte sich lange als autorenzentrierte Plattform dar, deutet aber inzwischen auf einen Wettbewerb mit YouTube hin
- Einer der Mitgründer bezeichnet sich selbst als „Chief Writing Officer“ und betont weiterhin die Autorenorientierung
- In der Realität jedoch tauchen Vergleiche mit Mailchimp und eine Orientierung an Großplattformen auf, sodass sowohl Autorinnen und Autoren als auch Leserinnen und Leser die veränderte Positionierung wahrnehmen
Fazit und persönliche Einschätzung
- Vergleicht man die Marktbewertung der The New York Times (ca. 8,5 Milliarden US-Dollar) mit Substack, liegt Substack bei rund einem Achtel dieses Werts
- The New York Times hat 11 Millionen digitale Abonnentinnen und Abonnenten, verlangt monatlich 25 bis 35 US-Dollar und verbindet diese Erlöse mit Werbung zu einem sehr starken Ertragsmodell
- Substack hingegen hat niedrigere Abonnementpreise, geringe Gebühren und keine Werbeumsätze, sodass die Ertragssituation deutlich schwächer ausfällt
- Ein unabhängiges Unternehmen auf Basis des 10-%-Provisionsmodells ist prinzipiell möglich, aber der Aufbau eigener Profitabilität und eigener Wachstumstreiber bleibt die zentrale Herausforderung
- Es braucht selbsttragende Profitabilität ohne wiederholte Kapitalaufnahme
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