- Die Wikimedia Foundation geht mit einem rechtlichen Widerspruch gegen die Kategorisierungsregelungen (Categorisation Regulations) im britischen Online Safety Act vor
- Wikimedia argumentiert, dass die betreffenden Regelungen die freiwilligen Beitragenden und die Verlässlichkeit der Informationen auf Wikipedia bedrohen
- Sollte die Kategorie-1-Regelung angewendet werden, drohen verschiedene Nebenwirkungen wie ein geschwächter Datenschutz und ein erhöhtes Risiko von Datenlecks
- Der Fall wird zunächst vor dem High Court des Vereinigten Königreichs verhandelt und rückt die Frage möglicher Rechtsverletzungen gegenüber der Allgemeinheit und Wikipedia-Beitragenden in den Fokus
- Millionen Menschen im Vereinigten Königreich nutzen die Plattform zur Bewahrung des kulturellen Erbes und zum Informationsaustausch; das Urteil könnte ein globaler Präzedenzfall werden
Wikimedia Foundation geht rechtlich gegen die Kategorisierungsregelungen des britischen Online Safety Act vor
Überblick über die Klage und Hintergrund
- Am 22. und 23. Juli 2025 reicht die Wikimedia Foundation vor dem High Court in London offiziell Klage gegen die Kategorisierungsregelungen (Categorisation Regulations) des britischen Online Safety Act ein
- Die Wikimedia Foundation ist eine Non-Profit-Organisation, die Wikipedia und weitere Wikimedia-Projekte betreibt, und betont, dass die Regelungen eine erhebliche Bedrohung für Wikipedia und die weltweite Community freiwilliger Mitwirkender darstellen
- Stephen LaPorte, Justiziar der Wikimedia Foundation, erklärt, dass dieses Verfahren die Chance biete, einen globalen Präzedenzfall zum Schutz gemeinwohlorientierter Online-Projekte zu schaffen
- Wikipedia ist unter den zehn größten Websites der Welt die einzige Non-Profit-Plattform und nimmt auch mit Blick auf die Qualität der für das Training großer Sprachmodelle (LLMs) genutzten Datensätze eine wichtige Rolle ein
- Die Stiftung argumentiert, dass Wikipedia vor der Anwendung von Regeln geschützt werden müsse, die für kommerzielle Websites mit höherem Risikoprofil im Internet geschaffen wurden
Betriebsstruktur und Reichweite von Wikipedia
- Weltweit verfassen und verwalten rund 260.000 freiwillige Beitragende Inhalte direkt; dabei gilt ein System aus Richtlinien und Selbstregulierung, das Neutralität, Faktenorientierung und verlässliche Quellen in den Mittelpunkt stellt
- Das seit mehr als 25 Jahren bestehende, stark von Menschen getragene Modell der Inhaltsverwaltung umfasst mehr als 300 Sprachen, 65 Millionen Artikel und monatlich über 15 Milliarden Informationsabrufe
- Die Wikimedia Foundation teilt zwar das Ziel der britischen Regierung, ein gesundes Umfeld für Online-Beteiligung zu schaffen, lehnt jedoch weder das gesamte Gesetz noch die Kategorie-1-Pflichten als solche ab
- Der Fokus der Klage liegt ausschließlich darauf, dass die neuen Kategorisierungsregelungen die Anwendung der Kategorie-1-Pflichten auf Wikipedia ermöglichen würden, also der strengsten Verpflichtungen des Gesetzes
Risiken bei Anwendung der Kategorie-1-Regelung
- Würden die Kategorie-1-Regelungen auf Wikipedia angewendet, könnte für die Plattform unter anderem eine Pflicht zur Identitätsprüfung von Beitragenden entstehen, was den Schutz der Privatsphäre und der Freiwilligen erheblich schwächen würde
- Daraus könnten reale Risiken wie Datenlecks, Stalking, Klagen und Bestrafung durch autoritäre Regime entstehen; zudem würden notwendige personelle und finanzielle Ressourcen gebunden
- Weitere Details zu den Auswirkungen und Bedenken werden in einem offiziellen Blogbeitrag bereitgestellt
Beteiligte und Verfahrensablauf
- Die Stiftung führt das Verfahren gemeinsam mit User:Zzuuzz, einem langjährigen, im Vereinigten Königreich ansässigen Wikipedia-Freiwilligen, als Mitkläger
- Die Position der Beitragenden legt den Schwerpunkt auf das Risiko von Eingriffen in Privatsphäre, Sicherheit sowie Meinungs- und Vereinigungsfreiheit der Wikipedia-Mitwirkenden
- Dieses Verfahren ist sowohl der erste rechtliche Widerspruch gegen die Kategorisierungsregelungen als auch der erste Fall, in dem ein freiwilliger Editor als Mitkläger auftritt
- Es spiegelt Bedenken wider, die trotz jahrelanger Gespräche mit Regulierungsbehörden und politischen Entscheidungsträgern sowie Warnungen aus dem britischen Parlament und der Zivilgesellschaft ungelöst geblieben sind
Öffentlicher Nutzen, kultureller Wert und Anhörungstermine
- Wikipedia und die Wikimedia-Projekte spielen als globales öffentliches Gut eine wichtige Rolle für Medienkompetenz, Informationsaustausch und die Bewahrung des kulturellen Erbes
- Allein im Vereinigten Königreich verzeichnen sie Tausende Freiwillige, Inhalte in Zusammenarbeit mit britischen Bibliotheken und Kulturinstitutionen sowie monatlich 776 Millionen Aufrufe
- Besonders die walisischsprachige Wikipedia weist weltweit die meisten Nutzer auf und ist Teil des offiziellen Lehrplans in Wales
- Die Anhörung vor dem High Court findet in der King’s Bench Division, Administrative Court statt; Aktenzeichen und Ortsangaben sollen in Kürze veröffentlicht werden
- Das schriftliche Urteil des Gerichts soll nach der Anhörung veröffentlicht werden; ein genauer Zeitpunkt steht noch nicht fest
Hinweise zu persönlichen Daten und Medienanfragen
- Die Identität des Mitbeteiligten User:Zzuuzz bleibt unter rechtlichem Schutz und dem Schutz der Stiftung vertraulich
- Medienanfragen können an die offizielle E-Mail-Adresse (press@wikimedia.org) gerichtet werden
- Über das Abonnement des Newsletters zur globalen Advocacy-Arbeit lassen sich Neuigkeiten zu dem Fall und zur politischen Arbeit der Wikimedia Foundation erhalten
Über die Wikimedia Foundation
- Die Wikimedia Foundation ist eine Non-Profit-Organisation, die Wikipedia und verschiedene Projekte für freies Wissen betreibt
- Ihre Vision ist eine Welt, in der alle Menschen Wissen frei teilen können
- Sie steht für die Werte, dass jede Person mitwirken und beitragen kann und dass Wissen frei zugänglich sein sollte
- Zu ihren Hauptaufgaben gehören das Hosting von Inhalten, der Aufbau von Software-Erfahrungen sowie die Unterstützung von Communities freiwilliger Mitwirkender und Partnern
- Der Hauptsitz befindet sich in San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
X-Age-Ratingim HTTP-Response hätte schon gereicht. Das Gesetz wirkt viel zu lang und kompliziert, sodass schwer zu erkennen ist, welche Pflichten welche Organisation genau hat. Aber ich verstehe nicht, auf welcher rechtlichen Grundlage Wikimedias Anfechtung überhaupt möglich sein soll. Der OSA ist Primärgesetzgebung und daher nur schwer anzugreifen, sofern nicht ein Verstoß gegen Menschenrechtsrecht vorliegt. Die Verordnungen sind Sekundärrecht und damit eher anfechtbar, aber eine grundlegende juristische Begründung für den Streit ist nicht erkennbar. Nur zu sagen "Gefällt mir nicht" reicht nicht.X-Age-Ratingwürde nur dann richtig funktionieren, wenn der Server die Jurisdiktion des Empfängers zuverlässig kennt. Einen Schritt weiter gedacht könnte der Server Inhalte mehrfach taggen und dem Empfänger die Interpretation überlassen. Zum Beispiel mit UN-ISIC-Tags, dem Dewey Decimal System oder anderen vereinbarten Klassifikationen. Große Websites könnten zusätzlich ihre eigenen Tag-Systeme weiterverwenden. Für ein Lied aus einer Kinderserie etwa:X-Content-Tags: ISIC:6010 UDC:797 YouTube:KidsTVAnschließend könnten Geräte oder Software den Nutzer nur vor Inhalten warnen, die nach dem Recht des jeweiligen Landes problematisch sind.