8 Punkte von GN⁺ 2025-06-18 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • KI geht über die bestehende, auf „System of Record“ ausgerichtete Software hinaus; der Wettbewerb um „System of Action“ – Plattformen, die tatsächliche Arbeit ausführen – beginnt nun ernsthaft.
  • System of Action bezeichnet eine Plattform, auf der KI und Menschen auf Basis von Daten Entscheidungen treffen und Arbeitsabläufe in Echtzeit automatisieren und ausführen; damit ist eine Position gemeint, die die gesamte „Gravitation“ von Daten und Workflows anzieht.
  • Native-AI-Startups, die sich früh Hero User (zentrale operative Fachkräfte) sichern, können auf Basis von Nutzererlebnis, PLG-Strategie und schnellen Feedback-Loops den bestehenden SaaS-Markt rasch durchdringen.
  • Auch etablierte SaaS-Unternehmen (Incumbents) laufen ohne Umstellung auf PLG, nutzerzentrierte Produkte und schnelle MVP-Launches zunehmend Gefahr, die Kontrolle über Daten und Workflows zu verlieren.
  • Letztlich wird derjenige, der das „System of Action“ besitzt, zum wahren Gewinner im KI-Zeitalter und übernimmt die Schlüsselrolle dabei, die reale Arbeit der Kunden und deren wirtschaftlichen Wert in Echtzeit zu verstärken.

Im KI-Zeitalter: die Entwicklung zum „System of Action“

Hintergrund und Definition

  • Unter dem Leitmotiv „KI frisst Software“ beschleunigen sich Investitionen in Milliardenhöhe und die Neuordnung des SaaS-Markts.
  • Traditionelle Software blieb bei „System of Record“ (plattformen für die Aufzeichnung von Daten) stehen, entwickelt sich nun aber zu „System of Action“ weiter – also zu Systemen, die die Ausführung realer Arbeit und die Automatisierung steuern.
  • Ein System of Action ist der Punkt, an dem Menschen oder KI auf Basis von Daten sofortige Entscheidungen treffen und nachgelagerte Workflows ausführen.

Wettbewerbsdynamik: Native AI vs. etablierte SaaS-Anbieter

Chancen und Grenzen etablierter SaaS-Anbieter (Incumbents)

  • SaaS-Anbieter mit der „Gravitation“ von Daten und Workflows können verschiedenste Services bündeln und Einfluss auf Betriebssystem-Niveau ausüben.
  • Doch obwohl im KI-Zeitalter Produkte und Experiences unverzichtbar sind, die bis zur eigentlichen Ausführung der Arbeit reichen, verlangsamen träge Entscheidungsprozesse, Perfektionismus und klassische Vertriebsmodelle (fokussiert auf Sales/Onboarding) das Veränderungstempo.
  • Erforderlich sind schnelle Produktwechsel mit Fokus auf den Hero User sowie PLG (Product-Led Growth).

Strategien von Native-AI-Startups

  • Hero User: operative Fachkräfte mit digitalaffiner Arbeit, die eigenständig Tools auswählen und kaufen können.
  • Sie lösen den Pain Point des Hero (z. B. automatische Dokumentation von Behandlungsnotizen, repetitive Dokumentationsarbeit) mit einer „magischen“ Experience – und verbreiten sich so schnell.
  • Mit PLG, einfacher Nutzbarkeit, Viralität und schnellem Feedback (Learning Loops) ziehen sie die Daten- und Workflow-Gravitation bestehender SaaS-Anbieter an sich.
  • Selbst Integrationen in bestehende Systeme (z. B. PMS) werden über „guerillaartige“ Wege wie Chrome-Erweiterungen oder RPA umgangen; Nutzeranfragen treiben danach offizielle Integrationen voran.
  • Schrittweise dehnen sie sich auf Kern-Workflows wie Terminplanung oder Zahlungen aus, ersetzen am Ende die Funktionen bestehender SaaS-Produkte und gewinnen die Marktführerschaft.

Case Study: der Softwaremarkt für Tierarztpraxen

  • Bestehende Practice Management Systems (PMS) sind traditionelle Schwergewichte mit starker Workflow- und Daten-Gravitation.
  • KI-basierte Transkriptionstools lösen das Problem der „automatisierten Dokumentation“ und verbreiten sich schnell.
  • Etablierte Anbieter verzögern Releases, weil sie auf Integration und Perfektion fixiert sind; junge KI-Anbieter gewinnen dagegen mit schnellem UX und PLG zuerst die Hero User.
  • Mit einer großen Nutzerbasis entstehen Forderungen nach offizieller PMS-Anbindung; nach und nach werden auch Kern-Workflows kontrolliert und bestehende PMS ersetzt.

Strategien im Wettbewerb für KI-Startups und etablierte SaaS-Anbieter

KI-Startups

  • Ausbau des Problemlösungsbereichs in der Reihenfolge: Hero User und Hero’s Work (hochwertige Kernaufgaben) → Administrative Work (repetitive/administrative Aufgaben) → Work Not Done (Aufgaben, die bisher gar nicht erledigt wurden).
  • Auch Wrapper oder die Wiederverwendung bestehender Infrastruktur sind in Ordnung; entscheidend ist die Verbesserung von Experience und Learning Loops.
  • Strategien für Tryable (leicht ausprobierbar), Buyable (sofort bezahl- bzw. kaufbar) und Findable (natürliche Sichtbarkeit/Viralität) sind unverzichtbar.

Etablierte SaaS-Anbieter

  • Absicherung des eigenen Hero User und der systemzentrierten Workflows (Premium-/Gratisangebote, Einschränkung des API-Zugangs usw.).
  • Die Pain Points des Hero User verstehen → schnell und einfach ein MVP launchen; „Geschwindigkeit und Praxistauglichkeit“ vor „Perfektion“.
  • Wechsel von Sales-getriebenen Modellen hin zu einer PLG-Experience, mit stärkerem Fokus auf Nutzbarkeit und Unmittelbarkeit.
  • Engagement (Nutzung/Verankerung im Alltag) > Monetization (Monetarisierung). Produktverbreitung sollte anhand von Kennzahlen wie Nutzung und DAU/WAU (täglich/wöchentlich aktive Nutzer) priorisiert werden.

Was das zukünftige System of Action bedeutet

  • Das Wesen von Systemen erweitert sich von „Arbeitsverwaltung“ hin zu „Arbeitsausführung“.
  • Produktivität, Profitabilität und Skalierbarkeit der tatsächlichen Kundenarbeit werden direkt verstärkt.
  • KI automatisiert nicht nur repetitive Aufgaben, sondern ersetzt auch hochwertige Tätigkeiten, die bisher ausgelagert wurden (z. B. Umsatzmanagement, Werbesteuerung, optimierter Einkauf).
  • Nur Akteure, die das System of Action kontrollieren, werden zu den wahren Marktbeherrschern im KI-Zeitalter.

Fazit

  • Wer das System of Action besetzt, kontrolliert Daten, Workflows und den Mittelpunkt des täglichen Kundengeschäfts.
  • Für Incumbents wie auch Native AI gilt: Entscheidend ist, wer schneller und flexibler das Wesen der realen Arbeit verändert und sich den Hero User sichert.
  • Im KI-Zeitalter liegt die Führungsrolle bei Betriebssoftware nicht bei der „Aufzeichnung“, sondern beim „Handeln“.

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