- KI geht über die bestehende, auf „System of Record“ ausgerichtete Software hinaus; der Wettbewerb um „System of Action“ – Plattformen, die tatsächliche Arbeit ausführen – beginnt nun ernsthaft.
- System of Action bezeichnet eine Plattform, auf der KI und Menschen auf Basis von Daten Entscheidungen treffen und Arbeitsabläufe in Echtzeit automatisieren und ausführen; damit ist eine Position gemeint, die die gesamte „Gravitation“ von Daten und Workflows anzieht.
- Native-AI-Startups, die sich früh Hero User (zentrale operative Fachkräfte) sichern, können auf Basis von Nutzererlebnis, PLG-Strategie und schnellen Feedback-Loops den bestehenden SaaS-Markt rasch durchdringen.
- Auch etablierte SaaS-Unternehmen (Incumbents) laufen ohne Umstellung auf PLG, nutzerzentrierte Produkte und schnelle MVP-Launches zunehmend Gefahr, die Kontrolle über Daten und Workflows zu verlieren.
- Letztlich wird derjenige, der das „System of Action“ besitzt, zum wahren Gewinner im KI-Zeitalter und übernimmt die Schlüsselrolle dabei, die reale Arbeit der Kunden und deren wirtschaftlichen Wert in Echtzeit zu verstärken.
Im KI-Zeitalter: die Entwicklung zum „System of Action“
Hintergrund und Definition
- Unter dem Leitmotiv „KI frisst Software“ beschleunigen sich Investitionen in Milliardenhöhe und die Neuordnung des SaaS-Markts.
- Traditionelle Software blieb bei „System of Record“ (plattformen für die Aufzeichnung von Daten) stehen, entwickelt sich nun aber zu „System of Action“ weiter – also zu Systemen, die die Ausführung realer Arbeit und die Automatisierung steuern.
- Ein System of Action ist der Punkt, an dem Menschen oder KI auf Basis von Daten sofortige Entscheidungen treffen und nachgelagerte Workflows ausführen.
Wettbewerbsdynamik: Native AI vs. etablierte SaaS-Anbieter
Chancen und Grenzen etablierter SaaS-Anbieter (Incumbents)
- SaaS-Anbieter mit der „Gravitation“ von Daten und Workflows können verschiedenste Services bündeln und Einfluss auf Betriebssystem-Niveau ausüben.
- Doch obwohl im KI-Zeitalter Produkte und Experiences unverzichtbar sind, die bis zur eigentlichen Ausführung der Arbeit reichen, verlangsamen träge Entscheidungsprozesse, Perfektionismus und klassische Vertriebsmodelle (fokussiert auf Sales/Onboarding) das Veränderungstempo.
- Erforderlich sind schnelle Produktwechsel mit Fokus auf den Hero User sowie PLG (Product-Led Growth).
Strategien von Native-AI-Startups
- Hero User: operative Fachkräfte mit digitalaffiner Arbeit, die eigenständig Tools auswählen und kaufen können.
- Sie lösen den Pain Point des Hero (z. B. automatische Dokumentation von Behandlungsnotizen, repetitive Dokumentationsarbeit) mit einer „magischen“ Experience – und verbreiten sich so schnell.
- Mit PLG, einfacher Nutzbarkeit, Viralität und schnellem Feedback (Learning Loops) ziehen sie die Daten- und Workflow-Gravitation bestehender SaaS-Anbieter an sich.
- Selbst Integrationen in bestehende Systeme (z. B. PMS) werden über „guerillaartige“ Wege wie Chrome-Erweiterungen oder RPA umgangen; Nutzeranfragen treiben danach offizielle Integrationen voran.
- Schrittweise dehnen sie sich auf Kern-Workflows wie Terminplanung oder Zahlungen aus, ersetzen am Ende die Funktionen bestehender SaaS-Produkte und gewinnen die Marktführerschaft.
Case Study: der Softwaremarkt für Tierarztpraxen
- Bestehende Practice Management Systems (PMS) sind traditionelle Schwergewichte mit starker Workflow- und Daten-Gravitation.
- KI-basierte Transkriptionstools lösen das Problem der „automatisierten Dokumentation“ und verbreiten sich schnell.
- Etablierte Anbieter verzögern Releases, weil sie auf Integration und Perfektion fixiert sind; junge KI-Anbieter gewinnen dagegen mit schnellem UX und PLG zuerst die Hero User.
- Mit einer großen Nutzerbasis entstehen Forderungen nach offizieller PMS-Anbindung; nach und nach werden auch Kern-Workflows kontrolliert und bestehende PMS ersetzt.
Strategien im Wettbewerb für KI-Startups und etablierte SaaS-Anbieter
KI-Startups
- Ausbau des Problemlösungsbereichs in der Reihenfolge: Hero User und Hero’s Work (hochwertige Kernaufgaben) → Administrative Work (repetitive/administrative Aufgaben) → Work Not Done (Aufgaben, die bisher gar nicht erledigt wurden).
- Auch Wrapper oder die Wiederverwendung bestehender Infrastruktur sind in Ordnung; entscheidend ist die Verbesserung von Experience und Learning Loops.
- Strategien für Tryable (leicht ausprobierbar), Buyable (sofort bezahl- bzw. kaufbar) und Findable (natürliche Sichtbarkeit/Viralität) sind unverzichtbar.
Etablierte SaaS-Anbieter
- Absicherung des eigenen Hero User und der systemzentrierten Workflows (Premium-/Gratisangebote, Einschränkung des API-Zugangs usw.).
- Die Pain Points des Hero User verstehen → schnell und einfach ein MVP launchen; „Geschwindigkeit und Praxistauglichkeit“ vor „Perfektion“.
- Wechsel von Sales-getriebenen Modellen hin zu einer PLG-Experience, mit stärkerem Fokus auf Nutzbarkeit und Unmittelbarkeit.
- Engagement (Nutzung/Verankerung im Alltag) > Monetization (Monetarisierung). Produktverbreitung sollte anhand von Kennzahlen wie Nutzung und DAU/WAU (täglich/wöchentlich aktive Nutzer) priorisiert werden.
Was das zukünftige System of Action bedeutet
- Das Wesen von Systemen erweitert sich von „Arbeitsverwaltung“ hin zu „Arbeitsausführung“.
- Produktivität, Profitabilität und Skalierbarkeit der tatsächlichen Kundenarbeit werden direkt verstärkt.
- KI automatisiert nicht nur repetitive Aufgaben, sondern ersetzt auch hochwertige Tätigkeiten, die bisher ausgelagert wurden (z. B. Umsatzmanagement, Werbesteuerung, optimierter Einkauf).
- Nur Akteure, die das System of Action kontrollieren, werden zu den wahren Marktbeherrschern im KI-Zeitalter.
Fazit
- Wer das System of Action besetzt, kontrolliert Daten, Workflows und den Mittelpunkt des täglichen Kundengeschäfts.
- Für Incumbents wie auch Native AI gilt: Entscheidend ist, wer schneller und flexibler das Wesen der realen Arbeit verändert und sich den Hero User sichert.
- Im KI-Zeitalter liegt die Führungsrolle bei Betriebssoftware nicht bei der „Aufzeichnung“, sondern beim „Handeln“.
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