Ukrainas Killer-Drohnen, die Russlands Jamming überwunden haben
(spectrum.ieee.org)- Die Ukraine setzte ein KI-basiertes autonomes Navigationssystem ein und konnte trotz russischer elektronischer Kriegführung (Jamming, Spoofing) Ziele erfolgreich angreifen
- Das estnische Startup KrattWorks und andere stärken mit modernster Technologie wie optischer Navigation auf Basis neuronaler Netze die Fähigkeit von Drohnen zum unabhängigen Einsatz
- Beide Seiten setzen neue Technologien wie faseroptisch kabelgebundene Drohnen ein; auf dem Schlachtfeld werden große Mengen verschiedenster, faktisch verbrauchbarer Drohnen genutzt
- Die Ukraine verfolgt die Strategie, teure Raketen durch massenhaft umgebaute günstige kommerzielle Drohnen zu ersetzen und so ein hohes Wirkungs-Nutzen-Verhältnis zu erzielen
- Künftig dürften sich Drohnen zu vollautonomen letalen Waffen entwickeln, die Zielauswahl und Angriff selbstständig entscheiden
Überblick
Die autonomen letalen Drohnen der Ukraine haben sich trotz der starken elektronischen Kriegführung Russlands (Jamming, Spoofing) als innovatives Waffensystem erwiesen, das Ziele erfolgreich treffen kann. Am 1. Juni 2025 griff die Ukraine gleichzeitig verschiedene russische Luftwaffenstützpunkte an und verzeichnete die Zerstörung oder Beschädigung von 41 Flugzeugen, darunter modernisierte Bomber; der Schaden wurde auf 2 bis 7 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Operation wurde eineinhalb Jahre lang sorgfältig geplant. Ukrainische Agenten schmuggelten FPV-Angriffsdrohnen (First-Person View) auf Lastwagen in die Nähe von Stützpunkten innerhalb Russlands, woraufhin ferngesteuerte Piloten sie koordiniert einsetzten.
Die technologische Evolution des Drohnenkriegs
Elektronische Kriegführung und Drohnentechnik im Gleichschritt
Das estnische Startup KrattWorks stieg 2022 mit der ersten Lieferung des Ghost Dragon ISR-Quadcopters an die Ukraine in den Markt für leistungsfähige militärische unbemannte Systeme ein. Anfangs zeigte das speziell entwickelte System deutlich höhere Robustheit und Leistung als kommerzielle Drohnen, doch schon nach drei Monaten war die Technik durch die Veränderungen auf dem Schlachtfeld rasch veraltet. Um auf die sich schnell weiterentwickelnden russischen Technologien der elektronischen Kriegführung wie Jamming und Spoofing zu reagieren, konzentrierte sich KrattWorks auf die Entwicklung innovativer Verfahren wie eines optischen Navigationssystems auf Basis neuronaler Netze.
Navigationssystem mit neuronalen Netzen
Der Ghost Dragon-Quadcopter verfügt über hardwarebasierte Sicherheitsfunktionen wie ein Mehrfrequenz-Funkssystem mit Frequenzsprungverfahren und mehrere Satellitennavigations-Empfänger (GPS, Galileo, BeiDou, GLONASS). Hinzu kommt ein Anti-Spoofing-Algorithmus, der Daten aus der Satellitennavigation mit eingebauten Sensoren vergleicht, um auch anspruchsvollen Angriffen standzuhalten. Im Kern der Drohne arbeitet ein Computer auf Basis eines 1GHz-ARM-Prozessors in Kombination mit Machine Vision; durch den Abgleich von Landmarken im Bild mit vorab hinterlegten Kartendaten kann sie auch ohne GNSS autonom ihre Position schätzen und ihre Route festlegen. Dadurch bleibt die Fähigkeit zur Auftragserfüllung auch unter Funkstörung und Signalunterdrückung erhalten.
Wirtschaftlichkeit und Verbrauchslogik der ukrainischen Drohnenstrategie
Im Vergleich zum verlustreichen Russland ist die Ukraine in der Artilleriestärke unterlegen und führte deshalb rasch den Ansatz ein, große Mengen günstiger kommerzieller Drohnen umzubauen. Für die Kosten einer einzigen Rakete (rund 1 Million US-Dollar) lassen sich Zehntausende Drohnen beschaffen; so verfolgt die Ukraine eine Strategie kostengünstiger, hochwirksamer Waffen, also den massiven Einsatz verbrauchbarer Drohnen. Laut einem aktuellen Whitepaper sind Drohnen inzwischen an 70 % aller Verluste auf dem Schlachtfeld beteiligt. Gleichzeitig verliert die Ukraine durch anhaltende Jamming-Angriffe pro Monat rund 10.000 Drohnen, wodurch auch Produktion und Betrieb der Drohnen zu einem System des Massenverbrauchs werden.
Russlands Glasfaser-Drohnen und der Wettbewerb um neue Technologien
Seit 2024 setzt das russische Militär in großem Umfang faseroptisch kabelgebundene Drohnen ein, die gegen Störungen nahezu immun sind. Diese Drohnen spulen ein ultradünnes Glasfaserkabel ab und können so über Dutzende Kilometer ohne Signalabriss betrieben werden. Auch die Ukraine unternahm ähnliche Versuche, stieß jedoch wegen Problemen bei Wirtschaftlichkeit und Effizienz wie Kabelkosten und missionsbedingten Einschränkungen durch das zusätzliche Gewicht auf Schwierigkeiten bei einer breiten Einführung. Während der Wettlauf um den Einsatz neuer Technologien an Schärfe gewinnt, entscheidet sich die künftige Wettbewerbsfähigkeit in vielen Bereichen zugleich: Preis, Leistung und Autonomie.
Die Entwicklung hin zu vollautonomen letalen Drohnen
Die Ukraine konzentriert sich auf KI-basierte Software für autonome Navigation und Zielerkennung und erwartet, dass bis Ende 2025 vollautonome Drohnen erscheinen werden. Bereits heute ist terminal guidance in einer ersten Form real auf dem Schlachtfeld im Einsatz, sodass eine Drohne auch dann eigenständig auf das Ziel zusteuern kann, wenn der Pilot das Signal verliert. In naher Zukunft dürften Drohnen die Zielauswahl und die Entscheidung zum Angriff selbst übernehmen, während der Mensch nur noch das Einsatzgebiet festlegt.
Lokales Ökosystem und Innovationskultur in der Ukraine
Die Ukraine hat anstelle teurer westlicher Ausrüstung eine schnelle Feedback-Innovationsschleife aufgebaut, an der eigene Ingenieure und Startups beteiligt sind. Dadurch entwickelt sich das Land zu einem Verteidigungsindustrie-Ökosystem auf Weltklasseniveau, das in der Praxis bessere Technik als westliche Wettbewerber liefern und zugleich kostengünstig in die Breite bringen kann. Charakteristisch ist eine zirkuläre Struktur aus schneller Entwicklung, Einsatz vor Ort sowie Feedback und Verbesserung, getragen durch die direkte Kommunikation zwischen Gründern, Technikern und Fronttruppen.
Ausblick
Der technologische Wettbewerb wird weitergehen, und Drohnen dürften billiger, tödlicher und autonomer werden. KrattWorks und andere arbeiten zudem an Technologien der nächsten Generation wie Drohnen-Mesh-Netzwerken und schwarmbasierten Angriffsstrategien auf Grundlage visueller Wahrnehmung. Die Strategie kleinerer Staaten wie Estland und der Ukraine, Grenzen bei Technologie und Personal durch Autonomisierung zu überwinden, findet zunehmend Beachtung.
Zusammenfassung
- Die Ukraine und Russland liefern sich auf dem Schlachtfeld einen Wettbewerb hochentwickelter Innovationen bei Drohnen und elektronischer Kriegführung
- KI-Technologien wie autonome Navigation, Mesh-Netzwerke und visuelle Wahrnehmung steigern Letalität und Durchhaltefähigkeit von Drohnen erheblich
- Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass sich Drohnen zu künftigen „automatischen letalen Waffen“ entwickeln
- Technologische Innovation kleinerer Staaten und ihre schnelle praktische Umsetzung werden zu einer entscheidenden Wettbewerbsfähigkeit
- Kostengünstige, massenhaft eingesetzte Verbrauchsdrohnen schaffen ein neues Kriegsbild mit großflächiger Tötung und Zerstörung von Infrastruktur
2 Kommentare
Es macht mir Angst, dass Nordkorea, das den russisch-ukrainischen Krieg beobachtet, mit Drohnen Massenvernichtungswaffen entwickeln könnte.
Hacker-News-Kommentare
Die Technologie des Drohnenkriegs löst bei mir immer gleichzeitig Faszination und Sorge aus. Die Idee, ultradünne Fasern wie eine ausgelegte Schnur zu nutzen, ist wirklich innovativ. Gleichzeitig teile ich die Einschätzung, dass diese Entwicklungen keineswegs völlig andersartig sind. Dennoch bleibt die Angst vor dem Beginn eines Zeitalters des Guerillakriegs. Angesichts billiger, weit verbreiteter Drohnen und zunehmend autonomer Technik erscheinen Gegenmaßnahmen aus Sicht von Gemeinschaften unrealistisch: Flugabwehrkanonen oder automatisierte Waffen sind übermäßig teuer oder praktisch untauglich, und Störsender oder Abfangsysteme sind ebenfalls zu kostspielig. Die Software kann im Voraus programmiert und dann sich selbst überlassen werden, sodass ein Einsatz erst Monate später erfolgt; sowohl Erkennung als auch Verhinderung sind schwierig. Dass die Zielausschaltung autonom erfolgen kann, wirkt besonders beunruhigend im Hinblick auf künftige Unruhen, Putsche oder Bürgerkriege. Als Ingenieur finde ich die Technik zutiefst faszinierend, als Mensch empfinde ich große Furcht vor einer Realität, in der Gewalt auf diese Weise demokratisiert wird.
power projection. Daher könnte es zu einer Rückkehr zu politischen Strukturen kommen, in denen der Stadtstaat die Grundeinheit bildet. Dann könnte nicht mehr die Konkurrenz zwischen Großmächten wie Russland, den USA und China im Zentrum stehen, sondern die zwischen einzelnen Stadtstaaten wie Peking, Shanghai, Shenzhen, Moskau, Kyjiw, Silicon Valley, New York und Washington, D.C. Da Drohnen sich auch optimal zur Sicherung von Verkehrswegen eignen, wäre zudem ein locker wirtschaftlich verbundener Bund von Stadtstaaten mit jeweils eigener Kultur und eigenem Gesellschaftsrecht denkbar.Es wird erwähnt, dass bei den jüngsten Drohnenangriffen tief im russischen Kernland ArduPilot verwendet wurde. Das wird auch in einem Artikel von The Atlantic erwähnt. Vorgestellt werden die ArduPilot-Website, der zugehörige Artikel, der ArduPilot-Quellcode auf GitHub und ein weiterer Artikel zu ArduPilot und der Ukraine.
rsyncundsambazu Drohnen — ist beeindruckend.Ich frage mich bei dieser Operation, ob die Piloten — falls die Drohnen in der letzten Angriffsphase ferngesteuert wurden — in der Ukraine geblieben sind oder sich irgendwo in der Nähe versteckt hielten. Vermutlich wurden die meisten aus der Ukraine heraus über Entfernungen von mehreren tausend Kilometern gesteuert. Wenn das stimmt, stellt sich die Frage, wie die Fernanbindung mitten im Feindesland umgesetzt wurde. An Orten wie Irkutsk scheint Starlink die einzige Option zu sein, aber ein eigener Sender-Empfänger in einem Lkw wäre wegen des Entdeckungsrisikos nicht einfach.
Indien reagierte auf Pakistans Drohnenschwarmangriffe mit alten Flugabwehrkanonen wie der L70 Gun, ZU-23 und ZSU-23-4 Shilka. Durch Modernisierung sind automatische Zielverfolgung und Feuerleitung möglich, und zudem ist das Ganze preiswert.
Für diejenigen, die die Ukraine unterstützen möchten, wird eine Liste großer freiwilliger Fonds mit ziviler und militärischer Ausrichtung geteilt. Come Back Alive: erster Förderer von Drohnen für Deep Strikes Spendenlink Serhiy Prytula Charity Foundation: die Organisation, die einen Aufklärungssatelliten gekauft hat Spendenlink KOLO Charity Foundation: wird von der ukrainischen IT-Community betrieben Spendenlink Razom Ukraine: mit Sitz in den USA Spendenlink
Wenn man China als gegnerischen Staat betrachtet, wirken die kürzlich veröffentlichten Videos chinesischer Drohnen-Lichtshows ziemlich beeindruckend und beängstigend. Zu sehen waren Videos, in denen Hunderte Show-Drohnen agil starteten und präzise landeten. Die Genauigkeit ist erstaunlich.
Es ist beeindruckend zu sehen, wie Dead Reckoning zusammen mit Computer Vision und Offline-Karten eingesetzt wird. Bei US-amerikanischen Robotikwettbewerben für Studierende ist das bereits eine gängige Methode.
Es wird ein kurzes Präsentationsvideo über Drohnen im Ukraine-Krieg geteilt Präsentationsvideo, wobei besonders kleine Drohnen zur Minenräumung hervorgehoben werden.
Shahed-Drohnen und ukrainische Langstreckendrohnen arbeiten auf Basis von Trägheitsnavigation: Man gibt nur Koordinaten vor, und mit Daten aus Beschleunigungsmessern, Gyroskopen und Magnetometern wird die gesamte Route vom Start bis zum Ziel abgeflogen. Die im Haupttext erwähnte bildgestützte Entscheidungsfindung ist jedoch deutlich effizienter, wenn sich Ziele bewegen und sich die Umgebung stark verändert.