- In letzter Zeit nehmen die Herausforderungen im Bildungsbereich durch AI-Hausaufgabenmaschinen zu
- Schülerinnen und Schüler sowie Studierende können mit generativer AI wie ChatGPT leicht auf Täuschung bei Aufgaben zugreifen
- Lehrkräfte äußern die Sorge, dass der Einsatz von AI zu einer tatsächlichen Unterbrechung von Lern- und Denkprozessen führen könnte
- In Schulen zeigen sich Experimente, die den Einsatz von AI einschränken oder analoge Methoden (wie handschriftliches Schreiben) einführen wollen
- Um dieses Problem zu überwinden, sind Veränderungen im gesamten Bildungsumfeld und ein vorsichtiger Ansatz nötig
Einleitung: AI und die Analogie zum Butlerian Jihad
- Die Autorin bzw. der Autor plädiert seit vergangenem Jahr für die Anwendung des Prinzips des Butlerian Jihad aus Dune („Du sollst keine Maschine nach dem Abbild des menschlichen Geistes erschaffen“)
- Dieses Prinzip bündelt verschiedene Sorgen über AI in einer Überzeugung und wird als Bezugspunkt präsentiert, um sinnvolle AI-Nutzung etwa in der Medizin von menschenimitierender AI zu unterscheiden
- In jüngster Zeit breitet sich die Bewegung des „AI-Widerstands“ tatsächlich aus
- ‘Destroy AI’-T-Shirts, Fallen gegen AI-Scraper und die breite Verbreitung von Anti-AI-Botschaften
- In der Literatur- und Verlagswelt werden Anti-AI-Klauseln zum Standard
- Kontroversen etwa um mit AI unterstützte Panel-Auswahlen führen dazu, dass Kreative, Künstlerinnen und Künstler sowie Autorinnen und Autoren jede Interaktion mit LLMs bereits als Verrat an kreativer Solidarität wahrnehmen
Emotionale und mentale Abwehr gegenüber AI
- Über eine bloße ludditische Bewegung hinaus lässt sich die Ausbreitung einer grundsätzlichen Ablehnung von AI beobachten
- Das Unbehagen über die Nachahmung des Menschen durch AI und ihren unethischen Einsatz sitzt tiefer als konkrete Gegenargumente
- Selbst wenn logische Einwände gegen AI-Technologie entkräftet werden, verschwindet die Ablehnung ihr gegenüber nicht so leicht
Das AI-Problem im Bildungsalltag: der Aufstieg der Hausaufgabenmaschine
- Der größte spürbare Einfluss von AI im aktuellen Bildungsalltag ist Täuschung bei Aufgaben
- Auch in mehreren Artikeln zeigen sich die wachsende AI-Abhängigkeit von Lernenden, die Frustration von Lehrkräften und die Verwirrung über den sinnvollen Einsatz von AI
- AI-Tutoren mögen ideal erscheinen, haben aber Grenzen wie Halluzinationen bzw. falsche Informationen und Defizite beim tatsächlichen Lernerfolg
Auswirkungen des AI-Einsatzes auf Lern- und Bewertungsstrukturen
- AI trennt Aufgabenresultate vom eigentlichen Denk- und Übungsprozess und erschwert es damit, das echte Verständnis von Lernenden zu erkennen
- Sie ermöglicht das Umgehen von „Desirable Difficulty“ und bietet nur kurzfristige Bequemlichkeit
- Nicht nur in allgemeinbildenden Fächern, sondern auch im Fachstudium und in kreativen Kursen wirkt die Versuchung zur AI-Abhängigkeit stark
Konkrete Unterrichtserfahrungen und das Problem der Erkennung von AI-Täuschung
- Auch im universitären Schreibkurs der Autorin bzw. des Autors nimmt der Einsatz generativer AI stark zu
- Manche Fälle werden noch durch einfache Fehler der Nutzerinnen und Nutzer entdeckt (z. B. fehlende Autorenangaben, sachliche Irrtümer), doch die Erkennung wird zunehmend schwieriger
- Wegen der Grenzen der AI-Erkennung neigen Lehrkräfte im Bewertungsprozess zu Misstrauen, Erschöpfung und einer eher feindseligen als kooperativen Haltung
- Auch die Studierenden werden im Umgang damit immer geschickter, während die Quote eingestandener Täuschung allmählich sinkt
AI und Schreiben: der grundlegende Unterschied des Werkzeugs
- Mit AI erzeugte Ergebnisse wirken unwesentlich und mangels menschlicher Gesprächsqualität ermüdend auf Lehrkräfte
- AI wird auch als „Taschenrechner für Wörter“ beschrieben, doch so wie der Taschenrechner den Mathematikunterricht nicht ersetzen kann, kann AI auch die eigentliche Schreibfähigkeit nicht ersetzen
- Für echtes Lernen und Wachstum sind kreatives Denken und Ausdruck ohne Abhängigkeit von AI wichtig
Einschränkung von AI-Nutzung und Experimente mit analogen Methoden
- Zur Überprüfung von AI-Nutzung wurde das Abgabeformat etwa über Google Docs eingeschränkt, was in der Praxis jedoch mehr Überwachung und Unbequemlichkeit mit sich brachte
- Schulen haben den erlaubten Umfang von AI-Nutzung feiner ausdifferenziert, doch tatsächlich zitieren oder legen fast keine Lernenden ihren AI-Einsatz offen
- Auch die Lernenden selbst betrachten AI oft als „Täuschung“ und neigen stark dazu, sie zu verbergen
Wahrnehmungen und Überlegungen der Lernenden zu AI
- Lernende empfinden Müdigkeit gegenüber AI selbst und gegenüber einem Leben, das sich immer stärker auf digitale Plattformen stützt
- Manche sorgen sich in zukünftigen Projekten vor AI-Missbrauch oder stellen sich eine wünschenswerte Zukunft mit einem maßvollen Einsatz von Technologie vor
- Diese Überlegungen stärken die Forderung nach altersabhängigen Nutzungsgrenzen oder gesellschaftlicher Regulierung von AI
Kognitive Negativwirkungen von AI und gesellschaftsweite Probleme
- Technologien, die den menschlichen Geist mit AI nachahmen, können Nebenwirkungen wie emotionale Verwirrung, Sucht und Wahnvorstellungen auslösen
- Diese Probleme breiten sich nicht nur im Bildungsbereich, sondern auch als Täuschung in Wirtschaft, Recht, Wissenschaft und der gesamten Gesellschaft aus
- Dadurch drohen Krisen wie die Erosion von Vertrauensgrundlagen und die Beschädigung von Wahrheit
Gegenmaßnahmen: Unterrichtsexperimente mit analogem Schwerpunkt
- Als grundlegenden Ausweichweg plant die Autorin bzw. der Autor für das nächste Semester ein Experiment mit handschriftlichen und papierbasierten Lernformen
- Die Lernenden sollen ohne digitale Geräte direkt mitschreiben und Probleme lösen
- Die Bewertung soll sich stärker auf den Prozess konzentrieren, also eher auf Teilnahme und Abschluss als auf das Endprodukt
Fazit: ein Wandel des Bildungparadigmas zur Wiedergewinnung von Menschlichkeit
- AI-Befürworter behaupten, „AI werde alles verändern“, doch das muss nicht bedeuten, dass dadurch ein besseres Bildungsumfeld entsteht
- Im Umgang mit AI wird letztlich die Notwendigkeit einer menschlicheren, von gegenseitigem Respekt und Reflexion geprägten Umgebung betont
- Inmitten ständiger Veränderungen wird auf eine Wiederherstellung des Wesens von Bildung und einen neuen Aufbruch gehofft
Weitere Neuigkeiten
- Die Autorin bzw. der Autor erhielt in diesem Semester einen Preis für exzellente Lehre von der Graduate Student Government der ASU
- Bei den 63. Glendon and Kathryn Swarthout Awards wurde der 1. Platz in der Kategorie Graduate Fiction verliehen
- Zudem wurde die Person für das Carbon Removal Justice Fellowship ausgewählt, das vom National Wildlife Federation und dem „Institute for Responsible Carbon Removal“ der American University veranstaltet wird; vorgesehen sind Aufenthalte in Washington, D.C., und Louisiana
- Im Blog des Hayden’s Ferry Review erschien ein Interviewbeitrag
Art Tour: Turbulent Mountain Waterfall
- Bei einem jüngsten Besuch im Phoenix Art Museum wurde das Werk „Turbulent Mountain Waterfall“ (1991) von Pat Steir betrachtet
- Dieses Bild bleibt als Erinnerung, die in der kommenden Hitze Arizonas einen kühlen Eindruck hinterlässt
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Vielleicht wäre es wirksam, auch die Methode zu ändern. Was wäre, wenn man zu Hause mit AI lernt und in der Schule unter Aufsicht die „Hausaufgaben“ erledigt?
Ich unterrichte Mathematik an einer Universität mit 30.000 Studierenden, und in letzter Zeit kehren wir wieder zur traditionellen Methode zurück, Prüfungen unter Aufsicht mit Papier und Stift abzulegen. Die Studierenden scheinen sich über diese Änderung nicht besonders zu beschweren, aber die Hochschulverwaltung sieht diesen Trend nicht gern. Es gibt starken Druck, alle Prüfungen so zu gestalten, dass sie remote-freundlich sind. Die Richtlinie verlangt dieselbe Prüfungsform sowohl für Präsenzveranstaltungen als auch für online eingeschriebene Studierende. Da Online-Einschreibungen eine große Einnahmequelle sind, gilt ihr Ausbau als sehr wichtig. Wenn von sieben Kursgruppen in Calculus I eine online angeboten wird, sind in den übrigen sechs Präsenzgruppen Präsenzprüfungen ebenfalls verboten. Begründet wird das mit „Fairness“. Es ist wirklich frustrierend, dass die Situation so ist.
Ich habe immer gedacht, dass das Bildungssystem schon lange kaputt und fast nutzlos ist. Lehrkräfte haben mir fast nie das Gefühl gegeben, tatsächlich etwas zu „unterrichten“. Eher wurde man unterdrückt, wenn man Anzeichen zeigte, wirklich zu denken, weil das nicht zum Lehrplan passte. Dass AI Hausaufgaben so leicht erledigen kann, zeigt meiner Meinung nach, wie wenig Wert Hausaufgaben haben. Echter Unterricht und echtes Lernen brauchen Zusammenarbeit.
Ich unterrichte Informatik/Programmierung, und es ist nicht leicht, die optimale Richtlinie für AI zu finden. Einerseits nutze ich selbst AI häufig und bekomme dadurch viel Hilfe beim Lernen. Andererseits erledigt AI Aufgaben zwar schnell, aber die Qualität der Ergebnisse ist geringer. Studierende sehen Pflichtaufgaben als eine Hürde, die man eben bestehen muss, und konzentrieren sich darauf, sie möglichst einfach zu überwinden. In diesem Moment wirkt AI weniger wie ein Lernhelfer als wie eine bloße Hausaufgabenmaschine. Die Nutzung von Computern oder ungewöhnlichen Sprachen, etwa die Verwendung eines selbst geschriebenen Compilers, lässt sich nicht einführen. Mein aktueller Ansatz besteht vor allem aus Projektaufgaben und mündlichen Prüfungen. Projekte erfordern Zusammenarbeit, sodass man die richtige Lösung nicht einfach direkt aus einem LLM ziehen kann, und in mündlichen Prüfungen zeigen sich Können und Tiefe sofort. Trotzdem gibt es jedes Jahr einige Studierende, die drei Semester oder mehr Zeit verschwenden und dabei nicht einmal grundlegende Konzepte miteinander verbinden können; in solchen Fällen muss ich ihnen als Professor sagen, dass es vergeudete Zeit war. Linux-Grundlagen sind einfache Terminal-Übungen und daher bislang weniger betroffen, weil LLMs noch keinen Zugriff auf Terminal-APIs haben. Ich denke auch darüber nach, eine Online-IDE bereitzustellen und Copy-and-paste-Vorgänge zu überwachen, aber mir gefällt die Vorstellung nicht, dass Studierende Software nicht direkt auf ihren eigenen Rechnern ausführen können.
Ich halte es für gut möglich, dass AI das Lernen zukünftiger Studierender explosionsartig beschleunigt. Ähnlich wie in der Montessori-Pädagogik könnten LLMs Studierenden helfen, die ihre Laufbahn in viele verschiedene Richtungen erkunden. In meinem Fall wich mein Lehrer in der Oberstufe Antworten oft aus und führte Diskussionen nicht in die Tiefe, sodass viele meiner Fragen offenblieben, besonders in Biologie oder Chemie. Natürlich ist die heutige Bildungsumgebung auf Hausaufgaben fokussiert, sodass nur wirklich neugierige Studierende von LLMs profitieren. Wenn neue Unterrichtsformen eingeführt werden, hoffe ich, dass sie die Neugier fördern, die in allen Studierenden steckt. Falls jemand ein AI-Tool kennt, mit dem man bei zentralen Konzepten wie Trigonometrie den großen roten Faden beibehält und zugleich thematische Erkundungen machen kann, würde ich mich über einen Hinweis freuen.
Ich unterrichte an einer kleinen Hochschule. Unsere Methoden sind folgende:
Wenn der aktuelle Trend anhält, werden künftig die meisten Hochschulabschlüsse völlig wertlos. Wenn Studierende mit AI erschummelte Hausaufgaben machen und dafür Diplome erhalten, dann haben diese Abschlüsse als Nachweis von Lernerfolg keinerlei Wert. Institutionen, die solche Abschlüsse verleihen, unterscheiden sich nicht von den skrupellosen Degree Mills der Vergangenheit. Ich bin fast froh, dass mein Abschluss aus dem Jahr 2011 stammt.
So bin ich bei MBA-Hausarbeiten vorgegangen:
Wir müssen als Menschheit insgesamt darüber nachdenken, was der Zweck von Bildung ist und was er in Zukunft sein sollte. Realistisch betrachtet will wohl niemand, der Studiengebühren zahlt, absichtlich die eigene Kompetenz und das eigene Verständnis untergraben. Bei 90 % der Studierenden ist das Ziel klar, weil der Abschluss ein Ticket zum Job ist, und bei den übrigen 10 % wäre es auch nicht überraschend, wenn Arbeitgeber ihnen nicht vertrauen, weil sie nicht einmal unangenehme Wahrheiten über sich selbst anerkennen. Dass Prüfungsergebnisse oder akademische Leistungen kein objektiver Maßstab sind, weiß eigentlich jeder. Bildungsstandards und Curricula unterscheiden sich von Schule zu Schule enorm. Ich selbst habe mich in der Highschool mit einem GPA von 3,2 eher durchgeschleppt, aber an der Universität war der Mathematik-Einstufungstest auf Mittelschulniveau und leicht zu lösen, während selbst 4,0-GPA-Studierende oft Grundkurse wiederholen mussten. Trotzdem gibt es immer eine starke Abneigung gegen standardisierte Tests, obwohl man sie wie beim SAT mehrfach ablegen kann.
Ich habe auch die gegenteilige Erfahrung gemacht. Ohne AI hätte ich außerhalb der Schule wahrscheinlich nicht die Ausdauer gehabt, mich letztes Jahr bis zum Ende mit Rust zu beschäftigen. Einen jederzeit verfügbaren persönlichen Tutor zu haben, ist ein enormer Vorteil; man kann sogar Fragen stellen, die einem unter der Dusche einfallen. Gleichzeitig glaube ich, dass ich, wenn ich wieder zur Schule gehen würde, AI bei Prüfungen oder Aufgaben zwangsläufig nutzen würde, um nicht zurückzufallen. In einem Bewertungssystem, das auf einer Bell Curve basiert, wird durch AI alles zu einer spieltheoretischen Situation, in der alle zur Nutzung von AI gedrängt werden.