32 Punkte von GN⁺ 2025-05-26 | 4 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Das OSSU-Curriculum bietet kostenlos eine vollständige Ausbildung in Informatik über Online-Materialien führender Universitäten weltweit
  • Es bildet die Struktur eines Informatik-Curriculums auf Bachelor-Niveau mit Einführung, Kernbereich, fortgeschrittenen Inhalten und Abschlussprojekt nach
  • Alle Vorlesungen und Aufgaben sind kostenlos oder größtenteils kostenlos, auch wenn für einige bewertete Aufgaben Kosten anfallen können
  • Eine aktive globale Unterstützungsstruktur für Lernende wie die Discord-Community sowie fortlaufende Material-Updates werden kontinuierlich betrieben
  • Lernende können allein oder in Gruppen flexibel Tempo und Auswahl an die eigene Situation anpassen

Was ist OSSU und warum ist es wichtig

OSSU (Open Source Society University) ist ein Open-Source-Curriculum, das so konzipiert wurde, dass jede Person sich ohne Kosten selbst eine Ausbildung auf dem Niveau eines regulären Informatikstudiums aneignen kann. Es nutzt öffentliche Vorlesungen und Materialien von Spitzenuniversitäten wie Harvard, MIT und Princeton und zielt nicht auf bloße einmalige Wissensvermittlung, sondern auf eine ausgewogene Lernerfahrung auf Basis von Theorie, Praxis und Anwendung.

  • Alle Lernmaterialien sind sorgfältig ausgewählte, öffentlich verfügbare hochwertige kostenlose Online-Ressourcen
  • Es orientiert sich konsequent an internationalen Standards für grundlegende Bachelor-Studiengänge der Informatik wie dem CS2013-Standard
  • Es richtet sich vor allem an Menschen, die sich selbst motivieren, kontinuierliche Lerngewohnheiten aufbauen und Unterstützung aus einer weltweiten Lern-Community nutzen können

Struktur und Merkmale des Curriculums

  • Einführung (Introduction to CS): Hier kann man grundlegende Konzepte und den Reiz von Informatik und Programmierung kennenlernen. Enthalten sind unter anderem Python-Programmierung, Berechnungstheorie, grundlegende Datenstrukturen und Algorithmen
  • Kernbereich (Core CS): Dieser Teil entspricht einem Curriculum bis etwa zum dritten Studienjahr und umfasst verpflichtend Programmierung (funktional, objektorientiert, Software-Design), Mathematik (diskrete Mathematik, Statistik, Wahrscheinlichkeit, Analysis), Systeme (Rechnerarchitektur, OS, Netzwerke), Theorie (Algorithmen, NP-Probleme usw.), Sicherheit, Anwendungen und Ethik
  • Fortgeschrittene Inhalte (Advanced CS): Entspricht dem letzten Studienjahr. Hier können Interessengebiete aus fortgeschrittener Programmierung, Systemen, Theorie, Informationssicherheit und höherer Mathematik gewählt werden
  • Abschlussprojekt: Das Gelernte wird in einem realen Projekt angewendet; Ergebnisse werden mit globalen Mitlernenden geteilt und überprüft. Es kann als Nachweis praktischer Fähigkeiten und als Portfolio für Bewerbungen dienen

Lernweise und Kosten

  • Das Curriculum kann selbstständig oder in Gruppen bearbeitet werden
  • Es wird empfohlen, die Kurse der Reihenfolge nach zu absolvieren, bereits bekannte Inhalte können aber übersprungen werden
  • Alle Vorlesungen sind online kostenlos verfügbar. Auf manchen Plattformen (Coursera, edX usw.) können für die Bewertung von Aufgaben, Prüfungen oder Projekten Kosten entstehen, in den meisten Fällen ist jedoch das eigentliche Lernen kostenlos. Zur Entlastung wird auch auf finanzielle Unterstützung (Stipendien/Financial Aid) hingewiesen
  • Es gibt eine Google-Sheets-Vorlage, die bei der Verwaltung des Lernfortschritts und des voraussichtlichen Abschlussdatums hilft

Community und Unterstützung

  • Für Teilnehmende gibt es einen Discord-Server – für Kursdiskussionen, Fragen und den Austausch mit anderen Lernenden
  • Es gibt aktive Feedback-Kanäle wie GitHub Issues und Vorschläge zur Verbesserung des Curriculums
  • Der Abschluss von OSSU kann dem LinkedIn-Profil hinzugefügt werden

Es wird empfohlen, das aktuelle Curriculum über die offizielle Website und das GitHub-Repository zu prüfen

Detaillierte Curriculum-Liste

Voraussetzungen

  • Für Core CS sind Mathematikkenntnisse auf Oberstufenniveau (Algebra, Geometrie, Vorstufe der Analysis) erforderlich
  • Advanced CS kann erst gewählt werden, wenn alle Kernmodule abgeschlossen sind
  • Für Advanced systems werden grundlegende Physikkenntnisse auf Oberstufenniveau vorausgesetzt

Introduction to CS

  • Der erste Schritt in die Informatik. Es werden grundlegende Berechnungen, imperative Programmierung, Datenstrukturen, Algorithmen usw. eingeführt
  • Pflichtkurs: 'Introduction to Computer Science and Programming using Python' (14 Wochen)

Core CS

Programmierung

  • Breite Praxis in funktionaler und objektorientierter Programmierung, Tests, Patterns, Typisierung und Sprachvielfalt
  • Systematic Program Design, Programming Languages (A–C), Object-Oriented Design, Software Architecture usw.

Mathematik

  • Enthält diskrete Mathematik, mathematische Beweise, grundlegende Statistik, O-Notation, Wahrscheinlichkeit und Analysis

Entwicklungswerkzeuge und Umgebung

  • Praxisrelevante Werkzeuge wie Terminal, Shell-Scripting, vim, Command Line und Versionsverwaltung (git)

Systeme

  • Umfassendes Verständnis der Funktionsweise von Computern – von Hardware über Betriebssysteme bis zu Netzwerken
  • Beispiele: Nand to Tetris-Projekt, OS Three Easy Pieces, Networking usw.

Theorie

  • Umfasst Analyse von Algorithmen, Divide and Conquer, Graphen, dynamische Programmierung, NP-Probleme usw.

Sicherheit

  • Grundlagen der Informationssicherheit, sicheres Coding, Schwachstellenanalyse sowie Wahlfächer zu Netzwerken und Kryptografie

Anwendungen

  • Deckt praxisnahe Bereiche wie Datenbanken, Machine Learning, Computergrafik und Software Engineering breit ab

Ethik

  • Betont unverzichtbare ethische Grundlagen für Technikerinnen und Techniker, darunter sozialer Kontext von Technologie, Professionalität, geistiges Eigentum und Datenschutz

Advanced CS

  • Wahlfächer nach Karriereweg oder Interessengebiet: parallele Programmierung, Compiler, Sprachen wie Haskell/Prolog sowie Software-Debugging und Testing
  • Breite Auswahl von Rechnerarchitektur über numerische Analysis/Logik/Wahrscheinlichkeit bis zu Berechnungstheorie, Informationssicherheit und Systemaufbau

Final Project

  • Auswahl, Entwurf, Implementierung und Veröffentlichung eines praxisorientierten Projekts
  • Beispieloptionen: Full-Stack-Services, Robotik, Data Mining, Big Data, IoT, Cloud Computing, Data Science, Game Development usw.
  • Kann selbst definiert oder über empfohlene Kurse umgesetzt werden

Nach Abschluss des Lernens

  • Bestätigung des Erwerbs von Wissen auf dem Niveau eines Bachelor-Abschlusses in Informatik
  • Empfehlungen für Berufsvorbereitung, vertiefende Lektüre (mit bereitgestellter Liste) und Offline-Entwicklertreffen
  • Ermutigung, neue Technologien zu erkunden (Sprachen wie Elixir/Rust/Idris usw.)

Betriebsregeln und Team

  • Einhaltung des OSSU Code of Conduct
  • Anleitung zur Darstellung und Verwaltung des eigenen Fortschritts auf GitHub (unter Nutzung von Kanban)

Wichtige OSSU-Mitwirkende

  • Eric Douglas (OSSU-Gründer), Josh Hanson (technischer Maintainer), Waciuma Wanjohi (akademischer Maintainer) sowie weitere Mitwirkende aus aller Welt

Abschluss

OSSU eröffnet Menschen weltweit einen Weg, kostenlos Fähigkeiten auf dem Niveau eines regulären Informatikstudiums aufzubauen und damit breit in Praxis und Karrierewege der modernen IT-Industrie einzusteigen.
Die Kombination aus flexiblem Lerntempo, strengen Standards, globaler Community und hochwertigen kostenlosen Materialien ist eine große Stärke gegenüber anderen offenen Curricula.

4 Kommentare

 
crawler 2025-05-28

> Ich finde, solche Nachrichtenartikel nach dem Motto „Lernt bloß kein Informatikstudium“ verfehlen die eigentliche Aussage.

Die Übersetzung ist echt richtig gut geworden, faszinierend lol

 
xguru 2025-05-26

OSSU Open Source Society University - Computer Science im Selbststudium

Das wurde schon in den Anfangstagen von GeekNews vorgestellt. Inzwischen ist ziemlich viel hinzugekommen.

 
GN⁺ 2025-05-26
Hacker-News-Kommentare
  • Als erfahrener Ingenieur denke ich, dass OSSU ein wirklich großartiger Ort ist, wenn man Lernenden helfen möchte

    • Mein Vorschlag ist folgender: das eigene Side Project regelmäßig mit OSSU-Lernenden als Pair Programming oder Team Programming durchführen
    • Sich mit einem oder mehreren Kursen im Curriculum vertraut machen und Fragen von Studierenden beantworten
    • An wöchentlichen Check-in-Meetings teilnehmen, die eigene Arbeit vorstellen und hören, woran andere Lernende arbeiten
    • Praktisch geht das so: den Discord-Server besuchen und dann mich @waciuma oder die Rolle @tutor erwähnen
    • Ich bin einer der OSSU-Leads, und wir sind überzeugt, dass Community, Networking und Projekte ein echter Teil von Bildung sind
    • Wir feiern nicht nur Professoren und Universitäten, die kostenlose Kurse erstellen, sondern auch die vielen Ingenieure und Praktiker, die freiwillig OSSU-Lernenden geholfen haben
    • Ich hoffe, auch du schließt dich dieser Gruppe an
  • Ich leite ein Bildungsprogramm, das Studierenden hilft, Informatik im Selbststudium zu lernen. Dabei nutze ich das OSSU-Curriculum oft auch als Referenzmaterial

    • Selbstlernen hat viele Vorteile, aber die Studierenden müssen unbedingt wissen, dass es auch Risiken gibt

    • Man muss viel stärker selbst an „Signaling“ und Networking arbeiten, und die sozialen Vorteile einer Hochschulzugehörigkeit fehlen beim Selbststudium oft

    • Kein Abschluss zu haben bedeutet, dass man in gewisser Weise „marked“ ist; eine Erklärung dazu gibt es hier

    • Wenn man Fehler macht oder auf Schwierigkeiten stößt, wird die Ursache leicht darauf geschoben, dass man keinen Abschluss hat

    • Manche Recruiter halten es politisch für riskant, Menschen ohne Abschluss einzustellen, deshalb kann schon der Einstieg schwierig sein

    • Es ist nicht unüberwindbar, deshalb bereiten wir uns von Anfang an gemeinsam darauf vor und gehen es aktiv an

    • Der Vorteil des Selbstlernens ist die hohe Lerngeschwindigkeit und dass man alles im Kontext lernen kann, ohne unnötige Schleifen

    • Wenn man merkt, dass Grundlagen fehlen, kann man jederzeit zurückgehen und sie nachholen

    • Ich denke, für technische Berufe ist das eine unvermeidliche Lernform, aber sie passt nicht zu allen Studierenden

    • Realistisch gesehen ist es bedauerlich, dass viele wegen ihrer finanziellen Situation nicht an die Hochschule gehen können und so zum Selbststudium „gezwungen“ werden

    • Wenn man die Trade-offs nicht gut kennt, kann es umso härter werden

    • Referenz: Divepod

    • Ich habe die Selbstlernprozesse vieler Menschen betreut

      • Beim Selbststudium gibt es viele Fallstricke, und wenn man nicht aufpasst, gerät man leicht auf den falschen Weg
      • Einer der Fallstricke, den ich nicht erwartet hatte, der mir später aber fast offensichtlich vorkam, ist folgender: Wenn man auf Reddit oder Twitch Leuten aus der Branche beim Jammern zuhört, glaubt man leicht, echte Fähigkeiten seien kaum wichtig und nur Interview-Skills zählten
      • Dadurch kommt es tatsächlich vor, dass Leute ihre Coding-Fähigkeiten oder Projekte vernachlässigen, alles auf LeetCode setzen oder unfertige Projekte mit schicker README auf GitHub hochladen
      • Oder sich nur darauf konzentrieren, Antworten für Formate wie das S.T.A.R.-Interview auswendig zu lernen
      • Eine Zeit lang hat diese Strategie funktioniert, aber inzwischen können Unternehmen „Profi-Interviewkandidaten“ besser herausfiltern
      • Diese Denkweise ist kein Problem nur von Selbstlernern; auch an Hochschulen jagen manche nur dem Abschlusszeugnis hinterher, schummeln und vernachlässigen das eigentliche Lernen
      • Nach dem Abschluss werden sie dann im Interview entgegen ihren Erwartungen kalt erwischt
  • Direkt nach dem Highschool-Abschluss habe ich aus jugendlicher Unreife mein CS-Studium nicht sauber beendet und dadurch gute Chancen verpasst

    • Nachdem ich geheiratet hatte und Kinder bekam, habe ich zwar schnell einen IT-Abschluss gemacht, aber eigentlich war CS immer mein Lieblingsfach
    • Vor ein paar Jahren kam ich zu dem Schluss, dass es meiner Karriere sehr helfen würde, eine richtige CS-Ausbildung abzuschließen
    • Ich habe verschiedene Optionen erwogen, etwa einen zweiten Bachelor, ein Postbacc oder ein Bootcamp, und mich am Ende für OSSU entschieden
    • Es hat länger gedauert als erwartet (das Leben bringt eben immer Unwägbarkeiten), aber ich habe nur Gutes über das Curriculum zu sagen. Es hat nicht nur meiner Karriere, sondern auch meiner Lebenszufriedenheit geholfen
    • Warum ich mich für OSSU entschieden habe und wie mein Rückblick darauf ausfällt, habe ich im Blog festgehalten: erster Blogpost
  • Ich persönlich halte Teach Yourself CS für die bessere Alternative

    • Ich habe mir Teach Yourself CS auch angesehen, um mein Informatikstudium zu ergänzen
      • Aber dass es dort keine Community gibt, war der Hauptgrund, warum ich mich für OSSU entschieden habe
      • Was mich interessiert: Wenn man die Bedeutung von Community berücksichtigt, warum hältst du Teach Yourself CS für besser als OSSU?
      • Zur Einordnung: Ich bin „Social Organizer“ einer OSSU-Kohorte und schreibe gelegentlich auch Blogposts über meine OSSU-Erfahrungen
  • Ich bin ein Beleg dafür, dass man auch nur mit Selbststudium eine Karriere aufbauen kann

    • Ich arbeite seit über 20 Jahren in der Branche

    • Aber wenn man diesen Weg wählt, gibt es definitiv Unternehmen und Rollen, zu denen man „niemals“ Zugang bekommt

    • Meist sind das die besten Unternehmen, die am höchsten bezahlten Stellen und die Jobs mit den besten Bedingungen

    • Noch wichtiger als der Abschluss selbst ist das Alumni-Netzwerk. Mit einem Abschluss gibt es diesen „großen Club“, in dem Leute allein wegen derselben Hochschule einstellen

    • Wenn man selbstlernt, wird man dieses Netzwerk nie haben

    • Die Realität? Übrig bleiben oft nur Jobs, die alle anderen ablehnen. Absurde Läden, Scams, unterfinanzierte Startups, Firmen, die schon in der Krise stecken

    • Selbst wenn man ausnahmsweise etwas Gutes bekommt, ist es schwer, dort lange zu bleiben

    • Das Gehalt ist niedriger, und das Risiko, ausgenutzt zu werden, ist viel größer

    • Es ist auch schwerer, mehrere Angebote gleichzeitig zu bekommen, was die eigene Marktposition schwächt

    • Dadurch kann sich die gesamte Karriere finanziell wie eine völlig andere Spur anfühlen

    • Die Jobsuche ist viel härter; man muss doppelt so viel arbeiten

    • Man wird häufig von sich selbst und von Kolleginnen und Kollegen mit einer Art Minderwertigkeitsverdacht betrachtet

    • Ein einziger Fehler hat enorme Folgen

    • Trotzdem ist es besser als gar nichts zu tun, aber wenn man die Möglichkeit hat, halte ich die Hochschule für die bessere Wahl

    • Ich möchte deine Erfahrung nicht kleinreden, aber ich habe zu 100 % im Selbststudium gelernt und bei ganz unterschiedlichen Unternehmen gearbeitet, von Großkonzernen über Unicorns bis zu Startups

      • Ich hatte Interviews bei Google und Citadel und ein Angebot von Meta; dass mir Chancen versperrt wurden oder ich misstrauisch beäugt wurde, ist mir kein einziges Mal passiert
      • Ich verdiene über 200.000 US-Dollar Cash im Jahr und bekomme bei einem frühen Startup zusätzlich Equity und Benefits
      • Zwei Exits, nicht reich, aber nach normalen Maßstäben durchaus wohlhabend
      • Wegen meines Bildungswegs habe ich finanziell nie Nachteile gehabt
      • Dass ich schon mit 19 mit Programmierung und Startups angefangen habe, könnte ein Vorteil des frühen Einstiegs gewesen sein
      • Vielleicht hatte ich auch einfach Glück, aber jungen Menschen generell vom Selbststudium abzuraten, halte ich eher für schädlich
    • Ich habe einige Jahre als Softwareentwickler gearbeitet und bin dann für einen CS-Abschluss an die Hochschule zurückgekehrt

      • Ich hatte bereits 90 Credits aus einem Geschichtsstudium und habe dann drei Jahre lang ein strukturiertes Curriculum absolviert
      • Ich denke, dieser Weg hat meine Entwicklerfähigkeiten deutlich verbessert
      • Man kann das auch allein schaffen, aber die meisten Menschen werden dieses Niveau nie erreichen
      • Es gab definitiv Selbstlerner, die besser waren als ich, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass auch sie noch besser geworden wären, wenn sie ein vierjähriges CS-Programm durchlaufen hätten
    • Daran ist etwas Wahres, aber das gilt meist nur am Anfang und wenn die eigenen Fähigkeiten im unteren Bereich der Peergroup liegen

      • Danach hängen die Dinge stark von Netzwerkfähigkeiten und Glück ab, das eine viel größere Rolle spielt, als die meisten denken
      • Die Hochschule liefert zu Beginn der Karriere die Vertrauensgrundlage, dass man mithalten kann, plus den Nachweis in Form des „Diploms“
      • In dieser Zeit baut man zwar ein Netzwerk auf, aber nach den ersten ein bis zwei Jobs schwindet der Nutzen des Abschlusses rapide
      • In meiner Erfahrung, also nur als Einzelfall, habe ich ohne Abschluss angefangen und nach über zehn Jahren aus Interesse noch einen Abschluss gemacht
      • Beruflich hatte das keinerlei Wert; alle späteren Chancen kamen über Empfehlungen und Referenzen aus dem Berufsalltag
      • Der Abschluss war aber eine gute Gelegenheit, auch mit Themen in Berührung zu kommen, die ich sonst nicht erwartet hätte
    • Ich bin wohl in Richtung ADHS und liege auch irgendwo auf dem Autismus-Spektrum

      • Ich habe dreimal eine Hochschule besucht, aber jedes Mal abgebrochen, wegen Kosten, Langeweile und persönlicher Probleme wie dem Krebstod meines Vaters
      • Meine Karriere begann ich im Tech-Support eines C-Compiler-Unternehmens und wechselte dann in die Entwicklung
      • Ich habe Stationen an der NYSE, bei großen Brokerages, einer bekannten Fintech-Firma sowie in der Beratung für Banken und Zahlungsunternehmen hinter mir
      • Ich war vor allem ans Selbstlernen gewöhnt und kam mit dem Hochschulumfeld nicht gut zurecht
      • Dass ein Abschluss im Entwicklungsbereich ein Problem gewesen wäre, kam extrem selten vor; tatsächlich hat es nie jemanden interessiert
      • Zumindest für Softwareentwicklung ist ein Abschluss fast oder völlig bedeutungslos
    • In dieser Diskussion wird oft vergessen, dass der größte Grund, Informatik zu studieren, nicht zwingend Jobchancen oder berufliche Skills sind

      • „Spaß“ ist die eigentliche Motivation
      • Man kann ein Leben lang Freude an der Disziplin selbst haben, und sie ist in jeder Hinsicht lohnend: praktisches Programmieren, Theorie, der mathematische Hintergrund des Rechnens und die Geschichte des Computing
      • Artikel nach dem Muster „Lernt bloß kein CS“ verfehlen meiner Meinung nach den eigentlichen Punkt
  • Ich frage mich, ob das Curriculum nicht gerade deshalb Grenzen hat, weil es nur aus „kostenlosen und Open-Source“-Kursen besteht

    • Wenn man ernsthaft lernen will, sollte man meiner Meinung nach auch nicht zögern, Geld in hochwertiges Material zu investieren

    • Dem stimme ich zu

      • Zum Beispiel wird beim Kurs zu diskreter Mathematik bzw. mathematischer Logik laut Discord-Server oft gesagt, dass die MIT-Vorlesung nicht einmal an ein einziges gutes Lehrbuch heranreicht
      • Aber hochwertige freie/Open-Source-Lehrmaterialien gibt es dort fast nicht
      • Ich lerne auch mit OSSU, verwende aber Discrete Mathematics with Applications von Susanna Epps (gebraucht 50 $)
      • Das weicht zwar vom offiziellen Curriculum ab, aber ich habe trotzdem das Gefühl, immer noch OSSU zu machen
  • Ich denke, ein Abschluss gleicht die meisten sozialen Schwächen aus

    • Das Papier sagt im Grunde: „Ich habe 3 bis 4 Jahre in dieses Fach investiert und mindestens ein gewisses Maß an Verstand und Hingabe“
    • Selbst wenn man sozial nicht besonders stark ist, ist es ein Vorteil, dieses Signal zu haben
    • Als Selbstlerner hat man dieses Signal nicht; dann braucht man entweder hervorragende Networking-/Kommunikationsfähigkeiten oder sehr viel Glück
    • In der Praxis ist man mit sehr guten sozialen Fähigkeiten fast unschlagbar, und selbst bei schwächeren fachlichen Fähigkeiten kann man vieles mit Worten lösen
  • In vielen Kommentaren vermischen sich zwei Punkte: dass die Hochschule Netzwerke schafft und dass manche nur Leute bestimmter Hochschulen einstellen

    • Es stimmt, dass Jobchancen über Kontakte aus Hochschule und Karriere zunehmen

    • Aber mit wachsender Karriere wird das Gewicht von Kontakten, die nach der Hochschule entstanden sind, stärker

    • Positionen, für die ein bestimmter Hochschulabschluss oder ein PhD nötig ist, haben weniger mit Netzwerk als mit „Signalwirkung“ zu tun

    • Also mit einem vertrauenswürdigen Signal, das dem Arbeitgeber weitere Nachfragen erspart

    • Selbstlerner müssen das umgehen oder zusätzliche Anstrengungen leisten

    • Man muss sich darauf ausrichten, über persönliche Kontakte oder eigene Arbeit Aufmerksamkeit zu bekommen oder über Empfehlungen Chancen zu erhalten und so den normalen Hiring-Prozess zu umgehen

    • Wenn ich höre: „Schon die Chance selbst fällt komplett weg“, muss ich an den Satz denken: Glück ist keine Strategie, aber wenn man die Zahl der Versuche erhöht, steigt die Chance auf Glück

      • Netzwerke zu haben bedeutet letztlich, die Anzahl der Chancen selbst zu erhöhen
      • Ich kenne tatsächlich einen Fall, in dem ein Freund über die Softball-Liga seiner Arbeit dank dieses Netzwerks einen neuen Job bekommen hat
  • Ich frage mich, was eigentlich das Ziel ist

    • Wenn das Ziel wirklich ein Job ist, halte ich schon ein Community-College-Niveau an Ausbildung für praktischer
    • Wenn es rein ums Geldverdienen geht, sind Methoden à la neal.fun oder levels.io wahrscheinlich sogar schneller
    • Wenn nicht einmal ein Abschlusszeugnis dabei herauskommt, ist dann nicht eher eine YOLO-Strategie sinnvoll?
    • Am Ende bleibt dann doch nur reine intellektuelle Neugier, also Lernen allein aus Spaß
  • Ich finde es etwas schade, dass in solchen Diskussionen beide Seiten so übertrieben defensiv auftreten

 
soonil 2025-05-29

Wirklich großartig.