- Der Proton-CEO hat offiziell einen Rückzug aus der Schweiz in Aussicht gestellt, falls das umstrittene Überwachungsgesetz verabschiedet wird
- Der Revisionsentwurf sieht vor, die Pflicht zur Identifizierung und Speicherung von Nutzerdaten auf VPN- und Messenger-Dienste auszuweiten
- Dadurch geraten Datenschutz und Online-Anonymität in der Schweiz voraussichtlich in Gefahr
- Auch andere in der Schweiz ansässige Unternehmen wie NymVPN prüfen aus demselben Grund einen Rückzug aus dem Land
- Auch innerhalb der Schweiz gibt es starken Widerstand aus Politik und Wirtschaft sowie laufende Bemühungen zum Schutz digitaler Rechte
Überblick
Der Beitrag behandelt Protons Bedenken hinsichtlich der geplanten Revision des Schweizer Überwachungsgesetzes, die Möglichkeit eines Rückzugs, die Reaktionen von Unternehmen und Politik im In- und Ausland sowie den Ausblick auf die weitere Entwicklung.
Der Revisionsentwurf zum Überwachungsgesetz und Protons Position
- Die Schweizer Regierung prüft derzeit eine Überarbeitung der Überwachungsgesetze
- Dem Entwurf zufolge würden für alle VPN-Dienste, Messenger-Apps und sozialen Netzwerke deutlich weitergehende Pflichten zur Identifizierung und Speicherung von Nutzerdaten gelten
- Derzeit gelten diese Pflichten nur für Mobilfunk- und Internetanbieter
- Proton will für den Schutz der Privatsphäre von mehr als 100 Millionen Nutzerinnen und Nutzern kämpfen
- Auch das Schweizer Unternehmen NymVPN hat Einwände gegen den Entwurf erhoben
Die offizielle Position des Proton-CEO
- In einem Interview mit RTS am 13. Mai 2025 erklärte Proton-CEO Andy Yen, der Entwurf sei ein „schwerwiegender Eingriff in die Privatsphäre sowie eine Beschädigung des Ansehens und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Landes“
- Er wies darauf hin, dass ähnliche Regelungen in Europa und den USA bereits als rechtswidrig eingestuft wurden
- Zudem erwähnte er, dass es in Europa nur in Russland ein vergleichbares Gesetz gebe
- Der Entwurf erweitert den Geltungsbereich auf „abgeleitete Dienstanbieter“ und fügt zusätzliche Bestimmungen zu Datentypen und Überwachungsmethoden hinzu
- Sollte das Gesetz verabschiedet werden, könnten Proton Mail und Proton VPN ihre Verschlüsselung und No-Logs-Politik nicht mehr aufrechterhalten
- Yen erklärte, man könne dann „gezwungen sein, die Schweiz zu verlassen“, und wies auf den Widerspruch hin, dass man in der Schweiz dann sogar „weniger vertraulich als Google“ in den USA wäre
Unterstützung durch NymVPN
- Auch der neue VPN-Dienst NymVPN protestiert öffentlich gegen die Politik der Schweizer Regierung
- Nym-Mitgründer und COO Alexis Roussel erklärte ebenfalls offiziell, dass man bei Inkrafttreten der neuen Überwachungsregeln die Schweiz verlassen könnte
Reaktionen in der Schweiz und Ausblick
- Die öffentliche Anhörung endete am 6. Mai 2025, nun steht nur noch die Entscheidung der Schweizer Regierung aus
- Aus der Schweizer Politik und Wirtschaft kommt erheblicher Widerstand
- Einige Kantone wie Genf haben unter Verweis auf das Recht auf digitale Integrität ihre Ablehnung erklärt
- Roussel hatte die Verankerung dieses Rechts maßgeblich vorangetrieben; in Genf (2023) und Neuenburg (2024) wurde es mit jeweils über 90 % Zustimmung eingeführt
- Auch CEO Yen erklärte, der Fall zeige die Notwendigkeit einer „ausgewogenen Gesetzgebung“
- Falls die Schweizer Regierung vernünftige Regeln einführt, wolle Proton weiter in der Schweiz investieren und dort tätig bleiben
2 Kommentare
Selbst in Europa, wo die Privatsphäre noch vergleichsweise gut geschützt ist, scheint jedes Jahr eine solche Nachricht aufzutauchen.
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