4 Punkte von GN⁺ 2025-05-16 | 5 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Apple führt für Apps, die externe Zahlungssysteme verwenden, eine deutliche Warnmeldung ein
  • Diese Warnung wird über dem Namen und dem Icon der App zusammen mit einem roten ⚠️-Symbol in bis zu fünf Zeilen angezeigt
  • In der EU ist es im Unterschied zu den USA möglich, ohne IAP ausschließlich mit externen Zahlungen zu arbeiten
  • Es gibt die Ansicht, dass externe Zahlungen gerade beim Verbraucherschutz, etwa bei Kartenrückbuchungen, sicherer sein können
  • Entwickler beklagen, dass Apples Politik sowohl dem Markt als auch den Kreativen schade

Überblick

  • Apple hat kürzlich begonnen, bei Apps im App Store mit externen Zahlungssystemen eine starke Warnung anzuzeigen
  • Die Warnung erscheint mit der Aussage, dass „diese App das private und sichere Bezahlsystem des App Store nicht unterstützt und externe Zahlungen verwendet“
  • Der Warnhinweis ist oberhalb von App-Name und Icon über fünf Zeilen hinweg gut sichtbar platziert

Details zur App-Store-Warnung

  • Einige Nutzer und Entwickler haben Apples Warnmeldung und entsprechende Screenshots geteilt, wodurch die Kontroverse größer wurde
  • Wenn im App Store externe Zahlungen verwendet werden, erscheint neben dem GET-Button zusätzlich der Hinweis „Externe Zahlung“
  • In den USA muss eine Funktion für externe Zahlungen zwingend zusammen mit einer Variante mit In-App-Käufen (IAP) angeboten werden, in der EU gilt diese Vorgabe nicht
  • Dadurch können Apps in Europa ohne IAP allein mit externen Zahlungen betrieben werden

Vergleich der Warnstufen

  • Unter macOS werden Benachrichtigungsstufen in insgesamt drei Kategorien eingeteilt:
    • Hinweis (informational): allgemeine Meldungen oder vorbereitende Hinweise
    • Warnung (warning): Hinweis auf ernstere Situationen
    • Kritisch (critical, Dreieck-Warnsymbol): wird verwendet, wenn echte Vorsicht wegen Risiken wie Datenverlust nötig ist
  • Es wird darauf hingewiesen, welches Symbol Apple bei Apps mit externen Zahlungen tatsächlich verwendet, da dies psychologischen Druck auf Nutzer ausüben kann

Tatsächliche Wirkung der Warnung und regulatorischer Hintergrund

  • Wie viele Nutzer diese Warnung tatsächlich zu sehen bekommen, ist unklar
    • Nutzer, die eine App bereits gekauft haben, müssen den App Store nicht erneut besuchen, nur weil die App externe Zahlungen hinzufügt
  • Regulierungen wie der DMA (Digital Markets Act) verbieten zum Zahlungszeitpunkt stark angsteinflößende Bildschirme („Scare Screen“)
  • Daher wird erwähnt, dass Apples Art der Warnung mit regulatorischen Vorgaben kollidieren könnte

Vertrauenswürdigkeit, Verbraucherschutz und die eigentlichen Streitpunkte

  • Früher wurde Software auf physischen Datenträgern verkauft, doch heute, wo Online-Zahlungen alltäglich sind, wird betont, dass nahezu alle Online-Zahlungsverfahren privat und sicher sind
  • Apples IAP-System hat in vielerlei Hinsicht zwar Vorteile, ist aber bei Privatsphäre und Sicherheit nicht länger ein einzigartiges Alleinstellungsmerkmal
  • Praktisch gesehen können externe Zahlungen beim Verbraucherschutz sogar vorteilhafter sein, etwa durch Kartenrückbuchungen
    • Apple macht Rückerstattungen selbst bei Produktproblemen sehr schwierig
    • Wer ein direktes Zahlungssystem nutzt, kann Erstattungen auch über externe Kanäle wie den Kartenanbieter abwickeln
    • Bei Zahlungen über IAP besteht bei einer Kartenrückbuchung das Risiko, dass das gesamte Apple-Konto gesperrt wird

Reaktionen von Entwicklern und Community

  • Entwickler, die seit Langem über ihre eigene Website verkaufen, wehren sich gegen den Ansatz des App Store, die Vertrauenswürdigkeit externer Zahlungen infrage zu stellen
  • Schon vor dem Aufkommen des App Store betrieben zahlreiche Entwickler den Softwareverkauf erfolgreich über das Web
  • Kritisiert wird, dass Apples Politikwechsel, Einschränkungen und willkürliche Eingriffe in den Markt die langfristige Tragfähigkeit der Geschäfte von Entwicklern bedrohen
  • Einige Entwickler verspotten Apples Reaktion sogar als passiv-aggressiv
  • In der Community breiten sich Enttäuschung über den Vertrauensverlust in Apples Führung, Strategien zur Umgehung von Regulierung und sinkende Produktqualität aus

Weitere Hinweise

  • Vielfältige Reaktionen aus Community und Medien auf die Kontroverse:
    • Das Thema wird unter anderem auf Hacker News, Reddit, The Verge, MacRumors, 9to5Mac und The Mac Observer intensiv diskutiert
  • Das Thema weitet sich über verwandte Tags und Kategorien wie EU, externe iOS-Zahlungen und Design weiter aus

5 Kommentare

 
mango 2025-05-16

Wenn das Vertrauen in warnende Hinweise sinkt, könnte es passieren, dass selbst wirklich wichtige Warnungen ignoriert und übergangen werden. Die Probleme, die durch den Vertrauensverlust bei solchen Warnmeldungen entstehen, dürften am Ende nur den Schaden für Verbraucher vergrößern.

 
y15un 2025-05-16

Wir haben dieses Spiel^ schon gespielt!

^ Erlernte Gewohnheit, gedankenlos auf „Ja“ bei ActiveX zu klicken

 
phw1009 2025-05-16

Apple macht sich wirklich bis zum Schluss lächerlich, hahaha.

 
GN⁺ 2025-05-16
Hacker-News-Kommentare
  • Ich frage mich, warum Apple solche Warnmeldungen anzeigt, und ob dahinter vielleicht emotionale Gründe stehen; am Ende werden die Leute bei dieser Warnung eher denken: „Diese App ist wohl günstiger“, und Warnmeldungen werden inzwischen so oft ignoriert, dass sie kaum noch Wirkung haben.
    • Tatsächlich hat Apple in dieser Frage bekanntermaßen emotionale Motive.
    • Inzwischen ist das für Apple praktisch eine Frage der Existenzberechtigung, weil A/B-Tests gezeigt haben, dass sich die Umsätze sofort stark verändern, und deshalb zieht Apple solche Maßnahmen weiter durch.
  • Ich frage mich, ob bei Banking-Apps ebenfalls solche Warnungen erscheinen würden; im Kern ist es doch dasselbe. Außerdem denke ich, dass es besser wäre, wenn Tim Cook abtritt und jemand wie Schiller die Führung übernimmt.
  • Hier ist ein Screenshot von Apples Warnmeldung: https://nitter.net/pic/orig/media%2FGqxWbH8WgAAPx8L.jpg
    • Ehrlich gesagt wirkt diese Warnung gar nicht so dramatisch; ich könnte mir persönlich sogar vorstellen, für so eine Meldung eine Palme oder ein Kaffee-Icon zu verwenden. Aber dass Apple externe Zahlungen überhaupt zugelassen hat, ist ziemlich schockierend, fast so, als würde die Hölle zufrieren.
    • Der obige Link funktioniert übrigens nicht mehr. Wer wissen möchte, wie die Warnmeldung aussieht, sollte diesen Artikel lesen: https://theverge.com/news/667484/…
  • Hier sind Beispiel-Apps für Irland: https://apps.apple.com/ie/app/alprelax/id6479374216, https://apps.apple.com/ie/app/contribee/id6466801641, https://apps.apple.com/ie/app/…
  • Wenn man den zynischen Blickwinkel einmal beiseitelässt, denke ich, dass Apple hier die Vertrauensfrage sorgfältig lösen muss. Viele nichttechnische Nutzer sind an einen besonderen Zahlungsablauf im Apple-Ökosystem gewöhnt: Sie laden ein neues Spiel herunter, verknüpfen beim Bezahlen Apple Wallet und können innerhalb von 14 Tagen unkompliziert eine Erstattung beantragen. Selbst nach Ablauf dieser 14 Tage lässt sich ein Abo in den Einstellungen leicht kündigen. Als Gegenleistung verlangt Apple von Entwicklern 30 % Provision — das ist nur eine Beschreibung der Fakten. Dieser Ablauf ist mit Zahlungssystemen von Drittanbietern nicht kompatibel. Vor allem nichttechnische Nutzer sehen darin einfach nur ein Bezahlsystem, aber bei externen Zahlungen erscheint das Abo nicht in der Übersicht, Rückerstattungen sind schwieriger, und für Kündigungen muss man mit dem Kundensupport der jeweiligen App kommunizieren. Dazu kommt, dass es viele Firmen geben wird, die mit Apple-ähnlichen Oberflächen zur Zahlung verleiten. Für Menschen, die die Nachrichten aufmerksam verfolgen, ist das vielleicht gut, für andere kann es aber verwirrend sein, sodass sie Apple die Schuld geben oder mit einer ungewohnten Erfahrung dastehen. Ich bin nicht der Meinung, dass Apple Drittanbieter-Zahlungen verbieten sollte, und ich glaube auch nicht, dass es dafür ein angsteinflößendes Warnfenster braucht. Vertrauen wird erst dann wiederhergestellt, wenn man wie früher einfach gedankenlos die gewünschte App herunterladen kann. Für viele Menschen dürfte eine steile Lernkurve bevorstehen. Hier übrigens der Ablauf zum Kündigen von Abos: https://support.apple.com/en-us/118428
  • Ich hoffe, die EU sorgt dafür, dass Apple noch stärker bloßgestellt wird, und droht mit weiteren Geldstrafen. Ich habe gehört, dass Eddy Cue für all das verantwortlich sein soll. Eddy Cue gilt zwar als sehr geschickter Verhandler, aber der App Store hatte lange Zeit nicht nur für Entwickler, sondern auch für Nutzer viele Probleme. Es ist schade, dass Tim Cook geeignete Leute nicht machen lässt und stattdessen Talente mit womöglich besseren Ergebnissen wie Scott Forstall hinausgedrängt hat.
    • Dass Eddy Cue verantwortlich sei, stimmt nicht. Tatsächlich hat Finanz-Vizepräsident Alex Roman vor Gericht falsch ausgesagt, um die Wahrheit zu verschleiern, und intern hatte Phillip Schiller Apple geraten, der gerichtlichen Anordnung Folge zu leisten. Tim Cook ignorierte Schiller jedoch und folgte Luca Maestri und dessen Finanzteam: https://storage.courtlistener.com/recap/gov.uscourts.cand.364265/…
  • Diese Situation wird nicht aufhören, bis die US-Regierung das Kartellrecht durchsetzt. Die einzige Alternative sind EU-Gesetze, die solche Monopolisten direkt ins Visier nehmen.
    • Die EU-Gesetze schaden kleinen Entwicklern eher, weil die einzuhaltenden Anforderungen zu streng und schwer erfüllbar sind. Ein typisches Beispiel ist, dass Apple nur das absolute Minimum beim DMA umgesetzt und dabei den Schaden maximiert hat.
  • Ich frage mich, warum die Amazon-App keine Warnung anzeigt, obwohl sie ausschließlich externe Zahlungen nutzt. Nach Apples Maßstab soll das Risiko offenbar nur bei digitalen Gütern bestehen, was frustrierend ist.
    • Wenn man es andersherum betrachtet, könnte man sagen, dass Amazons eigenes Zahlungssystem vertrauenswürdig ist, während es bei irgendwelchen zufälligen Apps keinen Anhaltspunkt dafür gibt, welches Zahlungssystem genutzt wird. Innerhalb der App kann man ja nicht einmal so etwas wie eine offizielle URL-Leiste überprüfen.
  • Es wäre wirklich schön, wenn ein Dienst wie setapp iOS-Apps bündeln würde, sodass keine einzelnen Abos mehr nötig wären. Das könnte Abo-Müdigkeit und In-App-Werbung entschärfen und wäre besonders für Kinder-Apps sehr nützlich.
    • setapp unterstützt seit 2020 verschiedene iOS-Apps.
  • Ich frage mich, ob Apple solche Warnmeldungen auch bei Apps anzeigt, die sowohl Apple-Zahlungen als auch Nicht-Apple-Zahlungen anbieten. Falls ja, könnte es sinnvoll sein, Apple-Zahlungen zu einem zehnfach höheren Preis anzubieten.