- Das ALICE-Kollaborationsteam hat am LHC des CERN den Prozess, bei dem Blei durch hochenergetische Kollisionen von Bleikernen in Gold umgewandelt wird, quantitativ gemessen
- Das Experiment zeigt, dass bei Beinahe-Kollisionen durch starke elektromagnetische Felder Protonen aus Bleikernen herausgelöst werden und so winzige Mengen an Goldkernen entstehen
- Mithilfe des ZDC-Detektors wurde die Entstehung von Blei, Thallium, Quecksilber und Gold systematisch analysiert
- Die entstandenen Goldkerne existieren nur für sehr kurze Zeit, und ihre Menge ist verschwindend gering, sodass sie für die tatsächliche Schmuckherstellung nicht ausreicht
- Die Studie liefert neue Daten, mit denen sich die Theorie der elektromagnetischen Dissoziation testen lässt und die zur Verbesserung der Leistung künftiger Beschleuniger beitragen können
Bedeutung des Experiments zur Umwandlung von Blei in Gold mit ALICE am LHC
- Das ALICE-Kollaborationsteam hat am LHC des CERN durch Experimente mit Beinahe-Kollisionen hochenergetischer Bleikerne erstmals systematisch experimentell nachgewiesen, dass Blei in winzige Mengen Gold umgewandelt wird
- Die Studie zeigt, dass der lang gehegte Traum mittelalterlicher Alchemisten kernphysikalisch tatsächlich möglich ist, und misst einen neuen Umwandlungsmechanismus
Der alte Traum der Alchemie und der Fortschritt der Kernphysik
- Traditionell war die Umwandlung von Blei in das Edelmetall Gold ein Ziel der Alchemie, doch tatsächlich besitzen beide Elemente völlig unterschiedliche chemische Eigenschaften
- Im 20. Jahrhundert wurde entdeckt, dass mit Kernreaktionen eine gegenseitige Umwandlung schwerer Elemente möglich ist
- Zwar gab es schon früher Berichte über künstlich erzeugtes Gold, diesmal wurde jedoch das Umwandlungsphänomen durch einen neuen Mechanismus bei Beinahe-Kollisionen von Bleikernen quantitativ gemessen
Bleikollisionen am LHC und die Entstehung neuer Teilchen
- Bei hochenergetischen frontalen Kollisionen von Bleikernen am LHC entsteht ein Quark-Gluon-Plasma
- Bei den häufiger auftretenden Beinahe-Kollisionen entstehen jedoch auch dann starke elektromagnetische Felder, wenn die Kerne nicht tatsächlich zusammenstoßen
- Dabei kommt es zum Prozess der elektromagnetischen Dissoziation; durch Photon-Kern-Wechselwirkungen gerät die innere Struktur in Schwingung und wenige Neutronen und Protonen werden emittiert
- Für die Entstehung von Gold müssen aus einem Bleikern drei Protonen entfernt werden
ALICE-Detektor und Messung der Goldentstehung
- Im ALICE-Experiment wurde der ZDC(Zero Degree Calorimeter)-Detektor genutzt, um Kernarten zu unterscheiden, die durch Photon-Kern-Wechselwirkungen entstanden sind
- Auf diese Weise wurde die Produktion von Blei-, Thallium-, Quecksilber- und Goldkernen konkret analysiert
- Das Experiment ergab, dass am ALICE-Kollisionspunkt des LHC pro Sekunde etwa 89.000 Goldkerne entstehen
- Die erzeugten Goldkerne treffen mit sehr hoher Energie auf die Strukturen des LHC und zerbrechen sofort; ihre Existenzdauer ist extrem kurz
Menge des erzeugten Goldes im LHC-Experiment und ihre Bedeutung
- Während der LHC-Run-2-Phase (2015–2018) wurden insgesamt etwa 86 Milliarden Goldkerne erzeugt
- In Masse umgerechnet entspricht das nur 29 Pikogramm (2.9 ×10^-11 g) und ist damit für eine praktische Nutzung als Edelmetall ungeeignet
- Im aktuellen Run 3 hat sich die Goldproduktion zwar etwa verdoppelt, liegt aber weiterhin auf einem Niveau, das nicht einmal für ein einziges Schmuckstück ausreicht
- Damit wurde der Traum der mittelalterlichen Alchemie technisch zwar verwirklicht, von tatsächlichem Reichtum ist die Realität aber weit entfernt
Bedeutung der ALICE-Ergebnisse und künftige Anwendungen
- Dank des ZDC von ALICE ist diese Analyse der erste Fall, in dem ein Signal der Goldentstehung am LHC systematisch und experimentell nachgewiesen und gemessen wurde
- Die Ergebnisse tragen zur Präzisierung der Theorie der elektromagnetischen Dissoziation bei; solche Theorien sind auch für praktische Aspekte wie die Vorhersage von Strahlverlusten am LHC und an künftigen Beschleunigern wichtig
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