3 Punkte von GN⁺ 2026-03-27 | 8 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • CERN hat erfolgreich 92 Antiprotonen in einer durch Magnetfelder eingeschlossenen Flasche per Lastwagen transportiert
  • Da Antimaterie bei Kontakt mit Materie sofort annihiliert und in Energie umgewandelt wird, war dieses Experiment eine technisch extrem schwierige Herausforderung
  • Der Lastwagen legte auf dem CERN-Gelände etwa 8 km in 30 Minuten zurück und bewies, dass die Antimaterie stabil erhalten werden konnte
  • Dieser Erfolg eröffnet die Möglichkeit, Antiprotonen in externe Forschungseinrichtungen mit geringerem Rauschen zu bringen und dort Präzisionsexperimente durchzuführen
  • Die Forschenden bewerten dies als Wendepunkt der Antimaterie-Forschung und technisches Wunderwerk

Erstes Transportexperiment mit Antimaterie

  • Forschende am CERN haben erfolgreich 92 Antiprotonen in einer speziell gefertigten Flasche per Lastwagen transportiert
    • Die Flasche ist eine Vorrichtung, die Teilchen mithilfe von Magnetfeldern einschließt, sodass die Antimaterie nicht mit gewöhnlicher Materie in Kontakt kommt
    • Der Lastwagen war auf dem CERN-Gelände rund 30 Minuten lang über mehr als 8 km unterwegs und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 42 km/h
  • Antimaterie ist ein Stoff, dessen Speicherung und Transport extrem schwierig sind, weil sie bei Kontakt mit Materie vollständig annihiliert und in Energie umgewandelt wird
    • Dieses Experiment gilt als der erste Transport von Antimaterie durch die Menschheit und wird als „historisches Ereignis“ bewertet
    • Das Experimentteam öffnete zur Feier Champagner und veranstaltete gemeinsam mit Antimaterie-Forschenden weltweit eine Feier
  • Ziel des Experiments war es, Antiprotonen an einen Ort mit geringerem Rauschen zu bringen, um präzisere Forschung zu ermöglichen
    • CERN verfügt derzeit über die weltweit einzige Anlage zur Erzeugung von Antiprotonen
    • Die im Antimaterie-Werk erzeugten Teilchen nach außen zu bringen und dort zu erforschen, war seit mehr als 30 Jahren ein ersehntes Ziel
  • Der Physiker Christian Smorra von der Heinrich-Heine-Universität sagte: „Jetzt ist es endlich möglich geworden.“
    • Tara Shears von der University of Liverpool bezeichnete die Speicherung und den Transport von Antimaterie als „technisches Wunderwerk“
    • Sie fügte hinzu, dass ihr die Vorstellung gefalle, CERN werde zum „Deliveroo der Antimaterie“

Antimatter Deliveroo

  • Antiteilchen existieren als Gegenstücke zu gewöhnlichen Teilchen mit entgegengesetzter elektrischer Ladung und entgegengesetzten magnetischen Eigenschaften
    • Materie ist im Universum reichlich vorhanden, Antimaterie kommt dagegen natürlicherweise äußerst selten vor
    • Beim Urknall müssten Materie und Antimaterie in gleicher Menge entstanden sein, doch warum dieses Ungleichgewicht entstand, ist noch nicht geklärt
  • CERN erzeugt Antiprotonen, indem ein Protonenstrahl auf ein Metalltarget geschossen wird
    • Anschließend werden die erzeugten Antiteilchen mithilfe von elektrischen und magnetischen Feldern abgebremst und eingefangen
    • Die meisten Teilchen gehen in diesem Prozess verloren, sodass nur eine kleine Menge für Experimente nutzbar ist
  • Der erfolgreiche Transport eröffnet die Möglichkeit, Antimaterie in andere Forschungseinrichtungen zu bringen und dort Präzisionsmessungen oder neue Physikexperimente durchzuführen
    • Antimaterie könnte in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden, etwa bei der Forschung an radioaktiven Kernstrukturen oder bei der Untersuchung des Ursprungs des Universums
    • Das Experiment von CERN wird als Wendepunkt gewertet, der die technischen Grenzen der Antimaterie-Forschung erweitert hat

8 Kommentare

 
bini59 2026-03-27

Wow, wie machen die das bitte wirklich?

 
draca 2026-03-30

Großartig. Großartig. Großartig.

 
galadbran 2026-03-27

Antimaterie herzustellen und dann auch noch zu lagern …

 
runableapp 2026-03-27

Da kommt einem direkt die Fantasie, ob jetzt vielleicht sogar Überlicht-Raumfahrt und Zeitmaschinen möglich werden.

 
y15un 2026-03-28

ISV Venture Star!!

 
kimjoin2 2026-03-27

Antimaterie existiert also tatsächlich. Wow.

 
ethanhur 2026-03-27

Krassssss

 
GN⁺ 2026-03-27
Hacker-News-Kommentare
  • Diese Forschung ist ziemlich interessant
    Wenn man den technologischen Fortschritt in 10 Jahren bedenkt, scheint das Anwendungspotenzial enorm zu sein

  • Selbst wenn die Einschlussvorrichtung versagt hätte, wäre die freigesetzte Energie mit etwa 2,766 × 10^-8 Joule ungefährlich gewesen

    • Ich habe mich gefragt, wie viel das im Vergleich zu einem Feuerwerkskörper ist, und ein einzelner Feuerwerkskörper liegt bei etwa 150 Joule, also praktisch vernachlässigbar
    • Wie auch immer, es wäre wahrscheinlich einfach gewesen, die Leistung aus den Hilfssystemen auf den vorderen Schild umzuleiten
    • Ich habe es sogar im Lokalradio gehört, und ein Physiker sagte, es sei deutlich weniger als die alltägliche kosmische Strahlungsdosis
    • Ich habe es auch nachgerechnet und war überrascht, wie klein die Energie tatsächlich ist
    • Trotzdem könnte so ein Versuch irgendwann noch zu einer Szene wie in einem Dan-Brown-Roman führen
  • Der Titel „Antimaterie auf einem Lkw“ ist reißerisch, aber in Wirklichkeit geht es vor allem um die Mobilität hochpräziser Messgeräte
    Am CERN kann man Antiprotonen erzeugen und speichern, aber wegen der feinen Schwankungen im Magnetfeld innerhalb der Anlage sind genaue Messungen schwierig
    Dieses Experiment ist daher ein Beispiel dafür, Antimaterie in ein ruhiges Labor zu bringen, und kein Schritt in Richtung einer SF-artigen Antimaterie-Batterie

    • Dass Einbringen, Speichern, Zählen, Transport und erneutes Zählen möglich sind, ist wirklich beeindruckend
    • Trotzdem hat „Antimaterie mit dem Lkw transportieren“ immer noch ein gewisses SF-Flair
    • Da drängt sich von selbst ein Witz auf wie „Antiprotonen in diesem Antimaterie-Lkw!“
    • Der nächste Schritt ist vielleicht der Einsatz als Warptruck™-Treibstoff
    • (Es gab auch den Scherz, das klinge nach einem automatischen KI-Account)
  • Als ich auf den Link geklickt habe, habe ich kurz Teleportation erwartet. Ich habe wohl zu viel SF konsumiert

    • Trotzdem deutlich sicherer als ein Treibstofftank der Sternenflotte
    • Es kam sogar die Bemerkung auf, dass Teleportation einfacher wäre
    • Es hatte komplett Star-Trek-Stimmung. Ich musste an Mr. Scott denken, der ruft: „Ich kann die Antimaterie nicht stabilisieren“
    • Ich hatte denselben Gedanken, war dann aber leicht enttäuscht, als ich sah, dass es am Ende mit einem 18-Rad-Lkw transportiert wurde
  • Ich habe mich gefragt, wie groß das Gerät war, das 92 Antiprotonen enthielt. Wurde dafür der ganze Lkw genutzt?

    • Tatsächlich war es ein ziemlich kompaktes Gerät. Auf dem Foto des CERN sieht man, wie es auf den Lkw geladen wird
      Für den Ferntransport seien laut Pressemitteilung ein Generator und ein Kryokühler nötig gewesen
      Bei einem früheren Experiment soll es 2 m × 0,87 m × 1,85 m groß gewesen sein und weniger als 1000 kg gewogen haben
    • Auf dem Foto vom Inneren des Lkws wirkt es etwa so groß wie ein Mini-Kühlschrank
  • Ich habe mich gefragt, was passieren würde, wenn man einfach einen Block fester Antimaterie hätte, zum Beispiel 1 g Anti-Eisen
    Würde er beim Kontakt mit Luft oder dem Labortisch sofort vollständig vernichtet werden, oder eher explodieren wie ein in Wasser geworfenes Schmelzsalz

    • Es ist nicht ganz klar, ob der Grund, warum wir nicht durch Dinge hindurchgehen, das Pauli-Ausschlussprinzip oder die elektrostatische Abstoßung ist
      Für Antiteilchen gilt das aber nicht. Elektronen und Positronen würden sofort in Kontakt kommen, und alles würde zusammenbrechen
    • Antiprotonen haben zur Ladung von Protonen die entgegengesetzte Polarität und ziehen sich daher an. Es würde sofort explodieren
  • Für Laien wirkt Antimaterie wie der ideale Treibstoff für Raumfahrzeuge
    Die Energiedichte reicht bis an die Grenze von E=mc², und wenn es eine Produktionsinfrastruktur gäbe, könnte man sie allein mit Elektrizität herstellen
    Dass Transport nun möglich ist, ist ein großer Fortschritt. Natürlich sind Produktion und Speicherung noch immer ingenieurtechnische Herausforderungen

    • Die hier verwendete Penning-Falle ist durch das Brillouin-Limit in der speicherbaren Antimateriemenge begrenzt
      Die gespeicherte Energie ist kleiner als die magnetische Feldenergie der Falle und weit geringer als die Sprengkraft entsprechender TNT-Masse
      Siehe den zugehörigen Wiki-Artikel
    • Mich interessiert eher das Potenzial zur Bewaffnung von Antimaterie. Wenn bestimmte Akteure sie produzieren könnten, wäre das gefährlich
    • Diesmal wurden nur 92 Atome transportiert. 1 g Antiwasserstoff entspricht 6,23×10^23 Atomen, der Größenunterschied ist also enorm
    • „Idealer Treibstoff“ vielleicht, aber man müsste das Risiko vollständiger Auslöschung in Kauf nehmen. Andererseits wäre es schnell vorbei, also wohl ohne Schmerzen
    • Wenn man Antimaterie als Treibstoff nutzt, wird zwar bei der Vernichtung Energie frei, aber wie gewinnt man daraus eigentlich Schub?
  • Das erinnert mich an „Angels & Demons“

    • Ich schreibe gerade zufällig eine Rezension zu dem Buch, deshalb fand ich diese Nachricht noch interessanter
    • Im Artikel wurde auch Dan Brown erwähnt, was mich gefreut hat
  • Ich frage mich, wie viel Energie nötig ist, um Antimaterie einzuschließen
    Ich würde gern wissen, ob man bei Nutzung für Antrieb oder Stromerzeugung tatsächlich einen positiven Energieertrag erzielen könnte

  • Wie müsste man vorgehen, um genügend Antimaterie für einen praktischen Nutzen herzustellen?
    Vielleicht müsste man Energie in Sonnennähe sammeln oder die Umlaufbahnen von Jupitermonden verändern

    • Aber die wichtigere Frage ist nicht „Können wir das?“, sondern „Sollten wir das?