- Der Foy Information Desk der Auburn University betreibt seit 1953 einen Dienst, der seit mehr als 70 Jahren jede Frage aus der Öffentlichkeit entgegennimmt
- Für Menschen, die das Internet nicht nutzen oder nicht nutzen können, funktioniert diese Telefonnummer wie ein Internet mit menschlicher Antwort
- Die Studierenden beantworten die unterschiedlichsten Fragen höflich und ohne zu urteilen und schaffen dabei oft auch eine emotionale Verbindung zu einsamen Menschen
- Die Beziehungen zu häufig anrufenden Menschen sind zwar unklar, doch ihre Abwesenheit ist so spürbar, dass sie bei den Studierenden Sorge auslöst
- Dieser Dienst ist mehr als ein einfaches Q&A und bleibt eine warme Verbindung, die menschlichen Kontakt und Trost bietet
Der Telefondienst der Auburn University mit 70-jähriger Tradition
Die Anfänge des Foy Information Desk
- Der Telefondienst wurde 1953 von Dekan James E. Foy für Studierende eingerichtet
- Die Studierenden beantworten jede Frage höflich, und inzwischen wurde der Dienst auf die gesamte Öffentlichkeit ausgeweitet
- An Werktagabenden ist es eine besondere Erfahrung, wenn nacheinander skurrile oder ernste Fragen eingehen
Das heutige Bild des Foy Desk
- Der früher mit Büchern gefüllte Desk ist inzwischen in ein modernes Gebäude mit drei aktuellen iMacs umgezogen
- Die Telefonnummer ist weiterhin unverändert, und die Fragen reichen von „Elon Musks Vermögen“ bis zu „Was tun, wenn eine Schlange ins Haus gekommen ist?“
- Da in den USA rund 13 Millionen Menschen und weltweit rund 2,6 Milliarden Menschen das Internet nicht nutzen, spielt dieses Telefon eine wichtige Rolle
- Das Handbuch für die Studierenden umfasst zehn Kapitel und legt fest, dass aggressive oder hausaufgabenartige Fragen verboten sind
- Die meisten Anrufe kommen von Menschen aus der Allgemeinheit, nur selten rufen auch Auburn-Studierende an
Die anonyme Stammanruferin Beulah
- Beulah ist eine Stammanruferin mit zahlreichen Episoden über Haustiere und Wildtiere, und ihre Stimme erinnert an Jennifer Coolidge
- Ihre Identität ist fast unbekannt; man kann sie höchstens anhand von regionalem Dialekt oder Anruferinformationen erahnen
- Die Studierenden schätzen die bloße Existenz solcher Stammanrufenden und legen nicht auf, solange die Person nicht unhöflich wird
- Früher gab es auch eine Stammkundin, die als „Großmutter aus dem Pflegeheim“ bekannt war, und ihre Präsenz ist den Studierenden bis heute im Gedächtnis geblieben
Geteilte Gefühle und Verbindung
- Manche Menschen rufen einfach an, weil sie jemanden zum Reden brauchen
- Eine Studentin erinnerte sich an einen Anruf von mehr als einer Stunde, bei dem die andere Person nach dem Verlust eines Freundes einfach mit irgendjemandem sprechen wollte
- Unabhängig davon, um welche Art von Frage es geht, wird jeder Anruf mit dem gleichen Maß an Respekt behandelt
- Manche rufen mit einer Stimme an, die wie die eines Kindes klingt, und erzählen, dass ihnen langweilig ist
Cora und ein bedeutungsvoller Anruf
- Cora Baldwin studiert Software Engineering, fühlt sich aber in Wirklichkeit stärker zu Arbeit hingezogen, bei der sie Menschen helfen kann
- In einem Gespräch mit einem älteren Menschen, der allein anhand ihres Geburtsdatums ihre berufliche Veranlagung erriet, erkannte sie einen inneren Wunsch, den sie selbst nicht gekannt hatte
- Cora glaubt, dass die Anrufe, die sie entgegennimmt, kein Zufall, sondern Schicksal sind
- Zugleich gesteht sie, dass sie sich aus praktischen Gründen womöglich nicht für einen sozialen Schutzdienst entscheiden kann
Fazit
- Dieser Telefondienst ist nicht einfach nur eine Stelle zur Informationsvermittlung, sondern eine Brücke zwischen isolierten Menschen und der Welt
- Die Studierenden konzentrieren sich mehr auf den Menschen als auf die Frage und zeigen damit ein Vorbild menschlicher Kommunikation, bei dem schon ihre bloße Präsenz Trost spendet
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
Interessant, diesen Artikel auf HN zu sehen
800-GOOG-411 wollte einen ähnlichen Dienst anbieten, wurde aber nach drei Jahren eingestellt
James E. Foy Information Desk
Bei der Auburn-Studentenorientierung rief ich beim Foy Information Desk an und fragte, wie viele M&Ms in das Jordan-Hare Stadium passen würden
Irgendwo arbeitet wahrscheinlich immer noch jemand als Liftboy
Die Art, wie der Artikel endet, ist herzzerreißend, vermittelt die Botschaft aber umso stärker
In den 1990ern gab es am RPI einen ähnlichen Dienst
Ich habe um die Jahrhundertwende an einem Auskunftsschalter gearbeitet
Ich war in Auburn, als das Internet dort gerade anfing
Auch die NY Public Library bot einen ähnlichen Dienst an