6 Punkte von GN⁺ 2025-04-18 | Noch keine Kommentare. | Auf WhatsApp teilen
  • Die Monetarisierung von AI-Agenten verlagert sich nun von „Nutzung“ hin zu „Ergebnis“
  • Vorstellung von vier repräsentativen Preismodellen (pro Agent, pro Aktion, pro Workflow, pro Ergebnis) mit Beispielen
  • Entscheidend ist die Wahl einer Preisstrategie, die zu den Fähigkeiten des Agenten und der vom Kunden wahrgenommenen Wertschöpfung passt
  • Vorschlag für zukunftsorientierte Preisstrategien als Vorbereitung auf sinkende LLM-Kosten
  • Mit der Philosophie „Preis = Mittel zur Wertkommunikation“ zugleich Kundenvertrauen und Profitabilität sichern

Neues Preisstrategie-Framework für AI-Agenten

  • 75 % der Startups wissen nicht, wie sie AI-Funktionen bepreisen sollen
  • Manny Medina, Gründer von Paid.ai, hat mehr als 60 Unternehmen mit AI-Agenten analysiert
  • Auf dieser Basis werden vier Preisstrategie-Modelle vorgestellt, die sich in der Praxis als wirksam erwiesen haben
  • Jedes Modell kann je nach Rolle des Agenten, Kundenbedarf und Kostenstruktur gewählt werden
  • Unternehmen setzen ihre Preisstruktur teils als Einzelmodell, teils als Hybridmodell auf
  • Das wichtigste Kriterium ist die Ausrichtung auf den vom Kunden wahrgenommenen Wert
  • Diese Zusammenfassung ordnet die Kernkonzepte der einzelnen Modelle sowie Eignung, Vor- und Nachteile ein

Modell 1: Per Agent – FTE-(Full Time Employee)-Ersatzmodell

  • Beispielunternehmen: 11x, Harvey, Vivun
  • AI wird als digitale Arbeitskraft betrachtet und ersetzt einen Teil bestehender Mitarbeiter
  • Kann als Ausgabe wahrgenommen werden, die aus dem Personalbudget kommt
  • Feste monatliche Gebühr, ähnlich wie sitzplatzbasierte SaaS-Preise
  • Geeignet, wenn
    • die AI ein breites Spektrum an Aufgaben übernimmt
    • das Arbeitsvolumen vorhersehbar ist
    • wiederkehrende und standardisierte Aufgaben ausgeführt werden
  • Vorteile
    • Nutzung des Personalbudgets möglich → oft mehr als 10-mal größer als typische Tool-Budgets
    • vorhersehbare Kostenstruktur
  • Nachteile
    • geringe Differenzierung → Wettbewerber können mit „dasselbe, nur billiger“ auftreten
    • der Wertnachweis kann auf bloßen Ersatz reduziert werden

Tipp: Ein Agent für 2.000 $/Monat, der einen Mitarbeiter mit 60.000 $ Jahresgehalt ersetzt, ist für Kunden leicht verständlich

Modell 2: Per Action – nutzungsbasiertes Modell

  • Beispielunternehmen: Bland, Parloa, HappyRobot
  • Abrechnung pro einzelner Aktion, die ein Agent ausführt
  • Ähnlich wie Cloud-Infrastruktur oder BPO-Modelle
  • Es gibt verschiedene Ansätze wie Token-Verbrauch oder Minutenabrechnung
  • Geeignet, wenn
    • die Anforderungsfrequenz unregelmäßig ist oder viele unterschiedliche Aufgaben anfallen
    • sich eine Organisation noch in der frühen Testphase befindet
    • die Workloads schwanken
  • Vorteile
    • Abrechnung proportional zur Nutzung → wirkt transparent und fair
    • niedrige Einstiegshürde für Kunden
    • vorteilhaft als Ersatz für BPO (US-BPO-Markt 2025: 152 Mrd. $)
  • Nachteile
    • Modell mit der geringsten Differenzierung
    • verschärfter Preiswettbewerb → fördert ein Race to the Bottom

Tipp: Kunden zahlen nur für die tatsächliche Nutzung, was sich gut für Testnachfrage eignet

Modell 3: Per Workflow – Modell zur Prozessautomatisierung

  • Beispielunternehmen: Rox, Salesforce, Artisan
  • Bepreisung einer Reihe zusammenhängender Aufgaben, die die AI ausführt, als eine Workflow-Einheit
  • Kann etwa das Schreiben von E-Mails, Research oder Gesprächsantworten umfassen
  • Geeignet, wenn
    • mehrstufige Aufgaben mit klaren Zwischenergebnissen vorliegen
    • sich standardisierte Prozesse wiederholen lassen
  • Vorteile
    • Kunden können eingesparte Kosten leicht nachvollziehen
    • Wettbewerbsvorteile auf Workflow-Ebene sind möglich
  • Nachteile
    • einfache Workflows sind anfällig für Preisdruck
    • komplexe Workflows sind schwer angemessen zu bepreisen
    • z. B. bei Security-Scans oder der Analyse langer Verträge besteht Risiko von Margenverlusten

Tipp: Lässt sich als Mittelweg zwischen nutzungsbasierten und ergebnisbasierten Modellen verstehen

Modell 4: Per Outcome – ergebnisbasiertes Modell

  • Beispielunternehmen: Zendesk, Intercom, Airhelp, Chargeflow
  • Abrechnung pro erreichtem Ziel oder geliefertem Ergebnis
  • Erfordert den Nachweis der Wirksamkeit per POC oder A/B-Test
  • Geeignet, wenn
    • messbare Erfolgskennzahlen vorhanden sind
    • es einen starken marktseitigen Bedarf an ergebnisorientierten Lösungen gibt
  • Vorteile
    • klarste Wertvermittlung für Kunden
    • geringe Austauschbarkeit im Wettbewerb
    • mit leistungsabhängigen Bonusmodellen kombinierbar
  • Nachteile
    • höhere Vertragskomplexität, da Ergebnisse je nach Kunde unterschiedlich ausfallen
    • schwierig, wenn der Beitrag des Agenten nicht klar nachweisbar ist

Tipp: Ergebnisbasierte Modelle sind direkt mit dem Geschäftserfolg des Kunden verknüpft und eignen sich gut für langfristige Verträge


Zukunftsstrategien für die einzelnen Modelle

  • Preisstrategien für AI-Agenten werden sich mit technischem Fortschritt und sinkenden Kosten weiter verändern
  • Insbesondere könnten die Kosten für LLMs (Large Language Models) innerhalb von 3 bis 5 Jahren um bis zu den Faktor 100 sinken
  • Je stärker ein Preismodell rein kostenbasiert ist, desto anfälliger ist es für Wettbewerbsdruck
  • Deshalb braucht es Strategien, um jedes Modell langfristig überlebensfähig zu machen

Per Agent – Zukunftsstrategie für das FTE-Ersatzmodell

Dieses Modell dürfte vorerst weiter tragfähig sein. Zur Vorbereitung auf die Zukunft sind jedoch folgende Strategien nötig:

  • Wertversprechen von „günstiger als ein Mensch“ zu „leistungsfähiger als ein Mensch“ verschieben
  • mehr Funktionen und Integrationsservices in die Pauschalgebühr bündeln
  • Einführung eines Agenten-Stufensystems nach Leistungsfähigkeit → Preisstaffelung nach Performance

Per Action – Zukunftsstrategie für das nutzungsbasierte Modell

Dieses Modell dürfte langfristig schwer zu halten sein. Mit sinkenden Technologiekosten steigt die Gefahr, in Preisverfall und Wettbewerb nach unten gezogen zu werden:

  • schneller Wechsel zu workflowbasierten oder ergebnisbasierten Preismodellen
  • Ergänzung um proprietäre Funktionen, die Wettbewerber nicht bieten
  • Spezialisierung auf bestimmte Branchen → Wechsel in Bereiche mit hoher Wertschöpfung

Per Workflow – Zukunftsstrategie für das Prozessautomatisierungsmodell

Dieses Modell ist vergleichsweise stabil, braucht aber folgende Ergänzungen:

  • Fokus auf komplexe und mehrstufige Workflows, um einen klaren ROI zu liefern
  • Aufbau von Bestandteilen mit hoher Resistenz gegen Kommodifizierung
  • Integration zentraler Funktionen wie Analyse-/Optimierungstools in den Workflow-Preis

Per Outcome – Zukunftsstrategie für das ergebnisbasierte Modell

Dieses Modell ist langfristig am vielversprechendsten. Es ist stark auf den Kundennutzen ausgerichtet und am widerstandsfähigsten gegen Preiswettbewerb:

  • Aufbau einer Methodik zur Zuordnung von Ergebnissen → auf Basis von A/B-Tests und POCs
  • Abschluss von Bonus-/Risikoteilungs-Verträgen → zusätzliche Vergütung bei Kundenerfolg
  • Fokus auf messbare, hochwertige Geschäftsergebnisse

Framework zur Entscheidung über die Preisstrategie für AI-Agenten

  • Stellen Sie sich selbst die folgenden Fragen, um das passende Preismodell für Ihren AI-Agenten zu wählen

    Fragen Sie sich an jedem Entscheidungspunkt: „Warum Yes/No?“ Liegt es an technischen Einschränkungen oder an geschäftlichen? Könnte sich das in Zukunft ändern?

1. Ersetzt der Agent tatsächlich Personal (Headcount)?

  • Wenn es eher um Zeitersparnis als um klar messbare Ergebnisse geht:
    • per agent: wenn wiederholbare Aufgaben auf vorhersehbare Weise ausgeführt werden
    • per workflow: wenn die Arbeit über mehrere Schritte abgeschlossen wird, auf Basis von eingesparter Zeit × Personalkosten

2. Lassen sich Ergebnisse messen?

  • Wenn der Agent konsistent klare Resultate liefern kann:
    • per outcome: Abrechnung nach Ergebnis, direkt an den Geschäftswert gekoppelt
    • leistungsbasierter Bonus: Kombination mit anderen Modellen, Auszahlung bei Erfolg

3. Sind die Aufgabentypen vielfältig und das Volumen unvorhersehbar?

  • Wenn der Agent vielfältige Aufgaben flexibel bearbeiten muss:
    • per action: Abrechnung pro Aufgabe (z. B. Anzahl der Aufgaben × Stückpreis), auch als Hybrid möglich

Kernaussagen

  • Wählen Sie jetzt das passende Preismodell
    • Automatisierung kompletter Rollenper agent, um Personalbudgets zu adressieren
    • schwankendes Arbeitsvolumenper action
    • komplexe Prozesseper workflow
    • klar definierte Ergebnisseper outcome
  • Umsetzungsstrategie

    • mit einem einfachen Modell starten und über Kundenlernen ausbauen
    • Pilotprojekte mit besonders guten Kunden → Feedback sammeln → schnell nachjustieren
    • kreative Ansätze wie ergebnisbasierte Boni oder Hybrid-Tarife ausprobieren
    • Preisstrategie ist auch eine Frage davon, wie Wert vermittelt wird
  • Kontinuierliche Verbesserung

    • Kundenfeedback → Preismodell aktualisieren
    • wichtige Kennzahlen laufend beobachten:
      • Conversion Rate
      • Expansion Revenue
      • Churn
  • 👉 Die erfolgreichsten Unternehmen mit AI-Agenten entwickeln ihre Preisstrategie parallel zu technologischem Fortschritt und Kundenbedürfnissen weiter

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