- Microsoft hat die neue Schrift Kermit vorgestellt, die die Lesefähigkeit von Kindern verbessern soll
- Kermit wurde in Zusammenarbeit mit dem Designstudio Underware entwickelt und ist eine wissenschaftlich fundierte Schrift, die Leseangst verringern und Kinder mit Dyslexie unterstützen soll
- Mit Variable-Font-Technologie, hoher Lesbarkeit und der Funktion für ausdrucksstarke Textdarstellung (Prosody) soll sie Immersion und Textverständnis verbessern
- Eine Version mit Animationsfunktionen wird derzeit daraufhin erforscht, ob sie die visuelle Aufmerksamkeit von Kindern mit Dyslexie verbessern kann
- Aktuell sind in Office grundlegende Stile wie Regular und Bold verfügbar; alle 42 Stile sollen im Mai erscheinen
Einführung von Kermit, einer Schrift für Kinder
- Bücher haben enorme Kraft, Kinder in Fantasiewelten eintauchen zu lassen
- Aber nicht alle Kinder lernen das Lesen mühelos
- Besonders Kinder mit Dyslexie haben Schwierigkeiten, Wörter laut vorzulesen
- Um solchen Kindern zu helfen, hat Microsoft die Schrift „Kermit“ vorgestellt, die Lesehürden senken soll
- Kermit ist nicht nur eine Schriftart, sondern eine pädagogische Plattform, die Design und Wissenschaft verbindet.
Design, das Lesen angenehmer machen soll
Eine Schrift, die die Stimmung von Kindern hebt
- Eine positive Stimmung wirkt sich günstig auf Kreativität und Lernfähigkeit aus
- Kermit wurde mit einem handschriftlich wirkenden, vertrauten Design, kräftigen Strichen, großzügigem Zeichenabstand und geläufigen Buchstabenformen gestaltet
- Sie verbindet ausgewogen die Stabilität klassischer Schriften wie Garamond und Avenir mit der lockeren Anmutung von Handschrift
Unterstützung für 426 Sprachen
- Unterstützung für 426 Sprachen auf Basis lateinischer, griechischer und kyrillischer Schriften
- Nicht nur eine hübsche Schrift, sondern ein Werkzeug zur Verbesserung der Lesezugänglichkeit
Prosodie in die Schrift einbetten
Gleicher Satz, unterschiedliche Bedeutungen
- Die Intonation, die wir beim Sprechen verwenden – Betonung, Tonhöhe und Länge –, wird in geschriebenem Text kaum ausgedrückt
- Laut Forschung kann die typografische Darstellung von Prosodie Kindern dabei helfen, ihre Ausdrucksfähigkeit und ihr Textverständnis beim Lesen zu verbessern
Die Prosody-Funktion von Kermit
- Strichstärke: stellt die Lautstärke (volume) dar
- Breite: stellt die Aussprachedauer (duration) dar
- Vertikale Verschiebung: stellt die Tonhöhe (pitch) dar
- Durch diese visuelle Darstellung werden ein ausdrucksvolleres Vorlesen und besseres Textverständnis erwartet
Ansatz für Kinder mit Dyslexie
Traditionelle Theorie: Probleme bei der Lauterkennung
- Die meisten Programme konzentrieren sich auf phonemische Bewusstheit (phonemic awareness) und Laut-Buchstaben-Unterricht (phonics)
Neue Theorie: Probleme bei der räumlich-zeitlichen Wahrnehmung
- Eine Studie aus dem Jahr 2010 legt nahe, dass die Ursache von Dyslexie in geschwächten Signalen des visuellen Verarbeitungspfads („high road“) liegen könnte
- Wenn im wie eine Autobahn in zwei Bahnen aufgeteilten visuellen Verarbeitungssystem des Gehirns der obere Pfad (dorsal pathway), der für Positionsinformationen zuständig ist, beeinträchtigt ist, fällt es schwer, die Reihenfolge von Buchstaben zu erkennen
Kermits animierte Version: den „Aufmerksamkeits-Spotlight“ des Gehirns stärken
- Sich selbst zeichnende Buchstabenanimationen sollen die visuelle Aufmerksamkeit stimulieren
- Durch die Stärkung der Signale im high road des Gehirns wird eine bessere Erkennung der Buchstabenreihenfolge erwartet
- Nach Vorliegen belastbarer Forschungsergebnisse soll die animierte Version veröffentlicht werden
Variable Font + Animationstechnologie
Was ist ein Variable Font?
- Eine Schrifttechnologie, die über klassisches Bold und Italic hinaus stufenlose Veränderungen von Stärke, Breite und Stil ermöglicht
HOI (Higher Order Interpolation)
- Ermöglicht natürliche Kurvenanimationen, die die Grenzen der linearen Interpolation (linear interpolation) überwinden
- Statt dass Designer Dutzende Einzelbilder von Hand zeichnen müssen, werden weiche Buchstabenbewegungen durch mathematische Berechnungen umgesetzt
- Dadurch werden Animationen möglich, als würde ein Stift die Buchstaben schreiben
Kermit ist ein Werkzeug für Kinder
- Ziel ist es, Buchstaben interessanter wirken zu lassen und beim Lesenlernen zu helfen
- Nicht bloß eine „niedliche Schrift“, sondern ein wissenschaftlich entwickeltes Hilfsmittel zur Leseförderung
- Sie kann Kindern mit Dyslexie, Hörbeeinträchtigungen und geringem Selbstvertrauen beim Lesen die Kraft des Lesens vermitteln
Informationen zur Veröffentlichung
- Aktuell sind in Office Regular, Bold, Italic und Bold Italic verfügbar
- Alle 42 Stile sollen bis Mitte Mai bereitgestellt werden
- Online-Testseite: kermit-font.com
6 Kommentare
Scheint wohl von Kermit dem Frosch abgeleitet zu sein … oder?
> Sollte das Scrollen nicht stören; es ist ein unnötiges Ablenkungselement
Ich fand es auch unangenehm, und offenbar wurde das in den HN-Kommentaren ebenfalls schon angesprochen. Am angenehmsten ist Scrollen wohl dann, wenn es sich einfach wie normales Scrollen anfühlt.
Ich frage mich, welches Scrollen Sie meinen; ich glaube, ich habe es nicht verstanden.
Es wirkt so, als hätte das Scrollen der Webseite einen Trägheitseffekt. Dadurch hatte ich den Eindruck, nicht frei scrollen zu können.
Ach so, jetzt wo ich es mir noch einmal ansehe, ist es tatsächlich völlig anders!
Hacker-News-Kommentare
Als jemand, der einem 4-jährigen Kind das Lesen beibringt, stimme ich der Behauptung nicht zu, dass diese Schriftart für Kinder geeignet ist.
Unveröffentlichte Forschungsergebnisse zeigen, dass das Hinzufügen von Rhythmus zum Text das Verständnis von Kindern verbessert.
Im Vergleich zu der Behauptung, dass es Kindern helfen werde, sehe ich keine Belege dafür, dass tatsächlich Forschung betrieben wurde.
Ich weiß nicht viel über Kinder oder Lesebehinderungen, aber die Schriftart sieht gut aus und vermittelt ein Gefühl von "Freundlichkeit".
Man sollte das Scrollen nicht stören; das ist eine unnötige Ablenkung.
Wenn das Scrollen gekapert wird, wird das Lesen sehr schwierig.
Ohne den Namen "Kermit" und das Kinder-Branding hätte es sich einfach wie noch eine weitere Schriftart angefühlt.
Schade, dass Studierenden, die die Euler-Schrift erstellen, ein solcher mathematischer Ansatz nicht angeboten wurde.
Als jemand ohne Lesebehinderung scheint diese Schriftart das Lesen einfacher zu machen.
Ich frage mich, ob man diese Schriftart herunterladen kann.