- Straßenproteste und Aktivismus können zu Belästigung, Festnahmen und Doxxing führen; deshalb sollten Aktivist:innen digitale Sicherheit und die Kontrolle sensibler Informationen als Teil ihrer alltäglichen Vorbereitung behandeln
- Kriterien für die Tool-Auswahl sind, Datensammlung, externe Speicherung und öffentliche Sichtbarkeit zu minimieren; empfohlen werden Signal, BitWarden, DuckDuckGo, Firefox, Jitsi, ProtonMail und ProtonVPN
- Google Maps, Telegram, WhatsApp und Discord sind wegen Standortverfolgung, begrenztem Schutz von Gruppennachrichten und möglicher Herausgabe an Strafverfolgungsbehörden für Aktivist:innen ungeeignet
- Vor und nach Protesten ist operative Sicherheit nötig, etwa OS- und App-Updates, Vorbereitung von Signal, Planung mit Begleitpersonen, kein Facebook-Teilnahmestatus, keine Veröffentlichung von Fotos und das Löschen temporärer Signal-Gruppen
- Smartphones hinterlassen über GPS, Bluetooth, WiFi, UWB und Mobilfunknetze Standort- und Identifikationsspuren; vor Ort sind daher das Abschalten von Funkfunktionen, das Deaktivieren biometrischer Anmeldung, kurze automatische Sperrzeiten und vollständige Festplattenverschlüsselung wichtig
Der Umfang digitaler Sicherheit, den Aktivist:innen brauchen
- Die Tradition des Aktivismus in den USA ist lang, und Straßenproteste sind ein wichtiges Mittel, um Aufmerksamkeit zu schaffen und institutionelle Veränderungen unter Druck zu setzen
- Aktivismus, der bestehende Machtstrukturen herausfordert, bringt ein Risiko der Offenlegung mit sich, und diese Offenlegung kann zu Belästigung, Festnahmen und Doxxing führen
- Persönliche Informationen sind heute leichter zugänglich als früher, und feindselige Gruppen können sie gegen Aktivist:innen einsetzen
- Dieses Dokument konzentriert sich nicht auf allgemeine Protestsicherheit oder alltägliche digitale Sicherheit, sondern auf Informationssicherheit für die besonderen Anforderungen und Risiken von Aktivist:innen
- Strafverfolgungsbehörden können in Zusammenarbeit mit Technologieunternehmen auf Daten zugreifen, die Nutzer:innen für privat halten, und Datenlecks können persönliche Informationen wie Namen offenlegen und so auch den Alltag beeinträchtigen
Empfohlene Tools, die sich sofort umstellen lassen
- Die empfohlenen Tools wurden nach Sicherheit, Privatsphäre, Kosten und Einsteigerfreundlichkeit ausgewählt
- Dienste, zu denen man schnell wechseln kann:
- BitWarden: Passwortmanager zum Speichern starker, eindeutiger Passwörter, kostenlos oder mit Zusatzfunktionen für 1 US-Dollar pro Monat
- DuckDuckGo: Suchmaschine als Alternative zu Google Search, kostenlos
- DuckDuckGo Maps: Karten- und Navigationsdienst als Alternative zu Google Maps, kostenlos
- Firefox: Browser als Alternative zu Chrome, Safari, Internet Explorer und Edge, kostenlos
- Jitsi: Online-Meeting-Tool als Alternative zu Zoom, Google Meet und WebEx, kostenlos
- ProtonMail: E-Mail-Dienst als Alternative zu Gmail, Yahoo und geschäftlicher E-Mail, kostenlos oder mit Zusatzfunktionen für 5 US-Dollar pro Monat
- ProtonVPN: VPN, das verhindert, dass Kabel- oder Mobilfunkanbieter Aktivitäten weitergeben, kostenlos oder mit Zusatzfunktionen für 5/10 US-Dollar pro Monat
- Signal: Messenger als Alternative zu SMS, Facebook Messenger und unsicheren Messengern, kostenlos
- Das Grundprinzip ist, Tools zu vermeiden, die Informationen sammeln, sie an Orten speichern, die Nutzer:innen nicht kontrollieren, oder sie öffentlich sichtbar machen
- Wenn es Tools gibt, auf die man nur schwer verzichten kann, sollte man deren Datenschutzrichtlinien und Schutzmechanismen selbst prüfen
Zu vermeidende Tools und warum
- Google Maps sollte bei der Teilnahme an Protesten vermieden werden
- Google Maps verfolgt Nutzer:innen, und Google speichert Standortverlauf sehr detailliert
- Diese Daten können an Strafverfolgungsbehörden herausgegeben werden und minutengenau sowie auf wenige Fuß genau mit einem bestimmten Protestort, einem bestimmten Bereich vor Ort oder der Nähe zu einer Straftat verknüpft werden
- Alternativen sind Apple Maps und DuckDuckGo Maps; sie verfolgen Nutzer:innen nicht auf dieselbe Weise und versuchen, von Kartenanbietern erhobene Daten zu anonymisieren
- Telegram wird wegen seiner Sicherheitsprobleme in der Vergangenheit und der begrenzten Schutzwirkung bei Gruppennachrichten nicht empfohlen
- Nachrichten zwischen Einzelpersonen unterstützen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Gruppennachrichten jedoch nicht
- Gruppennachrichten können als „spam“ oder „abuse“ gemeldet werden, und der gesamte Inhalt kann von Telegram-Mitarbeitenden und Auftragnehmern geprüft werden
- Diese Daten können an Strafverfolgungsbehörden herausgegeben werden, und die vollständig verschlüsselte Betriebsart ist nicht standardmäßig für alle Gespräche aktiviert
- WhatsApp wird aus ähnlichen Gründen ebenfalls nicht empfohlen; die Alternative ist Signal, das von Anfang an für persönliche Sicherheit entwickelt wurde
- Discord wird in Aktivismus-Communities immer beliebter, ist für Aktivist:innen aber riskant
- Nachrichten und Bilder, die auf Discord-Servern gepostet werden, können auch außerhalb des Servers oder außerhalb von Discord sichtbar sein
- Discord gibt auf Anfrage Daten an Strafverfolgungsbehörden weiter; es gibt zwar eine Benachrichtigungspolitik für Nutzer:innen, doch Benachrichtigungen können gesetzlich ausgeschlossen werden
- Laut Datenschutzrichtlinie kann Discord Nachrichten, Bilder, Verhalten, Geräteinformationen und sogar bestimmte Aktivitäten außerhalb von Discord erfassen
- Auch bei einer Anmeldung unter Pseudonym können Geräte- und Verhaltensdaten ausreichen, um durch Abgleich mit anderen Daten eine Re-Identifizierung zu ermöglichen
- Selbst wenn die Richtlinien zur Datenspeicherung vergleichsweise verbraucherfreundlich sein mögen, ist die Kombination aus Erhebung, Speicherung und Herausgabe für Aktivist:innen ein kaum akzeptables Risiko
Operative Sicherheit vor, während und nach Protesten
- Vor einem Protest sollte man Spuren der Offenlegung reduzieren und die Kommunikation vorbereiten
- In Facebook nicht „Going“ markieren und Details auf dem eigenen Gerät oder auf Papier speichern
- Die Eingabe des Handy-Codes üben und auf iOS Emergency SOS sowie auf Android den Lockdown mode aktivieren und ausprobieren
- Für protestbezogene Internetsuchen DuckDuckGo und private Browsing-Sitzungen verwenden
- Geräte-OS und Apps auf die neuesten Versionen aktualisieren, um Sicherheitskorrekturen einzuspielen
- Ein Signal-Konto anlegen; wenn man die eigene Telefonnummer nicht verwenden möchte, kann man Signal mit einer Google Voice-Nummer registrieren
- Eine befreundete Person suchen, mit der man gemeinsam hingeht, und die Planung über Signal besprechen
- Während eines Protests sollte man einen Plan mit Begleitperson beibehalten
- Sich gemeinsam mit der Protest-Begleitperson bewegen
- Vor dem Aufbruch den Treffpunkt bestätigen und nach dem Treffen einen Ausweichort für den Fall einer Trennung festlegen
- Für die Navigation Apple Maps oder DuckDuckGo Maps verwenden
- Wenn möglich, die Wegbeschreibung schon vor dem Protest ausdrucken
- Apple Maps hat keinen Offline-Modus und funktioniert ohne Internetverbindung nicht
- Nach einem Protest sollte man temporäre Kommunikationsspuren reduzieren
- Die für diesen Protest erstellte Signal-Gruppe verlassen und löschen
- Keine Protestfotos in sozialen Medien posten
Standort- und Identifikationsspuren, die Smartphones hinterlassen
- Smartphones sind praktische Werkzeuge, können für Strafverfolgungsbehörden und andere Akteure aber auch zu leistungsfähigen Tracking-Geräten werden
- Mobiltelefone protokollieren und teilen Standort- und Aktivitätsinformationen mit verschiedenen Diensten; bei der Teilnahme an Protesten hinterlassen diese Funktionen digitale Brotkrumen
- Wenn ein Telefon verloren geht oder von Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmt wird, können die darauf gespeicherten Informationen der Polizei offengelegt werden
- Funkfunktionen, die auf iOS- und Android-Smartphones gemeinsam verwaltet werden sollten:
- GPS: Wird für Karten und standortbasierte Apps verwendet; Standortupdates können an Google, Apple oder App-Anbieter gesendet werden, daher wird empfohlen, Ortungsdienste zu deaktivieren
- Bluetooth, WiFi, UWB: Senden Informationen aus, die das Telefon zur Kommunikation mit Geräten in der Nähe eindeutig identifizieren können; Beacons und Scanner in Geschäften, Behörden oder bei der Polizei können das beobachten
- Mobilfunknetz: Selbst ohne Anrufe, SMS oder Browsing bleibt das Telefon ständig mit Funkmasten verbunden; der Standort kann auf Häuserblock-Niveau bestimmt werden, und Netzbetreiber können dies protokollieren
- Cell-Site-Simulatoren oder IMSI-Catcher wie Stingray verhalten sich wie Mobilfunkmasten und können der Polizei genauere Echtzeitdaten liefern
- Der Flugmodus schaltet Mobilfunk und einige oder alle Funkverbindungen schnell aus, funktioniert aber je nach Gerät unterschiedlich
- Am sichersten ist es, den Flugmodus zu aktivieren und anschließend in den Einstellungen manuell zu prüfen, ob Bluetooth und WiFi tatsächlich ausgeschaltet sind
Schutz vor Zugriff bei Beschlagnahmung oder Verlust
- Während eines Protests kann die Polizei ein Telefon beschlagnahmen und danach versuchen, nach physischem Zugriff Informationen daraus zu extrahieren
- Der Sperrbildschirm ist die erste Verteidigungslinie, doch in Protestsituationen kann biometrische Authentifizierung riskant sein
- Fingerabdruck- und Gesichtserkennung sind im Alltag bequem, aber Strafverfolgungsbehörden können Nutzer:innen dazu bringen, Finger oder Gesicht an das Gerät zu halten
- Während eines Protests sollte man biometrisches Entsperren vermeiden
- Wischmuster, Muster-Sperren und kurze Codes können über Fettspuren auf dem Bildschirm nachvollzogen werden; am sichersten ist die Eingabe eines langen Codes
- Die automatische Sperrzeit sollte so kurz wie möglich eingestellt sein, und das Gerät sollte sich über die Ein/Aus-Taste sofort sperren lassen
- Vollständige Festplattenverschlüsselung speichert alle Informationen auf dem Telefon verschlüsselt, sodass selbst nach dem Ausbau des Speicherchips ohne dieses Gerät und den Entsperrcode nichts lesbar ist
- Auf dem iPhone kann vollständige Festplattenverschlüsselung genutzt werden, wenn ein Sperrcode gesetzt ist
- Unter Android kann man unter Settings → Security → Encrypt Phone prüfen oder aktivieren, ob Verschlüsselung eingeschaltet ist
- Das Aktivieren der Android-Verschlüsselung kann einige Stunden dauern und erfordert möglicherweise ein angeschlossenes Ladegerät
- Geräte, die mit Android 6 oder älter ausgeliefert wurden, unterstützen diese Funktion möglicherweise nicht
iPhone- und Android-Einstellungen
- Auf dem iPhone sollten AirDrop, Ortungsdienste, Funkfunktionen und Sperreinstellungen angepasst werden
- AirDrop unter Settings → General → AirDrop auf Receiving Off setzen
- Location Services unter Settings → Privacy → Location Services ausschalten
- iOS hält den GPS-Empfänger auch im Flugmodus aktiv, wenn Location Services nicht ausgeschaltet werden
- Mit dem Flugmodus WiFi und Mobilfunk deaktivieren, Bluetooth aber zusätzlich separat unter Settings → Bluetooth ausschalten
- Face ID oder Touch ID deaktivieren und Auto-Lock auf 30 Sekunden oder höchstens 1 Minute setzen
- Require Passcode auf Immediately setzen
- Emergency SOS üben, aber die automatische Notruffunktion deaktivieren
- Hält man die Ein/Aus-Taste und eine der Lautstärketasten gedrückt, erscheint der Emergency-SOS-Sperrbildschirm; danach ist biometrisches Login deaktiviert, bis der Code erneut eingegeben wird
- Auf Android sollten Ortungsdienste, Flugmodus und Bildschirmsperre angepasst werden
- Im Benachrichtigungsfeld oder unter Settings → Location „Use location“ ausschalten
- Im Benachrichtigungsfeld oder unter Settings → Network & internet den Airplane mode aktivieren
- Falls nötig, kann man im Flugmodus mobile Daten wieder einschalten
- Es sollte geprüft werden, ob Bluetooth tatsächlich deaktiviert ist; bei verbundenen Bluetooth-Geräten kann Android es weiter eingeschaltet lassen
- Unter Settings → Security → Screen Lock PIN oder Password wählen
- Für Sperrbildschirm-Benachrichtigungen ist „Don’t show any notifications at all“ am sichersten; wenn das zu unpraktisch ist, „Hide sensitive notification content“ wählen
- „Lock after screen timeout“ auf Immediately und „Power button instantly locks“ auf ein setzen
- Smart Lock deaktivieren, da es das Telefon unerwartet entsperrt lassen kann
- Settings → Display → Advanced → Screen timeout auf den kürzestmöglichen Wert setzen
Zusätzliche Risiken von Backups und AirDrop
- Wenn AirDrop eingeschaltet ist, können personenbezogene Identifikationsdaten wie Telefonnummern und E-Mail-Adressen an Geräte in der Nähe durchsickern
- Am Protestort oder in dessen Nähe sollte AirDrop immer ausgeschaltet sein; auch im Alltag empfiehlt es sich, es nur zum Dateiaustausch einzuschalten
- Die standardmäßigen Cloud-Backups von iOS und Android können für Aktivist:innen problematisch sein
- iCloud-Backups sind so verschlüsselt, dass Apple-Mitarbeitende darauf zugreifen können; Fotos, Kontakte und unverschlüsselte Nachrichten können an Strafverfolgungsbehörden herausgegeben werden
- In iCloud-Backups wird auch der Schlüssel zum Entsperren der vollständigen Festplattenverschlüsselung des Telefons gespeichert; Strafverfolgungsbehörden können Apple um die Backup-Daten bitten und damit das gesamte Telefon entsperren
- Für Aktivist:innen kann das Risiko, dass dieser Schlüssel für Strafverfolgungsbehörden zugänglich wird, schwerer wiegen als der Komfort, daher werden iCloud-Backups nicht empfohlen
- Android verwendet Google Drive für Backups und enthält in der Regel keinen Entsperrschlüssel, sichert aber automatisch App-Daten, Anrufdaten, Kontakte, Kalendereinträge, Videos und Fotos
- Seit Android 9 „Pie“ gibt es Ende-zu-Ende-verschlüsselte Backups, die auch Google ohne Nutzerpasswort nicht öffnen kann; sie werden automatisch aktiviert, wenn der Sperrbildschirm durch PIN, Muster oder Passwort geschützt ist
- Cloud-Backups auf Android-Versionen vor Android 9 sollten nicht verwendet werden
Verschlüsselung, Meetings und Passwortverwaltung für die Alltagssicherheit
- Für die Verschlüsselung persönlicher Nachrichten ist Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) erforderlich
- Viele Apps sprechen von „Verschlüsselung“, aber nur einige verschlüsseln tatsächlich durchgehend zwischen dem Gerät der Nutzer:innen und dem der Empfänger:innen
- Ohne Ende-zu-Ende-Eigenschaft werden Kopien der Nachrichten über zentrale Server gespeichert, auf die das anbietende Unternehmen zugreifen kann
- Für Online-Meetings bieten Zoom, Google Meet und Microsoft Teams nicht die Privatsphäre, die Aktivist:innen brauchen; empfohlen wird Jitsi
- Jitsi zeichnet Besprechungsinhalte nicht auf und speichert sie nicht
- Während der Teilnahme angegebene Namen und Daten wie Chat-Inhalte werden beim Ende des Meetings gelöscht
- Die meisten Teilnehmenden benötigen kein Konto
- Nur zum Erstellen eines Meeting-Raums ist ein Konto nötig; man kann sich mit Google-, GitHub- oder Facebook-Konto anmelden
- Für Hosts von Meetings mit erhöhtem Privatsphärebedarf wird empfohlen, ein GitHub-Konto mit einer Wegwerf-E-Mail-Adresse zu erstellen und sich damit bei Jitsi anzumelden
- Meetings können unter meet.jit.si gestartet werden
- Die Grundlagen der Passwortsicherheit bestehen aus drei Punkten
- Überall, wo es angeboten wird, 2FA aktivieren
- Lange, starke Passwörter verwenden, die nicht leicht zu erraten sind
- Mit einem Passwortmanager für jeden Dienst ein einzigartiges Passwort speichern
- 2FA führt beim Login eine zusätzliche Identitätsprüfung durch; als zweiter Faktor können Authenticator-App, E-Mail oder SMS verwendet werden
- Jede Form von 2FA ist deutlich besser als keine, auch wenn sich die Sicherheitsniveaus unterscheiden
- Google Authenticator bietet eine gute Balance aus Komfort und Sicherheit
- Als stärkere Option kann ein physischer Sicherheitsschlüssel wie Yubikey verwendet werden
- Einmalcodes per E-Mail oder SMS sind weniger sicher als die genannten Methoden, aber immer noch besser als gar keine 2FA
- Lange Passwörter sind unabhängig von der Zeichenart schwerer zu knacken
- Ein Passwort mit 8 Zeichen kann von modernen Angriffs-Tools sofort per vollständigem Durchprobieren getestet werden, bei 10 Zeichen kann es schon Stunden dauern
- Empfehlenswert sind lange, leicht merkbare Passphrasen aus mehreren Wörtern
- Mit Diceware lassen sich zufällige, aber merkbare Passphrasen erzeugen
- Diceware-Generator: https://diceware.dmuth.org/
- Ein Passwortmanager funktioniert wie ein persönlicher Tresor und lässt sich nur mit einem Master-Passwort öffnen
- So kann man für jeden Dienst vollständig einzigartige, zufällige Passwörter verwenden
- Selbst wenn ein Dienst kompromittiert wird, verhindert das die Wiederverwendung desselben Passworts bei anderen Diensten
- Das empfohlene Tool ist der Open-Source-Passwortmanager BitWarden
- Bei Sicherheitsfragen ist es besser, statt echter Antworten Codephrasen zu verwenden
- Auf Fragen wie „Welche Schule haben Sie in der 6. Klasse besucht?“ kann man statt des echten Schulnamens etwa die Lieblingszeichentrickfigur aus dieser Zeit angeben, sodass Bekannte es schwerer erraten können
Fotos, soziale Medien und weiteres Lernmaterial
- Man sollte sorgfältig abwägen, mit wem man die eigene Teilnahme an Aktivitäten teilt
- Für protestbezogene Gespräche keine E-Mail verwenden
- Von Zeit zu Zeit den eigenen vollständigen Namen googeln, um zu sehen, welche Informationen auffindbar sind
- Auf Facebook oder anderen Diensten nicht am Protestort „check in“
- Die Polizei erhält Nutzerinformationen häufig per Vorladung von Facebook und anderen Social-Media-Unternehmen
- Keine Fotos von anderen Personen ohne deren Erlaubnis machen
- Wenn man Fotos gemacht hat, diese nicht in sozialen Medien posten
- Bilder enthalten versteckte Informationen wie Aufnahmezeit und Aufnahmeort
- Wenn Fotos oder Videos verschickt werden müssen, dann nur an vertrauenswürdige Personen, über sichere Wege, erst lange nach dem Ende des Protests und nachdem man sich weit vom Ort entfernt hat
- Mit einer Protest-Begleitperson unterwegs sein und über Signal kommunizieren
- In Signal für sensible Gespräche „Disappearing Messages“ aktivieren
- Material zum Weiterlernen:
1 Kommentare
Meinungen auf Hacker News
Proton hat es nicht geschafft, sich aus der Politik herauszuhalten, deshalb zögere ich, es zu empfehlen. Bei Mullvad scheint es keine ähnlichen Fehltritte gegeben zu haben: https://theintercept.com/2025/01/28/proton-mail-andy-yen-tru...
Inzwischen verwenden sie missverständliche Formulierungen wie „privacy by default“; was Proton damit meint, ist, dass sie standardmäßig zwar nicht protokollieren, aber auf Anfrage von Ermittlungsbehörden „gezwungen“ werden können, bestimmte Nutzer zu protokollieren.
Quelle: https://therecord.media/protonmail-forced-to-collect-an-acti...
https://x.com/andyyen/status/1884907496705339544
Wirklich wichtig ist das ohnehin nicht, da ich davon ausgehe, dass hier alle wissen, wie Verschlüsselung funktioniert.
Bei Mainstream-Medien ist das zu erwarten, und persönlich sehe ich es als gute Werbung für Proton.
Weitere Materialien zu diesem Thema:
Activist or Protester? von EFF Surveillance Self Defense https://ssd.eff.org/playlist/activist-or-protester
The Protester's Guide to Smartphone Security von Privacy Guides https://www.privacyguides.org/articles/2025/01/23/activists-...
In anderen Fällen sollte man anarchistische Materialien lesen. Beispiel: https://opsec.riotmedicine.net/downloads#mobile-phone-securi...
Schritt 1: Das eigene Bedrohungsmodell festlegen.
Schritt 2: Erkennen, dass diese Maßnahmen im aktuellen Umfeld für dieses Bedrohungsmodell nicht ausreichen. Das gilt für fast jedes Bedrohungsmodell.
Schritt 3: Allerdings auch erkennen, dass einige dieser Maßnahmen erst recht Aufmerksamkeit auf einen selbst lenken können.
Wenn man sich in einer relativ sicheren Position befindet, kann man Datenschutzpraktiken normalisieren und damit denen Deckung geben, die sie jetzt brauchen; außerdem hilft es einem selbst, falls man sie später einmal braucht.
Übrigens gibt es auch https://qubes-os.org. Das ist mein Alltagsbetriebssystem.
Ich sehe nicht, wie das Deaktivieren biometrischer Authentifizierung Aufmerksamkeit auf einen lenken soll, und ich würde auch gern wissen, warum das als Sicherheitsmaßnahme nicht ausreichen soll.
Einige Leute hier kennen vermutlich schon die Probleme mit solchen Empfehlungen, also gehen wir eine Stufe weiter:
https://www.notrace.how/ / http://i4pd4zpyhrojnyx5l3d2siauy4almteocqow4bp2lqxyocrfy6pry...
https://www.anarsec.guide/
Eines der ersten Dinge, auf die man bei solchen Listen achten kann, ist, ob sie Firefox statt Chrome empfehlen. Ein sehr guter Shibboleth
Rhetorisch wirkt Firefox zwar wie Code, der Aktivisten und Privatsphäre deutlich freundlicher gesinnt ist als Chrome, aber Chrome hat wesentlich ausgefeiltere und besser geprüfte Runtime-Schutzmechanismen
Firefox mag wie die bessere Empfehlung aussehen, ist es aber nicht, wenn das Ziel ist, nicht leicht – also billig – per Exploit ins Visier genommen zu werden
Viel wahrscheinlicher ist, dass ihre Daten als Teil großer Bündel wie Geofencing-Daten an die Regierung weitergegeben oder verkauft werden. Vor diesem Hintergrund würde ich keine Google-Produkte empfehlen
Wenn ein Aktivist tatsächlich gezielt angegriffen wird, sollte er über das Infosec-Einsteigerniveau bereits hinaus sein und am besten keinen der beiden Browser ohne erhebliche zusätzliche Überlegungen und Schutzmaßnahmen verwenden
Respekt an die Heldinnen und Helden im Inneren, aber was war gerade noch mal mit dem Versprechen, KI zu entfernen?
In diesem Zusammenhang frage ich mich auch, ob Chromes Safe Browsing die Sicherheit der Nutzer spürbar verbessert
Da dabei persönliche Daten der Nutzer zum Scannen an Google geschickt werden, muss dieser Trade-off es wert sein
Als Aktivist hat man sicher auch Angst vor Exploits, aber die direktere Bedrohung ist meiner Ansicht nach das Tracking, dem wir wissentlich oder unwissentlich jeden Tag ausgesetzt sind
Sobald ich in der ersten Tabelle sehe, dass VPN statt Tor empfohlen wird, werde ich misstrauisch
https://gist.github.com/joepie91/5a9909939e6ce7d09e29
Ich weiß, dass das rein anekdotisch ist, aber der Punkt ist: Auch Tor ist eindeutig nicht vollkommen. Deshalb frage ich mich, ob es wirklich reicht, dass eines von beiden empfohlen wurde, um den ganzen Text in Zweifel zu ziehen
Ich persönlich glaube nicht, dass die im Artikel vorgeschlagenen Basismaßnahmen wie das Abschalten von Ortungsdiensten gegenüber einem ausgefeilten Gegner wie einem staatlichen Akteur einen Unterschied machen
Moderne Mobiltelefone sind voll mit proprietärer Firmware voller Sicherheitslücken, und wir wissen, dass 0-day-Exploits für Remote Code Execution möglich sind [1]. Das Betriebssystem ist zwar besser, war aber ebenfalls schon Ziel von Remote-Code-Execution-Exploits [2]
Selbst das Ausschalten des Telefons garantiert nicht, dass es still ist. Apples Find-My-Netzwerk funktioniert auch bei ausgeschalteten Geräten. Natürlich kann man diese Funktion deaktivieren, aber solange die Fähigkeit existiert, ausgeschaltete Geräte zu verfolgen, muss man davon ausgehen, dass ein staatlicher Akteur Exploits oder Backdoors hat, um einfache Software-Schalter zu umgehen
Wenn man auf einer Beobachtungsliste steht, sollte man davon ausgehen, dass alles, was man auf dem Telefon tut, in Datenbanken von Strafverfolgungs- oder Geheimdienstbehörden landet
[1] https://googleprojectzero.blogspot.com/2023/03/multiple-inte...
[2] https://en.m.wikipedia.org/wiki/Pegasus_(spyware)
Wenn man echte Sicherheit will, braucht man mindestens zwei Geräte. Eines davon nutzt man etwa ausschließlich als Hotspot
Der Großteil dieses Threads verfehlt den Kern völlig
Es ist absurd, das zu ignorieren, obwohl man viel eher vom ganz normalen Polizisten Jim Bob festgenommen wird als von einem supergeheimen staatlichen Akteur
Edit: Mein Wissen ist definitiv veraltet
Diese Seite soll vor ein paar Wochen zuletzt aktualisiert worden sein, aber die Empfehlung gegen iCloud-Backups scheint auffällige Fehler und Auslassungen zu enthalten
„Der Schlüssel, der die vollständige Festplattenverschlüsselung des Telefons aufhebt, wird ebenfalls im iCloud-Backup gespeichert. Aufgrund dieser Architektur können Strafverfolgungsbehörden Backup-Daten von Apple anfordern und mit diesem Schlüssel das gesamte Telefon entsperren. Außerdem bietet das den Komfort, dass Apple das Gerät wiederherstellen kann, wenn der Nutzer seinen Sperrcode vergessen hat.“
Das stimmt nicht. Selbst wenn es stimmen würde, sollte man Aktivisten in jedem Fall raten, Advanced Data Protection zu aktivieren. Dann ist fast alles außer iCloud Mail, Kontakten und Kalendern, einschließlich iCloud-Backups des Telefons, Ende-zu-Ende-verschlüsselt
Wenn Advanced Data Protection aktiviert ist, kann Apple nicht auf die Daten zugreifen und bei keiner Wiederherstellung helfen. Es liegt in der Verantwortung des Nutzers, Wiederherstellungskontakte und einen Wiederherstellungsschlüssel einzurichten und sicher aufzubewahren
Ich frage mich, ob es wirklich stimmt, dass Behörden wegen iCloud-Backups sogar ein physisches Gerät entsperren können. Das passt nicht zu meinem Verständnis von Apples Implementierung des Circle of Trust
Ich verstehe, dass Backups potenziell kompromittiert werden können und dass man mit einem Backup im Grunde die meisten Daten hat, die auf dem Telefon wären. Aber ich würde gern mehr darüber erfahren, wie eine Backup-Kopie über iCloud ein physisches Gerät kompromittieren kann
Wie viel kostet derzeit auf dem Graumarkt ein Firefox-0-day im Vergleich zu einem Chrome-0-day inklusive Sandbox-Escape?
[1] https://opzero.ru/en/prices/
[2] https://www.crowdfense.com/exploit-acquisition-program/