3 Punkte von xguru 2025-02-03 | 2 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • US-Präsident Donald Trump sagte bei seiner Amtseinführung, er wolle den Namen des „Gulf of Mexico“ in „Gulf of America“ ändern
  • Abgesehen von der politischen Dimension wurde gefragt, wie so etwas überhaupt umgesetzt werden könnte und wie OpenStreetMap solche Quellen auswählt; dazu läuft in der OSM-Community eine entsprechende Diskussion
  • Nachdem einige Mitwirkende bereits versucht hatten, „Gulf of Mexico“ in OSM zu „Gulf of America“ zu ändern, wurden verschiedene Ansichten zu passenden Tags und zum Zeitpunkt der Anwendung geäußert
  • Da die Namensänderung bislang nicht offiziell übernommen wurde, plädiert die Mehrheit der OSM-Mitwirkenden weiterhin dafür, „Gulf of Mexico“ als Standardbezeichnung beizubehalten

Hintergrund der Namensänderung

  • Trump kündigte zu Beginn seiner neuen Amtszeit per Executive Order an, „Gulf of Mexico“ künftig „Gulf of America“ zu nennen
  • Diese Umbenennung dürfte sich allerdings eher auf das Meeresgebiet innerhalb der US-Zuständigkeit über den Kontinentalschelf beziehen als auf das gesamte internationale Gewässer
  • Damit die Anordnung tatsächlich wirksam wird, müssten jedoch das US Board on Geographic Names und zuständige Regierungsbehörden die Änderung formell genehmigen und aktualisieren

Internationale Organisationen und Standards für geografische Namen

  • Die UNGEGN (UN Group of Experts on Geographical Names) ist keine Stelle, die einzelne Ortsnamen festlegt, sondern empfiehlt und unterstützt Standardisierungsprozesse
  • Tatsächliche völkerrechtliche Autorität wird eher Organisationen wie der International Hydrographic Organization zugeschrieben
  • Das von der IHO herausgegebene Dokument „Limits of Oceans and Seas“ wurde seit der Ausgabe von 1953 nicht mehr aktualisiert und ist daher schwer auf heutige Verhältnisse anwendbar
  • Es wird darauf hingewiesen, dass Konflikte zwischen Staaten über Bezeichnungen die Aktualisierung internationaler Standards blockieren

Zentrale Streitpunkte in OSM

  • Beibehaltung des name-Tags

    • Nach den OSM-Regeln steht name=* in der Regel für die am weitesten verbreitete oder lokal gebräuchliche Bezeichnung
    • Da im englischsprachigen Raum und international weiterhin üblicherweise „Gulf of Mexico“ verwendet wird, meint die Mehrheit, dass name vor einer offiziellen Änderung kaum angepasst werden sollte
  • Möglichkeiten mit verschiedenen Tags

    • Vorgeschlagen wurde, einen alternativen Namen wie alt_name:en-US=Gulf of America zu setzen, um eine speziell in den USA verwendete englische Bezeichnung abzubilden
    • Falls eine „offizielle Genehmigung“ tatsächlich erfolgt, könnte dies nach Ansicht einiger auch mit official_name:en-US oder anderen erweiterten Tags klar gekennzeichnet werden
    • Da diese Änderung möglicherweise nur durch interne Verfahren der US-Regierung und nicht durch internationale Anerkennung zustande käme, wird auch über die Verwendung von nat_name diskutiert
  • Regeln für Sprach- und Ländercodes

    • Obwohl es im Englischen viele Varianten gibt, wird oft nur name:en verwendet
    • In diesem Fall wurde vorgeschlagen, mit einem Ländercode wie en-US klar zwischen dem von der US-Regierung verwendeten englischen Namen und anderen Varianten zu unterscheiden
    • Eine noch feinere Unterteilung über den BCP-47-Standard (z. B. name:en-u-sd-usak) wäre ebenfalls möglich, allerdings unterstützen die meisten Renderer das möglicherweise nicht korrekt
  • Mögliche Umbenennung nur für Teilgebiete

    • Es gibt auch die Auslegung, dass die Executive Order nur innerhalb der „Grenzen des US-Kontinentalschelfs“ gelten könnte
    • Falls das Gebiet tatsächlich getrennt behandelt würde, könnte man „Gulf of Mexico“ und „Gulf of America“ als getrennte geografische Objekte erfassen
    • Da es jedoch bislang weder konkrete Kartendaten von Behörden noch ein GNIS-Update gibt, gilt eine vorschnelle Aufteilung per Tags als schwierig

Vergleich mit anderen Fällen

  • Schon bei der Umbenennung von „Mount McKinley“ in „Denali“ hatte es Verwirrung gegeben, weil die Positionen der US-Bundesregierung und des Bundesstaats Alaska voneinander abwichen
  • Bei Namensstreitigkeiten wie „Gulf of California (Sea of Cortez)“ oder „Persian Gulf (Arabian Gulf)“ hat OSM meist die bestehende internationale bzw. übliche Bezeichnung beibehalten und alternative Namen über alt_name oder ähnliche Tags ergänzt
  • An historischen Beispielen wie „Freedom Fries“ wird deutlich, dass politisch stark aufgeladene Umbenennungen mit der Zeit auch wieder an Verbreitung verlieren können
    • Wikipedia-Referenz: In den USA wurde aus politischen Gründen der Name von Pommes frites (englisch: French Fries) geändert, nachdem Frankreich sich gegen den Irakkrieg gestellt hatte. Der Begriff entstand erstmals im Februar 2003 in einem Restaurant in North Carolina und wurde einen Monat später weithin bekannt, als Bob Ney, damals republikanischer Vorsitzender des Committee on House Administration im US-Repräsentantenhaus, die Bezeichnung auf den Speisekarten von drei Kantinen des Kongresses ändern ließ. Mit sinkender Unterstützung für den Irakkrieg verlor der Begriff an Popularität. Nachdem Bob Ney 2006 als Ausschussvorsitzender zurücktrat, wurden die Speisekarten in den Kongresskantinen wieder auf French Fries zurückgestellt.

Politischer Hintergrund und die Abwägungen der Plattformen

  • Sollte die Bezeichnung in den USA tatsächlich offiziell werden, müssten Kartendienste wie Apple oder Google zwangsläufig abwägen, ob sie das übernehmen
  • Im spanischsprachigen Raum bezeichnet „América“ den gesamten amerikanischen Kontinent, weshalb die Umbenennung zusätzliche kulturelle Verwirrung auslöst
  • Auch Medien und öffentliche Einrichtungen wie Forschungsstellen unter dem Dach der Library of Congress (CRS) analysieren derzeit die Auswirkungen dieser Executive Order
  • Manche schlagen andere historisch begründete Namen wie „Gulf of Florida“ vor, doch realistisch gelten diese derzeit als wenig wahrscheinlich
  • Google Maps hat bislang keine klare Position bezogen, und auch Apple Maps scheint bis zu offiziellen Aktualisierungen durch Regierungsstellen abzuwarten

Vorläufiges Fazit der Community

  • Der aktuelle Versuch, den „Gulf of Mexico“ umzubenennen, ist stark politisch motiviert und bringt sowohl die Open-Source-Karten-Community als auch internationale Standardisierungsgremien in eine schwierige Lage
    • Bei geografischen Namen müssen Unterschiede zwischen Ländern und Sprachen berücksichtigt werden, während die Rollen internationaler Organisationen und geografischer Fachinstitutionen nicht klar abgegrenzt sind, was die Verwirrung noch verstärkt
  • Da die Namensänderung bislang nicht in offizielle Regierungsdokumente (insbesondere des US Board on Geographic Names oder GNIS) übernommen wurde und auch der Zeitpunkt unklar ist, verdichtet sich in OSM die Meinung, vorerst bei „Gulf of Mexico“ zu bleiben
  • Sollte die Bundesregierung das Verfahren abschließen und „Gulf of America“ offiziell im GNIS eintragen, könnte dies etwa über official_name:en-US dokumentiert werden
  • Anstatt die gesamte Bucht einseitig umzubenennen, überwiegt die Haltung des „Wait and See“: Man will erst das Ergebnis der Verwaltungsverfahren und die internationale tatsächliche Nutzung abwarten
  • In diesem Prozess bekräftigt OSM eher seine Grundsätze zur Verschlagwortung von Namen, bei denen ein Gleichgewicht zwischen „lokalem Gebrauch“ und „offiziellen Daten“ gesucht wird, statt politische Konflikte selbst zu lösen
  • Insgesamt überwiegt die Einschätzung, dass „Gulf of America“ eher nicht in großem Stil auf Karten Einzug halten wird und das Interesse an der Executive Order auch wieder nachlassen oder die Sache auf Eis gelegt werden könnte

2 Kommentare

 
tujuc 2025-02-03

Hm … wird das vielleicht eine ähnliche Konstellation wie beim Ostmeer/Japanischen Meer …?
Ich frage mich, wie sie es jetzt wohl beschriften werden … hm …

 
unsure4000 2025-02-04

Ich vermute, Dienste wie Google Maps werden sich wohl nach der Meinung der Großmächte richten – so wie beim Ostmeer, das vor dem Hineinzoomen oft nur als Japanisches Meer angezeigt wird.