Terence Tao: Ein Paper wurde abgelehnt
(mathstodon.xyz)-
Heute wurde ein Paper von einem Journal abgelehnt. In dem Schreiben wurde angegeben, dass die Arbeit zwar interessant sei, aber nicht gut zum Profil der Zeitschrift passe.
-
Ich stimme im Wesentlichen der Einschätzung des Journals zu und habe den Beitrag jetzt bei einem geeigneteren Journal eingereicht.
-
Ablehnung ist häufig:
- Eine Ablehnung ist ein normaler Bestandteil des Forschungsprozesses; persönlich erlebe ich das etwa ein- bis zweimal pro Jahr.
- Wenn ich diese Tatsache Studenten und Kollegen erzähle, reagieren viele überrascht.
- In unserem Bereich wird vor allem über Erfolge wie Veröffentlichungen oder Ergebnispräsentationen berichtet, während Misserfolge kaum geteilt werden.
- Diese Tendenz kann den Eindruck erwecken, dass alle Kolleginnen und Kollegen nur Erfolgsgeschichten hätten oder nur kontroverse Fälle hätten – und dass offenbar nur die eigenen Misserfolge auffallen.
-
Mögliche Ursache des Impostor-Syndroms:
- Eine solche Berichtsverzerrung und der Mangel an geteilten Fehlschlägen könnten eine Ursache des Impostor-Syndroms sein.
- Misserfolge werden in der Regel nur dann sichtbar, wenn sie Kontroversen auslösen.
- Das Teilen von Fehlschlägen kann helfen, ein realistischeres Bild zu vermitteln.
-
Frühere Zurückweisungen:
- In einem Papier lösten wir mit einem Koautor eine bestimmte Vermutung (Conjecture) fast vollständig, aber es gab einen "Epsilon-Verlust" in einer Schlüsselvariable.
- Wir reichten es bei einem renommierten Journal ein, doch es wurde abgelehnt, weil die Vermutung nicht vollständig gelöst war.
- Danach reichte ich es bei einem anderen Journal ein, und das Paper wurde veröffentlicht.
- Im Folgejahr reichten wir ein Paper ein, das dieselbe Vermutung ohne Epsilon-Verlust vollständig löste, erneut bei einem renommierten Journal.
- Diesmal wurde es abgelehnt, weil es nur eine "Epsilon-Verbesserung" gegenüber früheren Arbeiten darstellte.
- Auch dieses Paper wurde schließlich in einem anderen Journal veröffentlicht.
-
Lehre und Haltung:
- Eine Ablehnung sollte nicht persönlich genommen werden; wichtiger ist es, die Arbeit zu überarbeiten und bei einem anderen Journal erneut einzureichen.
- Als Herausgeber musste ich auch bereits gute Paper aus verschiedenen Gründen ablehnen und nehme daher Absagen aus einer objektiveren Perspektive an.
- Die vom Journal angesprochenen Punkte zu prüfen, zu korrigieren und dann zur nächsten Zeitschrift überzugehen, gehört zum Forschungsprozess.
1 Kommentare
Hacker News Kommentar
Ein Forscher berichtete von der Erfahrung, dass er eine frühere Arbeit bei einem renommierten Journal eingereicht, aber abgelehnt hatte; nach erneuter Einreichung bei einem anderen Journal wurde sie akzeptiert. Im Folgejahr reichte er einen vollständigen Beweis ein, der diesmal abgelehnt wurde, weil die Verbesserung als zu gering angesehen wurde.
Ein 2005 abgelehnter Paper, der den RSA-Algorithmus betraf und wegen seines CPU-Architektur-Ansatzes zurückgewiesen wurde, ist inzwischen 971 Mal zitiert.
Papierablehnungen sind in der Forschung völlig normal und können dabei helfen, mit dem Imposter-Syndrom umzugehen. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass Forschende nicht grundlegend anders sind als andere Menschen.
In der Promotionsphase können Paper-Rejections besonders hart sein; das liegt häufig am Zeitdruck und den hohen Erwartungen. Dieses System sollte verbessert werden.
Adam Grant berichtet, dass seine Arbeit von einem Gutachter abgelehnt wurde, der seinen Namen nicht kannte.
Es wirkt erfrischend, wenn Forschende über ihre Misserfolge sprechen. Wissenschaft besteht aus negativen Ergebnissen, Fehlern und Ablehnungen.
Auch ein berühmter Mathematiker wie Terence Tao kann eine Arbeit abgelehnt bekommen. Das kann besonders neuen Forschenden Mut machen.
Wird eine Arbeit mit einem bekannten Namen eingereicht, sinkt die Chance auf eine Ablehnung; ein bekannter Name kann die wahrgenommene Relevanz des Themas erhöhen.
Eine Nicht-Null-Fehlerquote kann optimal sein. Sie hilft, den optimalen Punkt für verschiedene Kennzahlen zu finden. Aber angesichts der Arbeit, die in der wissenschaftlichen Veröffentlichung steckt, sollte die Ablehnungsquote niedrig bleiben.
Dank des Internets lassen sich Forschungen auch ohne Verlag publizieren. Ein Selbstveröffentlichungs-Blog kann dabei am häufigsten gelesen werden.
In der akademischen Publikationswelt sollten die Bedeutung eines Papers und der Ruf des Journals übereinstimmen. Oft ist das aber nicht der Fall, und genau dann kommt es zu Ablehnungen.
Durch den Austausch in der Musik-Community habe ich die Herausforderungen anderer Musiker kennengelernt. Das hat mir geholfen, die eigene Leistung realistischer einzuschätzen.