1 Punkte von GN⁺ 2025-01-02 | 1 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Heute wurde ein Paper von einem Journal abgelehnt. In dem Schreiben wurde angegeben, dass die Arbeit zwar interessant sei, aber nicht gut zum Profil der Zeitschrift passe.

  • Ich stimme im Wesentlichen der Einschätzung des Journals zu und habe den Beitrag jetzt bei einem geeigneteren Journal eingereicht.

  • Ablehnung ist häufig:

    • Eine Ablehnung ist ein normaler Bestandteil des Forschungsprozesses; persönlich erlebe ich das etwa ein- bis zweimal pro Jahr.
    • Wenn ich diese Tatsache Studenten und Kollegen erzähle, reagieren viele überrascht.
    • In unserem Bereich wird vor allem über Erfolge wie Veröffentlichungen oder Ergebnispräsentationen berichtet, während Misserfolge kaum geteilt werden.
    • Diese Tendenz kann den Eindruck erwecken, dass alle Kolleginnen und Kollegen nur Erfolgsgeschichten hätten oder nur kontroverse Fälle hätten – und dass offenbar nur die eigenen Misserfolge auffallen.
  • Mögliche Ursache des Impostor-Syndroms:

    • Eine solche Berichtsverzerrung und der Mangel an geteilten Fehlschlägen könnten eine Ursache des Impostor-Syndroms sein.
    • Misserfolge werden in der Regel nur dann sichtbar, wenn sie Kontroversen auslösen.
    • Das Teilen von Fehlschlägen kann helfen, ein realistischeres Bild zu vermitteln.
  • Frühere Zurückweisungen:

    • In einem Papier lösten wir mit einem Koautor eine bestimmte Vermutung (Conjecture) fast vollständig, aber es gab einen "Epsilon-Verlust" in einer Schlüsselvariable.
    • Wir reichten es bei einem renommierten Journal ein, doch es wurde abgelehnt, weil die Vermutung nicht vollständig gelöst war.
    • Danach reichte ich es bei einem anderen Journal ein, und das Paper wurde veröffentlicht.
    • Im Folgejahr reichten wir ein Paper ein, das dieselbe Vermutung ohne Epsilon-Verlust vollständig löste, erneut bei einem renommierten Journal.
    • Diesmal wurde es abgelehnt, weil es nur eine "Epsilon-Verbesserung" gegenüber früheren Arbeiten darstellte.
    • Auch dieses Paper wurde schließlich in einem anderen Journal veröffentlicht.
  • Lehre und Haltung:

    • Eine Ablehnung sollte nicht persönlich genommen werden; wichtiger ist es, die Arbeit zu überarbeiten und bei einem anderen Journal erneut einzureichen.
    • Als Herausgeber musste ich auch bereits gute Paper aus verschiedenen Gründen ablehnen und nehme daher Absagen aus einer objektiveren Perspektive an.
    • Die vom Journal angesprochenen Punkte zu prüfen, zu korrigieren und dann zur nächsten Zeitschrift überzugehen, gehört zum Forschungsprozess.

1 Kommentare

 
GN⁺ 2025-01-02
Hacker News Kommentar
  • Ein Forscher berichtete von der Erfahrung, dass er eine frühere Arbeit bei einem renommierten Journal eingereicht, aber abgelehnt hatte; nach erneuter Einreichung bei einem anderen Journal wurde sie akzeptiert. Im Folgejahr reichte er einen vollständigen Beweis ein, der diesmal abgelehnt wurde, weil die Verbesserung als zu gering angesehen wurde.

  • Ein 2005 abgelehnter Paper, der den RSA-Algorithmus betraf und wegen seines CPU-Architektur-Ansatzes zurückgewiesen wurde, ist inzwischen 971 Mal zitiert.

  • Papierablehnungen sind in der Forschung völlig normal und können dabei helfen, mit dem Imposter-Syndrom umzugehen. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass Forschende nicht grundlegend anders sind als andere Menschen.

  • In der Promotionsphase können Paper-Rejections besonders hart sein; das liegt häufig am Zeitdruck und den hohen Erwartungen. Dieses System sollte verbessert werden.

  • Adam Grant berichtet, dass seine Arbeit von einem Gutachter abgelehnt wurde, der seinen Namen nicht kannte.

  • Es wirkt erfrischend, wenn Forschende über ihre Misserfolge sprechen. Wissenschaft besteht aus negativen Ergebnissen, Fehlern und Ablehnungen.

  • Auch ein berühmter Mathematiker wie Terence Tao kann eine Arbeit abgelehnt bekommen. Das kann besonders neuen Forschenden Mut machen.

  • Wird eine Arbeit mit einem bekannten Namen eingereicht, sinkt die Chance auf eine Ablehnung; ein bekannter Name kann die wahrgenommene Relevanz des Themas erhöhen.

  • Eine Nicht-Null-Fehlerquote kann optimal sein. Sie hilft, den optimalen Punkt für verschiedene Kennzahlen zu finden. Aber angesichts der Arbeit, die in der wissenschaftlichen Veröffentlichung steckt, sollte die Ablehnungsquote niedrig bleiben.

  • Dank des Internets lassen sich Forschungen auch ohne Verlag publizieren. Ein Selbstveröffentlichungs-Blog kann dabei am häufigsten gelesen werden.

  • In der akademischen Publikationswelt sollten die Bedeutung eines Papers und der Ruf des Journals übereinstimmen. Oft ist das aber nicht der Fall, und genau dann kommt es zu Ablehnungen.

  • Durch den Austausch in der Musik-Community habe ich die Herausforderungen anderer Musiker kennengelernt. Das hat mir geholfen, die eigene Leistung realistischer einzuschätzen.