- Laut einer Analyse von Euclid VC befinden sich alle Branchen in einer frühen Phase des Übergangs zu maßgeschneiderter Software; insbesondere LLMs (Large Language Models) und Innovationen bei Geschäftsmodellen wirken dabei als wichtige Treiber.
- Vorgestellt werden die Expansion des SaaS-Modells und neue Modelle zur Wertschöpfung im Bereich Vertical Software.
Grenzen des bestehenden vertikalen SaaS-Modells
- Frühes vertikales SaaS war ein Modell, das Cloud-Apps erfolgreich auf bestimmte Branchen zugeschnitten hat (z. B. Autodesk, Appfolio, Veeva).
- Das sitzplatzbasierte SaaS-Abonnementmodell ist jedoch nicht für alle Branchen geeignet.
- Die zentralen Grenzen von SaaS ergeben sich aus der Zahl der Kundensitzplätze und den Gebühren pro Sitzplatz; Beschränkungen im IT-Budget wirken dabei als Wachstumshemmnis.
- Es braucht neue Geschäftsmodelle und branchenspezifische Erlösmodelle.
Der Aufstieg hybrider Geschäftsmodelle
- Um die Grenzen des bestehenden SaaS-Modells zu überwinden, entstehen hybride Modelle.
- Hybride Modelle zielen neben Software-Umsätzen auch auf Ausgabenbereiche außerhalb von Software ab (Logistik, Marketing, Zahlungen, Finanzdienstleistungen usw.).
- Beispiele:
- Toast, Flexport und ServiceTitan waren erfolgreich, indem sie Software mit Fintech-Modellen kombinierten.
- Hybride Modelle erweitern den TAM (Total Addressable Market) und schaffen neue Chancen für Wachstum im Venture-Maßstab.
Das Aufkommen von Synthetic Roll-Ups
- Synthetic Roll-Up: ein neues Modell, das bestehende Geschäftsabläufe umfassend unterstützt und als Wachstumspartner fungiert.
- Es unterscheidet sich vom SaaS-Modell und ist so aufgebaut, dass ein Teil der Erlöse abgeschöpft wird.
- Beispiel: Slice unterstützt in der Pizzabranche die Gewinnung neuer Kunden und bietet durch gebündelte Verhandlungsmacht Vorteile bei der Kostensenkung.
- Wesentliche Merkmale:
- Es beseitigt branchenspezifische Wachstumsbeschränkungen.
- Es vergrößert den TAM durch Skaleneffekte.
Erfolgsbeispiele für Synthetic Roll-Ups
- Geschäftsaufbau:
- Moxie, Grow und Rula stellen unabhängigen Fachkräften Business-Support und Marketing-Tools bereit.
- Fora unterstützt Travel-Influencer dabei, als lizenzierte Reiseagenten tätig zu werden.
- Marketing-Services:
- Broadlume und Slice bieten Services zur Stärkung der Online-Präsenz kleiner Unternehmen.
- Sales-Unterstützung:
- Roofr erhöht durch automatisierte Vermessung und Angebotserstellung die Chancen auf Kundengewinnung.
- EvenUp bietet einen Service zur Automatisierung der Erstellung von Demand Letters, um die Umsätze von Kanzleien für Personenschadensrecht zu steigern.
- Business Operations:
- Dandy unterstützt mit digitaler Scan-Technologie Umsatzsteigerungen in Zahnarztpraxen und bessere Behandlungsergebnisse für Patienten.
- Cents unterstützt das Wachstum von Unternehmen in der Wäscherei- und Textilreinigungsbranche.
- Zahlungen und Finanzen:
- Toast bietet POS-Systeme für Restaurants, Dutchie POS-Systeme für Dispensaries.
- Flex hilft Immobilienverwaltern mit einer Mietzahlungslösung dabei, pünktige Zahlungen zu erhalten.
5. Strategie und Skalierbarkeit von Synthetic Roll-Ups
- Über Kundenaggregation wird frühe Nachfrage gesichert und die Verhandlungsmacht gestärkt.
- Durch Umsatzsteigerungen und Kostensenkungen auf Kundenseite lässt sich ein hoher Share of Wallet erreichen.
- Erfolgreiche Synthetic-Roll-Up-Modelle können 10 % bis 30 % der Kundenerlöse als eigene Erlöse generieren.
- Das bietet deutlich höhere Ertragschancen als traditionelle SaaS-Modelle und erhöht das Potenzial für TAM-Erweiterung und Wachstum im Venture-Maßstab.
Synergien mit AI-Technologie
- Auf LLMs basierende AI-Technologien eröffnen neue Umsatzchancen und werden insbesondere in den Bereichen Sales-Unterstützung und Business Operations aktiv eingesetzt.
- AI-Technologien analysieren Sprach- und Textdaten, extrahieren wichtige Informationen und ermöglichen dadurch den Eintritt in neue Märkte.
- Synthetic-Roll-Up-Modelle in Kombination mit AI dürften auch in Märkten mit Kostenrestriktionen schnell Akzeptanz finden.
Ausblick und Strategie
- Grundstrategie des Synthetic-Roll-Up-Modells:
- Probleme lösen, die Umsatzwachstum begrenzen.
- Durch einfache Einführung die Kundenaggregation ausweiten.
- Sich zu einer All-in-one-Lösung für vertikale Branchen entwickeln, den Umsatz pro Kunde maximieren und das Momentum verstärken.
- Ausblick:
- Anwendungsebenen-Plattformen in Verbindung mit AI werden voraussichtlich in noch breiteren Märkten wettbewerbsfähig sein.
- Durch die Beteiligung nicht nur an Umsatzsteigerungen, sondern auch an Kostensenkungen der Kunden kann langfristig eine starke Marktposition aufgebaut werden.
1 Kommentare
Aber als Nebenprojekt dürfte etwas Vertikales schon in Ordnung sein, weil der Skalierungsumfang kleiner ist, oder?