7 Punkte von spp00 2024-08-19 | 2 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Oft heißt es, zur Lösung des Problems der Netznutzungsgebühren sei eine gesetzliche Verankerung der Netzneutralität nötig. Dass koreanische Telekommunikationsanbieter die Netzneutralität nicht einhalten, stimmt zwar tatsächlich (etwa im Fall von Voice Talk), und insofern ist eine gesetzliche Regelung der Netzneutralität sinnvoll. Sie kann jedoch keine Lösung für das Problem der Netznutzungsgebühren sein.
  • Netzneutralität bedeutet, dass alle Netzbetreiber und Regierungen sämtliche im Internet vorhandenen Daten gleich behandeln und keinerlei Diskriminierung nach Nutzer, Plattform, Gerät oder Übertragungsart vornehmen dürfen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Settlement-Free Peering vorgeschrieben ist. Telekommunikationsanbieter können einwenden, dass die Netzneutralität auch dann gewahrt sei, wenn alle gleichermaßen Paid Peering betreiben. Selbst wenn Netzneutralität gesetzlich verankert wird, ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass ein Gericht dieses Argument akzeptiert.
  • Vielleicht wegen „Wie wurde das Portal so zusammengestaucht?“ (im Originaltext wird dies mit diesem Meme ausgedrückt, und auch beim Zitieren von „Wie wurde das Portal so zusammengestaucht?“ wurde dieses Meme verwendet) setzen nicht nur Laien, sondern sogar viele IT-Interessierte das Prinzip des Settlement-Free Peering mit Netzneutralität gleich.
  • Leitungen kostenlos zu verbinden entspricht dem Bill-and-Keep-Prinzip, also dem Prinzip des Settlement-Free Peering. Auch wenn Leitungen kostenpflichtig verbunden werden, ist es nicht grundsätzlich unmöglich, das Prinzip der Netzneutralität einzuhalten. Falls sich Paid Peering weltweit jedoch flächendeckend durchsetzt, besteht die Sorge, dass Telekommunikationsanbieter Pakete je nach Höhe der Entgelte diskriminieren könnten. Deshalb setzen sich US-CPs wie Google mit Nachdruck für die Wahrung des Settlement-Free-Prinzips ein.
  • Zur Einordnung: Wenn gesagt wird, dass Portale mit eigenen Rechenzentren in den USA nur minimale Kosten für die Aufrechterhaltung des Netzes zahlen, sind damit genauer gesagt Dienste mit eigenem AS, also eigenem autonomen System, gemeint. Allerdings verfügen US-Unternehmen mit Rechenzentren in den USA fast immer über ein eigenes AS, weshalb in „Wie wurde das Portal so zusammengestaucht?“ der Einfachheit halber wohl von Rechenzentren gesprochen wurde.
  • Um das Problem der Netznutzungsgebühren in Korea zu lösen, muss Settlement-Free Peering gesetzlich geregelt werden. Auch die gesetzliche Verankerung der Netzneutralität ist wichtig, doch aus Sicht der Lösung des Problems der Netznutzungsgebühren ist eine gesetzliche Regelung für Settlement-Free Peering noch wichtiger. Der Grund, warum die in Korea pauschal als Netznutzungsgebühr bezeichneten Transitkosten (transit fee) bzw. Datenübertragungskosten (data transfer fee) hoch sind, liegt darin, dass selbst zwischen Telekommunikationsanbietern kein Settlement-Free Peering stattfindet. Deshalb ist die gesetzliche Regelung von Settlement-Free Peering umso wichtiger.
  • Außerdem müssen das veraltete Telekommunikationsnetzgesetz (genauer gesagt die ergänzende Verwaltungsvorschrift in Form einer Bekanntmachung des Ministeriums für Wissenschaft und ICT) sowie das Informations- und Kommunikationsnetzgesetz reformiert werden. Die aktuelle Bekanntmachung des Ministeriums definiert CPs trotz des Zeitalters, in dem CPs eigene AS aufbauen, schlicht als Nutzer in einer Beziehung zu ISPs.
    • In der Bekanntmachung des Ministeriums mit dem Titel „Telekommunikationsdienste, die keine Basis-Telekommunikationsdienste sind“ heißt es, es handele sich um Telekommunikationsdienste, die unter Nutzung von Basis-Telekommunikationsdiensten elektronische Signale wie Sprache, Daten oder Video senden oder empfangen, ohne deren Inhalt oder Form zu verändern.
      • Einer der Gründe, warum Netflix in der ersten Instanz gegen SKB verlor, war genau diese zuvor genannte Bekanntmachung des Ministeriums. SKB behauptete auf dieser Grundlage, Netflix sei trotz einer Peering-Beziehung ihr Nutzer, und weil das Gesetz so formuliert ist, wurde dies auch vor Gericht akzeptiert.
    • Auch im Informations- und Kommunikationsnetzgesetz gibt es eine ähnliche Regelung.
  • Mit anderen Worten: Um das Problem der Netznutzungsgebühren zu beseitigen, müssen auch die veralteten Gesetze geändert werden, die CPs einfach als Nutzer von Telekommunikationsanbietern betrachten. Früher wurden die Server von CPs in das AS des Telekommunikationsanbieters eingebettet, inzwischen gibt es jedoch auch CPs, die ein vom Telekommunikationsanbieter unabhängiges AS betreiben, etwa Google.
  • Zusammengefasst: Um das Problem der Netznutzungsgebühren zu lösen, braucht es sowohl eine gesetzliche Regelung für Settlement-Free Peering als auch eine Korrektur der im Gesetz festgeschriebenen veralteten Definition von CPs. Die gesetzliche Verankerung der Netzneutralität ist ebenfalls wichtig, könnte aber überraschenderweise bei der Lösung des Problems der Netznutzungsgebühren kaum helfen.

2 Kommentare

 
sunrabbit 2024-08-20

Info) Abgesehen davon gibt es im Parlament kaum jemanden, der darüber sprechen würde, und weit mehr als die Hälfte versteht es nicht.
Verdammt

 
savvykang 2024-08-21

Die im Originalbeitrag vertretene Argumentation und die Gesetzgebung entwickeln sich offenbar in unterschiedliche Richtungen. Jemand spricht das Thema zwar an, aber die Stoßrichtung scheint eine andere zu sein.
https://m.etnews.com/20240809000203