- Gegen Meta läuft derzeit eine Sammelklage, und laut Gerichtsunterlagen könnte das Unternehmen gegen den Wiretap Act verstoßen haben.
- Dieser Beitrag basiert auf Gerichtsunterlagen und einer Reverse-Engineering-Analyse der App Onavo Protect.
- Facebook nutzte einen MITM-Angriff, um den verschlüsselten HTTPS-Traffic der Nutzer abzufangen, und bezeichnete dies als "ssl bump".
Technische Zusammenfassung
- Die Android-App Onavo Protect enthielt Code, der Nutzer dazu brachte, ein von "Facebook Research" ausgestelltes CA-Zertifikat zu installieren.
- Dieses Zertifikat war erforderlich, damit Facebook den TLS-Traffic entschlüsseln konnte.
- Eine 2016 verbreitete App enthielt das CA-Zertifikat von Facebook Research; einige davon waren bis 2027 gültig.
- Mit der Einführung neuer Android-Versionen war diese Methode nicht mehr nutzbar.
- Die Analyse-Domain der Snapchat-App verwendete kein Certificate Pinning, wodurch ein MITM-Angriff möglich war.
- Neben Nutzungsstatistiken der App gab es auch Funktionen zum Sammeln sensibler Daten, etwa der IMSI.
Funktionsweise
- Ein vertrauenswürdiges Zertifikat wurde auf dem Gerät installiert, der gesamte Traffic über ein VPN an die Facebook-Infrastruktur geleitet und anschließend mithilfe des Caching-Proxys Squid entschlüsselt.
- Traffic zu Domains von Snapchat, Amazon und YouTube wurde abgefangen.
- Im Laufe der Zeit sank die Erfolgsquote dieser Strategie durch verschärfte Android-Sicherheitsmaßnahmen.
- Facebook zog die Accessibility API als Alternative in Betracht.
Motivation
- Mark Zuckerberg erwähnte, dass verlässliche Analysen zu Snapchat benötigt würden.
- Es bestand die Absicht, die Technik zum Abfangen des Traffics bestimmter Domains über die VPN-App Onavo Protect auch in anderen Apps einzusetzen.
- Facebook übernahm Onavo 2013 für rund 120 Millionen US-Dollar und wollte diese Technik umfassend nutzen.
Technische Analyse
- Dass man Remote-Websites oder -Servern über HTTPS/TLS vertraut, liegt an öffentlichen Zertifikaten, die im Trust Store des Geräts gespeichert sind.
- Fügt man dem Trust Store ein selbst signiertes Zertifikat hinzu, kann verschlüsselter TLS-Traffic abgefangen werden.
- Seit Android 11 vertrauen die meisten Apps keine vom Nutzer hinzugefügten Zertifikate mehr.
- Die Snapchat-App verwendete für ihre Analyse-Domain kein Certificate Pinning.
Fazit
- Dass Facebook ohne Zustimmung der Nutzer deren HTTPS-Traffic entschlüsselte, könnte gegen ethische Normen verstoßen und rechtlich problematisch sein.
- Seit Android 7 wurde das Verhalten geändert, sodass Apps Zertifikaten aus dem Nutzer-Store nicht mehr vertrauen.
- Facebook versuchte, sensible Daten wie die IMSI zu sammeln.
Zusammenfassung von GN⁺
- Dieser Artikel erklärt detailliert die technischen Methoden, die Facebook nutzte, um den Traffic von Konkurrenten abzufangen.
- Durch die verschärfte Android-Sicherheit sind diese Methoden heute nicht mehr wirksam.
- Der mögliche Missbrauch der Accessibility API durch Facebook wirft ethische Fragen auf.
- Ähnliche Funktionen finden sich auch in anderen Projekten, etwa Werkzeugen zur Traffic-Analyse über VPN.
1 Kommentare
Hacker-News-Kommentare
FB scheint SC-Nutzern Geld dafür gezahlt zu haben, an einer „Marktforschung“ teilzunehmen und einen Proxy zu installieren
Dass FB-Mitarbeiter öffentlich über MITM (Man-in-the-Middle-Angriff) gesprochen und andere Unternehmen dazu gebracht haben, das ebenfalls einzubeziehen, war extrem dumm
Da man die Onavo-App herunterladen musste, hatten Nutzer in gewissem Maß eine Wahlmöglichkeit
Das ist das einzige Tech-Unternehmen, von dem ich keine gute Meinung haben kann
Die aktuelle Sammelklage gegen Meta enthält Unterlagen, in denen Verstöße gegen den Wiretap Act behauptet werden
Man bekommt den Eindruck, dass Facebook wie ein Vorposten der NSA operiert
Es sollte einen rechtlichen Präzedenzfall zu SSLbump geben
Ein Verwandter wollte einmal an einer Marktforschung teilnehmen und hat dann aufgegeben
Bevor sensible Informationen über das Internet übertragen werden, sollte ein TLS-Zertifikatsaustausch stattfinden
Wahrscheinlich nutzen böswillige Akteure wie Meta viele „Dark Patterns“