30 Jahre lang hing in der U-Bahn-Station Seven Sisters ein totes Kaninchen
- Mehr als 30 Jahre lang hing in der U-Bahn-Station Seven Sisters ein totes Kaninchen, doch Tausende Menschen gingen täglich daran vorbei, ohne es zu bemerken
- Das tote Kaninchen ist ein Überbleibsel einer frühen Form der Mobilfunktechnik, deren Dienst allerdings schon weniger als zwei Jahre nach dem Start eingestellt wurde
Der Rabbit-Dienst und die Telepoint-Technologie
- 1989 vergab die Regierung vier Lizenzen für den Betrieb von Telepoint-Diensten, von denen man erwartete, dass sie durch niedrigere Kosten als bestehende Mobilfunkanbieter wettbewerbsfähig sein würden
- Hutchison besaß keine Lizenz für einen Telepoint-Dienst und übernahm deshalb eines der vier lizenzierten Unternehmen; unter dem Namen Rabbit kam der Dienst im Mai 1992 auf den Markt
- Telefonate waren nur innerhalb von 100 Yard um eine Basisstation möglich, eingehende Anrufe konnten nicht empfangen werden, doch die Gesprächskosten waren im Vergleich zu bestehenden Mobiltelefonen deutlich günstiger, weshalb man einen Erfolg erwartete
- Rabbit-Telefone konnten auch zu Hause genutzt werden: Während damalige schnurlose Heimtelefone groß waren und eine schlechte Sprachqualität hatten, war Rabbit klein und klang besser, was den Dienst beliebt machte
Das abrupte Ende des Rabbit-Dienstes
- Rabbit startete im Mai 1992 mit der Installation von Basisstationen an Geschäften und Straßenlaternen in Manchester und bot bis Ende 1993 einen landesweiten Dienst an
- Am 5. November 1993 kündigte Hutchison Telecom jedoch überraschend das Ende des Rabbit-Dienstes an. Das Unternehmen hatte eine Lizenz für ein vollständiges Mobilfunknetz erhalten und wollte sich auf den neuen GSM-basierten Dienst Orange (heute EE) konzentrieren
- Rabbit-Abonnenten erhielten Rückerstattungen und Rabatte für den Wechsel zu Orange, doch wegen der Vorteile als schnurloses Heimtelefon stieg die Nachfrage nach Rabbit paradoxerweise sogar sprunghaft an
- Im Dezember 1993 wurden die Rabbit-Basisstationen schließlich vollständig abgeschaltet, doch der Abbau wurde nicht mit Nachdruck vorangetrieben, sodass in der Station Seven Sisters bis heute, 30 Jahre später, noch ein Exemplar erhalten ist
Meinung von GN⁺
- Rabbit war wegen technischer Grenzen und mangelnder Wirtschaftlichkeit nur kurzlebig, doch die Nachfrage als schnurloses Heimtelefon war ein unerwarteter Volltreffer. Ein Fall, in dem die Kundenbedürfnisse nicht richtig erkannt wurden
- So wie die Telepoint-Technologie vom GSM-Mobilfunk verdrängt wurde und verschwand, zeigt dies, wie neue disruptive Technologien bestehende Branchen schnell ersetzen können
- Dass die Nachfrage nach dem angekündigten Dienstende wegen des Lock-in-Effekts bei bestehenden Kunden sogar stark anstieg, ist ein interessantes Beispiel. Es zeigt, wie wichtig Rücksicht auf Bestandskunden bei einem Servicewechsel ist
- Alte Anlagen bleiben leicht einfach stehen, können aber ein Sicherheitsrisiko darstellen, weshalb regelmäßige Inspektionen sinnvoll erscheinen. Auch eine Überwachung mit IoT-Technologie wäre denkbar
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