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  • Škoda Auto hat in Zusammenarbeit mit der University of Salford die Fahrradklingel DuoBell entwickelt, die auch für Träger von Active-Noise-Cancelling-(ANC)-Kopfhörern hörbar ist
  • Um das Problem zu lösen, dass herkömmliche Klingeltöne von ANC-Algorithmen herausgefiltert werden, wurde sie so konstruiert, dass sie ein bestimmtes Frequenzband (750–780 Hz) und unregelmäßige Schlaggeräusche nutzt
  • Versuchsergebnisse zeigen, dass Fußgänger mit ANC-Kopfhörern beim Hören der DuoBell eine um bis zu 22 Meter längere Reaktionsdistanz hatten
  • Das Design spiegelt Škodas Modern-Solid-Philosophie wider und präsentiert mit einer vollständig mechanischen Konstruktion eine analoge Lösung für ein digitales Problem
  • Auf Basis seiner 130-jährigen Geschichte, die mit dem Fahrradbau begann, unterstützt Škoda weiterhin Radsicherheit und Fahrradkultur durch das Sponsoring großer Wettbewerbe wie der Tour de France

Škoda DuoBell: Die Fahrradklingel, die durch den Lärm dringt

  • Škoda Auto hat gemeinsam mit der University of Salford eine Fahrradklingel entwickelt, die auch von Fußgängern mit ANC-Kopfhörern gehört werden kann
    • Das Design soll das Problem lösen, dass herkömmliche Fahrradklingeln von ANC-Algorithmen unterdrückt werden
    • Die Forschungsergebnisse und technischen Erkenntnisse sollen veröffentlicht werden, um die Sicherheit im Stadtverkehr zu verbessern
  • Meredith Kelly (Leiterin Global Marketing bei Škoda Auto) bezeichnete DuoBell als „eine gelebte Entdeckermentalität und ein Beispiel dafür, wie eine einfache, aber clevere Idee die Sicherheit für alle erhöhen kann“

Reaktion auf das Problem der Ablenkung

  • Fahrradklingeln haben sich seit über 100 Jahren kaum verändert, doch mit der Verbreitung von ANC-Kopfhörern ist das Problem entstanden, dass herkömmliche Klingeln nicht mehr gehört werden
    • Ben Edwards (AMV BBDO) beschrieb DuoBell als „einen analogen Trick, der den AI-Algorithmus täuscht“, und als kleine Veränderung, die die Sicherheit in Städten verbessern könne
    • An dem Projekt waren auch PHD und Unit9 beteiligt, die Konzept und Prototypenentwicklung unterstützten
  • Nach Angaben von Transport for London stieg die Zahl der Unfälle zwischen Fahrrädern und Fußgängern im Jahr 2024 um 24 %

    • Fast die Hälfte der Fußgänger in London trägt ANC-Kopfhörer, und einige können herkömmliche Klingeln kaum hören
    • DuoBell ist als analoge Lösung für ein digitales Problem konzipiert: eine vollständig mechanische Konstruktion, die die Algorithmen smarter Kopfhörer täuscht

Wissenschaftlicher Ansatz

  • Forscher der University of Salford untersuchten experimentell, wie sich ANC-Technologie auf die Hörbarkeit traditioneller Fahrradklingeln auswirkt
    • Akustische Tests bestätigten, dass ein schmaler Frequenzbereich zwischen 750 und 780 Hz eine „Sicherheitslücke“ (safety gap) ist, die ANC-Filter passieren kann
    • DuoBell erzeugt Töne in diesem Frequenzbereich und erzeugt über einen Resonator noch höhere Frequenzen
    • Ein spezieller Hammermechanismus erzeugt schnelle und unregelmäßige Schlaggeräusche, damit ANC diese nicht sofort unterdrücken kann
  • Die Tests zeigten, dass Fußgänger mit ANC-Kopfhörern beim Hören der DuoBell eine um bis zu 22 Meter längere Reaktionsdistanz hatten
    • Auch in einem im Februar 2026 auf Londons Straßen gemeinsam mit Deliveroo-Kurieren durchgeführten Versuch wurde die Wirksamkeit bestätigt; die Teilnehmer gaben an, die Klingel weiter nutzen zu wollen

Design und Markenidentität

  • Der DuoBell-Prototyp spiegelt Škodas Modern-Solid-Designsprache wider
    • Farben, Oberflächen und Materialien sind von Škoda-Fahrzeugen inspiriert, außerdem wurde das neue Škoda-Auto-Logo verwendet
    • Oliver Stefani (Leiter Design bei Škoda) erklärte dies als Umsetzung der Philosophie „Simply Clever“

Die Geschichte von Škoda und dem Fahrrad

  • Škoda begann vor 130 Jahren als Fahrradhersteller und sponsert bis heute große Radsportveranstaltungen, darunter die Tour de France
    • Unterstützung für weltbekannte Straßenrennen wie La Vuelta, Paris–Roubaix und Liège–Bastogne–Liège
    • In der Saison 2026 ist Škoda offizieller Partner der UCI Mountain Bike World Championships und der UCI Gravel World Championships
    • Mit der We Love Cycling-Plattform trägt das Unternehmen zur Verbreitung der Fahrradkultur bei

1 Kommentare

 
GN⁺ 21 일 전
Hacker-News-Kommentare
  • Es wirkt wie Teil eines Marketings, bei dem eine Marke eher mit einem Promo-Video Aufmerksamkeit bekommt als mit dem eigentlichen Produkt
    Als Beispiele werden Samsung Safety Truck, Citroën motion sickness glasses, Amazon Prime Air, IBM Smart Ads, Lexus Hoverboard usw. genannt
    Es wird gefragt, ob man dieses Phänomen als „Vaporware-Marketing“ bezeichnen könnte

    • Solche Videos wirken gut, weil sie die Fiktionalität des Designprozesses zeigen
      In Wirklichkeit werden selbst einfache Entscheidungen im Video wie komplexe Zusammenarbeit inszeniert, während der chaotische Teil verborgen bleibt
    • Prime Air existiert zwar tatsächlich, aber man habe es nur durch Videos von abstürzenden Drohnen wahrgenommen
      Es scheint nur in extrem begrenzten Gebieten betrieben zu werden
    • Man könnte dieses Phänomen auch „Innovationwashing“ nennen
    • Immerhin lässt sich wenigstens das Forschungspaper als PDF herunterladen
  • Jemand hat gestern eine 12V-Autohupe gekauft und will sie an die Stromversorgung eines E-Bikes anschließen
    Der Grund seien nicht ANC-Kopfhörer, sondern dass moderne Autos inzwischen so gut schallisoliert seien, dass man eine Fahrradklingel nicht hört
    Nach einem Vorfall mit einem neuen Elektrotaxi, das ihn fast angefahren hätte, habe er beschlossen, das auszuprobieren
    Sobald nur noch der [AliExpress-DC-DC-Wandler] ankommt, ist alles fertig, und die Hupe sei schon beim Test auf dem Schreibtisch erschreckend laut gewesen

    • Es kam der Hinweis, auf die Ohren aufzupassen. Durch große Lautstärke habe jemand einmal Hyperakusis bekommen, und das sei wirklich schrecklich gewesen
      Wikipedia: Hyperacusis
    • Früher habe jemand beim Motorradfahren Lufthorn und Warnweste ausprobiert, aber das Verhalten der Fahrer großer Fahrzeuge habe sich kaum geändert
      Eher seien Fahrer rücksichtsvoller, wenn man normale Kleidung trägt und wie eine Person wirkt
      Am wirksamsten sei am Ende die Stimme gewesen, und wenn man mit der flachen Hand gegen die Karosserie schlägt, klingt das innen sehr laut
    • Es gibt auch jemanden, der eine Zughorn-Hupe ans Fahrrad bauen will
      Wie in diesen Videos und diesem Beispiel eines kleinen Autos mit Zughorn zu sehen, sei das zwar illegal, aber befriedigend
    • Jemand anders nutzte auf dem Arbeitsweg ein mit CO₂ nachfüllbares Horn
      Pro Füllung könne man es nur wenige Male benutzen, aber es sei sehr laut
    • Weil der Anschluss an das 50V-System des E-Bikes schwierig war, wurde eine separate Stromversorgung mit einem LiPo-Akku (3S, 2200mAh) aufgebaut
      Das Ganze habe etwa $20 gekostet und brauche kaum Strom
  • Man ist skeptisch gegenüber der Behauptung, 780Hz seien etwas Besonderes
    Mit den WH-1000XM3 wurde ein Frequenz-Sweep-Test gemacht, aber man habe keinen Unterschied bemerkt
    Weißes Rauschen wie bei Rückfahrwarntönen großer Lkw in der Nähe sei genau der Bereich, in dem ANC am schwächsten ist
    Beispielvideo

    • Das wirkt wie ein Wettbewerb Scraping gegen Anti-Scraping
      Am Ende entsteht neue Abwehrtechnik, dann wieder neue Umgehungstechnik, in einer endlosen Schleife
      Es könnte sogar ein Ökosystem für „Werbung, die durch Lärm dringt“ entstehen
      Vielleicht ist das sogar eine gute Nachricht für Firmen, die Fahrradklingeln als Abo-Produkt verkaufen wollen
    • Jemand hat es auch mit [Anker Soundcore Earbuds] getestet und im Bereich 750~780Hz keinen Unterschied festgestellt
    • Es wird gefragt, ob ein Frequenzband als „Safety Gap“ standardisiert sei oder ob Apples AirPods de facto der Maßstab sind
    • Das „cshh“-Warnsignal von Baufahrzeugen aus weißem Rauschen sei im Gegenteil den ganzen Tag erträglicher
      Nur das erste Geräusch sei etwas laut, danach wirke es weich
    • Auf Seite 10 des eigentlichen Papers sehe man in Wirklichkeit nur etwa 3dB Unterschied um 800Hz
      Also nur Marketing-Übertreibung
  • Es soll ein Produkt sein, das den Bereich 750~780Hz nutzt, um ANC-Filter zu umgehen, aber EQ-Crossover-Frequenzen sind nicht standardisiert
    Dieser Bereich kann durch Software-Updates leicht verändert werden, daher sind Produkte, die auf solchen Frequenzen beruhen, riskant
    Auch in der Audioindustrie werde über den Placebo-Effekt oft schon mit kleinen EQ-Anpassungen eine Reaktion bei Konsumenten ausgelöst

  • Es wird bezweifelt, ob Hupen oder Klingeln Unfälle wirklich verhindern
    Tatsächlich seien Geschwindigkeitskontrolle und Bremsen wirksamer, und strukturell brauche es Infrastruktur mit räumlicher Trennung von Autos, Fahrrädern und Fußgängern

    • Eine Klingel diene als Signal „Ich bin hier“
      In reinen Fußgängerbereichen wirke Klingeln unhöflich
      Besser sei es, langsamer zu fahren, und bei Autos klingele man manchmal frühzeitig, um Aufmerksamkeit zu erzeugen
    • Jemand hat die Klingel-Etikette je nach Fußgängertyp zusammengefasst
      Zum Beispiel: bei Joggern einmal aus der Distanz, bei Menschen mit Hund zweimal, bei Leuten, die den Weg blockieren, mehrfach
    • Nach Erfahrung hat die Klingel eindeutig einen Unfallverhütungseffekt
      Besonders wenn Fußgänger auf ihr Smartphone fixiert sind, kann man durch frühes Klingeln die Geschwindigkeit halten
    • In SF habe man die Klingel sowohl bei Autos als auch bei Fußgängern aktiv eingesetzt, aber in Amsterdam wirke sie eher kontraproduktiv
      Touristen erschrecken, bleiben stehen oder bewegen sich unregelmäßig
      Trotzdem habe sie Bedeutung für die Bildung sozialer Normen
    • Die Klingel dient nicht nur als Warnung, sondern auch der Aufmerksamkeitslenkung und Erziehung
      Sie vermittelt sinngemäß: „Hier ist ein Radweg, also bitte nicht aufs Handy schauen und aufpassen“
  • Es gab auch die scherzhafte Frage, ob eine Klingel, die ANC-Systeme umgeht, ein Verstoß gegen den CFAA (Computer Fraud and Abuse Act) sein könnte

    • Darauf folgte der Witz, dass man sogar mit zwei Bechern und einer Schnur gegen den CFAA verstoßen könne
    • Auch die Reaktion „Dann werden Radfahrer am Ende eben Autohupen benutzen“ kam vor
    • Sogar der Scherz, dass man schon fürs Pfeifen in ein Telefon angeklagt werden könnte, tauchte auf
  • In Situationen ohne getrennte Radwege wie in London ist entscheidend, so zu fahren, dass Fahrräder Fußgänger nicht gefährden
    Laut der Reform des britischen Highway Code trägt bei Kollisionen grundsätzlich das stärkere Verkehrsmittel die Verantwortung

    • In der Praxis halten aber alle Verkehrsteilnehmer jeweils „die anderen“ für das Problem
      Das gilt für Autos, Fahrräder und Fußgänger gleichermaßen
    • In zwei der drei Szenen im Video blockierten Fußgänger den Radweg, und an einer Stelle war es ein Shared Space, in dem man mit einer Klingel durchaus um Vorfahrt hätte bitten können
    • Das Prinzip „der Stärkere trägt Verantwortung“ ist gut, könnte aber je nach Auslegung zu allgemeinen Tempolimits in der ganzen Stadt führen
      Allerdings steht in den gesetzlichen Regeln auch, dass Fußgänger andere nicht behindern sollen, was nach einem ausgewogenen Ansatz aussieht
    • Manche politisch geprägten Radfahrer verteidigten Kritik überzogen und erzeugten damit eher Ablehnung in der breiten Öffentlichkeit
      Diese Haltung schade der Fahrradkultur insgesamt
    • Aus dem früheren San Francisco gibt es auch die Anekdote, dass Fußgänger Fahrräder mit Fäusten zum Anhalten brachten
  • Vorgeschlagen wird eine Standardisierung von Warnfrequenzen
    Man solle ein Sicherheitsfrequenzband festlegen, das ANC zwingend durchlassen muss, und andere Nutzungen verbieten

    • In Gesellschaften mit schwacher Regulierung von Lärmbelastung könnte das aber eher missbraucht werden
      Durch exzessives Hupen, Fehlalarme usw. könnte es noch lauter werden
    • Wer im Café oder zu Hause arbeitet, möchte im Gegenteil lieber alle Klingeln und Sirenen blockieren
      Nur Menschen im Straßenverkehr müssten ANC ausschalten
    • Zur Minderung der Lärmbelastung in Städten ist ANC essenziell, und diese Funktion einzuschränken könnte kontraproduktiv sein
      Sicherheit ist wichtig, aber auch Ruhe für die psychische Gesundheit
    • Wenn man eine Frequenz festlegt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Unternehmen sie für Marketing-Benachrichtigungstöne missbrauchen
    • Wenn man schon den Missbrauch von Sirenengeräuschen in Radiowerbung nicht verhindern kann, erscheint die Umsetzbarkeit gering
  • Es gab auch eine satirische Reaktion, dass Radfahrer dank solcher Erfindungen weiterhin so liebenswert wirkten

  • Es gibt auch Kritik als übertechnisierte Lösung
    Es sei eine Struktur, die fehlenden gesunden Menschenverstand mit Technik kompensiert, und am Ende tragen Radfahrer die Kosten

    • Das Video ist übertrieben, aber das eigentliche Produkt ist simpel
      Es ist eine Kombination aus zwei Trillerwerk-Klingeln, die in Deutschland bis in die 1990er Jahre Standard waren
      Demovideo
    • Statt des Ideals, dass „alle sich richtig verhalten“, könnte so ein pragmatischer Ansatz realistischer sein
    • Da es eine vollständig mechanische Klingel ist, sei es schwer, das als Overengineering zu bezeichnen
    • In den Niederlanden seien Fußgänger und Fahrräder strikt getrennt, daher brauche man so eine Klingel nicht
      ANC werde wegen Windgeräuschen beim Fahren ohnehin ausgeschaltet, daher wirke das wie technischer Überschuss
    • Darauf kam die Gegenfrage, was denn eine technische Lösung zur Erhöhung des gesunden Menschenverstands wäre
      Am Ende schwingt mit, dass nur die klassische Antwort „gesellschaftliche Verbesserung“ bleibt