43 Punkte von gamjaa 2026-03-25 | 10 Kommentare | Auf WhatsApp teilen
  • Das 2003 erschienene Windows-exklusive TPS-Spiel GunZ: The Duel wurde
    auf Basis von WebAssembly + WebGL so portiert, dass es im Browser läuft
  • Ohne Installation: einfach die URL in Chrome öffnen und sofort spielen https://gunz.sigr.io/
  • Läuft auf Linux, macOS und sogar mobil in fast jeder Umgebung
  • Der bestehende C++-Code blieb nahezu unverändert erhalten
  • Rund 99 % des neu geschriebenen Codes wurden von KI erzeugt

Warum das bedeutsam ist

  • Bisherige PC-Spiele:
    • Download und Installation erforderlich
    • Abhängigkeit von Windows
  • Das Ergebnis hier:
    • Dasselbe Spiel läuft vollständig im Browser
    • Keine „ähnliche Nachbildung“, sondern eine Portierung des Originals
  • Früher war das ein Bereich, der „theoretisch möglich, praktisch aber unmöglich“ galt

Frühere Versuche und ihr Scheitern

  • Früherer Ansatz:
    • Die Engine mit JavaScript + Three.js neu implementieren
  • Ergebnis:
    • Nur das Rendern der Maps gelang
    • Die vollständige Neuimplementierung der Engine war zu schwierig und wurde abgebrochen
  • Fazit:
    • Der Neuimplementierungsansatz ist praktisch kaum realisierbar

Das Kernproblem: Windows-Abhängigkeit

  • GunZ basiert auf C++ und ist von Direct3D abhängig
  • Das Problem:
    • Direct3D ist eine Windows-exklusive API
    • Im Browser (WebGL) kann sie nicht direkt verwendet werden
  • Mit einfachem wasm-Compile ist das nicht lösbar
  • Das bedeutet:
    • Nur plattformunabhängiger Code kann zu wasm werden
    • Der von der Grafik-API abhängige Teil ist die größte Hürde

Grenzen bisheriger Ansätze

  • Direkte Änderungen am Spielcode
    • Zehntausende Zeilen müssten angepasst werden
    • Nicht wartbar
  • Automatische Konvertierung (D3D → WebGL)
    • Wegen unterschiedlicher API-Semantik nicht mechanisch umwandelbar
  • Fazit:
    • Alle bisherigen Methoden sind unrealistisch

Die zentrale Idee: eine „Übersetzungsschicht“

  • Ansatz:
    • Der Spielcode bleibt unverändert
    • Direct3D-Aufrufe werden abgefangen
    • und in Echtzeit nach WebGL übersetzt
  • Umsetzung:
    • Ein WebGL-Wrapper mit derselben Schnittstelle wie die D3D9-API
    • Eingefügt zwischen Spiel und Grafik-API
  • Wirkung:
    • Fast keine Änderungen am Spielcode
    • Windows-Abhängigkeit entfernt
    • Die Portierungskosten werden auf die Implementierung des Wrappers begrenzt

Die Rolle der KI

  • Verwendete Tools:
    • Google Antigravity
    • Claude Code (Max-Plan)
  • Ergebnis:
    • Automatisierte Analyse und Überarbeitung großer Codebasen
    • Probleme, die sonst Wochen gedauert hätten, wurden in wenigen Stunden gelöst
    • Übernahm praktisch Arbeiten, die Menschen realistisch kaum leisten könnten
  • Besonders wichtig:
    • Den Großteil der Implementierung des D3D → WebGL-Wrappers erledigte die KI

Kurzfassung

  • Es ging nicht darum, das Spiel neu zu bauen, sondern
    den bestehenden Code möglichst unverändert weiterzunutzen
  • Die Schlüsseltechnologien:
    • WebAssembly
    • Direct3D → WebGL-Übersetzungsschicht
  • Die zentrale Veränderung:
    • Dank KI wird groß angelegte Portierung von Legacy-Software zu einer realistischen Aufgabe
  • Implikation:
    • Die Hürde, alte Spiele und Software ins Web zu portieren, könnte künftig dramatisch sinken

10 Kommentare

 
beoks 2026-03-25

KI ist zwar auch beeindruckend, aber ich denke, dass vor allem die saubere Trennung von D3D9 als Interface entscheidend war; wäre alles über direkte Referenzen miteinander verknüpft gewesen, wäre es vermutlich viel schwieriger gewesen.

 
minsuchae 2026-03-25

Ich habe gestern oder vorgestern einen Artikel bei Inven gesehen; offenbar wurde das also über eine Direct3D-Übersetzungsschicht gelöst.
Als ich es zum Testen kurz ausprobiert habe, noch keine Minute lang, hatte ich stark den Eindruck, dass die Bildqualität eher nicht besonders gut war. Wenn man aber bedenkt, dass es nicht von Grund auf neu erstellt wurde, sondern im Wesentlichen unverändert über eine Übersetzungsschicht lief, ist das schon nachvollziehbar ...

Allerdings scheint der ursprüngliche Blog etwas riskant betrieben zu werden. Es sollte kenntlich gemacht werden, dass es sich um eine Übersetzung handelt, oder dass es das Original ist ... Es wirkt ziemlich stark so, als würde man sich als der Verfasser ausgeben. Auch in den Kommentaren wurde dieser Punkt angesprochen, aber es gab keine Antwort.
(Die verlinkten Referenzbeiträge im ursprünglichen Blog sind von vornherein alle auf Japanisch.)

Ein weiterer unstimmiger Punkt: Nach koreanischen Preisen gibt es bei Antigravity keinen Plan für 3.000 Won im Monat. In den Bildern ist zudem überall Japanisch zu sehen. In manchen Bildern steht sogar Englisch.
Dann hätte man es doch gleich von Anfang an ins Koreanische umwandeln und so verwenden können.

 
vndk2234 2026-03-25

Sie sagen zwar, dass sie 5x bezahlt haben, aber auf dem Screenshot ist 20x zu sehen — wobei die Person ja auch in Japan leben könnte, also na ja ...

 
kentakang 2026-03-25

Wenn man das so sieht, hat man fast das Gefühl, dass er es selbst ist.

Auch der angezeigte Text beim Aufruf von sigr.io ist ein Liedtext aus einem aespa-Song,
und der Name des Gunz-Projekts ist ebenfalls ein aespa-Songtitel, nämlich Whiplash Gunz.
Dazu kommt noch, dass sogar der velog-Handle konsequent aespa ist, sodass man den Eindruck bekommt, dass er es vielleicht selbst durch eine Übersetzung gejagt und auf velog hochgeladen hat?

 
324ing 2026-03-27

Das haben Sie also nicht selbst gemacht.

 
wedding 2026-03-25

Aber die Steam-Version von GunZ wurde doch veröffentlicht … ich frage mich, ob das rechtlich kein Problem ist.

 
ifmkl 2026-03-25

Wow, wirklich beeindruckend.

 
simryang 2026-03-25

Das war ein Spiel, das ich wirklich sehr mochte – danke, dass ihr es wieder zum Leben erweckt habt.
Aber es scheint keine Besucher zu geben.

 
unknown 2026-03-25

Wahrscheinlich liegt es daran, dass auch der Server im Browser läuft. Wenn mehrere Leute zusammen spielen wollen, müssen die Mitspielenden wohl Informationen austauschen und sich gegenseitig per WebSocket verbinden.

 
jtpark03 2026-03-25

Beeindruckend, das wirkt wie eine echte sinnvolle Nutzung von KI.